Was ist die ALS-Erkrankung?
ALS – vollständig amyotrophe Lateralsklerose genannt – ist eine langsam fortschreitende Erkrankung. Sie wird durch das allmähliche Absterben der Nervenzellen verursacht, die zu den willkürlich bewegbaren Muskeln führen (motorische Nerven). Die Erkrankung beginnt typischerweise an den körperfernen Muskeln der Gliedmaßen und breitet sich dann schrittweise zum Körperzentrum hin aus.
Der Verlauf erfolgt stufenweise:
- Die Muskelkraft nimmt ab
- Die Muskeln beginnen zu verkümmern (Atrophie)
- Schließlich kommt es zu Lähmungen
- Zunehmende Muskelsteifigkeit (Spastik) und Kontrakturen (Verkürzung der Sehnen)
- Daraus entstehende Schmerzen
Die Lebensqualität wird vor allem durch das Fortschreiten der Muskelschwäche bestimmt. Die Erkrankung kann derzeit noch nicht ursächlich behandelt werden. Die Symptome lassen sich jedoch verlangsamen und lindern. Ärzte können eine medikamentöse Therapie verordnen. Zusätzlich sind Bewegungstherapie und Muskelstimulation von herausragender Bedeutung.
Kerngedanke
Bei der Behandlung von ALS greifen drei Säulen ineinander: medikamentöse Behandlung + regelmäßige Physiotherapie + funktionelle elektrische Stimulation (FES). Das Besondere an FES ist, dass sie sich an das wechselnde Stadium der Erkrankung anpasst: In der frühen Phase wird klassische EMS/NMES benötigt, im fortgeschrittenen (denervierten) Stadium selektiver Reizstrom. Deshalb ist ein vielseitiges Gerät sinnvoll, das beides ermöglicht.
Die drei Säulen der ALS-Behandlung
Die Erkrankung erfordert regelmäßige Maßnahmen in drei Bereichen. Gemeinsam können sie zu einem günstigeren klinischen Ergebnis beitragen:
Die vom neurologischen Facharzt verordnete medikamentöse Behandlung ist ein Mittel, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Geeignete Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung abschwächen und Symptome wie Krämpfe, Schmerzen und Spastik symptomatisch behandeln. Regelmäßige Kontrollen durch den behandelnden Arzt sind sowohl im Hinblick auf die Wirksamkeit als auch auf mögliche Nebenwirkungen unverzichtbar.
Je mehr Sie Bewegung „vernachlässigen“, desto schneller kann sich der Zustand der Muskeln verschlechtern. Viele missverstehen, was Physiotherapie bedeutet: Sie besteht NICHT nur aus den 10–15 Minuten Bewegung in Anwesenheit des Physiotherapeuten. Entscheidend ist die regelmäßige Wiederholung zu Hause.
Der Physiotherapeut zeigt und erklärt Ihnen Bewegungen und Übungen, die zu Ihrem aktuellen Zustand passen. Alle paar Wochen ändern sich die Übungen entsprechend Ihrer körperlichen Veränderung. Deshalb sollten Sie regelmäßig Rücksprache halten.
Häufigkeit zu Hause: mindestens 3–4-mal täglich, jeweils mindestens 5–10 Minuten. Mehr ist besser. Ohne regelmäßige Bewegung verschlechtert sich der Zustand der Muskeln schnell.
Die meisten medizinischen Informationsseiten in ungarischer Sprache erwähnen die funktionelle Stimulation (FES) überhaupt nicht. Dabei könnte sie erfolgreich eingesetzt werden, wenn Ärzte und Patienten darüber informiert wären.
FES ist eine elektrotherapeutische Methode, genauer gesagt eine Muskelstimulation. Ihr Ziel ist es, eine bestimmte Funktion oder Fähigkeit wiederherzustellen oder sie bei ALS möglichst lange zu erhalten. Eine richtig angewendete Muskelstimulation kann nach klinischer Erfahrung die Ausbreitung der Muskelschwäche verzögern, Steifigkeit lösen, Schmerzen lindern, die Harn- und Stuhlkontrolle unterstützen und die Funktion der Atemmuskulatur fördern.
Die Kombination aus FES und Physiotherapie kann zu einem günstigeren Ergebnis beitragen.
Was ist an der ALS-Stimulation besonders? – Der wechselnde Bedarf an Stimulationsarten
Bei ALS wird die Verbindung zwischen Muskel und Nerv im zeitlichen Verlauf unterschiedlich geschädigt. Das ist eine der besonders charakteristischen Eigenschaften dieser Erkrankung. Sie bestimmt, welchen Stimulator Sie benötigen:
| ALS-Stadium | Zustand des motorischen Nervs | Geeignete Stimulation | Wellenform |
|---|---|---|---|
| Frühe Phase | Der Nerv funktioniert teilweise – Muskelschwäche und beginnende Spastik liegen vor | Klassische EMS/NMES oder ETS (mit dem willkürlichen Bewegungsversuch synchronisiert) | Biphasische Rechteckwelle |
| Mittlere Phase | Die motorischen Nerven einiger Muskeln sind teilweise oder vollständig zerstört, andere noch intakt | Beides ist erforderlich – je Muskel ein anderes Programm | Biphasisches Rechteck + selektiver Reizstrom (Dreieck/Trapez) |
| Fortgeschrittene Phase | Der Muskel ist denerviert und erhält keine Nervenimpulse mehr | Selektiver Reizstrom (denervierte Stimulation) | Langer Dreieck- oder Trapezimpuls |
Zu Beginn KEIN selektiver Reizstrom! Später jedoch schon
Zu Beginn der Erkrankung, wenn der motorische Nerv noch teilweise funktioniert, entspricht ALS einer zentralen Lähmung. Dann ist NICHT selektiver Reizstrom erforderlich, sondern eine klassische biphasische Rechteckwellen-EMS/NMES. Selektiver Reizstrom ist bei einem Muskel mit intaktem Nerv unangenehm und schmerzhaft und kann die Spastik verstärken.
Mit dem Fortschreiten von ALS werden jedoch einzelne Muskeln denerviert. DANN ist selektiver Reizstrom die geeignete Antwort. Dies wird von einem Physiotherapeuten oder neurologischen Facharzt beurteilt, beispielsweise mithilfe einer EMG-Untersuchung und eines Zeit-/Intensitätsdiagramms. Das Programm des Stimulators muss entsprechend angepasst werden.
Deshalb ist ein vielseitiges Gerät sinnvoll, das beide Stimulationsarten ermöglicht. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Säulenartikel zum selektiven Reizstrom.
Warum ist ein „Supermarkt-Stimulator“ für dreitausend Forint ungeeignet?
Die allgemein erhältlichen, günstigen Muskelstimulatoren geben meist einen einfachen Rechteckwellenimpuls ab. Sie sind für gesunde Muskeln ausgelegt. Ein erkrankter Muskel, der von einem geschädigten motorischen Nerv versorgt wird, benötigt sehr präzise Impulse. Diese kann nur ein hochwertiges Gerät aus der Medizintechnik-Kategorie liefern. Mit einem minderwertigen Impuls schaden Sie eher, als dass Sie helfen – das wäre ungefähr so, als würden Sie mit einem 10 kg schweren Betonhammer eine Nuss knacken.
Wie unterstützt FES die Behandlung der ALS-Symptome?
FES kann Menschen mit ALS in mehreren Bereichen unterstützen. Die folgende Übersicht sollten Sie anhand Ihrer aktuellen Symptome durchgehen:
Eine richtig eingestellte funktionelle Stimulation entspannt die Muskeln. Sie kann die Spastik und unwillkürliche Muskelzuckungen lindern oder zumindest reduzieren. Diese Zuckungen können jederzeit spontan auftreten. Besonders störend sind sie, wenn sie beim Beginn einer beabsichtigten Bewegung auftreten.
Wichtig: Die Stimulation muss an Ihren Zustand, den jeweiligen Muskel und das Behandlungsziel angepasst werden. Eine Einstellung dient der Muskelentspannung, eine andere der Kräftigung. Mit demselben Impuls können nicht alle Ihre Muskeln gleich behandelt werden. Moderne Muskelstimulatoren verfügen über ein Menüsystem: Nach Auswahl der Muskelentspannung können Sie aus einer Liste den zu behandelnden Bereich auswählen, etwa Unterarm, Oberarm, Rumpf, Bauch, Gesäß, Oberschenkel oder Unterschenkel.
Intensität: Bei der Muskelentspannung reicht es aus, wenn die Behandlung gerade wahrnehmbare Zuckungen auslöst. Eine sichtbare Muskelkontraktion ist nicht erforderlich. Mit steigender Intensität nimmt die Wirksamkeit zu. Überschreiten Sie jedoch AUF KEINEN FALL die Schmerzgrenze.
Dauer: In klinischen Untersuchungen wurde eine tägliche Stimulation von 60–120 Minuten eingesetzt, auf mehrere kürzere Abschnitte verteilt. Als allgemeine Regel gilt: Behandeln Sie eine Muskelgruppe, zum Beispiel die Oberschenkelmuskulatur, täglich 25–30 Minuten, höchstens jedoch 90 Minuten. Besser in 2–3 kurzen Einheiten als am Stück.
Wenn der Muskel noch innerviert ist und willkürliche Bewegungen möglich sind, sollten Sie die Muskelstimulation NICHT passiv durchführen, also nicht nur im Sitzen. Kombinieren Sie sie vielmehr mit dem größtmöglichen Bewegungsumfang der jeweiligen Muskelbewegung.
Wenn Sie beispielsweise die Beugemuskeln Ihres Unterarms behandeln, die bei der Bewegung des Handgelenks helfen, bewegen Sie Ihr Handgelenk während des wahrgenommenen Stimulationsimpulses innerhalb des größtmöglichen Bewegungsumfangs. Beugen Sie das Handgelenk so weit wie möglich und lassen Sie es während der Stimulationspause wieder zurück.
Das ist vorteilhaft, weil sich die Steifigkeit löst und Muskeln sowie Sehnen entspannen. Dadurch werden größere und schmerzärmere Bewegungen möglich. Wenn Sie Muskeln und Sehnen passiv, also ohne Stimulation, dehnen, etwa indem Sie sie mit der anderen Hand nach unten drücken, können Sie dadurch Mikroverletzungen verursachen. Langfristig kann dies die Steifigkeit verstärken.
Auch bei schwerer ALS ist die Lockerung der Gelenke und Muskeln sehr wichtig. Leichter bewegliche Gelenke helfen Ihren Pflegepersonen dabei, Sie in eine geeignete Position zu bringen und dadurch Druckgeschwüre zu vermeiden.
Allein durch die Verringerung der Spastik können sich Ihre Muskeln bereits stärker anfühlen – obwohl Sie noch keine kräftigende Behandlung durchgeführt haben!
Eine weitere Aufgabe der Muskelstimulation besteht im „Trainieren“ der Muskeln. Regelmäßige Stimulation verbessert das koordinierte Zusammenspiel der Muskelfasern und ihre „Synchronisierung“ bei der Kontraktion. Stimulierte Muskeln können effizienter und präziser arbeiten. Die Wirksamkeit Ihrer Bewegungen kann zunehmen.
Zusätzlich zur Muskelentspannung ist es wichtig, die kräftigende Stimulation möglichst mit willkürlichen Bewegungen zu kombinieren. Die Behandlungen können die Muskelkraft verbessern, die Ermüdungsresistenz erhöhen und die Koordination fördern.
Solange die Bewegungsfähigkeit erhalten bleibt, treten Atemwegsinfektionen seltener auf. Wenn Sie jedoch auf einen Rollstuhl oder das Bett angewiesen sind oder auch die Rumpfmuskulatur betroffen ist, wird Ihr Brustkorb in liegender oder sitzender Position zusammengedrückt. Sie können Ihre Lunge nicht ausreichend belüften. Dadurch steigt das Risiko für Atemwegsinfektionen deutlich.
Die Schwächung der Muskeln, die den Brustkorb bewegen, erschwert auch das Husten. Dadurch wird die Reinigung der Atemwege beeinträchtigt. Eines der größten Probleme bei ALS ist die abnehmende Hustenfähigkeit. FES kann daher auch eingesetzt werden, um das Husten zu unterstützen und die Atemwege frei zu halten.
Die Kräftigung der Bauch- und Rumpfmuskeln sowie die Lösung ihrer Steifigkeit kann die Atmung aus mehreren Gründen verbessern:
- Entspannte Muskeln lassen größere Brustkorbbewegungen zu und erleichtern beim Einatmen die Ausdehnung der Lunge.
- Eine bessere Koordination der Ausatemmuskeln trägt zu einem verbesserten Luftaustausch bei.
- Kräftigeres Husten kann durch die Reinigung der Atemwege das Risiko von Atemwegsinfektionen senken.
Für Muskelstimulatoren sind mehrere gurtartige Zubehörteile erhältlich. Auf dem Bauch oder am Rücken angebracht, erleichtern sie die Behandlung.
An Körperstellen, die dauerhaft Druck ausgesetzt sind, entstehen häufig Druckgeschwüre. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Steifigkeit, Gelenkkontrakturen, Bewegungslosigkeit durch Lähmung und eine durch den Druck der Unterlage verursachte Durchblutungsstörung.
Mit funktioneller Stimulation können Sie das Risiko reduzieren:
- Steifigkeit reduzieren – erleichtert häufigere Positionswechsel und eine bessere Körperhaltung.
- Muskelmasse erhöhen – verbessert die „Polsterung“, dämpft den Druck auf die Knochen und verteilt den Druck auf die Haut gleichmäßiger.
- Durchblutung verbessern – Muskelkontraktionen können die Durchblutung des behandelten Bereichs erhöhen und dadurch die Sauerstoffversorgung der Haut unterstützen.
Wenn trotzdem ein Druckgeschwür entsteht, können Sie mit FES den Heilungsverlauf beschleunigen. Eine bessere Durchblutung verbessert die Sauerstoffversorgung von Haut und Muskel. Dies kann die Bildung von Bindegewebe und Narbengewebe beschleunigen und Infektionen minimieren. Die Heilungschancen sind umso besser, je oberflächlicher die Wunde ist. Je tiefer sie reicht, desto langsamer und schwieriger ist die Heilung.
Mit dem Fortschreiten von ALS können auch die Schließmuskeln des Beckenbodens schwächer werden. Dadurch können Inkontinenzsymptome entstehen. Eine spezielle Stimulation der Beckenbodenmuskulatur, mit Sonden oder oberflächlich angebrachten Elektroden, kann die Harn- und Stuhlkontrolle unterstützen. Sie darf ausschließlich von einem Urologen, Gastroenterologen oder Physiotherapeuten geplant und eingeleitet werden. Mit dem passenden Protokoll kann sie anschließend zu Hause fortgesetzt werden.
Welches Gerät ist für Menschen mit ALS geeignet?
Bei ALS verändert sich der geeignete Stimulationstyp mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Deshalb können Sie zwischen zwei Strategien wählen:
- Vielseitiges „Alleskönner“-Gerät – ein einziges Gerät, das während des gesamten Krankheitsverlaufs eingesetzt werden kann (klassische EMS und selektiver Reizstrom in einem).
- Kombination spezialisierter Geräte – ein Gerät für die frühe Phase (ETS oder klassische NMES) plus ein Gerät für die späte Phase (selektiv).
Die 1. Strategie ist bei ALS meist vorteilhafter, weil Sie später kein neues Gerät kaufen müssen.
1. Strategie – Vielseitige Geräte (besondere ALS-Empfehlung)
Diese Geräte ermöglichen sowohl selektiven Reizstrom ALS AUCH klassische NMES. Sie können daher in beiden Phasen der Erkrankung eingesetzt werden:
Genesy 3000 – vielseitiges Gerät auf professionellem Niveau
Das Spitzenmodell der Globus-Genesy-Reihe. Selektive Reizstromprogramme zur Behandlung denervierter Muskeln sowie umfangreiche NMES-Programme zum Training innervierter Muskeln und für die Rehabilitation. Während des gesamten ALS-Verlaufs einsetzbar, mit zahlreichen klinisch dokumentierten Protokollen. 4-kanalig, auf professionellem Niveau.
Genesy 1500 – Spitzenklasse für zu Hause
Das hochwertigste Gerät der Genesy-Reihe für den Heimgebrauch. Es bietet sowohl selektive Reizstromprogramme ALS AUCH umfangreiche NMES-Funktionen. Eine geeignete Wahl bei ALS, weil es während des gesamten Krankheitsverlaufs eingesetzt werden kann. Ein späterer Gerätewechsel ist nicht erforderlich.
Genesy 600 – vielseitiges Gerät der Einstiegs- und Mittelklasse
Das Einstiegsmodell der Genesy-Reihe für die untere Mittelklasse. Es enthält selektive Reizstromprogramme UND NMES-Funktionen. Eine kostengünstige Wahl für Menschen mit ALS, nach dem Protokoll eines Physiotherapeuten.
2. Strategie – Stadiengerechte Geräte
In der frühen Phase (motorischer Nerv intakt oder teilweise intakt):
DuoBravo N – ETS-Spezialist (besondere Wahl für die frühe Phase)
Die ETS-Technologie (EMG-Triggered Stimulation) kann in der frühen ALS-Phase besonders wertvoll sein. Sie startet die Stimulation aufgrund des eigenen willkürlichen Bewegungsversuchs des Patienten. Dadurch unterstützt die Koordination von willkürlicher Bewegung und stimulierender „Verstärkung“ das motorische Lernen und den Erhalt der Muskelkraft. Das Gerät enthält KEINE selektiven Reizstromprogramme und ist deshalb in der fortgeschrittenen Phase nicht mehr ausreichend.
Genesy 300 Pro – klassische NMES (frühe Phase)
Klassisches NMES-Gerät, besonders für die frühe ALS-Phase geeignet. Es enthält KEINE selektiven Reizstromprogramme UND KEINE ETS-Funktion. In der denervierten Phase ist es nicht mehr ausreichend.
In der fortgeschrittenen Phase (denervierte Muskeln):
PeroBravo – Spezialist für selektiven Reizstrom
Wenn in der fortgeschrittenen ALS-Phase einzelne Muskeln denerviert werden, eignet sich der PeroBravo mit seinen umfangreichen speziellen Einstellmöglichkeiten besonders für selektiven Reizstrom. Dreieck-, Trapez- und Rechteckimpulsprogramme für einzelne denervierte Muskeln, mit einstellbaren Parametern. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Säulenartikel zum selektiven Reizstrom.
Häufig gestellte Fragen
So früh wie möglich, nach der Diagnose. Der Zustand der Muskeln verschlechtert sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung schnell. Eine früh begonnene Stimulation kann dazu beitragen, Muskelkraft, Bewegungsfähigkeit und Lebensqualität länger zu erhalten. Nach einem Gespräch mit dem neurologischen Facharzt kann der Physiotherapeut bei der Festlegung des Anfangsprotokolls helfen.
Zu Beginn von ALS funktioniert der motorische Nerv noch teilweise. Der Muskel befindet sich dann in einem Stadium mit „intaktem Nerv“. Selektiver Reizstrom, also ein langer Dreieck- oder Trapezimpuls, verursacht an Muskeln mit intaktem Nerv ein unangenehmes oder sogar schmerzhaftes Gefühl und kann die Spastik verstärken. Die klassische biphasische Rechteckwellen-EMS/NMES ist geeignet. Wenn der Muskel tatsächlich denerviert wird, also der motorische Nerv zerstört ist, können Sie auf selektiven Reizstrom umstellen. Dies wird vom Physiotherapeuten oder Neurologen mithilfe einer EMG-Untersuchung festgestellt.
In klinischen Untersuchungen wurde eine tägliche Stimulation von 60–120 Minuten eingesetzt, auf mehrere kürzere Abschnitte verteilt. Als allgemeine Regel gilt:
- Eine Muskelgruppe (z. B. Oberschenkel): mindestens 25–30 Minuten täglich, höchstens 90 Minuten.
- Bei mehreren Muskelgruppen: Die gesamte tägliche Dauer kann 1–3 Stunden betragen.
- Auf mehrere Einheiten verteilt: 2–3 Anwendungen pro Tag.
Das genaue Protokoll legt Ihr Physiotherapeut immer entsprechend Ihrem aktuellen Zustand fest.
NEIN. FES ergänzt die Physiotherapie, sie ersetzt sie NICHT. Die beiden Methoden können gemeinsam ein günstigeres Ergebnis erzielen als jeweils allein. Noch besser ist das Ergebnis, wenn Sie FES mit willkürlichen Bewegungen kombinieren. Während der Stimulator beispielsweise die Unterarmmuskeln behandelt, versuchen Sie, Ihr Handgelenk aktiv zu bewegen.
Nicht empfohlen. Günstige Muskelstimulatoren für 3.000–10.000 Forint sind für gesunde Muskeln ausgelegt und geben einfache Rechteckwellenimpulse ab. ALS-betroffene Muskeln, bei denen der motorische Nerv geschädigt ist, benötigen sehr präzise Impulse. Ein minderwertiger Impuls kann eher schaden. Wählen Sie unbedingt ein professionelles Gerät aus der Medizintechnik-Kategorie, etwa aus der Genesy-Reihe oder den PeroBravo.
Eine realistische Erwartung ist: FES ist KEINE ursächliche Behandlung von ALS. Sie beseitigt die Erkrankung nicht und hält die Grunderkrankung nicht auf. Was sie erreichen kann: Sie kann das Fortschreiten der Muskelschwäche verzögern, weil sie Muskelmasse und Muskeltonus erhält, Steifigkeit löst, Schmerzen reduziert und die Atem- sowie Hustenfähigkeit verbessert. Klinische Untersuchungen haben diese lebensqualitätsverbessernden Wirkungen dokumentiert. Der Erhalt von Lebensqualität und funktionellen Fähigkeiten ist bei ALS ein zentraler Wert.
Bevor Sie mit der Behandlung beginnen
FES ist bei ALS im Allgemeinen sicher. Es gibt jedoch Situationen, in denen sie nicht angewendet werden darf. Sprechen Sie vor Beginn der Behandlung immer mit Ihrem behandelnden Arzt oder Neurologen!
Wann ist Vorsicht geboten?
- Implantierter Herzschrittmacher oder Defibrillator – der elektrische Impuls kann das implantierte Gerät beeinflussen
- Selektiver Reizstrom ZU BEGINN der Erkrankung – bei einem Muskel mit intaktem Nerv unangenehm und spastikverstärkend
- Aktive Krebserkrankung im Behandlungsbereich – elektrische Stimulation im Behandlungsbereich vermeiden
- Schwangerschaft – eine gynäkologische fachärztliche Beratung ist erforderlich
- Epilepsie – elektrische Stimulation kann einen Krampfanfall auslösen (relative Gegenanzeige, fachärztliche Beratung erforderlich)
- Hautentzündung oder offene Wunde im Elektrodenbereich – Elektroden dürfen nicht auf verletzter Haut angebracht werden
- Thrombose oder Thrombophlebitis im Behandlungsbereich – die Muskelkontraktion kann im betroffenen Bereich gefährlich sein
- Starke Sensibilitätsstörung im Behandlungsbereich – erhöhte Vorsicht ist erforderlich, weil mögliche Hautreizungen nicht wahrgenommen werden
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung – unkontrollierter Bluthochdruck oder frischer Herzinfarkt
- Verwendung eines günstigen Stimulators in Industriequalität – der geschädigte Nerv benötigt präzise Impulse; ein einfacher Stimulator ist nicht geeignet
Ergänzende Behandlung, keine eigenständige Therapie
Die FES zu Hause ist eine Ergänzung der ALS-Rehabilitation. Sie ersetzt weder die neurologische fachärztliche Behandlung noch die medikamentöse Therapie oder Physiotherapie. Diagnostik, Festlegung des Behandlungsplans und Kontrollen müssen immer durch Fachpersonal erfolgen. Eine ausführliche Liste der Gegenanzeigen finden Sie im Artikel über Gegenanzeigen der Elektrotherapie.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
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