Gebärmuttersenkung und Behandlung
Hinter der weiblichen Harninkontinenz (unwillkürliches Tropfen von Urin) steckt häufig eine Blasensenkung oder Gebärmuttersenkung. Blase oder Gebärmutter verschieben sich aus ihrer Lage, sinken ab und lasten auf der Beckenbodenmuskulatur. Das kann ein dauerhaftes unangenehmes Gefühl verursachen, den Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen und die Harn‑ sowie Stuhlkontinenz stören. Die Behandlung ist deutlich schwieriger als bei einer „einfachen" Inkontinenz.
Hinter der weiblichen Harninkontinenz (unwillkürliches Tropfen von Urin) steckt häufig eine Blasensenkung oder Gebärmuttersenkung. Blase oder Gebärmutter verschieben sich aus ihrer Lage, sinken ab und lasten auf der Beckenbodenmuskulatur. Das kann ein dauerhaftes unangenehmes Gefühl verursachen, den Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen und die Harn‑ sowie Stuhlkontinenz stören. Die Behandlung ist deutlich schwieriger als bei einer „einfachen" Inkontinenz.
Ein wenig Anatomie
Die Gebärmutter (medizinisch Uterus) und die Harnblase (Vesica urinaria) liegen im kleinen Becken. Die Blase befindet sich vorne und unten. Dahinter liegt die Vagina, oberhalb davon die Gebärmutter. Hinter der Vagina liegen das Rektum und der Anus.
Die Blase und die Gebärmutter werden von oben durch das Peritoneum überzogen und gleichzeitig in der kleinen Beckenhöhle fixiert. Zusätzlich ist die Gebärmutter durch Bänder am Becken bzw. am Kreuzbein verankert. Stell es dir vor wie einen Kronleuchter, der mit Draht oder Band an der Decke befestigt ist.
Die Gebärmutter sitzt „oben auf" der Vagina, der Muttermund und der Gebärmutterhals wölben sich etwas in den oberen Teil der Vagina hinein. Die Vagina selbst ist elastisch, aber nicht starr, und trägt nur in geringem Maße zur Stützung bei.
Die Beckenbodenmuskulatur befindet sich etwa 10–15 cm unterhalb der Gebärmutter. Sie bildet eine Art Abschlussplatte am Boden des Beckens und verhindert, dass die oberen Bauchorgane, einschließlich Gebärmutter und Harnblase, von oben „herunterrutschen".
Teile der Beckenbodenmuskulatur umgeben ringförmig den Anus und die Harnröhre. Diese Schließmuskeln sorgen für Harn‑ und Stuhlkontinenz.
Blasensenkung und Gebärmuttersenkung
Eine Gebärmuttersenkung (Prolapsus uteri) entsteht, wenn die Aufhängebänder überdehnen und ihre Stützfunktion verlieren. Durch die längeren Bänder sinkt die Gebärmutter tiefer in das kleine Becken.
Dadurch wird zuerst der Muttermund und der Gebärmutterhals von oben in die Vagina hineingedrückt.
Bei einer Blasensenkung (Prolapsus vesicae urinariae) senkt sich der hintere Anteil der Blase ab und wölbt sich in die Vagina hinein.
Was verursacht das?
Hauptsächlich ist es das Nachlassen der Beckenbodenmuskulatur und des Haltegewebes; mögliche Ursachen sind:
- Schwangerschaft, schwierige Geburt und Verletzungen der Bänder und Beckenbodenmuskulatur während des Geburtsvorgangs.
- Bei Übergewicht häufiger, weil sich nicht nur unter der Haut Fett ansammelt. Zwischen den Bauchorganen (im Mesenterium) entsteht eine dicke Fettschicht, die wie ein Gewicht auf den Darm und die inneren Organe drückt und sie von ihrer Position nach unten zieht.
- Niedrigere Östrogenspiegel nach der Menopause
- Chronische Verstopfung oder starkes Pressen bei Stuhlgang
- Chronischer Husten oder Bronchitis
- Wiederholtes Heben schwerer Lasten
- Die Lage wird durch Bewegungsmangel oder eine ungünstige Sitzhaltung noch verschlechtert und kann allein dadurch entstehen. Diese Faktoren führen zur Schwächung und Überdehnung der Beckenbodenmuskulatur und verringern die stützende Kraft.
Symptome
In leichten Fällen verursacht die Senkung der Blase oder Gebärmutter keine Beschwerden. Später kannst du jedoch die folgenden Symptome bemerken (meist nicht alle gleichzeitig):
- Unangenehmes Gefühl in der Vagina, im Becken, im Unterbauch, in der Leiste oder im Lendenbereich. Häufig ziehender Schmerz, der beim Geschlechtsverkehr oder während der Menstruation stärker wird.
- Du empfindest ein „Schweregefühl" oder Druck und hast das Gefühl, etwas wolle aus der Vagina herausfallen.
- Bei Selbstuntersuchung oder beim Reinigen bemerkst du eine Vorwölbung in der Vagina.
- In schweren Fällen tritt die Schleimhaut oder sogar der Muttermund aus der Vagina hervor. Diese Stellen können austrocknen, wund werden, jucken oder kleine Verletzungen aufweisen, die bluten können.
- Dein Urin läuft unwillkürlich ab. Bei Heben, Husten oder Niesen tritt das stärker auf.
- Häufiger Harndrang quält dich.
- Harnwegsinfektionen wiederholen sich, weil deine Blase nicht vollständig entleert wird.
- Störungen beim Stuhlgang treten auf.
- Der Geschlechtsverkehr wird schmerzhaft. Während des Sex bemerkst du unwillkürlichen Urinverlust. Möglicherweise kannst du auch keinen Orgasmus erreichen.
Diagnose
Bei einer Selbstuntersuchung kannst du selbst fühlen, dass sich deine Vagina verkürzt hat oder dass „etwas" von vorne oder oben eindrückt. Bei einer Blasensenkung ist in der unteren und mittleren Vaginalwand vorne die vorgewölbte Blase tast‑ und sichtbar. Bei Gebärmuttersenkung sackt der Muttermund von oben nach unten in die Vagina und ist tastbar.
Meist entdeckt dein Gynäkologe die Veränderung bei einer Routineuntersuchung oder bei einer Untersuchung mit Spekulum (Kolposkopie) im Rahmen eines Screenings.
Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder MRT (Magnetresonanztomographie) kann die Diagnose bestätigt werden, ist aber häufig nicht notwendig, da die Befunde eindeutig sind.
Behandlung
Die Behandlung der Gebärmutter‑ und Blasensenkung ist zweigleisig.
Einerseits versucht man durch Stärkung der Beckenbodenmuskulatur die „Stützung" zu verbessern. Da der Muskelaufbau Zeit benötigt, entfaltet sich die Wirkung bei täglichem Training erst nach 2–3 Monaten. Moderne Geräte ermöglichen es, die Behandlungen zu Hause durchzuführen. So musst du nicht täglich in die Praxis fahren.
In schweren Fällen wird die Gebärmutter oder Blase durch gynäkologische plastische Chirurgie wieder höher positioniert. Mit chirurgischem Laser ohne Schnitt erreicht man die Stärkung elastischer Fasern der Vagina und damit eine bessere Stützung. Bei invasiveren Verfahren (laparoskopisch oder offen) wird der Gebärmutter „ein Band angenäht" und dessen anderes Ende am Beckenknochen oder einer anderen Struktur fixiert, um sie wieder in die richtige Position zu ziehen.
Zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur gibt es verschiedene Methoden.
Vaginalgewichte
Das Einführen verschiedener medizinischer Gegenstände in die Vagina (Kegel, Würfel, Fleur‑Kugel usw.) und deren Halten stärkt die Beckenbodenmuskulatur. Um das Herausrutschen zu verhindern, spannst du die Muskeln an und trainierst so den Beckenboden. Das passende Zubehör wird vom Arzt verordnet.
Spezielle Pessar
Ein ringförmiges, flexibles Gerät, das in den oberen Teil der Vagina eingesetzt wird (auch Pessar genannt, unterscheidet sich aber vom verhütungsbezogenen Pessar). Das Pessar unterstützt die Gebärmutter und die Blase und kann verhindern, dass sie in die Vagina hinabsteigen. Du kannst das Pessar herausnehmen, reinigen und nach kurzer Übung problemlos wieder einsetzen.
Beckenbodentraining (Intimgymnastik)
Übungen, bei denen du die Beckenbodenmuskulatur bewusst anspannst. Die Wirkung ist nach monatelangem Training zu erwarten. Optimal sind 2–3 Mal täglich jeweils 30 Minuten Übung. Beckenbodentraining ist die kostengünstigste und einfachste Methode, liefert aber die langsamsten und geringsten Effekte.
Biofeedback
Ein Gerät, das mit einer in die Vagina oder den Anus eingeführten Sonde das Beckenbodentraining unterstützt. Das Gerät registriert die Muskelanspannung und gibt Rückmeldung, z. B. in Form von Zahlen oder Lichtern, die die Stärke der Kontraktion anzeigen. Das Biofeedback‑Gerät behandelt nicht selbst, sondern hilft dir, die Übungen korrekt und effizient auszuführen. Mit Biofeedback erzielst du schneller und effektiver Ergebnisse als mit alleiniger Intimgymnastik.
FES, das heißt funktionelle Elektrostimulation
Ein Gerät übernimmt das Training der Beckenbodenschließmuskulatur für dich. Über eine in die Vagina oder in den Anus eingelegte Elektrode werden die Beckenbodenmuskeln direkt stimuliert. Die Muskeln ziehen sich durch die Stimulation zusammen und entspannen sich wieder, ähnlich wie beim Training. Die Stimulation ist deutlich effektiver als freiwilliges Beckenbodentraining und führt schneller zu Ergebnissen. Dennoch sind etwa 8–10 Wochen Behandlung erforderlich. Danach kannst du in eine Erhaltungsbehandlung (1–2 Sitzungen pro Woche) übergehen, damit der Effekt dauerhaft bleibt. (Wenn du die Behandlung vollständig abbrichst, schwächen sich die Muskeln mit der Zeit wieder und das Problem kann zurückkehren).
Biofeedback + FES (funktionelle Stimulation)
Das modernste und wirksamste, zugleich aber teuerste Gerät kombiniert Biofeedback und funktionelle Stimulation. Eine in die Vagina oder in den Anus eingeführte Sonde registriert, wenn du die Muskeln willkürlich anspannst. Dann unterstützt der Stimulator die Kontraktion, macht sie effektiver. Das kombinierte Biofeedback‑plus‑Stimulationsgerät ist die effektivste häusliche Behandlungsoption bei Inkontinenz.
Geräte zur Inkontinenzbehandlung
Die Behandlung von Stress‑, Drang‑ und Mischinkontinenz erfolgt mit mehreren Methoden. Die Muskelstimulation gehört zu den effektivsten. Nach 2–3 Wochen Behandlung ist oft eine spürbare Besserung vorhanden, und bei konsequenter Anwendung beseitigt die Behandlung in den meisten Fällen die Symptome vollständig oder reduziert sie zumindest deutlich.
Ist die Wirkung der Stimulation garantiert?
Bei milden Fällen ja, bei mittelgradigen und schweren Fällen nein!
Es ist sicher, dass eine Stimulation mit ausreichender Dauer und Intensität die Beckenbodenmuskulatur kräftigt. Diese Wirkung kann bei leichter Gebärmuttersenkung oder Blasensenkung allein bereits eine Lösung darstellen.
Bei mittleren und schweren Fällen, wenn Gebärmutter oder Blase bereits an der Vaginalöffnung tastbar sind oder hervortreten, führt die Stimulation nur zu einer gewissen Verbesserung. Das wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um dich völlig beschwerdefrei zu machen.
Der Grund ist, dass das Verbleiben der Gebärmutter an seinem Ort hauptsächlich von den oben befestigenden Bändern sichergestellt wird und nicht von der 10–15 cm tiefer liegenden Beckenbodenmuskulatur. So wie ein Kronleuchter nicht vom Boden gehalten wird, sondern von der Schnur an der Decke.
Wenn Gebärmutter oder Blase vollständig abgesunken sind, hilft die Stimulation allein nicht. Einen zu Boden hängenden Kronleuchter stützt man nicht mit Pflöcken von unten, um ihn wieder anzuheben, sondern man kürzt das Aufhängungsseil. Ebenso bekommt man eine stark abgesunkene Gebärmutter nicht von unten zurückgeschoben; hier ist nur ein chirurgisches Verfahren (sei es laserbasiert, laparoskopisch oder offen) mit einer plastischen Korrektur der Aufhängebänder zielführend.
Wenn eine Gebärmuttersenkung oder Blasensenkung rechtzeitig erkannt wird, kannst du durch Stimulation vollständige Beschwerdefreiheit erreichen. Der erreichte günstige Zustand lässt sich durch regelmäßige Bewegung, Gymnastik, Gewichtsreduktion und das Vermeiden von langem Sitzen aufrechterhalten.


