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Zusammenhang zwischen Dauerstress und Krankheiten

Zusammenhang zwischen Dauerstress und Krankheiten

Stress ist an sich kein Feind. Er ist eine über Millionen Jahre entwickelte Notfallreaktion, die den Körper in Gefahrensituationen innerhalb von Sekunden einsatzbereit macht: Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an. Kurzfristig ist das ausgesprochen nützlich – der „gute Stress“ (Eustress) vor einer Prüfung, einem Abgabetermin oder einem schwierigen Gespräch mobilisiert Kräfte und steigert die Leistungsfähigkeit.

Nervensystem
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Was ist Stress – und wann macht er krank?

Das Problem beginnt, wenn das Alarmsignal nicht mehr abschaltet. Unter monatelang anhaltendem Dauerstress bleibt der Körper ständig in Alarmbereitschaft – und diese permanente Bereitschaft macht früher oder später krank. Nicht im übertragenen Sinn: Dauerstress verschlechtert nachweisbar die Immunfunktion, belastet das Herz-Kreislauf-System, bringt Schlaf und Verdauung aus dem Gleichgewicht und trägt zur Entstehung von Angst und Depression bei.1

Kerngedanke Kerngedanke

Kurzfristiger Stress mobilisiert, Dauerstress macht krank. Wenn Sie seit Monaten „unerklärliche“ körperliche Beschwerden haben – wiederkehrende Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken und Schulterbereich, Verdauungsprobleme, schlechten Schlaf oder häufige Erkrankungen –, kann Dauerstress dahinterstecken. Eine reine Symptombehandlung reicht dann nicht aus: Die Lösung besteht darin, die Stressquelle zu erkennen und anzugehen. Dabei die Hilfe eines Fachmanns anzunehmen, ist keine Schande, sondern der schnellste Weg.

Funktionsweise Was passiert in Ihrem Körper?

Wenn das Gehirn eine Gefahr wahrnimmt, leitet das Alarmzentrum, der Hypothalamus, die Reaktion auf zwei Wegen ein. Der schnelle Weg setzt aus den Nebennieren Adrenalin frei – dadurch beschleunigt sich der Herzschlag, der Blutdruck steigt, die Pupillen weiten sich und die Muskeln spannen sich an. Der langsamere Weg erhöht das Stresshormon Kortisol, das Energie mobilisiert und den Körper in Bereitschaft hält. Das ist die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion – in Gefahrensituationen lebensrettend.

Akuter Stress klingt zusammen mit der auslösenden Situation ab: Die Prüfung ist vorbei, der Hormonspiegel normalisiert sich, der Körper regeneriert sich. Von Dauerstress sprechen wir, wenn die Belastung über Wochen oder Monate anhält – ein konfliktreicher Arbeitsplatz, eine Beziehungskrise, finanzielle Sorgen, die Angst vor einer Krankheit oder die Belastung durch Pflege und Betreuung – und die Alarmkette nie vollständig abschaltet. Der Körper läuft dann ständig auf Hochtouren, ohne Regenerationsphase.

Ein dauerhaft hoher Stresshormonspiegel stellt die Körperfunktionen um: Er schwächt die Immunabwehr, erhöht Blutdruck und Blutzucker, hält eine niedriggradige Entzündung aufrecht und verschlechtert die Schlaftiefe. Forschungen haben Dauerstress auch als einen Faktor identifiziert, der an der Entstehung von Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie an einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen beteiligt ist.1 Deshalb kann sich seelische Belastung als körperliches Symptom zeigen – ohne dass Sie „sich das nur einbilden“.

Symptome Welche Beschwerden können durch Dauerstress verursacht werden?

Sie sind krank, aber „man findet nichts“? Die Befunde sind unauffällig, doch die Beschwerden kehren hartnäckig wieder? Dies sind die häufigsten stressbedingten Beschwerden – und hier können Sie mehr darüber lesen:

Beschwerde Was passiert? Wie geht es weiter?
Verspannungen im Nacken und Schulterbereich, Spannungskopfschmerz Stress lässt die Muskeln des Schultergürtels reflexartig anspannen, die Verspannung bleibt bestehen Nackenschmerzen zu Hause behandeln →
Schlechter Schlaf, nächtliches Aufwachen Ein hoher Kortisolspiegel am Abend verhindert, dass der Schlaf tiefer wird Schlafstörung, Insomnie, Schlaflosigkeit →
Hoher Blutdruck, beschleunigter Herzschlag Die dauerhafte Alarmbereitschaft erhöht Blutdruck und Puls Bluthochdruck und seine Behandlung →
Blähungen, Verdauungsbeschwerden, wechselnder Stuhlgang Die Darm-Hirn-Achse reagiert empfindlich auf Anspannung Darmgase und Verdauungsbeschwerden →
Häufige Erkältungen, langwierige Erkrankungen Die anhaltende Belastung durch Stresshormone schwächt die Immunabwehr Was braucht das Immunsystem tatsächlich? →
Erschöpfung, Zynismus, das Gefühl, dass die Arbeit sinnlos ist Burnout am Arbeitsplatz – ein von der WHO anerkannter arbeitsbezogener Zustand Burnout am Arbeitsplatz →

Info Eine „psychische Erkrankung“ ist keine Erkrankung zweiter Klasse

Viele Menschen schämen sich, wenn hinter ihren Beschwerden eine seelische Ursache steckt, und gehen stattdessen weiter von einer Untersuchung zur nächsten. Dabei sind stressbedingte Beschwerden genauso real wie jede andere Erkrankung – Ihre Symptome sind nicht „eingebildet“, nur ihre Ursache liegt an einer anderen Stelle als dort, wo Sie suchen. Wichtig ist auch die Reihenfolge: Eine körperliche Abklärung darf nicht ausgelassen werden. Zuerst muss der Arzt organische Ursachen ausschließen – erst danach kann eine stressbedingte Ursache festgestellt werden.

Zu Hause Was ist die wirkliche Lösung bei Dauerstress?

Ich sage es offen: Eine reine Symptombehandlung reicht nicht aus. Ein Schmerzmittel nimmt die Kopfschmerzen, ein Schlafmittel lässt Sie einschlafen – aber keines von beiden beseitigt die Stressquelle, deshalb kehren die Beschwerden wieder. (Medikamente haben ihren festen Platz, ihre Einstellung ist Sache Ihres Arztes – zusätzlich muss aber auch die Ursache behandelt werden.) Die Schritte zur wirklichen Lösung:

1. Erkennen Sie die Quelle. Schreiben Sie auf, was Sie belastet: Konflikte am Arbeitsplatz, Spannungen in der Beziehung, finanzielle Sorgen, Schlafmangel, die Angst vor einer Krankheit oder ein einschneidendes Lebensereignis. Solange Sie es nicht benennen, können Sie nichts dagegen unternehmen. Manche Dinge können Sie beseitigen, andere müssen Sie akzeptieren – in beiden Fällen müssen Sie aber erkennen, womit Sie es zu tun haben.

2. Bewegen Sie sich – das ist Ihr stärkstes „Stressmittel“. Regelmäßige körperliche Bewegung reduziert laut Forschungen Angst, Niedergeschlagenheit und Stressbelastung spürbar – ihre Wirkung war in Studien mit der Wirkung etablierter Behandlungen vergleichbar.2 Sie müssen keinen Marathon laufen: 3–5 Einheiten pro Woche mit jeweils 30–45 Minuten zügigem Gehen, Radfahren oder Schwimmen können bereits einen messbaren Unterschied machen.

3. Lernen Sie, bewusst zu entspannen. Entspannungstechniken, Atemübungen und das Üben von Achtsamkeit (Mindfulness) verringern nachweislich Angst und Stressniveau.3 Für den Anfang reichen täglich 10–15 Minuten – auch hier zählt die Regelmäßigkeit, nicht die Intensität.

4. Bringen Sie Ihren Schlaf in Ordnung. Schlafmangel ist selbst ein Stressor: Müde erscheint jede Belastung größer, und der Kreislauf schließt sich. Eine feste Schlafenszeit, die letzte Stunde ohne Bildschirm sowie ein kühles und dunkles Schlafzimmer – die Grundlagen sind langweilig, aber sie funktionieren.

5. Bleiben Sie damit nicht allein. Gute Beziehungen sind die stärksten Stresspuffer – eine ausgesprochene Belastung ist halb so schwer. Wenn sich die Situation seit Monaten nicht verändert, suchen Sie einen Psychologen auf: Fachleute sind nicht „nur etwas für Verrückte“, sondern der schnellste Weg aus der Krise, genauso wie Sie bei Rückenschmerzen zu einem Physiotherapeuten gehen würden.

Kann ein Gerät unterstützen?

Die Grundlage der Stressbewältigung sind die fünf genannten Schritte – kein Gerät kann sie ersetzen. Als Ergänzung ist eine einzige Gerätefamilie erwähnenswert:

Nurosym

Der nichtinvasive Vagusnerv-Stimulator wird am Ohr angewendet und reizt mit feinen elektrischen Impulsen den „beruhigenden“ Nervenweg des Körpers, den Vagusnerv. Forschungen zufolge kann die Unterstützung der Vagusaktivität einen günstigen Einfluss auf das Stressgleichgewicht und die Regeneration haben – als Ergänzung kann das Gerät vor allem dann infrage kommen, wenn Sie zusätzlich zu Bewegung und Entspannung eine apparative Unterstützung wünschen. Es ersetzt weder die Maßnahmen zur Änderung des Lebensstils noch die Arbeit mit einem Psychologen.

Achtung Wann sollten Sie sofort Hilfe suchen?

Wenn zu der Erschöpfung Hoffnungslosigkeit, anhaltende Niedergeschlagenheit oder Gedanken an Selbstverletzung hinzukommen, warten Sie nicht und kämpfen Sie nicht allein: Wenden Sie sich an einen Arzt oder Psychologen. In einer akuten Krise rufen Sie die kostenlose Telefonseelsorge unter 116-123 an. Eine ärztliche Untersuchung ist ebenfalls erforderlich, wenn Sie Schmerzen im Brustkorb, einen schnellen oder aussetzenden Herzschlag oder ein Gefühl der Atemnot bemerken – solche Beschwerden dürfen niemals ohne Untersuchung einfach als „nur Stress“ abgetan werden.

FAQ Häufig gestellte Fragen

Nein. Kurzfristiger Stress (Eustress) mobilisiert: Er macht Sie wacher und gibt Ihnen Energie für Herausforderungen. Schädlich wird er, wenn er dauerhaft wird und der Körper nie wieder in den Ruhemodus zurückschalten kann. Sie müssen den Stress also nicht vollständig aus Ihrem Leben verbannen – das ist unmöglich –, sondern die dauerhafte Belastung ohne Erholungsphase.

Aus zwei Bedingungen, die gemeinsam erfüllt sind: Die ärztliche Untersuchung findet keine organische Ursache, UND das Muster der Beschwerden folgt der Belastung – am Wochenende oder im Urlaub werden sie schwächer, in angespannten Zeiten stärker. Die Reihenfolge lässt sich nicht umkehren: Zuerst müssen immer organische Ursachen ausgeschlossen werden, erst danach kann eine stressbedingte Ursache festgestellt werden.

Burnout ist eine besondere, arbeitsbezogene Form von Dauerstress: Er ist durch Erschöpfung, emotionale Distanz zur Arbeit (Zynismus) und eine nachlassende Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Die WHO erkennt ihn als eigenständiges arbeitsbezogenes Phänomen an. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, habe ich in meinem Artikel über Burnout am Arbeitsplatz ausführlich darüber geschrieben.

Als Ergänzung können sie zum Gleichgewicht des Körpers beitragen, aber keine dieser Maßnahmen behandelt die Stressquelle. Wenn bei Ihnen ein Mangel besteht, sollte dieser ausgeglichen werden – von „stresslösenden“ Wundermitteln sollten Sie jedoch keine Lösung erwarten: Bewegung, Entspannung und die Behandlung der Ursachen haben nachweislich eine Wirkung. Über die tatsächliche Rolle von Nahrungsergänzungsmitteln habe ich in einem separaten Artikel geschrieben.

Wenn die Belastung seit Monaten anhält und sich mit Ihren eigenen Mitteln nichts verändert; wenn Ihre Beschwerden Ihren Alltag beeinträchtigen; oder wenn Sie das Gefühl haben, allein keinen Ausweg zu sehen. Sie müssen dafür nicht „krank genug“ sein – genauso wie Sie bei Rückenschmerzen nicht warten, bis Sie sich gar nicht mehr bewegen können, sollten Sie auch bei seelischer Belastung nicht warten, bis Sie am Boden liegen.

Forschung Was sagen die Forschungen?

„Kann Stress wirklich Krankheiten verursachen, oder ist das nur eine Floskel?“

Es besteht ein realer und gut dokumentierter Zusammenhang. Einer der meistzitierten Übersichtsartikel der Stressforschung kommt zu dem Schluss, dass anhaltende seelische Belastung nachweislich an der Entstehung von Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt ist, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionen verschlechtert und auch den Verlauf mehrerer anderer Erkrankungen ungünstig beeinflusst.1 Der Mechanismus ist der dauerhaft erhöhte Stresshormonspiegel: Er stellt die Funktionen des Immunsystems, des Kreislaufs und des Stoffwechsels um.

„Kann Bewegung wirklich mit den Behandlungen mithalten?“

Ja – und sie ist eines der wichtigsten, aber am seltensten „verschriebenen“ Mittel. Die zusammengefasste Auswertung von mehr als tausend Studien zeigt, dass regelmäßige körperliche Bewegung eine mittelstarke, gleichmäßige Verbesserung bei Angst, Niedergeschlagenheit und seelischer Belastung bewirkt – sowohl bei gesunden Menschen als auch bei chronisch Erkrankten; eine höhere Intensität zeigte eine stärkere Wirkung.2 Die internationale Empfehlung ist eindeutig: Bewegung sollte eine tragende Säule bei der Behandlung stressbedingter Beschwerden sein.

„Sind Meditation und Entspannung nicht nur eine Modeerscheinung?“

Nein. Einer umfassenden Auswertung von Achtsamkeitsprogrammen (Mindfulness) zufolge bewirkt täglich praktizierte Meditation eine kleine, aber konstante und messbare Verbesserung bei Angst, Niedergeschlagenheit und Stressniveau – ungefähr nach 8 Wochen Übung.3 Das ist kein Zauber und ersetzt auch keine Behandlung, wenn eine solche erforderlich ist – aber es ist kostengünstig, frei von Nebenwirkungen und überall möglich.

Zusammenfassung Zusammenfassung – Schneller Überblick

Worum geht es in diesem Artikel? Ein Leitfaden zur doppelten Natur von Stress: wann er nützlich ist, wann er krank macht, hinter welchen körperlichen Beschwerden er stehen kann und worin die wirkliche – nicht nur symptomatische – Lösung bei Dauerstress besteht.
An wen richtet er sich? An Menschen, die seit Monaten von „unerklärlichen“ körperlichen Beschwerden begleitet werden, bei denen der Arzt laut Befunden „nichts findet“ und die über Schmerzmittel hinaus nach einer wirklichen Lösung suchen.
Kernaussage: Kurzfristiger Stress mobilisiert, Dauerstress macht krank – dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt. Die Lösung besteht nicht darin, die Symptome zu unterdrücken, sondern die Stressquelle zu erkennen und zusätzlich nachweislich wirksame Maßnahmen einzusetzen: regelmäßige Bewegung, Entspannung, geordneten Schlaf, gute Beziehungen – und bei Bedarf psychologische Unterstützung.
Nächster Schritt: Sehen Sie sich die Beschwerdetabelle an und lesen Sie den ausführlichen Artikel, der auf Ihre Situation zutrifft – wenn Ihre Arbeit Sie jedoch aufgerieben hat, beginnen Sie mit dem Artikel über Burnout am Arbeitsplatz →

Wissenschaftliche Quellen

  1. Cohen S, Janicki-Deverts D, Miller GE (2007). Psychological stress and disease. JAMA, 298(14), 1685–1687. DOI: 10.1001/jama.298.14.1685
  2. Singh B, Olds T, Curtis R, et al. (2023). Effectiveness of physical activity interventions for improving depression, anxiety and distress: an overview of systematic reviews. British Journal of Sports Medicine, 57(18), 1203–1209. DOI: 10.1136/bjsports-2022-106195
  3. Goyal M, Singh S, Sibinga EMS, et al. (2014). Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine, 174(3), 357–368. DOI: 10.1001/jamainternmed.2013.13018
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen nur zur Orientierung und ersetzen weder eine ärztliche Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung. Wenden Sie sich mit Ihren Beschwerden immer an einen Arzt.

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