Was ist Gicht?
Gicht ist eine der häufigsten Formen der Gelenkentzündung (Arthritis). Ein Anfall beginnt typischerweise plötzlich, oft mitten in der Nacht: Der Ansatz der großen Zehe „brennt wie Feuer“, das Gelenk ist heiß, geschwollen und gerötet. Es ist so empfindlich, dass selbst das Gewicht der Bettdecke unerträglich sein kann. Die Schmerzen sind in den ersten 6-12 Stunden am stärksten und lassen dann innerhalb von Tagen bis Wochen nach.
Die häufigsten Symptome sind: starke, quälende Schmerzen (am häufigsten im Grundgelenk der großen Zehe, aber auch Sprunggelenk, Knie, Ellenbogen, Handgelenk und Finger können betroffen sein), Schwellung, Wärme und Hautrötung, eine schmerzbedingt eingeschränkte Beweglichkeit sowie ein unangenehmes Gefühl, das nach dem Abklingen des Anfalls noch Tage bis Wochen anhält. Spätere Anfälle können länger dauern und immer mehr Gelenke betreffen.

Kerngedanke
Gicht ist eine „Zwei-Fronten“-Erkrankung. Das verstehen nur wenige: Die Behandlung des Anfalls ist lediglich Feuerwehrarbeit – die Behandlung der Erkrankung findet in den anfallsfreien Wochen statt. Ob ein weiterer Anfall kommt, entscheidet sich nicht in der Praxis, sondern zu Hause: durch Ihre täglichen Ernährungsentscheidungen und die konsequente Einnahme der verordneten Medikamente. Der Arzt stellt die Diagnose und gibt den Rahmen vor – der größte Teil der Arbeit liegt bei Ihnen.
Wann sollten Sie sofort zum Arzt?
Wenn das Gelenk warm und gerötet ist UND Sie Fieber haben, muss es nicht unbedingt Gicht sein: Dahinter kann auch eine bakterielle Gelenkinfektion stecken, die dringend behandelt werden muss. Auch beim ersten Gichtanfall sollten Sie immer eine ärztliche Untersuchung durchführen lassen. Unbehandelte Gicht kann zu zunehmenden Schmerzen und dauerhaften Gelenkschäden führen.
Wie entsteht Gicht?
Harnsäure ist ein natürliches Stoffwechselprodukt des Körpers. Sie entsteht beim Abbau von Purinverbindungen und wird über die Nieren ausgeschieden. Wird zu viel Harnsäure gebildet, etwa durch eine purinreiche Ernährung, oder scheidet die Niere zu wenig aus, sammelt sie sich im Blut an und fällt in Form scharfer, nadelförmiger Uratkristalle in den Gelenken aus. Diese Kristalle verursachen die Schmerzen und die Entzündung des Anfalls. Schweine-, Rind- und Putenfleisch, Innereien (Leber, Niere) sowie Meeresfrüchte sind purinreich. Auch Alkohol, besonders Bier, und mit Fruchtzucker gesüßte Getränke erhöhen den Harnsäurespiegel.
Eine fleischreiche Ernährung, regelmäßiger Alkohol- und Konsum zuckerhaltiger Getränke, Übergewicht sowie bestimmte Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, Herz- und Nierenerkrankungen) und Medikamente (bestimmte Entwässerungsmittel, Aspirin) erhöhen das Risiko. Das gilt auch für eine familiäre Häufung. Gicht tritt bei Männern häufiger auf, typischerweise im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Bei Frauen steigt der Harnsäurespiegel nach den Wechseljahren an, und dann treten auch die Symptome auf.
Bei manchen Menschen tritt der Anfall nur einmal auf. Bei der Mehrheit kommt er jedoch wieder, und eine unbehandelte, wiederkehrende Gicht zerstört das Gelenk langsam. Mit der Zeit können sich Uratkristalle in Form von Knoten unter der Haut ablagern. Diese Tophi treten an Fingern, Händen, Füßen und Ellenbogen auf. Auch in den Harnwegen können sich Kristalle sammeln und Nierensteine verursachen. Deshalb reicht es nicht aus, die Anfälle einfach zu „überstehen“. Der Harnsäurespiegel muss dauerhaft reguliert werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Gicht ist oft „auf den ersten Blick“ erkennbar: Die plötzliche, gerötete und quälende Entzündung des Grundgelenks der großen Zehe ist sehr typisch. Die Untersuchungen dienen vor allem dazu, andere Erkrankungen auszuschließen. Im Labor werden Harnsäure- und Kreatininwerte gemessen. Vorsicht: Der Laborwert kann irreführend sein. Manche Menschen haben ohne Gicht einen erhöhten Wert und umgekehrt. Im Ultraschall können Kristalle sichtbar werden. Das Röntgen hilft, andere Formen der Gelenkentzündung auszuschließen.
Was können Sie während des Anfalls tun?
Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen und Entzündung schnell zu lindern. Die internationale Fachleitlinie empfiehlt dafür drei Medikamentengruppen: ein nichtsteroidales Antirheumatikum, Colchicin oder ein Steroid. Welches Medikament für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Arzt anhand Ihrer anderen Erkrankungen und Medikamente.1 Zusätzlich können Sie selbst Folgendes tun:
Das Anfallsprotokoll für zu Hause
Schonen Sie die betroffene Extremität und lagern Sie sie hoch. Kühlen Sie das Gelenk mit einem in ein Handtuch gewickelten Eisbeutel 15-20 Minuten lang, mehrmals täglich. Trinken Sie viel Wasser. Eine gute Flüssigkeitsversorgung unterstützt die Ausscheidung von Harnsäure. Massieren und erwärmen Sie das entzündete Gelenk nicht. Beides kann die Situation während des Anfalls verschlimmern. Und besonders wichtig: Beginnen Sie mit dem verordneten Medikament ZU BEGINN des Anfalls. Je früher, desto kürzer kann der Anfall sein.
Als ergänzende Möglichkeit kann ein Softlaser infrage kommen. Die lokale Lichtbehandlung des entzündeten Gelenks kann Schmerzen und Entzündung lindern. Wichtig ist, ehrlich zu bleiben: Dazu liegen bisher nur wenige und ältere Untersuchungen vor. Betrachten Sie den Softlaser als ergänzende Methode, nicht als Grundlage der Behandlung. Bei einem Gerät für die Heimanwendung wird eine Behandlung täglich empfohlen. Sie benötigen mehr Anwendungen als bei leistungsstarken Lasern in der Praxis.
Die eigentliche Behandlung findet ZWISCHEN den Anfällen statt
Hier entscheidet sich, wie sich Ihre Erkrankung entwickelt. Sie haben zwei Möglichkeiten: die Ernährung und – wenn Ihr Arzt es verordnet – ein harnsäuresenkendes Medikament.
Die wichtigsten Ernährungsregeln
Trinken Sie viel Wasser und vermeiden Sie zuckerhaltige sowie fruchtzuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Schränken Sie Alkohol ein und verzichten Sie möglichst auf Bier. Untersuchungen zufolge erhöht Bier das Anfallsrisiko am stärksten. Essen Sie nur wenig Fleisch. Vermeiden Sie Innereien und Meeresfrüchte. Fettarme Milchprodukte sind gute Eiweißquellen. Vermeiden Sie üppige Mahlzeiten. Anfälle treten auffallend häufig in der Nacht nach einem deftigen Schweinefleisch- oder Gulaschessen auf. Halten Sie Ihr Körpergewicht im gesunden Bereich. Abnehmen senkt den Harnsäurespiegel. Radikales Fasten erhöht ihn jedoch vorübergehend. Nehmen Sie deshalb schrittweise ab.
Wenn die Anfälle wiederkehren, Sie Tophi haben oder bereits Gelenkschäden sichtbar sind, wird Ihr Arzt ein dauerhaft einzunehmendes harnsäuresenkendes Medikament verordnen, am häufigsten Allopurinol. Ziel ist es, den Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft unter den Zielwert zu senken. Dies wird durch regelmäßige Blutuntersuchungen kontrolliert, und die Medikamentendosis wird entsprechend angepasst.1
Realistische Erwartungen
Das Medikament ersetzt die Ernährungsumstellung nicht. Wenn Sie trotz der verordneten Tablette weiter Bier trinken und purinreich essen, werden die Anfälle wiederkehren. Umgekehrt gilt auch: Setzen Sie das Medikament in der beschwerdefreien Zeit nicht eigenmächtig ab. Der Harnsäurespiegel kann auch dann steigen, ohne dass Sie Beschwerden haben. Die Kristalle lagern sich unterdessen unbemerkt weiter ab.
Gerät für zu Hause gegen die Schmerzen bei einem Anfall
Bei Gicht ist für die Heimanwendung nur ein Gerätetyp sinnvoll: ein Softlaser zur ergänzenden Behandlung der Schmerzen und Entzündung während des Anfalls. Sie brauchen nicht mehrere Geräte. Ein Softlaser reicht aus und kann auch bei anderen Gelenkbeschwerden eingesetzt werden.
B-Cure Laser Classic Softlasergerät Einstiegsmodell mit großer Behandlungsfläche. Es ist eine praktische Wahl für die große Zehe und kleinere Gelenke. Behandeln Sie das entzündete Gelenk während eines Anfalls einmal täglich. Die Wirkung baut sich im Rahmen einer Behandlungskur auf.
Personal Laser L400 Softlasergerät Stärkere Variante mit 808 nm und kürzerer Behandlungszeit. Wählen Sie dieses Modell statt des Classic, wenn Sie regelmäßig mehrere Gelenke behandeln möchten, zum Beispiel Knie und Sprunggelenk. Sie brauchen nicht beide Geräte.
Bevor Sie mit der Behandlung zu Hause beginnen
- Erster, ärztlich noch nicht untersuchter Anfall – zuerst die Diagnose, danach die Behandlung zu Hause. Hinter gichtähnlichen Symptomen können auch eine Infektion oder eine andere Gelenkerkrankung stecken.
- Fieber, Verdacht auf eine Infektion – in diesem Fall ist keine Behandlung zu Hause angezeigt. Eine sofortige ärztliche Untersuchung ist erforderlich.
- Aktive Krebserkrankung – Softlaser nur nach Zustimmung Ihres Onkologen.
- Schwangerschaft – lassen Sie sich vor einer Behandlung mit dem Gerät ärztlich beraten.
- Hautverletzung, offene Wunde im Behandlungsbereich – behandeln Sie erst wieder nach der Heilung.
Wichtiger Hinweis
Richten Sie den Softlaser niemals auf die Augen. Die Behandlung mit einem Gerät für zu Hause ergänzt die medikamentöse Behandlung. Setzen Sie Ihre verordneten Medikamente deshalb nicht ab.
Was sagen die Untersuchungen?
„Was zählt bei der Behandlung von Gicht wirklich?“
Die internationale rheumatologische Leitlinie ist eindeutig: Bei Menschen mit wiederkehrenden Anfällen, Tophi oder Gelenkschäden ist eine dauerhafte harnsäuresenkende Behandlung entscheidend. Der Harnsäurespiegel im Blut soll dabei unter den Zielwert gesenkt werden. Für die Anfälle kommen entzündungshemmende Medikamente, Colchicin oder Steroide infrage. Die Lebensweise – Ernährung, Verzicht auf Alkohol und Fruktose sowie ein gesundes Körpergewicht – ist ein fester Bestandteil der Empfehlung.1
„Hilft der Softlaser wirklich bei einem Anfall?“
Ehrlich gesagt: Die Beweislage ist hier dünn. In einer älteren Untersuchung mit wenigen Teilnehmern linderte die tägliche Laserbehandlung bei Menschen mit akuter Gicht die Schmerzen ähnlich schnell wie eine entzündungshemmende Tablette. Sie ist also nicht besser, kann aber eine medikamentenfreie Möglichkeit sein, wenn keine Tablette eingenommen werden kann. Stärkere Aussagen werden durch die heutigen Daten nicht gestützt. Der Softlaser ist daher eine Ergänzung und keine Grundlage der Behandlung.2
„Welches Essen und Getränk ist der Hauptverursacher?“
Forschungen, die die Risikofaktoren zusammenfassen, zeigen: Alkohol, eine fleisch- und meeresfrüchtereiche Ernährung sowie fruktosehaltige Getränke erhöhen das Risiko bei beiden Geschlechtern. Die Ernährungsempfehlungen sind daher keine „Volksweisheiten“, sondern beruhen auf gemessenen Zusammenhängen. Interessant ist, dass die Wirkung von Meeresfrüchten bei Frauen noch stärker auszufallen scheint.3
Häufig gestellte Fragen
Jeder Alkohol erhöht den Harnsäurespiegel, aber nicht alle Sorten gleichermaßen. Bier ist die schlechteste Wahl, auch wegen seines hohen Puringehalts. Schnaps liegt im Mittelfeld. Das Risiko ist bei maßvoll getrunkenem Wein am niedrigsten. Am sichersten ist es im Hinblick auf Gichtanfälle, auf Alkohol zu verzichten – besonders in anfälligen Zeiten.
Tun Sie das nicht eigenmächtig. Die Beschwerdefreiheit zeigt gerade, dass das Medikament wirkt. Nach dem Absetzen steigt der Harnsäurespiegel wieder an, und die Kristalle bilden sich unbemerkt erneut. Über eine Änderung der Medikation sollten Sie immer gemeinsam mit Ihrem Arzt und auf Grundlage der Ergebnisse der Kontrollblutuntersuchungen entscheiden.
Nehmen Sie das für den Anfall verordnete Medikament so früh wie möglich ein. Je früher Sie beginnen, desto kürzer kann der Anfall sein. Danach: schonen, hochlagern, kühlen und viel Wasser trinken. Was Sie vermeiden sollten: Massage, Wärme, Alkohol und die Einstellung „Ich laufe das einfach weg“.
Ja. Eine Gewichtsabnahme senkt den Harnsäurespiegel und das Anfallsrisiko messbar. Wichtig ist jedoch: Nehmen Sie schrittweise ab. Radikales Fasten und eine schnelle Gewichtsabnahme erhöhen den Harnsäurespiegel vorübergehend und können einen Anfall auslösen.
Nein. Entscheidend sind Menge und Sorte. Kleine Portionen Geflügel oder mageres Fleisch sind möglich. Innereien, Wild und Meeresfrüchte sollten Sie besser vermeiden, ebenso besonders üppige Mahlzeiten wie Schlachtfeste oder Gulaschgelage. Die Häufigkeit Ihrer Anfälle zeigt Ihnen, wo Ihre persönliche Grenze liegt.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
- FitzGerald JD, Dalbeth N, Mikuls T, et al. (2020). 2020 American College of Rheumatology Guideline for the Management of Gout. Arthritis Care & Research. PubMed: 32391934
- Soriano F, Campana V, Moya M, et al. (2006). Photobiomodulation of pain and inflammation in microcrystalline arthropathies: experimental and clinical results. Photomedicine and Laser Surgery. PubMed: 16706692
- Evans PL, Prior JA, Belcher J, et al. (2019). Gender-specific risk factors for gout: a systematic review of cohort studies. Advances in Rheumatology. PubMed: 31234907