Was ist ein Dermatom – und warum sollten Sie es auch als Laie kennen?
Ein Dermatom ist der Hautstreifen, dessen Empfindungen – Berührung, Schmerz und Temperatur – von einer einzigen Nervenwurzel des Rückenmarks zum Gehirn geleitet werden. Aus dem Rückenmark treten paarweise 31 Nervenwurzeln aus (8 Hals-, 12 Brust-, 5 Lenden-, 5 Kreuzbein- und 1 Steißbeinwurzel). Jede von ihnen versorgt ein bestimmtes Hautgebiet. Ihr Körper ist dadurch – für das Auge unsichtbar – wie eine Karte in regelmäßige „Segmente“ aufgeteilt. Die Halswurzeln versorgen den Arm, die Brustwurzeln den Rumpf in gürtelförmig verlaufenden Streifen, die Lenden- und Kreuzbeinwurzeln das Bein.
Das klingt zunächst nach Lexikonwissen, ist aber sehr praktisch: Wenn Taubheit, Schmerzen oder ein Gefühlsverlust entlang eines solchen Streifens auftreten, bedeutet das, dass die Ursache nicht dort liegt, wo Sie sie spüren, sondern an der Wirbelsäule – an der Nervenwurzel, zu der dieser Streifen „gehört“. Im Kopf des Arztes funktioniert die Karte dann rückwärts: Aus dem Ort des Symptoms schließt er auf die Höhe der Schädigung. Wenn Sie diese Logik verstehen, können Sie Ihre Beschwerden viel genauer beschreiben. Sie verstehen dann auch besser, warum ein Bandscheibenvorfall in das Bein ausstrahlt, warum eine Gürtelrose gürtelförmig verläuft und warum sich eine „Handschuh-Strumpf“-Taubheit von einer Taubheit durch eine Nervenwurzel unterscheidet.
Kerngedanke
Der Ort des Schmerzes oder der Taubheit entspricht nicht immer dem Ort der Ursache: Die Dermatomkarte verbindet beides. Wenn die Beschwerden in einem einzigen, klar begrenzten Hautstreifen verlaufen – am Arm bis zu den Fingern, am Rumpf gürtelförmig oder am Bein in einem Streifen über Oberschenkel und Unterschenkel –, liegt die Ursache typischerweise an einer Nervenwurzel an der Wirbelsäule. Die Karte ist jedoch nicht millimetergenau. Benachbarte Dermatome überlappen sich deutlich und unterscheiden sich auch von Mensch zu Mensch. Deshalb ist die Karte ein Kompass, kein GPS. Die genaue Höhe ergibt sich immer aus der ärztlichen Untersuchung (Muskelkraft, Reflexe und Bildgebung).


Wie können Sie Ihren Körper „lesen“? Drei Muster, drei Bedeutungen
Die Verteilung von Taubheit und Nervenschmerzen kann drei grundlegenden Mustern folgen. Jedes bedeutet etwas anderes. Das ist der wichtigste praktische Teil dieses Artikels – klicken Sie auf die Registerkarten:
Wenn die Beschwerden einem einzigen Dermatomstreifen folgen, liegt die Ursache an der Wirbelsäule. Am häufigsten drückt ein Bandscheibenvorfall auf die Nervenwurzel, seltener eine verschleißbedingte Einengung der Wirbel, eine Nervenentzündung nach einer Gürtelrose oder ein anderer Prozess an der Nervenwurzel. Typisches Beispiel: Bei einer Reizung der L5-Wurzel verläuft der Schmerz vom Gesäß über die Außenseite von Oberschenkel und Unterschenkel bis zur Großzehe. Das Anheben des Fußes kann schwächer werden. Bei S1 strahlt der Schmerz an der Rückseite von Oberschenkel und Unterschenkel in Richtung Ferse und kleiner Zehe aus. Das Stehen auf den Zehenspitzen kann schwächer werden. Eine wichtige Feinheit, die die medizinische Forschung geklärt hat: Scharfer, streifenförmig ausstrahlender Schmerz und Gefühlsstörungen sprechen für eine Schädigung der Nervenwurzel. Dumpfer, schwer lokalisierbarer Schmerz, der sich vom unteren Rücken in Gesäß und Oberschenkel „ausbreitet“, ist dagegen oft nicht durch eine Nervenwurzel, sondern durch Gelenke und Muskeln bedingt und wird als übertragener Schmerz bezeichnet.3 Die Behandlung ist unterschiedlich. Deshalb ist die Unterscheidung wichtig.
Weiter entfernt von der Wirbelsäule ordnen sich die Fasern der Nervenwurzeln neu und verbinden sich zu peripheren Nerven. Ein peripherer Nerv führt daher Fasern aus mehreren Dermatomen und versorgt ein eigenes Hautgebiet, das sich von den Dermatomen unterscheidet. Wird der Nerv auf seinem Verlauf eingeengt – typischerweise in einem engen Kanal oder „Tunnel“ –, folgt die Taubheit dem Gebiet dieses Nervs und nicht dem Dermatom. Das bekannteste Beispiel ist das Karpaltunnelsyndrom: Daumen, Zeige- und Mittelfinger werden typischerweise nachts taub. Das ist das Versorgungsgebiet des Medianusnervs und nicht einer Halsnervenwurzel. Dieser Unterschied entscheidet, ob die Halswirbelsäule oder das Handgelenk behandelt werden muss. Mehr dazu: Karpaltunnelsyndrom → und Behandlungsmöglichkeiten bei Tunnelsyndromen →
Das dritte Muster betrifft weder einen Streifen noch das Gebiet eines einzelnen Nervs. Es zeigt sich symmetrisch an beiden Füßen (später auch an den Händen), strumpf- beziehungsweise handschuhförmig als Taubheit, Brennen oder Gefühlsstörung. Das ist typisch für eine Polyneuropathie: Nicht ein einzelner Nerv oder eine Nervenwurzel ist geschädigt, sondern die Enden der längsten Nervenfasern. Häufige Ursachen sind Diabetes, Alkohol, Vitamin-B12-Mangel oder eine Chemotherapie. Die Unterscheidung ist entscheidend. Hier muss nicht die Wirbelsäule, sondern der Stoffwechsel untersucht werden. Wenn dieses Muster bei Ihnen vorliegt, lesen Sie hier weiter: Ursachen der peripheren Neuropathie und Linderung der Schmerzen → und Ursachen des Burning-Feet-Syndroms →
Die wichtigsten Dermatome – mit Orientierungspunkten
Sie müssen nicht alle 31 Segmente kennen. Die folgenden Höhen decken den größten Teil der Beschwerden ab. Auch Ärzte nutzen Orientierungspunkte – einige davon können Sie sich merken:
| Nervenwurzel | Typisches Hautgebiet / Orientierungspunkt | Bei welchen Beschwerden kommt sie infrage? |
|---|---|---|
| C5 | Außenseite von Schulter und Oberarm | Halswirbelsäulen-Bandscheibenvorfall, „Schulter-Arm-Syndrom“ |
| C6 | Außenseite des Unterarms, Daumen und Zeigefinger | Eine der häufigsten Höhen bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule |
| C7 | Rückseite des Arms, Mittelfinger | Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule; der Trizepsreflex kann schwächer sein |
| C8 | Innenseite des Unterarms, Ring- und kleiner Finger | Halsnervenwurzel oder Ulnarisnerv am Ellenbogen – die Unterscheidung ist ärztliche Aufgabe |
| T4 | Brustwarzenlinie, gürtelförmig | Gürtelrose, Schmerzen durch eine Brustnervenwurzel |
| T10 | Nabelhöhe, gürtelförmig | Gürtelrose; Abgrenzung innerer Erkrankungen als Schmerzursache |
| L4 | Vorderseite des Oberschenkels, Innenseite des Unterschenkels | Lendenwirbelsäulen-Bandscheibenvorfall; der Kniesehnenreflex kann schwächer sein |
| L5 | Außenseite des Unterschenkels, Fußrücken, Großzehe | Häufigste Höhe eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule; Schwäche beim Anheben des Fußes (Peroneus-Muster) |
| S1 | Rückseite von Oberschenkel und Unterschenkel, Ferse, kleiner Zeh | Ischiasartige Ausstrahlung; der Achillessehnenreflex kann schwächer sein, Zehenspitzenstand erschwert |
| S3–S5 | „Sattel“-Region am Damm und um den After | Alarmzeichen: Taubheit in diesem Gebiet ist ein Notfallzeichen (siehe unten) |
Eine praktische Anmerkung: Lehrbuchkarten der Dermatome widersprechen sich teilweise, weil sie mit unterschiedlichen, zum Teil jahrhundertealten Methoden erstellt wurden. Nach den heute verfügbaren Erkenntnissen kann sich die Ausdehnung der Streifen von Mensch zu Mensch unterscheiden, und benachbarte Segmente können sich stark überlappen.1,2 Wenn Ihre Taubheit der Abbildung also „nicht genau“ folgt, bedeutet das nicht, dass Sie sich die Beschwerden einbilden. Umgekehrt ist ein zur Karte passendes Beschwerdebild noch keine Diagnose, sondern ein guter Hinweis, den die Untersuchung bestätigen kann.
Wie nutzen wir Dermatome in der Praxis?
Ein Bandscheibenvorfall drückt auf die austretende Nervenwurzel. Die Beschwerden treten im Dermatom und in den Muskeln dieser Wurzel auf: Bei einem L5-Vorfall sind die Außenseite des Unterschenkels und das Anheben des Fußes betroffen, bei S1 die Rückseite des Beins und der Zehenspitzenstand. Aus dem Taubheitsstreifen, der Muskelkraft und den Reflexen kann der Arzt oft vorhersagen, was im MRT zu sehen sein wird. Die Karte hilft Ihnen, genau zu beobachten und zu beschreiben: Wie weit strahlt der Schmerz aus (reicht er unter das Knie? Das ist eine wichtige Grenze), welcher Zeh wird taub, wird eine bestimmte Bewegung schwächer? Mehr dazu: Bandscheibenvorfall – was können Sie tun? → und Ischias: Symptome und Behandlung →
Die Gürtelrose ist der sichtbarste Beleg für das Dermatomsystem. Das Windpockenvirus kann jahrzehntelang in den Nervenknoten der Nervenwurzeln ruhen und bei geschwächter Abwehr wieder aktiv werden. Da es in einem einzelnen Nervenknoten erwacht, zeichnet der Bläschenausschlag genau ein Dermatom nach: einseitig, gürtel- oder streifenförmig und mit einer scharfen Grenze zur Körpermitte. Am häufigsten tritt er am Rumpf (Segmente T3–L2) oder im Gesicht auf. Dem Ausschlag können tagelang brennende Schmerzen in diesem Streifen vorausgehen – viele Menschen denken dann zunächst an einen Herzinfarkt, Gallensteine oder eine Nierenkolik.4 Eine schnelle Erkennung ist wichtig, weil eine antivirale Behandlung in den ersten 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags am wirksamsten ist. Mehr über Nervenschmerzen nach dem Abklingen und die ergänzende Laserbehandlung: Herpes und Gürtelrose mit Softlaser behandeln →
Bei einer rückenmarksnahen (spinalen oder epiduralen) Anästhesie denkt der Anästhesist in Dermatomhöhen: Bei einer geburtshilflichen Epiduralanästhesie soll beispielsweise eine Taubheit unterhalb von T10 (Nabelhöhe) erreicht werden. Bei einem Kaiserschnitt muss die Blockade bis T4 (Brustwarzenlinie) reichen. Die Höhe wird durch Kälte- oder Nadelstichtests auf der Haut kontrolliert. Auch bei einer Rückenmarksverletzung beschreibt dieses System die „Höhe“ der Schädigung, zum Beispiel „Gefühlsverlust unterhalb von Th12“, und bildet den Ausgangspunkt der Rehabilitation. Über die Chancen der Erholung bei einer bleibenden Nervenschädigung und die notwendigen Schritte habe ich einen eigenen Ratgeber geschrieben: Nervenschädigung – Folgen und Chancen der Erholung →
Die Kenntnis der Dermatome hat auch einen direkten Nutzen zu Hause: Bei der TENS-Behandlung werden die Elektroden typischerweise im Dermatom des schmerzenden Bereichs platziert. Das Gate-Control-Prinzip funktioniert meist am günstigsten, wenn die Reizung über dasselbe Rückenmarkssegment eintrifft wie der Schmerz. Bei einer Ausstrahlung durch eine Nervenwurzel kleben wir die Elektroden daher nicht nur dort auf, wo es schmerzt, sondern entlang des Streifens. Bei ischiasartigen S1-Schmerzen kann beispielsweise ein Elektrodenpaar neben der Wirbelsäule im unteren Rücken und ein weiteres Paar an der Rückseite von Oberschenkel und Unterschenkel platziert werden. Zu Programmen und Einstellungen: Schmerzlindernde Programme – welches ist wofür geeignet? →
Rote Flaggen – wenn Taubheit ein Notfall ist
Die Dermatomkarte hilft nicht nur beim Erklären, sondern auch beim Erkennen von Alarmzeichen. Wenn eines der folgenden Zeichen auftritt, probieren Sie keine Methoden zu Hause aus. Wenden Sie sich sofort an einen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst:
- Satteltaubheit + Probleme mit Urin oder Stuhl – Wenn der Damm, die Innenseiten der Oberschenkel oder die „Sattel“-Region um den After taub werden und eine Harnverhaltung, erschwertes Wasserlassen oder Stuhlinkontinenz hinzukommt (oft mit einer Schwäche beider Beine): Das spricht für ein Cauda-equina-Syndrom – eine Kompression der unteren Nervenwurzeln im Wirbelkanal, die eine Operation innerhalb weniger Stunden erforderlich machen kann. Sofort den Rettungsdienst rufen oder in die Notaufnahme gehen.
- Schnell zunehmende Muskelschwäche – Wenn neben der Taubheit innerhalb weniger Tage das Anheben des Fußes oder das Zupacken der Hand schwächer wird oder der Fuß beim Gehen „herunterklappt“: Die Nervenwurzel verliert nicht nur Gefühl, sondern auch Muskelkraft. Zur Vermeidung bleibender Schäden ist eine dringende Untersuchung erforderlich. Zur Rehabilitation bei Lähmungen: Lähmung einer Gliedmaße – was können Sie für die Erholung tun? →
- Verdacht auf Gürtelrose im Gesicht, um Auge oder Nasenspitze – Ein Ausschlag an Nasenspitze oder Nasenflügel deutet auf eine Beteiligung des Nervs hin, der das Auge versorgt. Eine Schädigung der Hornhaut kann das Sehvermögen gefährden. Noch am selben Tag zum Augenarzt beziehungsweise Arzt – auch wegen der antiviralen Behandlung.4
- Beidseitige, symmetrische, fortschreitende Taubheit – Eine von den Füßen aufsteigende Gefühlsstörung und Schwäche auf beiden Seiten passt nicht zu einer einzelnen Nervenwurzel. Es besteht der Verdacht auf eine Polyneuropathie oder – bei schneller Verschlechterung – auf ein Guillain-Barré-Syndrom. Letzteres ist ein Notfall.
- Fieber, Gewichtsverlust, Krebsvorgeschichte + Rückenschmerzen – Quälende Rückenschmerzen, die auch nachts bestehen und im Liegen nicht nachlassen, können zusammen mit diesen Begleitzeichen auf einen entzündlichen oder tumorbedingten Prozess an einer Nervenwurzel hinweisen. Dafür sind weder Übungen noch ein Gerät für zu Hause geeignet, sondern eine ärztliche Abklärung.
Was sagen die Studien? Nach den Fragen der Leser
„Warum finde ich im Internet mehrere widersprüchliche Dermatomkarten?“
Weil die Karten in unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Methoden erstellt wurden – und sich tatsächlich widersprechen. Die heute verwendeten Abbildungen gehen meist auf zwei Quellengruppen zurück: auf Beobachtungen aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Ausschläge bei Gürtelrose, Operations- und Verletzungsfälle) sowie auf die Karte von Keegan und Garrett aus dem Jahr 1948, die auf Patienten mit Bandscheibenvorfällen basiert und lange, gewundene Streifen zeigt. Lehrbücher verwenden einmal die eine, einmal die andere oder eine Mischung aus beiden Karten.2 Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2008 bewertete die verfügbaren Nachweise neu. Sie kam zu dem Schluss, dass die klassischen Karten teilweise auf fehlerhaften Untersuchungen beruhen, und erstellte eine evidenzbasierte Variante. Diese zeigt die Streifen, die bei den meisten Menschen am zuverlässigsten vorhanden sind, und betont die Überlappungen sowie die individuellen Unterschiede.1 Die Schlussfolgerung lautet nicht, dass die Karte unbrauchbar ist. Sie dient zur Orientierung, nicht für eine millimetergenaue Diagnose.
„Wenn der Schmerz vom unteren Rücken in den Oberschenkel ausstrahlt, ist das sicher ein Bandscheibenvorfall?“
Nein. Das ist eine der häufigsten Fehleinschätzungen, die durch die Schmerzforschung geklärt wurde. Drei unterschiedliche Erscheinungen werden oft miteinander vermischt: der örtliche Rückenschmerz; der übertragene Schmerz, bei dem sich ein dumpfer, schwer lokalisierbarer Schmerz aus den Gelenken und Bändern der Wirbelsäule in Gesäß und Oberschenkel „ausbreitet“ (das ist keine Schädigung einer Nervenwurzel und reicht typischerweise nicht unter das Knie); und der echte radikuläre Schmerz. Dieser ist scharf, streifenförmig, oft wie ein Stromschlag, verläuft entlang des Dermatoms bis in Unterschenkel und Fuß und kann von Taubheit und Muskelschwäche begleitet sein.3 Die Unterscheidung ist keine Haarspalterei: Hinter einem übertragenen Schmerz steckt kein Bandscheibenvorfall, der operiert werden müsste, und auch die Behandlung ist anders. Wenn der Schmerz unter das Knie ausstrahlt und einem Streifen folgt, spricht das eher für eine Beteiligung der Nervenwurzel. Wenn er an der Rückseite des Oberschenkels „verwaschen“ endet, ist das oft nicht der Fall.
„Kann eine Gürtelrose wirklich nur in einem Streifen auftreten?“
Typischerweise ja – und genau das ist ein wichtiger Hinweis. Laut der klinischen Übersicht im New England Journal of Medicine zeigt sich eine Gürtelrose typischerweise als einseitiger Bläschenausschlag, der auf ein einziges Dermatom begrenzt bleibt und die Körpermitte nicht überschreitet. Brennende Schmerzen oder Juckreiz in diesem Gebiet können bereits Tage zuvor auftreten. Die meisten Fälle betreffen die Segmente des Rumpfes.4 Zwei oder drei benachbarte Dermatome können betroffen sein. Ein ausgedehnter Ausschlag, der sich nicht an die Streifengrenzen hält, kommt jedoch vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem vor und muss immer ärztlich abgeklärt werden. Noch ein praktischer Hinweis: Für Menschen über 50 steht inzwischen eine wirksame Impfung gegen Gürtelrose und ihre gefürchtete Komplikation, monatelange postherpetische Nervenschmerzen, zur Verfügung. Fragen Sie Ihren Hausarzt danach.
Häufig gestellte Fragen
Mit guter Annäherung ja, sicher jedoch nicht. Richtung und Verlauf des Streifens zeigen tatsächlich die wahrscheinliche Höhe an. Wegen der Überlappungen und individuellen Unterschiede können benachbarte Nervenwurzeln jedoch verwechselt werden. Entscheidend sind die Untersuchung der Muskelkraft und Reflexe sowie bei Bedarf ein MRT. Der größte Nutzen der Karte zu Hause ist die genaue Beobachtung: Wenn Sie dem Arzt sagen können, dass „der Schmerz vom linken Gesäß über die Außenseite des Unterschenkels bis zur Großzehe verläuft und ich den Fuß schlechter anheben kann“, sparen Sie damit Zeit und unnötige Untersuchungen.
Es sind zwei Seiten desselben Segmentsystems: Ein Dermatom ist das Hautgebiet, dessen Empfindungen von einer Nervenwurzel geleitet werden. Ein Myotom umfasst die Muskeln, die von derselben Nervenwurzel bewegt werden. Deshalb treten beide Beschwerden oft gemeinsam auf: Bei einer Reizung der L5-Wurzel wird die Außenseite des Unterschenkels taub (Dermatom) UND das Anheben des Fußes schwächer (Myotom). Der Arzt untersucht beides immer gemeinsam. Wenn nur die Empfindung betroffen ist, ist das meist weniger dringlich. Ist auch die Muskelkraft beeinträchtigt, ist das ein dringlicheres Zeichen.
Weil Ihr Gehirn nicht den Entstehungsort des Schmerzes „sieht“, sondern erkennt, über welche Nervenbahn das Signal eintrifft. Die Nervenwurzel wird an der Wirbelsäule gedrückt. Die Fasern dieser Wurzel leiten jedoch Empfindungen aus dem Hautgebiet des Beins weiter. Deshalb projiziert das Gehirn das Signal dorthin, von wo die Nervenbahn normalerweise berichten würde: in das Dermatom des Beins. Dasselbe Prinzip erklärt, warum bei einem Herzinfarkt Schmerzen in den linken Arm ausstrahlen können und warum nach einer Amputation der nicht mehr vorhandene Körperteil schmerzen kann (Phantomschmerz).
Wahrscheinlich nicht. Beschwerden durch eine Nervenwurzel beziehungsweise ein Dermatom sind typischerweise einseitig und streifenförmig. Eine beidseitige, symmetrische, „strumpfförmige“ Taubheit entspricht eher dem Muster einer Polyneuropathie. Häufigste Ursachen sind Diabetes, Alkohol, Vitamin-B12-Mangel oder eine Schilddrüsenerkrankung. Die Ursache sollte durch Laboruntersuchungen gesucht werden. Ein Alarmzeichen ist jedoch die Kombination aus beidseitiger Taubheit, Gefühlsstörung im Dammbereich und Problemen beim Wasserlassen. Dann besteht der Verdacht auf ein Cauda-equina-Syndrom – sofort zum Arzt.
Ein beim Abtasten gefundener „verschobener Wirbel“ und die Taubheit stehen nicht automatisch in einem direkten Zusammenhang. Die Höhe einer Schädigung der Nervenwurzel lässt sich aus der gemeinsamen Untersuchung von Gefühl, Muskelkraft und Reflexen vermuten und durch Bildgebung bestätigen. Massage und manuelle Therapie können bei Muskelverspannungen und Schmerzen viel bewirken. Die Diagnose, „welcher Wirbel betroffen ist“, sollten Sie jedoch dem Arzt überlassen – insbesondere, wenn zusätzlich Taubheit oder Muskelschwäche besteht. Diese Zeichen gehen über das hinaus, was auf einer Massageliege beurteilt werden kann.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
- Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD. An evidence-based approach to human dermatomes. Clin Anat. 2008;21(5):363-373. DOI: 10.1002/ca.20636
- Downs MB, Laporte C. Conflicting dermatome maps: educational and clinical implications. J Orthop Sports Phys Ther. 2011;41(6):427-434. DOI: 10.2519/jospt.2011.3506
- Bogduk N. On the definitions and physiology of back pain, referred pain, and radicular pain. Pain. 2009;147(1-3):17-19. DOI: 10.1016/j.pain.2009.08.020
- Cohen JI. Clinical practice: Herpes zoster. N Engl J Med. 2013;369(3):255-263. DOI: 10.1056/NEJMcp1302674