Die Rolle der Physiotherapie bei der Genesung
Häufig kommen Patienten mit muskuloskelettalen Problemen zu mir. Oftmals beobachte ich, dass die Mehrheit irgendein Medikament oder einen operativen Eingriff möchte, der ihre Beschwerden sofort löst. So etwas gibt es jedoch nicht. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass stattdessen die Physiotherapie die wirkungsvollste Lösung sein kann. In diesem Artikel möchte ich dir erklären, warum ich häufig zur Physiotherapie rate und wie sie deine Genesung unterstützen kann.
Warum empfehle ich Physiotherapie?
Bei Patienten mit muskuloskelettalen Problemen sehe ich oft, dass sie an Medikamenten und Operationen festhalten, weil sie sich wünschen, „dass jemand ihr Problem löst“.
Die Symptome könnten effektiv mit Physiotherapie behandelt werden, die eine sichere und natürliche Art der Heilung darstellt. Dazu gehört jedoch, dass der Patient erkennt, dass er selbst auch aktiv werden muss, um seine Gesundheit zurückzugewinnen — es reicht nicht, auf ein Wunder von außen zu warten.
Physiotherapie behandelt nicht nur die Symptome, sondern zielt auf die Wurzel des Problems ab. Beispielsweise kann chronische Rückenschmerzen beseitigt werden, selbst wenn das MRT einen (nicht ausgesprungenen) Bandscheibenvorfall zeigt. In solchen Fällen wird in der Regel nicht sofort zu einer Operation geraten, sondern eine physiotherapeutische Behandlungsserie verordnet.
In einigen (meist 3–4) Monaten können gezielte physiotherapeutische Übungen und ergänzende physikalische Behandlungen die Schmerzen deutlich reduzieren und eine Operation vermeiden.
Bei welchen Gesundheitsproblemen empfehle ich Physiotherapie?
Es gibt zahlreiche Zustände, bei denen Physiotherapie besonders hilfreich sein kann. Ich möchte dir die wichtigsten Bereiche vorstellen, in denen Physiotherapie zu einer deutlichen Besserung führen kann:
Muskuloskelettale Probleme
Eines der häufigsten Gebiete, in denen ich Physiotherapie empfehle, ist die Behandlung verschiedener muskuloskelettaler Beschwerden, etwa chronische Gelenksentzündungen. Ergänzend zur medikamentösen Behandlung verbessert die Kombination physikalischer Therapien (Ultraschall, Softlaser, Magnettherapie, Mikrostrom und Interferenz) nach drei Monaten die Beweglichkeit der Gelenke deutlich und reduziert die Schmerzen.
Wirbelsäulen- und Nackenprobleme
Der moderne Lebensstil führt leider oft zu Wirbelsäulen- und Nackenbeschwerden. Bei einem meiner jüngeren IT-Patienten beeinträchteten die ständigen Nackenschmerzen bereits seine Arbeit. Durch die physiotherapeutischen Behandlungen lernte er eine korrekte Körperhaltung und Übungen, mit denen er einem Wiederauftreten der Probleme vorbeugen kann.
Pädiatrische Fälle
Bei Kindern zeigt die Physiotherapie ausgezeichnete Ergebnisse, zum Beispiel bei der Behandlung der zerebralen Parese. Regelmäßige Physiotherapie (z. B. Heilgymnastik kombiniert mit transkutaner elektrischer Stimulation (TES) und Muskelstimulation) kann die Bewegungskoordination und die Fähigkeit zur selbstständigen Fortbewegung deutlich verbessern.
Beschwerden in der Schwangerschaft
Schwangere leiden häufig unter Rückenschmerzen und einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Für sie sind spezielle Übungsprogramme empfehlenswert. Die zielgerichteten Übungen lindern nicht nur Rückenschmerzen, sondern beschleunigen auch die Erholung nach der Geburt. Physikalische Behandlungen wie Muskelstimulation, Softlaser oder Magnettherapie dürfen während der Schwangerschaft zum Schutz des Fötus nicht angewendet werden, daher müssen Schwangere sich auf therapeutische Übungen beschränken.
Erkrankungen der Atemwege
Bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen können Atemtechnik-Übungen besonders nützlich sein. Die Häufigkeit und Schwere von Anfällen kann dadurch deutlich reduziert werden.
Verletzungen bei Sportlern
Bei Sportlern spielt die Physiotherapie eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Verletzungen. Bei aktiven Sportlern ist die frühestmögliche Rückkehr zum Training sehr wichtig, da die Muskelkraft während der Verletzungspause schnell abnimmt.
Neben schonenden Übungsbewegungen sind unterstützende Behandlungen wie Softlaser, Mikrostrom, Interferenz, Ultraschall und Bemer von großer Bedeutung. Der Kraftverlust kann durch gezielte Muskelstimulation (EMS und NMES) verhindert, verlangsamt oder sogar rückgängig gemacht werden.
Neurologische Zustände
Nach einem Schlaganfall oder anderen neurologischen Problemen ist Physiotherapie ein unverzichtbarer Teil der Rehabilitation. Die wichtigsten Bestandteile der Schlaganfall-Rehabilitation sind Bewegungstherapie und elektrische Stimulation. Diese unterstützen die Neuroplastizität, also das "Umschalten" neuronaler Verbindungen. Physiotherapie hilft, grundlegende Bewegungsfunktionen zurückzugewinnen, verbessert das Gleichgewicht und unterstützt die Wiedererlangung eines selbstständigen Lebens.
Betriebsbedingte Probleme
Bei Büroangestellten sind häufig Überlastungsverletzungen durch wiederholte Belastungen sowie Beschwerden durch schlecht gestaltete Arbeitsplätze zu finden (z. B. Tech-Back). Bei diesen Patienten hilft Physiotherapie nicht nur bei der Symptombehandlung, sondern lehrt auch die richtige Arbeitstechnik. Überlastungsbedingte Gelenk-, Band- und Muskelbeschwerden können mit entzündungshemmenden physikalischen Mitteln wie Ultraschall, Mikrostrom, Softlaser und Bemer behandelt werden.
Stress und Angst
Wenige wissen, dass Physiotherapie auch bei den körperlichen Symptomen von Stress und Angst wirksam sein kann. Entspannungstechniken und gezielte Übungen können helfen, körperliche Verspannungen zu lösen, was häufig auch die psychischen Symptome lindert.
Wie fügt sich die Physiotherapie in den Heilungsprozess ein?
Als Arzt vertrete ich die Auffassung, dass Heilung einen ganzheitlichen Ansatz erfordert. In diesem Prozess spielt die Physiotherapie eine Schlüsselrolle.
Bei einem Patienten, der einen Schlaganfall erlitten hat, beginnt die Physiotherapie bereits während des Klinikaufenthalts. Nach der Entlassung DARF die Rehabilitation NICHT ABGEBROCHEN werden. Viele glauben, dass die wenigen Tage im Krankenhaus ausreichend sind… Bei Schlaganfallpatienten muss die Rehabilitation nach der Entlassung oft über Monate, in vielen Fällen sogar über ein Jahr fortgesetzt werden.
Es braucht einen Physiotherapeuten und einen physikalischen Therapeuten, die gemeinsam mit dem Patienten und der Familie einen Therapieplan erstellen, um die Wiedererlangung der Bewegungsfähigkeit zu unterstützen.
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Die meisten physikalischen Therapie-Methoden bieten eine ursächliche Therapie, das heißt, sie behandeln die "Wurzel" der Beschwerden und beseitigen sie dauerhaft. Sie werden vor allem bei muskuloskelettalen Schmerzen, Entzündungen und Beschwerden angewendet.
Was macht der Physiotherapeut und wie hilft er dir?
Der Physiotherapeut ist der „Schlüssel“ im Rehabilitationsprozess. Ärzte und Klinikpersonal beseitigen Lebensgefahr oder lindern akute Beschwerden. Wenn der Patient jedoch entlassen wird, können sie ihre Aufgabe nicht weiter wahrnehmen.
Ab diesem Zeitpunkt sollte der physiotherapeutische Fachmann die Verantwortung übernehmen, der:
- deinen Zustand gründlich einschätzt und dann eine Übungsserie zusammenstellt, damit du schrittweise den Zustand vor der Erkrankung zurückgewinnst.
- diese Übungen musst du selbst regelmäßig wiederholen, und zwar von Tag zu Tag mehr. Auch wenn der Therapeut nicht anwesend ist.
- der Therapeut (und der behandelnde Arzt) sollte dir für zu Hause medizinisch-technische Hilfsmittel empfehlen, mit denen du die Wirksamkeit der Übungen steigern und die Genesung beschleunigen kannst (z. B. Muskelstimulator, Ultraschall, Magnettherapie, Bemer, Softlaser usw.).
- der Physiotherapeut kommt nicht täglich! Anfangs sollten die Treffen alle 2–3 Wochen stattfinden und dann seltener, damit überprüft wird, wie sehr du dich durch die Heimübungen verbessert hast und um neue Aufgaben zu geben oder die gerätgestützte Therapie anzupassen. In einigen Monaten führt er dich schrittweise aus dem Problem heraus.
Welche Rolle hast du bei der Genesung?
Als Arzt erlebe ich, dass jene Patienten genesen und ihre Beschwerden loswerden, die die Aufgabe verstehen und aktiv am therapeutischen Prozess teilnehmen.
Deine Rolle ist besonders wichtig, denn weder der Arzt noch der Therapeut können die Übungen an deiner Stelle ausführen.
Heilgymnastik und Physiotherapie, regelmäßig wiederholt, bewirken langsam und allmählich günstige Veränderungen in deinem Körper – damit wird die Ursache des Problems „ausgerissen“, also der zugrunde liegende Grund beseitigt. Deshalb kehren die Beschwerden nicht zurück.
Zusammenfassung und Ausblick
Als Arzt bin ich der Überzeugung, dass Physiotherapie und der sie leitende Therapeut ein äußerst wertvoller Teil des Heilungsprozesses sind. Meinen Erfahrungen nach können Patienten, die physiotherapeutische Behandlungen ernst nehmen und mit dem Therapeuten kooperieren, oft operative Eingriffe vermeiden und dauerhafte Verbesserungen erreichen.
Denk daran, dass Genesung das Ergebnis gemeinsamer Arbeit ist, bei der du, der behandelnde Arzt und der Physiotherapeut jeweils eine Rolle haben. Wenn du unseren Anweisungen folgst und aktiv an der Therapie teilnimmst, erhöhst du die Chancen auf Genesung deutlich.
Ich hoffe, dieser Text hat dir geholfen, die Rolle und Bedeutung der Physiotherapie im Heilungsprozess zu verstehen.
