Biohacking mit Muskelstimulation
Die Leistungssteigerung (Biohacking) ist der Traum vieler Sportler. Die Verbesserung der Leistungsfähigkeit, zum Beispiel die Vorbereitung auf Langstreckenläufe, Radrennen, Triathlon usw., erfordert viel Training. Gerade von Amateursportlern fehlt dafür meist die Zeit. Neben Arbeit, Familie oder Studium bereiten sie sich in der knappen Freizeit vor. In diesem Artikel stelle ich eine Methode vor, mit der du die Trainingswirksamkeit „hacken“ und sogar Trainingszeit gewinnen kannst! Diese Methode ist lange Teil medizinischer Therapien. In den 1970er–1980er Jahren nutzten auch Sportler sie, doch damals ermöglichte die Technik keine ausreichend präzisen Geräte, sodass die anfängliche Begeisterung schnell nachließ. Die Technologie hat sich in den letzten 5–6 Jahrzehnten stark weiterentwickelt und heute gibt es Präzisionsgeräte, mit denen sich das Thema neu beleben lässt. Lerne das Muskelstimulations-Gerät und seine sportliche Anwendung kennen.
Biohacking
Biohacking ist eine Methode, die darauf abzielt, die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers durch bewusste Veränderung biologischer Prozesse zu verbessern. Es gibt viele Ansatzpunkte, um die Leistung zu steigern. Die Ernährung wirkt nachweislich leistungssteigernd. Bestimmte neue Trainingsmethoden (z. B. exzentrisch/konzentrisch zweiphasige Belastung) führen zu wirksamerer Muskelentwicklung. Auch die mentale Vorbereitung ist bekanntlich wichtig.
Biohacker
Ein Biohacker ist eine Person, die aktiv nach Methoden und Werkzeugen sucht, mit denen sie die Funktionsweise ihres Körpers optimieren kann.
Ein Biohacker kann sehr technologieorientiert sein und Geräte bevorzugen, während andere sich eher auf natürliche Methoden wie Ernährung, Lebensstiländerungen oder neue Trainingsmethoden konzentrieren.
Im Kern geht es beim Biohacking darum, die besten Wege zu finden, um die körperlichen und geistigen Kapazitäten des Einzelnen zu maximieren.
In diesem Artikel beschreibe ich eine medizinisch anerkannte und bewiesene Biohacker-Methode und das dafür geeignete Gerät, das nachweislich die behandelten Muskeln „hackt“ und die Leistungsfähigkeit verbessert – die elektrische Muskelstimulation, also EMS bzw. Muskelstimulation.
EMS (Muskelstimulation) ist keine neue Methode!
Früher setzte sie sich nicht durch, weil die Geräte nicht wirksam genug waren. Heute weiß man, warum das so war. Daher sind nun präzise und effektive Muskelstimulations-Geräte erhältlich und anwendbar.
Viele kennen die Geschichte, dass bei den Olympischen Spielen 1972 sowjetische Sportler das von Dr. Kotz entwickelte Muskelstimulations-Training verwendeten und einen großen Teil ihres damaligen Erfolgs darauf zurückführten.
Bruce Lee experimentierte ebenfalls mit der Methode, gab sie aber schließlich auf, weil die Behandlung starke Schmerzen verursachte (nur bei hoher Stromintensität war sie ausreichend wirksam). Diese halbe Jahrhundert alten Erinnerungen prägen bis heute das öffentliche Bild und sind ein Grund, warum die Methode nur selten angewendet wurde.
Zwischenzeitlich wurde klar, dass das unangenehme Gefühl durch mangelnde technische Umsetzung verursacht wurde, nämlich durch minderwertige Impulsgeneratoren. Es reicht nicht, lediglich einen elektrischen Impuls auszugeben; die „Qualität“ des Impulses ist entscheidend. Je perfekter ein Gerät eine rechteckige Impulsform liefert, desto besser reagieren die Muskeln – und desto geringer ist das damit verbundene Unbehagen.
Mikroprozessoren machten es möglich, heute präzise Impulsgeneratoren zu bauen, mit denen sich nun wirksame Behandlungen durchführen lassen, wie man sie sich in den 1970er Jahren erhofft hatte.
Theorie der Muskelstimulation
In diesem Artikel gehe ich nicht detailliert auf die Theorie der Muskelstimulation ein. Ich möchte erklären, wie du sie im Sport anwenden kannst, z. B. zur Verbesserung der Ausdauer.
Lies dazu auch meinen Artikel: Grundlagen der Muskelstimulation, nicht nur für Sportler.
Ich führe dich durch die Basis- und Fortgeschrittenenkenntnisse der Muskelstimulation. Diese sind notwendig, damit du verstehst, wovon ich in diesem Artikel spreche:
Muskelstimulation – ergänzende Methode
Viele verstehen (oder wollen nicht verstehen), worum es geht. Ein Muskelstimulator ersetzt natürlich nicht das Training! Er kommt als Ergänzung zum Training zum Einsatz.
Um die Leistung zu „hacken“, ist eine regelmäßige Anwendung (täglich ca. 40–90 Minuten) über mindestens einige Monate erforderlich.
Wenn du einem hektischen Beruf nachgehst, ständig in Bewegung bist, spät nach Hause kommst und keinen Moment sitzt, dann hast du wie beim Training auch keine Zeit für Stimulation – in einem solchen Lebensstil ist der Nutzen begrenzt; höchstens bei Verletzungen ist es dann praktisch.
Wenn du überwiegend sitzende, büroartige Tätigkeiten hast, ist die Methode für dich ideal. Wenn du im Büro sitzt und diese Muskelpartien passiv behandelst, ist jede Anwendung für diese Muskeln wie ein „zweites“ Training! Sie werden es dir sehr danken!
Interventionsmöglichkeiten der Muskelstimulation
Die Muskelstimulation hat genau dieselben Effekte auf den Muskel wie Training: während gleicher metabolischer Prozesse entstehen Abfallprodukte, Muskelfasern reißen, der Muskel ermüdet und versteift – genau das regt jedoch die Entwicklung an.
Mit den Parametern des Stimulationsimpulses lässt sich das Ergebnis beeinflussen: Mit unterschiedlichen Impulsen kannst du die Durchblutung verbessern, die Ausdauer steigern, Metaboliten „herausspülen“ oder Muskelkrämpfe lösen.
Schauen wir uns die Möglichkeiten an, die Stimulatoren bieten! Du solltest jedoch wissen, dass – wie eine einzelne Trainingseinheit kaum Wirkung zeigt – auch eine einzelne Stimulation keine spürbare Wirkung hat. Nur regelmäßige, häufige Anwendung bringt Ergebnisse. Integriere die Nutzung in deinen Tagesablauf.
Muskelstimulations-Trainingsprogramme
Wenn du ein Sport-Muskelstimulations-Gerät kaufst, findest du in jedem Gerät ähnliche Programmnamen.
- Aufwärmen (in englischsprachigen Geräten Warm-up): Ein kurzes Programm, das die Muskeltemperatur erhöht, um auf das Training vorzubereiten. Es löst feine, ruckartige Muskelkontraktionen aus, fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel der Muskulatur und erhöht so die Temperatur. Die Steifigkeit von Muskeln und Sehnen nimmt ab. Das Programm schafft dadurch den physiologischen Zustand von Muskel und Sehne, der ideal für das Training ist.
Bei Verletzungsbehandlung ist es wegen der verbesserten Durchblutung sehr nützlich. Die gesteigerte Durchblutung bringt sauerstoff- und nährstoffreiches Blut und führt gleichzeitig die durch die Verletzung entstandenen Metaboliten und Toxine ab. - Wettkampfvorbereitung (PreCompetition Warm-up): Länger und tiefgreifender als das Aufwärmprogramm. Einige Minuten vor Wettkampfbeginn auf die für die jeweilige Sportart wichtigsten Muskelgruppen anwenden. Wenn du täglich trainierst, verwende dieses Programm lieber anstelle des „einfachen“ Aufwärmens.
Bei Verletzungsbehandlung ist es wegen der verbesserten Durchblutung sehr nützlich. Die gesteigerte Durchblutung bringt sauerstoff- und nährstoffreiches Blut und führt gleichzeitig die durch die Verletzung entstandenen Metaboliten und Toxine ab. - Kapillarisierung (Capillarisation): Dieses Programm wird vor allem in Ausdauersportarten empfohlen, aber in den ersten Wochen der körperlichen Vorbereitung ist es für alle sinnvoll. In der Wettkampfphase nur bei Ausdauersportarten anwenden!
Es fördert den Blutfluss zum Muskel, verbessert die Sauerstoffversorgung und reduziert die Ermüdbarkeit bei harter körperlicher Arbeit.
Es unterstützt die Aktivität des primären und sekundären Kapillarsystems zur Verbesserung der Gewebe-Oxygenierung und zur Verringerung der Ermüdung bei harter körperlicher Belastung. - Ausdauer (Resistance): Niedrigfrequente Behandlung, die dominant die Typ-I- und in geringerem Maße die Typ-IIa-Fasern stimuliert. Empfohlen für Ausdauersportarten und zur Rehabilitation (allgemeine Wiedergewinnung der Muskelkraft); verbessert die Fähigkeit des Muskels, über längere Zeit hohe Kraft zu entfalten und verringert durch Vorbereitung auf Metabolitenbildung die Ermüdbarkeit.
Nach Verletzungen beginnt man mit diesem Programm die Maßnahmen zur Wiedergewinnung der Muskelkraft. - Durchhaltevermögen (Endurance): Empfohlen für Sportarten wie Kajak-Kanu, Mittelstreckenlauf (800–1500 m) oder Kampfsportarten, bei denen der Muskel einige Minuten lang mit maximaler Kraft in anaeroben Bedingungen arbeiten muss. Verbessert die Fähigkeit des Muskels, über längere Zeit auf hohem Kraftniveau zu arbeiten; unterstützt die Abwehr gegen Toxinbildung (Säuerung) und reduziert die Ermüdbarkeit. Die langen kraftvollen Kontraktionen werden von kurzen, aktiven Erholungsphasen gefolgt. Stimulierend vor allem die Typ-IIa-Fasern, verbessert es die Fähigkeit zu einigen Minuten andauernden maximalen Kraftanstrengungen.
- Aerobe Ausdauer (Aerob resistance): Verbessert die Fähigkeit, eine Anstrengung über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Langes Stimulationsprogramm, angepasst zur Verbesserung der aeroben Fähigkeiten der langsamen Fasern.
Nach Verletzungen einsetzbar, empfohlen wird dies jedoch erst, wenn du bereits eine 10–14-tägige Ausdauerkraft-Kur durchlaufen hast. - Hypertrophie (Hypertrophy): Dient der Zunahme der Muskelmasse. Hohe Frequenzen, die vor allem Typ-IIb-Fasern ansprechen, führen zu intensiver Muskelarbeit, die für das Wachstum der Muskelfasergröße wichtig ist. Vorteil: Es lässt sich auf einen wichtigen Muskel oder eine Muskelgruppe fokussieren, das heißt du kannst selektiv die schwächsten Punkte trainieren.
Nach Muskelverletzungen ist dieses Programm nur nach vollständiger Heilung zu verwenden. Für die Rehabilitation oder in Ausdauersportarten höchstens einmal pro Woche empfohlen. Bei Sklerose und anderen neurogenen Muskelschäden vermeiden, da die kräftigen tetanischen Kontraktionen die Spastizität verstärken können. - Maximalkraft (Max. strength): Empfohlen bei Bedarf nach hoher Kraftanstrengung, z. B. in Kampfsportarten. Verbessert die Fähigkeit zur maximalen Kraftentfaltung und erhöht die Muskelmasse. Hilft, das Risiko von Traumata beim Training mit maximalen Gewichten zu reduzieren.
Nach Muskelverletzungen ist dieses Programm nur nach vollständiger Heilung zu verwenden. Für Rehabilitationszwecke erst ab der 3.–4. Woche der Kraftwiedergewinnungs-Kur einsetzen, dann 1–2-mal pro Woche. - Reaktionsfähigkeit (Reactivity): Optimal für Ballsportarten und Kampfsport. Verbessert die Kontraktionsgeschwindigkeit. Die Stimulationsreize sind kurz, extrem intensiv und sehr schnell. Die Reaktionsfähigkeit wird auf zwei Wegen verbessert: durch Beschleunigung der schnellen Faserkontraktion und durch Erhöhung der Aktivität miotaktischer Rezeptoren.
Nach Muskelverletzungen ist dieses Programm nur nach vollständiger Heilung zu verwenden. - Explosivkraft (Explosive strength): Anwendbar bei Sportarten mit maximaler Kraftausübung (z. B. Sprint, Sprung- und Wurfdisziplinen, Volleyball usw.). Erhöht die Masse der in kürzester Zeit einsetzbaren Muskelfasern, außerdem bei größtmöglicher Kraftanwendung.
Nach Muskelverletzungen ist dieses Programm nur nach vollständiger Heilung zu verwenden.
Muskelstimulationsprogramme zur Abwärmung und Muskelregeneration
Studien zeigen, dass eine regenerierende Stimulation, die innerhalb von 90 Minuten nach körperlicher Aktivität begonnen wird, den Laktatspiegel in den Muskeln um etwa 25–40 % reduziert. Nur Kompressions-Eis-Massage ist möglicherweise noch effektiver. Der Vorteil der Muskelstimulation liegt jedoch in der kompakten, einfachen Handhabung des Geräts, wodurch sie überall und jederzeit einsetzbar ist – im Gegensatz zu den oft sehr teuren Kompressions- und Eis-Massage-Geräten.
- Aktive Regeneration: Für alle Sportarten empfohlen, besonders bei mehreren täglichen Einheiten. Fördert die Regeneration der Muskeln, die Durchblutung und reduziert Ermüdung. Effektiver als das klassische Cool-down beim schnelleren Abtransport von Metaboliten und Laktat aus den Muskeln, sodass aufeinanderfolgende Trainings intensiver gehalten werden können. Besonders empfohlen bei Serienbelastungen, z. B. in Pausen zwischen Halbzeiten oder zwischen zwei Runden im Ringen.
Hervorragend zur Lösung von Muskelsteifigkeit und Spastizität. - Regeneration nach Wettkampf: Länger und daher intensiver als das Programm für aktive Regeneration. Nach jedem Training oder Wettkampf in allen Sportarten empfohlen. Unterstützt das Ausspülen von Metaboliten und die Überwindung der Muskelermüdung.
Hervorragend zur Lösung von Muskelsteifigkeit und Spastizität. - Lösen von Muskelsteifigkeit: Dieses Programm kann jederzeit eingesetzt werden, wenn ein durch Training verhärteter Muskel entspannt werden muss. Bietet Muskelentspannung und fördert die Durchblutung (was den Abtransport von Abfallstoffen unterstützt).
Wie wählst du die Behandlungsprogramme aus?
Was immer dein Ziel ist: Führe vor jeder Trainingseinheit oder jedem Wettkampf das Aufwärmprogramm an den besonders wichtigen Muskelgruppen durch.
Aus persönlicher Erfahrung – als Arzt, ehemaliger Nationalathlet und Hobbyradfahrer (ca. 5000 km/Jahr) – empfehle ich die Muskelstimulation überzeugend jedem Sportler und Sportbegeisterten!
