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Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Gesundheit

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Gesundheit

Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Sie hilft nicht nur dabei, den Körper in Form zu halten, sondern bietet auch zahlreiche gesundheitliche Vorteile, die zu einem langen und möglichst krankheitsfreien Leben beitragen.

Lebensweise
Körperliche Aktivität
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Warum ist Bewegung Ihr stärkstes „Medikament“?

Wenn ich Ihnen sage, dass es eine Tablette gibt, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, verschiedene Krebsarten und Depressionen messbar senkt, den Schlaf verbessert, Knochen und Gelenke in gutem Zustand hält und außerdem chronische Entzündungen beruhigt – Sie würden sie vermutlich nehmen wollen.
Nun … Eine solche „Wundertablette“ gibt es tatsächlich: Sie heißt regelmäßige körperliche Bewegung.

Man muss sie allerdings nicht schlucken, sondern umsetzen – und das ist anstrengend. Genau deshalb fehlt Bewegung im Leben und in der Behandlung der meisten Menschen.

Dieser Artikel zeigt dieselbe Medaille von zwei Seiten: Was regelmäßige Bewegung bringt – und was in Ihrem Körper passiert, wenn sie fehlt. Letzteres wird selten so direkt ausgesprochen: Bewegungsmangel ist kein neutraler Zustand (keine Erholung), sondern ein aktiver Abbau.

Kerngedanke Kerngedanke

Die WHO empfiehlt Erwachsenen: 150–300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität pro Woche (oder 75–150 Minuten intensive Bewegung) PLUS mindestens zwei muskelkräftigende Trainingseinheiten pro Woche. Diese Empfehlung gilt auch im höheren Alter und bei chronischen Erkrankungen, angepasst an die individuellen Möglichkeiten.1 Der wichtigste Grundsatz: Jede Bewegung ist besser als keine, und es ist nie zu spät, anzufangen.

Wirkungen Was bringt regelmäßige Bewegung?

Bereich Was bemerken Sie?
Herz und Kreislauf Niedrigerer Blutdruck und Ruhepuls, bessere Belastbarkeit, geringeres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
Stoffwechsel Bessere Insulinempfindlichkeit, leichtere Gewichtskontrolle, geringeres Diabetesrisiko
Chronische Entzündung Der arbeitende Muskel bildet entzündungsberuhigende Stoffe, abnehmendes viszerales Fett weniger entzündungsfördernde Stoffe3
Psychische Gesundheit Messbar weniger Angst und Niedergeschlagenheit – die Wirkung ist mit der von Behandlungen vergleichbar4
Knochen, Muskeln, Gelenke Erhaltene Muskelmasse und Knochendichte, stabilere Gelenke, geringeres Sturz- und Frakturrisiko im höheren Alter
Schlaf Schnelleres Einschlafen, tieferer und erholsamerer Schlaf

Und ein Zusammenhang, den ich im Artikel über chronische Entzündungen ausführlich erläutert habe: Bewegung ist eine der vier entzündungsberuhigenden Säulen des Lebensstils – neben der Ernährung, dem Stressmanagement und dem Schlaf.

Funktionsweise Was passiert in Ihrem Körper?

Der arbeitende Muskel verrichtet nicht nur mechanische Arbeit: Er gibt hormonähnliche Botenstoffe, sogenannte Myokine, in den Kreislauf ab. Eines davon ist IL-6, das ein merkwürdiges Doppelleben führt: Ein chronisch erhöhter Spiegel ist ein Zeichen stiller Entzündung, wird IL-6 beim Training jedoch aus dem Muskel freigesetzt, setzt es gerade eine entzündungsberuhigende Kettenreaktion in Gang. Dieses „IL-6-Paradoxon“ erklärt, warum jedes Training eine Dosis natürlicher Entzündungshemmung liefert – langfristig verringert regelmäßige Bewegung außerdem das Bauchfett, das zu den wichtigsten Produzenten entzündungsfördernder Stoffe gehört.3

Bewegungsmangel ist nicht „null“, sondern ein Minus. Nicht beanspruchte Muskeln bauen sich in alarmierendem Tempo ab – bei vollständiger Entlastung (Gips, Bettruhe) ist der Muskelverlust bereits nach 2–3 Wochen mit bloßem Auge sichtbar und in Zentimetern messbar. Das Bindegewebe wird steif, der Bewegungsumfang der Gelenke nimmt ab, der Kreislauf verlangsamt sich, Flüssigkeit staut sich in den Gliedmaßen, die Knochen werden poröser und der Stoffwechsel verschiebt sich in Richtung Insulinresistenz. Deshalb sage ich all meinen Patienten: Schonen Sie sich auch nach einer Erkrankung oder Operation nur so weit, wie der Arzt es anordnet – vollständige Bewegungslosigkeit macht selbst krank.

Überraschend, aber wahr: Stunden im Sitzen sind ein eigenständiger Risikofaktor – auch wenn Sie ansonsten trainieren. Eine Analyse der Daten von mehr als einer Million Menschen zeigte, dass viel Sitzen das Sterberisiko erhöht. Bei ungefähr 60–75 Minuten moderater Bewegung pro Tag konnte dieses zusätzliche Risiko jedoch größtenteils ausgeglichen werden.2 Die praktische Schlussfolgerung ist zweifach: Bewegen Sie sich ausreichend UND unterbrechen Sie das Sitzen – stehen Sie jede Stunde für einige Minuten auf, auch wenn Sie an diesem Tag trainiert haben.

Dosierung Wie viel ist genug – und welche Bewegung?

Die Empfehlung der WHO lässt sich einfach zusammenfassen: 150–300 Minuten aerobe Bewegung mit moderater Intensität pro Woche (zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen – in einem Tempo, bei dem Sie noch sprechen, aber nicht mehr singen können) oder halb so viel intensive Bewegung, plus mindestens zweimal pro Woche ein muskelkräftigendes Training (Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Theraband, Hanteln). Für Kinder sind 60 Minuten täglich das Ziel. Im höheren Alter und bei chronischen Erkrankungen gelten dieselben Grundsätze, angepasst an die jeweiligen Möglichkeiten – auch hier ist die Forschung eindeutig: Jede Bewegung ist besser als keine.1

Die aerobe Bewegung unterstützt das Herz-Kreislauf-System, die Ausdauer und das Entzündungsgleichgewicht. Krafttraining ist ab 40 Jahren keine freiwillige Zugabe: Die Muskelmasse nimmt ab diesem Alter von Jahr zu Jahr auch von selbst ab, und der Muskel ist nicht nur für die Kraft zuständig, sondern auch ein Stoffwechselorgan – einer der größten Verbraucher von Blutzucker und Produzent von Myokinen. Dehnung und Mobilität schützen dagegen den Bewegungsumfang der Gelenke und die Körperhaltung – einige Minuten täglich reichen aus.

Tipp Mein Rat für den Anfang

Beginnen Sie nicht mit einem Trainingsplan, sondern mit dem Aufbau einer Gewohnheit. Im ersten Monat: täglich 10–15 Minuten zügig gehen, zu einer festen Uhrzeit – das ist alles. Wenn das klappt, steigern Sie sich: längere Spaziergänge und anschließend zweimal pro Woche ein kurzer Krafttrainingszirkel mit dem eigenen Körpergewicht zu Hause. Das Ziel ist nicht das perfekte Programm, sondern dass Sie es auch in einem halben Jahr noch machen. Die „alles-oder-nichts“-Starts im Januar scheitern im Februar. Eine bescheidene, aber umsetzbare Dosis hält dagegen jahrelang – und auf die Jahre kommt es an.

Und wenn Sie sich gerade nicht bewegen können?

Nach einer Operation, Verletzung oder Erkrankung kommt eine schwierige Zeit: Sie möchten sich bewegen, dürfen es aber nicht oder können es nicht. Dazu habe ich zwei Botschaften. Erstens: „Schonung“ bedeutet fast nie vollständige Bewegungslosigkeit – fragen Sie Ihren Arzt, was erlaubt ist, und tun Sie es dann auch, denn die oben beschriebenen Abbauprozesse beginnen bereits innerhalb weniger Wochen. Zweitens: Bei der passiven Aktivierung nicht einsetzbarer Muskeln kann die Muskelstimulation (EMS) helfen – der elektrische Impuls zieht den Muskel auch dann zusammen, wenn Sie das selbst nicht können. Über die Anwendung habe ich im Artikel über neuromuskuläre Stimulation geschrieben. Die Geräte finden Sie in der Kategorie Muskelstimulatoren. Auch in dieser Situation ersetzt EMS das Training nicht, sondern überbrückt die Zeit – sobald es möglich ist, steht aktive Bewegung im Mittelpunkt.

Achtung Wann sollten Sie vorher ärztliche Erlaubnis einholen?

Wenn bei Ihnen eine Herzerkrankung bekannt ist; wenn Sie bei Belastung Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot, Schwindel oder eine Ohnmacht erlebt haben; wenn Sie mit unbehandeltem Bluthochdruck oder Diabetes leben; oder wenn Sie über 40 Jahre alt sind und nach jahrzehntelanger Pause mit intensivem Training beginnen möchten – sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt und beginnen Sie schrittweise. Moderate Bewegung (Gehen, leichtes Radfahren) ist für die meisten Menschen auch ohne vorherige Erlaubnis sicher. Beginnen Sie im Zweifel damit und klären Sie die weitere Vorgehensweise parallel mit Ihrem Arzt.

FAQ Häufig gestellte Fragen

Ja. Die übereinstimmende Botschaft der Forschung und der WHO-Empfehlung lautet: Es gibt keine untere „Einstiegsschwelle“. Jede Minute Bewegung ist besser als keine, und der gesundheitliche Nutzen beginnt bereits bei kleinen Dosen. Zehn Minuten zügiges Gehen täglich ergeben 70 Minuten pro Woche – damit ist bereits die Hälfte der Empfehlung erreicht. Beginnen Sie dort, wo es Ihr Alltag erlaubt, und steigern Sie sich, sobald es möglich ist.

Diejenige, die Sie langfristig ausüben. In den Studien gibt es keinen eindeutigen Sieger unter den Bewegungsformen – Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Methode. Für das vollständige Paket brauchen Sie aerobe Bewegung UND zweimal pro Woche Krafttraining. Wählen Sie dabei, was Ihnen Freude macht: Wer Laufen hasst, kann gehen, schwimmen, tanzen oder im Garten arbeiten.

Ja – die WHO-Empfehlung hebt sogar ausdrücklich hervor, dass regelmäßige Bewegung auch für ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen die Grundlage bildet, angepasst an den individuellen Zustand. Im höheren Alter verdienen Kraft- und Gleichgewichtsübungen besondere Aufmerksamkeit, weil sie die wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Stürzen sind. Bei einer chronischen Erkrankung gilt: Beginnen Sie nach Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt – Bewegung ist dann ein Teil der Behandlung und kein Risiko.

Besser als nichts – auch die auf das Wochenende konzentrierte Wochenmenge bringt gesundheitlichen Nutzen. Aber Sitzen ist ein eigener Faktor: Langes, ununterbrochenes Sitzen erhöht das Risiko auch dann, wenn Sie am Wochenende Sport treiben. Die Lösung ist deshalb zweifach: Behalten Sie den Wochenendsport bei UND stehen Sie unter der Woche jede Stunde für einige Minuten auf, bauen Sie kurze Spaziergänge ein – zusammen ergibt das den Schutz.

Nein. EMS beansprucht zwar die Muskeln, aber ein großer Teil der Vorteile für Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und Psyche ist an aktive Bewegung des ganzen Körpers gebunden. Muskelstimulation ist in zwei Situationen wertvoll: wenn Sie sich vorübergehend nicht bewegen können (nach einer Verletzung oder Operation, bei Immobilisation) und wenn eine einzelne geschwächte Muskelgruppe in der Rehabilitation gezielt beansprucht werden soll. Sie ist eine Ergänzung, kein Ersatz.

Forschung Was sagen die Forschungsergebnisse?

„Wie viel sollte ich laut Wissenschaft trainieren?“

Die WHO hat ihre Empfehlung auf Grundlage der gesamten verfügbaren Evidenz formuliert: Erwachsene sollten sich 150–300 Minuten pro Woche mit moderater Intensität bewegen und zweimal pro Woche Krafttraining durchführen. Dies gilt für alle Altersgruppen, von Schwangeren bis zu älteren Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Die zwei wichtigsten Botschaften lauten: Jede Bewegung ist besser als keine, und die im Sitzen verbrachte Zeit sollte unabhängig davon reduziert werden.1

„Kann man einen ganzen Tag im Sitzen ausgleichen?“

Weitgehend ja – aber nur mit einer beträchtlichen Bewegungsmenge. Eine Analyse der Daten von mehr als einer Million Menschen zeigte, dass 8 oder mehr Stunden Sitzen pro Tag das Sterberisiko gegenüber wenig sitzenden, aktiven Menschen deutlich erhöht. Bei Personen, die sich täglich etwa 60–75 Minuten moderat bewegten, verschwand das zusätzliche Risiko durch viel Sitzen jedoch praktisch. Lange Stunden vor dem Fernseher erwiesen sich als hartnäckiger: Dort wurde das Risiko selbst bei den aktivsten Menschen nur verringert.2

„Tut Bewegung wirklich auch meiner Psyche gut?“

Messbar. Eine zusammenfassende Analyse von mehr als tausend Studien zeigte, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei gesunden Menschen und bei Menschen mit chronischen Erkrankungen eine mittelstarke, konsequente Verbesserung von Angst und Niedergeschlagenheit bewirkt. Die Größe des Effekts ist mit der von etablierten Behandlungen vergleichbar. Die Schlussfolgerung der Forscher: Bewegung sollte auch bei psychischen Beschwerden eine tragende Säule der Behandlung sein.4

Zusammenfassung Zusammenfassung – Schneller Überblick

Worum geht es in diesem Artikel? Der Grundlagenartikel zum Thema Bewegung: Was regelmäßige körperliche Aktivität bringt, was bei Bewegungsmangel im Körper passiert, wie viel Bewegung ausreicht und wie Sie nachhaltig beginnen.
An wen richtet er sich? An Menschen, deren Arzt „mehr Bewegung“ verordnet hat, aber niemand erklärt hat, wie viel und wie; an Menschen mit sitzender Tätigkeit; und an alle, die nach einer Erkrankung oder Operation Angst vor einem Neustart haben.
Die wichtigste Botschaft: 150–300 Minuten moderate Bewegung pro Woche plus zweimal Krafttraining pro Woche – das ist das Ziel, aber jede Minute zählt, und es ist nie zu spät, anzufangen. Bewegungsmangel ist kein neutraler Zustand, sondern ein innerhalb weniger Wochen einsetzender Abbau. Unterbrechen Sie außerdem jede Stunde das Sitzen, auch wenn Sie regelmäßig trainieren.
Der nächste Schritt: Beginnen Sie noch in dieser Woche mit täglich 10–15 Minuten Gehen. Für das vollständige Bild eines gesunden Lebensstils lesen Sie den Artikel über die Ursachen chronischer Entzündungen →

Weiterlesen

  • Chronische Entzündung – suchen Sie die Ursache in Ihrem Lebensstil →
  • Entzündungshemmende Ernährung →
  • Zusammenhang zwischen anhaltendem Stress und Erkrankungen →
  • Schlafstörung, Insomnie, Schlaflosigkeit →
  • Rückenmuskeltraining mit einem 4-Kanal-Muskelstimulator →

Wissenschaftliche Quellen

  1. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S, et al. (2020). World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine, 54(24), 1451–1462. DOI: 10.1136/bjsports-2020-102955
  2. Ekelund U, Steene-Johannessen J, Brown WJ, et al. (2016). Does physical activity attenuate, or even eliminate, the detrimental association of sitting time with mortality? A harmonised meta-analysis of data from more than 1 million men and women. The Lancet, 388(10051), 1302–1310. DOI: 10.1016/S0140-6736(16)30370-1
  3. Gleeson M, Bishop NC, Stensel DJ, Lindley MR, Mastana SS, Nimmo MA (2011). The anti-inflammatory effects of exercise: mechanisms and implications for the prevention and treatment of disease. Nature Reviews Immunology, 11(9), 607–615. DOI: 10.1038/nri3041
  4. Singh B, Olds T, Curtis R, et al. (2023). Effectiveness of physical activity interventions for improving depression, anxiety and distress: an overview of systematic reviews. British Journal of Sports Medicine, 57(18), 1203–1209. DOI: 10.1136/bjsports-2022-106195
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der Orientierung. Sie ersetzen weder eine ärztliche Untersuchung noch eine individuell abgestimmte ärztliche Beratung. Wenden Sie sich mit Ihren Beschwerden immer an einen Arzt.

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