Burnout am Arbeitsplatz
Kennst du dieses undefinierbare, müde-langeweile Gefühl bei der Arbeit? … Als könntest oder wolltest du schon seit einiger Zeit nicht mehr mit der gleichen Energie arbeiten wie früher?
Dies ist eines der häufigsten Syndrome in unserer modernen, anspruchsvollen Welt. Es ist wichtig zu erkennen, dass dein Job sogar deiner Gesundheit schaden kann.
Burnout am Arbeitsplatz ist ein Phänomen, das seit fast 50 Jahren untersucht wird und Gegenstand zahlreicher Studien und Artikel ist. Dennoch wurde es erst 2019 in das offizielle Diagnosehandbuch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgenommen.
Burnout ist im Kern eine spezielle Form arbeitsbezogenen Stresses: ein Stadium körperlicher oder emotionaler Erschöpfung, das mit dem Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit und dem Verlust der persönlichen Identität einhergehen kann. Die WHO betont dabei ausdrücklich, dass sie das Phänomen als ein berufsbezogenes Problem betrachtet.
Warum sind Erkennung und Behandlung wichtig?
Burnout ist nicht unbedingt eine feste medizinische Diagnose. Einige Experten vermuten, dass andere Erkrankungen, etwa Depressionen, der Auslöser sein können. Es gibt Studien, die zeigen, dass Betroffene selbst oft nicht glauben, dass ihre Arbeit die Hauptursache ist.
Klar ist jedoch, dass dieser Stresszustand sich auf deine körperliche und psychische Gesundheit auswirken kann. Es ist wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen und so schnell wie möglich gegenzusteuern.
Symptome von Burnout am Arbeitsplatz
Stelle dir am besten die folgenden Fragen:
- Bist du zynisch oder sehr kritisch an deinem Arbeitsplatz geworden?
- Schleppst du dich nur noch zur Arbeit und es fällt dir schwer, den Tag zu beginnen?
- Bist du reizbar oder ungeduldig mit Kollegen, Kundinnen oder Klienten geworden?
- Fehlt dir die Energie, um vernünftig und effektiv zu arbeiten?
- Fällt es dir schwer, dich zu konzentrieren?
- Fehlt dir das befriedigende Gefühl, das du früher nach erreichten Erfolgen hattest?
- Bist du enttäuscht oder desillusioniert bezüglich deiner Arbeit?
- Isst du zu viel; nimmst du Drogen oder Alkohol, um dich besser zu fühlen – oder um überhaupt nichts mehr zu fühlen?
- Haben sich deine Schlafgewohnheiten verändert?
- Bereiten dir unerklärliche Kopfschmerzen, Magen- oder Darmprobleme oder andere körperliche Beschwerden Sorgen?
Wenn du eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, könntest du Anzeichen von Burnout bei dir bemerken. Dann ist es ratsam, ärztlichen Rat oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Diese Symptome können auch mit anderen Gesundheitszuständen, etwa einer Depression, zusammenhängen.
Mögliche Ursachen für Burnout am Arbeitsplatz
Burnout kann aus verschiedenen Faktoren resultieren, unter anderem:
- Mangel an Kontrolle: die Unfähigkeit, Entscheidungen zu beeinflussen, die deine Arbeit betreffen – wie Zeitpläne, Aufgaben oder Arbeitsbelastung – kann zu Burnout führen. In solchen Fällen musst du oft ohne angemessene Mittel arbeiten.
- unklare berufliche Rollen: Wenn nicht klar ist, was in deinem Zuständigkeitsbereich liegt oder was Vorgesetzte und andere von dir erwarten, ist es unwahrscheinlich, dass du dich am Arbeitsplatz wohlfühlst.
- unnatürliche Arbeitsplatzdynamik: Es kann sein, dass du mit einem Tyrannen zusammenarbeitest oder das Gefühl hast, Kolleginnen und Kollegen (oder gar die Führung) untergraben deine Arbeit. All das kann zu Stress führen.
- extreme Arbeitsbedingungen: Wenn die Arbeit entweder monoton oder chaotisch ist, benötigst du ständig Energie, um dich zu fokussieren – was zu Erschöpfung und Burnout führen kann. Oft besteht unausgesprochen die Erwartung, auch dann zu erscheinen, wenn du mental oder körperlich nicht in Form bist.
- fehlendes soziales Leben: Wenn du dich sowohl am Arbeitsplatz als auch im Privatleben isoliert fühlst, erhöht das das Stressrisiko deutlich. Produktionsorientierung geht oft zulasten des Aufbaus und der Pflege von Beziehungen und führt zur Einsamkeit.
- Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben: Wenn dein Job so viel Zeit und Energie beansprucht, dass du keine Kraft mehr für Familie und Freundschaften hast, kannst du schnell ausbrennen.
Risikofaktoren für Burnout
Du hast möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Burnout, wenn:
- du dich so stark über deine Arbeit identifizierst, dass keine Balance zwischen Berufs- und Privatleben entsteht – du kannst beides nicht mehr trennen und es fehlen klare Grenzen,
- du eine übermäßige Arbeitsmenge mit vielen Überstunden hast,
- du ungerecht behandelt wirst,
- Kommunikation und Unterstützung durch Führungskräfte fehlen,
- du unter unnötigem Zeitdruck stehst,
- du immer versuchst, alles für alle zu lösen,
- dein Beruf in helfenden Diensten angesiedelt ist, wie im Gesundheitswesen (Arzt, Krankenschwester, Pfleger), Polizei, Recht oder Bildung; allerdings hängt das Auftreten nicht allein von der Berufsgruppe ab,
- das Syndrom bei Führungspersonen und Entscheidungsträgern deutlich häufiger auftritt,
- du das Gefühl hast, wenig oder keinen Einfluss auf deine Arbeit zu haben,
- deine Arbeit monoton ist.
Folgen von Burnout
Unbeachteter oder unterschätzter Arbeitsstress kann erhebliche Folgen haben, darunter:
- übermäßiger Stress,
- Erschöpfung,
- Schlaflosigkeit,
- Traurigkeit, Wut oder Reizbarkeit,
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch,
- Herzkrankheiten,
- Bluthochdruck,
- Typ-2-Diabetes,
- Anfälligkeit für Krankheiten.
Vorbeugung und Umgang mit Burnout am Arbeitsplatz
Zur Prävention sollten Arbeitgeber in erster Linie herausfinden, welche Faktoren dafür sorgen, dass Menschen mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind (Ergebnisse, Anerkennung, Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung). Gehalt, Arbeitsbedingungen, Beziehungen und Sicherheitsgefühl sind Dinge, deren bloße Existenz nicht automatisch Zufriedenheit erzeugt; ihr Fehlen erhöht jedoch deutlich die Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz – und damit die Wahrscheinlichkeit von Burnout.
Und wenn es bereits zu spät ist: Versuche zu handeln. So kannst du anfangen:
- Bewerte deine Möglichkeiten: Sprich deine konkreten Sorgen mit deinen Vorgesetzten. Möglicherweise könnt ihr gemeinsam Erwartungen anpassen, Kompromisse finden oder Lösungen erarbeiten. Unterscheide dabei zwischen Zielen, die sofortige Maßnahmen erfordern, und solchen, die noch warten können.
- Hole dir Unterstützung: Ob du nun Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde oder Angehörige um Hilfe bittest – Unterstützung und Zusammenarbeit können dir helfen, in schwierigen Situationen standzuhalten. Wenn es ein Mitarbeiterunterstützungsprogramm gibt, nutze dessen Angebote.
- Probiere entspannende Aktivitäten aus: Entdecke Programme, die bei der Stressbewältigung helfen, wie Yoga, Meditation oder Tai Chi.
- Bewege dich ein wenig: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress besser zu bewältigen. Ganz abgesehen davon lenkt sie den Geist von ständig um die Arbeit kreisenden Gedanken ab.
- Schlafe genug: Ausreichender Schlaf fördert das Wohlbefinden und unterstützt die Gesundheit.
- Achtsamkeit: Das ist ein Bewusstseinszustand, der sich auf den Fluss des Atems konzentriert; eine intensive Wachheit, die sich auf die bewusste Wahrnehmung und das Erleben jedes einzelnen Moments unseres Tages richtet – ohne Fehlinterpretation oder Bewertung. In der Arbeitswelt bedeutet diese Praxis, Situationen mit Offenheit und Geduld sowie ohne vorschnelle Kritik anzunehmen.
Die Einstufung von Burnout als psychische Gesundheitsstörung und die Betonung der Verantwortung der Arbeitgeber sind wichtige Schritte, damit das Syndrom erkennbar und behandelbar wird. Prävention ist jedoch nur dann wirklich wirksam, wenn nicht nur die Unternehmen, sondern auch wir als Beschäftigte auf uns selbst und auf unser Umfeld achten und sowohl unsere körperliche als auch unsere mentale Gesundheit bewahren.
Lass nicht zu, dass eine anspruchsvolle oder unerwünschte Arbeit deine Gesundheit untergräbt.