Die Essigsäure-Iontophorese zur „Auflösung" des Fersensporns
Die Essigsäure-Iontophorese ist ein nicht-invasives therapeutisches Verfahren, bei dem mittels einer niederigen Gleichspannung Essigsäure (in der Regel als 5%-ige Lösung) in das Gewebe eingebracht wird. Die negativ geladenen Acetat-Ionen werden durch den elektrischen Strom durch die Haut transportiert und gezielt in Bereiche von Verkalkungen eingebracht. Die theoretische Grundlage besteht darin, dass die Acetat-Ionen mit ansonsten unlöslichen Kalziumablagerungen (z. B. Calciumcarbonat) reagieren und dabei Calciumacetat bilden, eine leichter lösliche Verbindung, die vom Blutkreislauf abtransportiert werden kann.
Die Essigsäure-Iontophorese ist ein nicht-invasives therapeutisches Verfahren, bei dem mittels einer niederigen Gleichspannung Essigsäure (in der Regel als 5%-ige Lösung) in das Gewebe eingebracht wird. Die negativ geladenen Acetat-Ionen werden durch den elektrischen Strom durch die Haut transportiert und gezielt in Bereiche von Verkalkungen eingebracht. Die theoretische Grundlage besteht darin, dass die Acetat-Ionen mit ansonsten unlöslichen Kalziumablagerungen (z. B. Calciumcarbonat) reagieren und dabei Calciumacetat bilden, eine leichter lösliche Verbindung, die vom Blutkreislauf abtransportiert werden kann.
Die Essigsäure-Iontophorese wird seit mehreren Jahrzehnten zur Behandlung von Erkrankungen mit Kalzifizierung (Verkalkung) eingesetzt – die ersten Berichte stammen aus den Jahren 1955 und 1977 – unter anderem bei verkalkender Schulterentzündung, Myositis ossificans und verkalkender Bursitis. Ziel ist es, die Löslichkeit von Kalzium zu erhöhen und so schmerzauslösende Verkalkungen aufzulösen oder zu reduzieren.
Der Fersensporn ist eine verkalkte Ausziehung am Fersenbein, die häufig Folge einer chronischen Plantarfasziitis ist. Obwohl viele Fersensporne symptomfrei bleiben, verursachen sie oft quälende Beschwerden und Schmerzen. Das prinzipielle Ziel der Essigsäure-Iontophorese beim Fersensporn ist, die Größe des Sporns zu verringern und die damit verbundene Weichteilentzündung zu lindern. Das Verfahren wird üblicherweise mit einer Schaumstoff-Elektrode und einer selbstklebenden Elektrode über dem Fersenbereich angewendet (die Essigsäure wird auf die negative Elektrode getropft). Die Behandlungen sollten einmal täglich über mindestens 20 Tage durchgeführt werden. Effektiver schien die Behandlung zu sein, wenn sie mit anderen Therapieformen kombiniert wurde, zum Beispiel mit Dehnübungen, Taping oder Ultraschallbehandlung. Die Ultraschallbehandlung wird nach der Iontophorese empfohlen. Das Gebiet über dem Fersensporn sollte fünf Minuten lang mit mittlerer Intensität behandelt werden. Das M‑Sonic 950 Gerät ist dafür beispielsweise geeignet.
Klinische Studien
Fallberichte
Die frühen Hinweise zur Anwendung der Essigsäure-Iontophorese bei Fersenspornen stammen aus Fallberichten. Diese beruhen auf Erfahrungsbeobachtungen und sind nicht als klinisch gesicherte Evidenz zu betrachten.
Japour et al. (1999) beschrieben 35 Patienten mit chronischen Fersenschmerzen. Es handelte sich um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie, doch die Ergebnisse waren bemerkenswert: 94 % der Patienten berichteten nach durchschnittlich 5,7 Behandlungen (~2,8 Wochen) von vollständiger oder signifikanter Schmerzlinderung. Der Schmerzwert der Patienten (auf einer Skala von 0–10) sank von 7,5 auf 1,8, und in der Langzeitnachbeobachtung (durchschnittlich 27 Monate später) betrug der mittlere Schmerzwert lediglich 0,64. Zudem hätten 94 % der Patienten die Behandlung anderen empfohlen.
Ein weiterer Fallbericht von Costa (2008) beschrieb einen 15-jährigen Fußballspieler mit chronischer Plantarfasziitis, die auf andere Therapien nicht angesprochen hatte. Der Patient erhielt über vier Wochen Essigsäure-Iontophorese, ergänzt durch Ultraschallbehandlung und kombiniert mit Einlagen. Die Beschwerden verschwanden innerhalb von sechs Wochen, und der Patient kehrte vollständig zum Sport zurück.
Nikhade et al. (2014) berichteten über eine 29-jährige Patientin mit einem radiologisch nachgewiesenen 9×5 mm großen Fersensporn. Die Patientin erhielt über drei Wochen fünf Behandlungen pro Woche und anschließend weitere drei Wochen drei Behandlungen pro Woche; dabei wurden Essigsäure-Iontophorese mit einer Dosis von 80 mA·min und Ultraschall angewendet. Am Ende der Behandlung (~6 Wochen, ~24 Sitzungen) zeigte die Röntgenaufnahme eine ~85%-ige Reduktion der Sporngröße, und ihre Schmerzen verschwanden vollständig (VAS von 7/10 auf 0/10).
Kontrollierte Studien
Eine frühe randomisierte Studie (Cairo University, 2001) untersuchte die Verringerung der Spongröße und Schmerzlinderung. 30 Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe erhielt Essigsäure-Iontophorese und Dehnübungen, die andere Gruppe erhielt Ultraschalltherapie und dieselben Dehnübungen. Beide Gruppen erhielten neun Behandlungen über drei Wochen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Essigsäure-Iontophorese zu einer größeren Schmerzminderung führte als der Ultraschall, die Sporngröße änderte sich jedoch nicht signifikant.
Osborne und Allison (2006) führten eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie durch, in der Essigsäure-Iontophorese mit Dexamethason- und Placebo-Iontophorese verglichen wurde. An der Studie nahmen 31 Patienten (42 betroffene Füße) teil, die über zwei Wochen sechs Behandlungen erhielten. Die Ergebnisse zeigten, dass alle Gruppen Verbesserungen erfuhren (auch die Placebogruppe), jedoch erzielte die Essigsäuregruppe nach vier Wochen eine signifikant größere Schmerzminderung und eine bessere morgendliche Mobilität.
Zusammenfassung
Die Essigsäure-Iontophorese ist eine prüfbare Methode zur Behandlung von Fersenschmerzen durch Fersensporn.
Einige Ärzte berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung innerhalb von 2–4 Wochen, obwohl die Reduktion der Sporngröße variabel ist und nicht garantiert werden kann. Die Therapie sollte idealerweise mit anderen konservativen Maßnahmen kombiniert werden, etwa Dehnübungen und Ultraschallbehandlung.
Auch wenn die Essigsäure-Iontophorese den Fersensporn meist nicht buchstäblich „aufschmilzt“, stützen klinische Studien die Annahme, dass sie ein wirksames Mittel zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung sein kann.