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Essigsäure‑Iontophorese bei Fersenschmerzen und Fersensporn

Essigsäure‑Iontophorese bei Fersenschmerzen und Fersensporn

Die Essigsäure‑Iontophorese ist ein nicht‑invasives elektrotherapeutisches Verfahren, bei dem mittels schwachem Gleichstrom (DC) Essigsäure auf die Region des Fersenbeins (Calcaneus) bzw. auf andere verkalkte Weichteilveränderungen (z. B. verkalkende Schulterentzündung) aufgebracht wird. Ziel der Behandlung ist die Linderung chronischer Schmerzen und die Reduktion der mechanischen Wirkung kalkiger Ablagerungen – nicht das ‚Auflösen‘ des Fersensporns. In diesem Leitfaden besprechen wir die aktuelle klinische Evidenz, den zugrunde liegenden Mechanismus und die Grenzen der Methode.

Elektrostimulation
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Fersenschmerzen und Fersensporn – was kann die Essigsäure‑Iontophorese und was nicht?

Wenn Sie seit Monaten jeden Morgen beim ersten Auftreten einen stechenden, „messerschnittartigen“ Schmerz in der Ferse haben, leiden Sie vermutlich an einem Fersensporn oder an einer Plantarfasziitis. Man findet oft Behauptungen wie „Essigsäure‑Iontophorese löst den Fersensporn auf“ – in diesem Beitrag erkläre ich, was Sie realistischerweise erwarten können und was nicht. Zur allgemeinen Wirkungsweise der Iontophorese lesen Sie auch meinen Artikel zur Iontophorese.

Kernaussage

Die Formulierung „Fersensporn auflösen“ ist eher ein Marketing‑Slogan und klinisch ungenau. Die Hauptwirkung der Behandlung ist Schmerzlinderung und die Verringerung der Entzündung des umgebenden Weichgewebes – nicht das vollständige Verschwinden der kalkigen Knochenvorsprünge. Aktuelle Forschung [1] zeigt, dass die Iontophorese in Kombination mit entzündungshemmenden Wirkstoffen innerhalb von etwa 6 Wochen eine deutliche Schmerzlinderung bei Plantarfasziitis bringen kann (ähnlich der Stoßwellentherapie). Am besten wirkt die Iontophorese, wenn sie Teil eines kombinierten Behandlungsplans ist: Dehnübungen, geeignete Einlagen, Gewichtsmanagement und ergänzende Physiotherapie.

Was ist ein Fersensporn und warum tut er weh?

Ein „Fersensporn" (Calcaneus‑Sporn) ist ein Knochenvorsprung am Fersenbein, typischerweise dort, wo die Plantaraponeurose oder die Achillessehne ansetzt. Er ist auf Röntgenbildern gut sichtbar – aber ein wichtiger Punkt: der Sporn verursacht häufig überhaupt keine Beschwerden. Viele Erwachsene haben einen Sporn, ohne jemals Schmerzen zu entwickeln.

Was verursacht dann die Schmerzen? In der Regel liegt der Schmerz einer Ferse an einer chronischen Plantarfasziitis – einer Weichteilentzündung, die durch wiederholte Mikroverletzungen des plantar Faszienansatzes und die damit verbundene entzündliche Reaktion entsteht. Der Fersensporn ist meist nur ein radiologischer Befund, nicht die direkte Schmerzursache.

Daher ist es wichtig, die richtige Formulierung zu verwenden: Das Ziel der Essigsäure‑Iontophorese ist nicht das ‚Auflösen‘ des Sporns, sondern die Reduktion der Entzündung des umliegenden Weichgewebes und die Schmerzlinderung. Weiterführende Artikel:

  • Ursachen von Fersensporn und häusliche Behandlung
  • Plantarfasziitis (Fersenschmerzen)

Wie kann Essigsäure an der Ferse wirken?

Studien [5] geben Hinweise, dass die Essigsäure‑Iontophorese auf drei verschiedene Weisen zur Linderung Ihrer Beschwerden beitragen kann. Wichtig: Keine dieser Wirkungen ist ein sofortiges Heilwunder – der Effekt baut sich über Wochen auf und ist am zuverlässigsten, wenn die Iontophorese Teil eines kombinierten physiotherapeutischen Programms ist.

Der theoretische Mechanismus lautet, dass Essigsäure im Gewebe mit den kalkigen Ablagerungen chemisch reagiert und Calciumacetat bildet, das in Körperflüssigkeiten besser löslich ist. Die Realität ist jedoch differenzierter: Dieser Vorgang lässt sich im Labor nachweisen, ist aber im lebenden menschlichen Gewebe schwer messbar, und es gibt keine verlässlichen Belege dafür, dass dadurch Ihr sichtbarer Knochenvorsprung vollständig verschwindet. Die Studienlage [4] zeigt, dass viele Untersuchungen methodische Schwächen aufweisen. Anders gesagt: erwarten Sie nicht, dass Ihr Röntgenbild nach der Behandlung ‚sauber‘ aussieht – der Schmerz kann sich zwar bessern, die Verkalkung bleibt häufig bestehen.

Die wahrscheinlich wirklich wirksame Komponente ist nicht das ‚Auflösen‘ der Verkalkung, sondern die Reduktion der Entzündung im umliegenden Weichgewebe. Aktuelle Übersichtsarbeiten [5] sehen die Essigsäure‑Iontophorese als wertvolle Komponente eines komplexen physiotherapeutischen Behandlungspakets (in Kombination mit Dehnübungen, Einlagen, Anpassung des Schuhwerks). Eine Studie von 2025 [6] berichtet zudem über günstige Kosten‑Nutzen‑Effekte, wenn Physiotherapie (Übungen + Iontophorese) ergänzend zur üblichen Versorgung eingesetzt wird.

Eine aktuelle klinische Studie [1] verglich bei Plantarfasziitis eine Iontophorese‑Behandlung (mit Lokalanästhetikum Lidocain und Entzündungshemmer Dexamethason) mit radialer Stoßwellentherapie. In beiden Gruppen wurde eine vollständige Schmerzlinderung erreicht – die Stoßwelle nach etwa 3 Wochen, die Iontophorese nach etwa 6 Wochen. Das deutet darauf hin, dass Iontophorese bei Fersenschmerzen am effektivsten ist, wenn sie nicht ausschließlich mit Essigsäure durchgeführt wird, sondern nach ärztlicher Abklärung mit lokalen entzündungshemmenden Substanzen kombiniert wird.

Bei welchen Beschwerden kann Essigsäure‑Iontophorese helfen?

Suchen Sie in der folgenden Liste nach Ihrer Beschwerde. In jedem Abschnitt finden Sie, was Sie von der Behandlung erwarten können und was nicht.

Wenn beim ersten Schritt am Morgen ein stechender Schmerz in die Ferse fährt und die Beschwerden seit Wochen oder Monaten bestehen, ist sehr wahrscheinlich eine Plantarfasziitis oder ein Fersensporn die Ursache. Aktuelle Studien [1] zeigen, dass eine Iontophorese, die mit entzündungshemmenden Wirkstoffen kombiniert wird, innerhalb von etwa 6 Wochen eine deutliche Besserung bringen kann (vergleichbar mit Stoßwellentherapie). Die Studie von 2025 [6] legt nahe, dass Physiotherapie (Übungen + Iontophorese) eine nützliche Ergänzung zur fachärztlichen Versorgung ist. Wichtig: Iontophorese allein führt selten zu dauerhaften Ergebnissen – ein effektives Behandlungspaket sollte Dehnübungen, Einlagen und geeignetes Schuhwerk enthalten; bei Übergewicht ist Gewichtsreduktion hilfreich. Die klare Diagnose sollte durch einen Arzt erfolgen.

Wenn Kalkablagerungen in Ihrem Schultergelenk (radiologisch oder per Ultraschall nachgewiesen) die Schmerzen verursachen, sollte die Anwendung der Essigsäure‑Iontophorese sorgfältig abgewogen werden. Aktuelle Übersichten [3][4] bewerten die Evidenzlage als schwach, und klinisch überzeugende Vorteile gegenüber Placebo wurden nicht eindeutig gezeigt. Ein seltener Fallbericht [2] dokumentierte nach einer längeren Kur eine deutliche radiologische Verringerung. Wichtig: Übliche und evidenzstärkere Behandlungen bei kalkiger Tendinopathie sind Stoßwellentherapie, ultraschallgesteuerte Aspiration und Kortikosteroidinjektionen. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt die für Ihren Fall geeignete Strategie.

Bei anhaltendem ziehendem Schmerz entlang der Achillessehne oder bei nachgewiesener Verkalkung im Bereich des Sprunggelenks kann Essigsäure‑Iontophorese als ergänzende Option in Betracht gezogen werden [5]. Wichtig: Auch hier ist die Evidenz begrenzt und die Behandlung sollte immer erst nach ärztlicher Diagnose begonnen werden. Hinter Achillesschmerzen können auch Teil‑ oder vollständige Sehnenrupturen stehen – diese müssen vor einer elektrischen Therapie ausgeschlossen werden.

Historisch wurde Essigsäure‑Iontophorese auch bei anderen kalkigen Weichteilveränderungen angewendet (z. B. vorhandener Kalk im Muskel, zervikale Verkalkungen). Wichtig: Für diese Beschwerden gibt es keine aktuellen, verlässlichen klinischen Belege. Versuchen Sie nicht, komplexe knöcherne oder großflächige Verkalkungen mit einer Heim‑Iontophorese zu behandeln – solche Fälle benötigen fachorthopädische Abklärung und Therapie. Die Methode ist nicht geeignet zur Behandlung von Knochenbrüchen, frischen Verkalkungen oder komplexen orthopädischen Problemen.

Wie sieht eine Kur mit Essigsäure‑Iontophorese aus?

Wenn Sie sich, nach ärztlicher Beratung, für eine Therapie entscheiden, ist ein typisches Behandlungsprotokoll wie folgt:

Essigsäure‑Iontophorese‑Kur – was Sie erwarten können
Parameter Typischer Wert Was das für Sie bedeutet
Konzentration der Essigsäure 2–5 % Höhere Konzentrationen können Hautreizungen verursachen – halten Sie sich an ärztliche Anweisungen
Unter welcher Elektrode platzieren? unter der negativen (–) Elektrode Essigsäure ist negativ geladen – daher erfolgt die Penetration vom Kathodenpol
Stromstärke 1–5 mA Leichtes Kitzeln, milde Wärme – bei schmerzhaften Empfindungen reduzieren
Dauer einer Sitzung 15–20 Minuten Kann beim Fernsehen oder Lesen durchgeführt werden
Häufigkeit pro Woche 3 Anwendungen An drei Tagen pro Woche, meist jeden zweiten Tag
Dauer der Kur 4–6 Wochen Geduld erforderlich – spürbare Besserung meist gegen Ende der 4.–6. Woche
Wo platziere ich die Elektroden? Die Essigsäure‑gekoppelte (negative) Elektrode über der Ferse, die zweite gegenüberliegend Der Stromfluss verläuft zwischen den beiden Elektroden und durchquert das schmerzhafte Gebiet
Womit kombinieren? Dehnung, Einlage, Krankengymnastik Iontophorese allein ist selten ausreichend – sie ist ein Teil des Gesamtkonzepts

Wichtig – reine Essigsäure oder entzündungshemmender Wirkstoff?

Aktuelle Studien [1] legen nahe, dass die Behandlung von Fersenschmerzen nicht am wirksamsten mit reiner Essigsäure ist, sondern wenn dem Präparat ein entzündungshemmender Wirkstoff (z. B. Dexamethason) zugesetzt wird. Die Auswahl des geeigneten Wirkstoffes ist Aufgabe des behandelnden Arztes – Ihr Arzt oder Apotheker berät Sie dabei.

Was dürfen Sie nicht von der Essigsäure‑Iontophorese erwarten?

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Ihre Erwartungen realistisch sein:

  • Der Fersensporn wird nicht ‚vom Röntgenbild verschwinden‘. Der Schmerz kann abklingen, der Knochenvorsprung bleibt in der Regel bestehen. Lassen Sie sich nicht von Versprechungen täuschen, die eine garantierte ‚Auflösung‘ der Verkalkung versprechen.
  • Keine erste Wahl bei kalkigen Schulterschmerzen. Übersichtsarbeiten [3][4] bewerten den Nutzen der Iontophorese bei kalkiger Tendinopathie der Schulter als schwach. Stoßwellentherapie und ultraschallgesteuerte Aspiration haben deutlich stärkere Evidenz.
  • Keine schnelle Wirkung erwarten. Eine spürbare Besserung tritt in der Regel erst nach 4–6 Wochen regelmäßiger Behandlung ein. Behauptungen wie „nach zwei Behandlungen ist alles schmerzfrei“ sind unrealistisch.
  • Ersetzt nicht die kombinierte Therapie. Dehnübungen, geeignete Einlagen, passendes Schuhwerk und bei Bedarf Gewichtsreduktion sind mindestens genauso wichtig wie die Iontophorese.
  • Heilt keine Knochenbrüche oder Sehnenrupturen. Solche Fälle erfordern chirurgische und fachärztliche Versorgung – versuchen Sie nicht, sie mit Heim‑Iontophorese zu behandeln.
  • Behandelt nicht systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie. Diese Erkrankungen benötigen internistische Betreuung.

Mit welchem Gerät lässt sich die Behandlung zuhause durchführen?

Wichtig: nicht jedes TENS‑Gerät ist für Iontophorese geeignet – es wird eine spezielle Gleichstrom‑(DC)‑Funktion benötigt. Aus dem Produktportfolio sind folgende Geräte geeignet:

  • IontoBravo – speziell für Iontophorese entwickelt, spezialisiert auf Hyperhidrose und lokale Schmerzlinderung.
  • Globus Genesy 3000 – 4‑kanaliges Multifunktionsgerät mit TENS, EMS, Mikroströmung und Iontophorese‑Programmen.

Die komplette Iontophorese‑Produktkategorie finden Sie hier. Wirkstoff und Protokoll sollten stets mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten abgestimmt werden.

Wann sollten Sie nicht zuhause mit Essigsäure‑Iontophorese beginnen?

Die allgemeinen Gegenanzeigen für Elektrotherapien gelten auch hier. Details siehe die Artikel zu Gegenanzeigen elektrischer Behandlungen und elektrische Behandlung und Implantate.

  • Sie haben einen Herzschrittmacher, ICD oder einen implantierten Neurostimulator – nur nach Freigabe durch Kardiologe/Arrhythmologen.
  • Sie sind schwanger – aus Sicherheitsgründen meiden.
  • Am zu behandelnden Bereich liegt ein Tumor vor – nicht behandeln.
  • Sie sind allergisch gegen Essigsäure oder Ihre Haut ist sehr empfindlich – vorher an einer kleinen Stelle testen.
  • Frische Wunde, Ekzem oder Hautinfektion an der Ferse – warten Sie bis zur Heilung; Essigsäure kann stark reizen.
  • Sie haben an der betroffenen Hautstelle keinen Temperatur‑ oder Berührungssinn – dann ist eine sichere Einstellung schwierig.
  • Metallimplantat (Schraube, Platte) in der Ferse – Risiko elektrischer Erwärmung.
  • Die Ferse ist heiß, gerötet, geschwollen oder begleitet von Fieber – möglicherweise akute Infektion; dringend ärztlich abklären.
  • Neu aufgetretener, sich verschlechternder oder unklarer Fersenschmerz – zuerst ärztliche Diagnose (Stressfraktur, Nervenwurzelkompression, Tumor ausschließen).
  • Thrombose (DVT) im Bein – wegen Embolisationsrisiko verboten.

Bei neu aufgetretenem, sich verschlechterndem oder unklarem Fersenschmerz immer zuerst zum Arzt, erst danach Iontophorese erwägen.

FAQ Häufige Fragen zur Essigsäure‑Iontophorese

Das ist nicht zu erwarten. Aktuelle Studien [1][3][4] zeigen, dass die Hauptwirkung der Behandlung Schmerzlinderung ist – nicht das sichtbare Verschwinden des kalkigen Knochenvorsprungs. Ein seltener dokumentierter Fall [2] berichtete über eine Abnahme einer kalkigen Ablagerung an der Schulter – das ist jedoch kein allgemeiner Erwartungswert. Der Ausdruck „Fersensporn auflösen“ ist eher ein Marketing‑Claim als klinische Realität.

Studien legen nahe, dass eine regelmäßige Behandlung über 3–6 Wochen nötig ist, um eine nennenswerte Verbesserung zu sehen. Bei Plantarfasziitis [1] trat bei behandelten Patienten die vollständige Schmerzlinderung bis zur 6. Woche ein. Nach 1–2 Sitzungen sind keine großen Veränderungen zu erwarten – Geduld ist erforderlich.

Essigsäure zielt theoretisch auf das Lösen von Kalkablagerungen ab. Dexamethason hingegen ist ein entzündungshemmender Wirkstoff, dessen Iontophorese direkt auf die Reduktion der Entzündung des schmerzhaften Bereichs abzielt. Aktuelle Forschung [1] deutet darauf hin, dass die Kombination mit entzündungshemmenden Substanzen bei Fersenschmerzen wirksamer sein kann als reine Essigsäure. Die Auswahl hängt vom konkreten Befund und der Einschätzung des behandelnden Arztes ab. Beide Wirkstoffe werden über die negative Elektrode appliziert.

Sie ergänzt, ersetzt aber nicht. Wenn Ihr Arzt aufgrund der Beschwerden eine Operation oder eine Injektion empfiehlt, ist die Iontophorese keine gleichwertige Alternative – sie kann allenfalls die postoperative Rehabilitation unterstützen. Die Behandlungsstrategie sollte immer in Absprache mit dem Arzt festgelegt werden.

Immer in Kombination. Studien [5][6] zeigen, dass Essigsäure‑Iontophorese am wirksamsten ist, wenn sie Teil eines komplexen Behandlungsprogramms ist: Dehnübungen (Achillessehne und Plantaraponeurose), passende Einlagen, geeignetes Schuhwerk, Gewichtsreduktion und gegebenenfalls Stoßwellentherapie. Die alleinige Heim‑Iontophorese hat begrenzte Wirkung.

Nur mit Erlaubnis des Kardiologen/Arrhythmologen. Aktive Implantate (Herzschrittmacher, ICD, neurostimulatorische Systeme) können durch elektrische Behandlungen gestört werden. Details siehe den Artikel zu elektrischen Behandlungen und Implantaten.

Zusammenfassung – Essigsäure‑Iontophorese kurz gefasst

Was sollten Sie als Patient wissen?

  • Die Hauptwirkung der Essigsäure‑Iontophorese ist Schmerzlinderung und die Reduktion der Entzündung des umliegenden Weichgewebes – nicht das ‚Auflösen‘ des Fersensporns.
  • Hilfreich besonders bei: Plantarfasziitis und Fersenschmerzen [1] – insbesondere in Kombination mit entzündungshemmenden Wirkstoffen.
  • Die Evidenz ist schwach bei kalkigen Schulterschmerzen [3][4] – dort sind andere Behandlungsmethoden (Stoßwelle, ultraschallgesteuerte Aspiration) stärker.
  • Die Wirkung stellt sich meist erst nach 4–6 Wochen ein – Geduld ist nötig.
  • Die Methode wirkt am besten als Teil eines kombinierten Behandlungspakets: Dehnung, Einlagen, Schuhwechsel und Gewichtsmanagement.
  • Typisches Protokoll: 2–5 % Essigsäure, 1–5 mA, 15–20 Minuten, 3× pro Woche, über 4–6 Wochen.
  • Geeignete Heimgeräte: IontoBravo (spezialisiert), Globus Genesy 3000 (multifunktional).
  • Gegenanzeigen (Herzschrittmacher, Schwangerschaft, Tumor, Essigsäure‑Allergie, frische Hautverletzung, akutes Fieber) sind strikt zu beachten.
  • Bei neu aufgetretenem, sich verschlechterndem oder unklaren Fersenschmerz zuerst ärztliche Abklärung.

Wissenschaftliche Quellen (2016+)

  1. Pabón‑Carrasco M, Coheña‑Jiménez M, Pérez‑Belloso AJ, Algaba‑Del‑Castillo J, Cáceres‑Matos R, Castro‑Méndez A. Comparison of the Short‑Term Effect between Iontophoresis and Radial Extracorporeal Shockwave Therapy in the Treatment of Plantar Fasciitis: A Randomized Controlled Trial. Healthcare (Basel). 2024;12(12):1223. PMID: 38921337.
    Kurzfassung: Doppelblinde RCT mit 127 Probanden bei Plantarfasziitis – Lidocain + Dexamethason‑Iontophorese vs. radiale Stoßwellentherapie; in beiden Gruppen wurde bis zur 6. Woche eine vollständige Schmerzlinderung erreicht (VAS und funktionelle Messungen).
  2. Medina‑Gandionco M, Briggs RA. Calcific Tendinopathy of the Rotator Cuff Treated With Acetic Acid Iontophoresis. Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy. 2020;50(11):650. PMID: 33131395.
    Kurzfassung: Fallbericht – bei einem 62‑jährigen Mann mit kalkiger Rotatorenmanschetten‑Tendinopathie wurde nach 5‑wöchiger (3×/Woche) Essigsäure‑Iontophorese eine deutliche radiologische Resorption beschrieben.
  3. Page MJ, Green S, Mrocki MA, Surace SJ, Deitch J, McBain B, Lyttle N, Buchbinder R. Electrotherapy modalities for rotator cuff disease. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2016;2016(6):CD012225. PMID: 27283591.
    Kurzfassung: Cochrane‑Übersicht – Essigsäure‑Iontophorese bei kalkiger Tendinopathie der Schulter zeigte in einer kleinen Studie keinen klinisch relevanten Vorteil gegenüber Placebo (Evidenz von geringer Qualität).
  4. Simpson M, Pizzari T, Cook T, Wildman S, Lewis J. Effectiveness of non‑surgical interventions for rotator cuff calcific tendinopathy: A systematic review. Journal of Rehabilitation Medicine. 2020;52(10):jrm00119. PMID: 32830280.
    Kurzfassung: Systematische Übersichtsarbeit – Studien zur Iontophorese bei kalkiger Tendinopathie der Schulter weisen ein hohes Bias‑Risiko auf; verlässliche klinische Schlussfolgerungen sind nicht möglich.
  5. Hashmi Y, Zhou AK, Jawaid A, Zhou AY, Shah V, Thahir A, Krkovic M. The role of acetic acid in orthopaedic surgery. Journal of Perioperative Practice. 2022;32(6):162-166. PMID: 34310234.
    Kurzfassung: Orthopädischer Überblick – Mechanismen der Essigsäure (Hypothese Calciumacetat‑Bildung, Entzündungsmodulation) und klinische Anwendungen bei Achillessehnen‑ und Fersenschmerzen.
  6. McClinton SM, Heiderscheit BC, Flynn TW, Pinto D. Cost‑Effectiveness of Physical Therapist Treatment in Addition to Usual Podiatry Management of Plantar Heel Pain: Economic Evaluation of a Randomized Clinical Trial. Physical Therapy. 2025;105(11):pzaf119. PMID: 41042252.
    Kurzfassung: Ökonomische Auswertung einer RCT mit 95 Patienten – podiatrische Versorgung plus Physiotherapie (Übungen, Tape, Iontophorese) ergab 0,09 QALY Gewinn und 2.708 USD Kosteneinsparung gegenüber Standardversorgung.
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, medizintechnischer Experte, Blogger

Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und ersetzt nicht die persönliche ärztliche Beratung. Die Diagnostik von Fersenschmerzen und Fersensporn sowie die Festlegung des Behandlungsplans sind ärztliche Aufgaben. Essigsäure‑Iontophorese ist eine ergänzende Therapie; sie ersetzt nicht ein umfassendes physiotherapeutisches Programm (Dehnung, Einlagen, Übungen), eine medikamentöse Grundtherapie oder gegebenenfalls notwendige operative Eingriffe. Gegenanzeigen (Herzschrittmacher, Schwangerschaft, Tumor, Allergie, frische Hautverletzung, akutes Fieber) sind strikt zu beachten. Die genannten Geräte sind CE‑zertifizierte Medizinprodukte; die zitierten Studien nutzten unterschiedliche Geräte und Protokolle. Ergebnisse können individuell variieren. Bei neu aufgetretenem, sich verschlechterndem oder unklarem Fersenschmerz wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten.

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