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Ich bin Bodybuilder. Wobei hilft der Muskelstimulator?

Ich bin Bodybuilder. Wobei hilft der Muskelstimulator?

„Ich habe über elektrische Stimulation gelesen und möchte um Rat fragen. Ich bin Bodybuilder und mein Ziel wäre vor allem Muskelaufbau bzw. das Lösen/Lockerung der Muskeln. Bitte helfen Sie mir bei der Auswahl des Geräts.“ Diese Frage erhielt ich neulich. Ich denke, meine Antwort könnte viele interessieren, deshalb teile ich sie hier.

Sportler
Sportartspezifisch
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Einführung Ich bin Bodybuilder – brauche ich einen Muskelstimulator?

Ich beginne mit einer Leserfrage: „Ich habe über elektrische Stimulation gelesen und möchte um Rat fragen. Ich bin Bodybuilder und mein Ziel wäre vor allem Muskelaufbau bzw. das Lösen/Lockerung der Muskeln. Bitte helfen Sie mir bei der Auswahl des Geräts.“

Diese Frage könnte viele interessieren – deshalb schreibe ich eine ausführliche Antwort. Der Muskelstimulator ersetzt nicht das Hanteltraining und beschleunigt nicht allein kurzfristig den Muskelaufbau. Es gibt jedoch konkrete Situationen, in denen er etwas leisten kann, das andere Mittel nicht ermöglichen. In diesem Artikel führe ich dich durch 6 solche Situationen – mit realistischem Evidenzbezug, ohne „Wunder“-Marketing.

Kernaussage Kernaussage

Für Bodybuilder ist der Muskelstimulator ein trainingsunterstützendes Gerät, kein Ersatz. Die moderne Fachliteratur (Happ et al. 2022, 19 RCT) zeigt, dass EMS bei angeglichenem Volumen eine ähnliche Kraftentwicklung wie traditionelles Krafttraining erzielt1, aber NICHT mehr liefert als klassisches Krafttraining. Der eigentliche Nutzen liegt in: (1) Aufwärmen und Verletzungsprävention, (2) Regeneration, (3) gezielter Entwicklung zurückgebliebener Muskelgruppen und (4) Erhalt während Verletzungen – das sind Bereiche, in denen andere Mittel nicht denselben Mehrwert bieten.

Die „Reichweite" des Muskelstimulators – was du erwarten kannst und was nicht

Der Körper enthält etwa 350 quergestreifte Muskeln, die größere Gruppen bilden: Unterarm, Oberarm, Brust, Rücken, wirbelsäulenstützende Muskulatur, Rumpf, Bauch, Gesäß, Oberschenkel, Unterschenkel. Sportliche Muskelstimulatoren sind typischerweise für die gleichzeitige Behandlung von einer (maximal zwei) größeren Muskelgruppe(n) ausgelegt – man kann nicht den ganzen Körper auf einmal bearbeiten.

Das ist eine wichtige Einschränkung: Der Stimulator ersetzt nicht und ersetzt nicht die Hantelarbeit. Er ist eher ein technisches Zusatzmittel – ähnlich dem richtigen Sportschuh oder einem spezialisierten Trainingsgerät. Er bietet Vorteile, aber die harte Arbeit musst du selbst leisten.

Sportschuh-Analogie Wie ein Sportschuh

Viele schwitzen weiterhin in Baumwollshirts statt in atmungsaktiver Funktionsbekleidung – genauso trainieren viele ohne Stimulator. Niemand kommt ohne harte Arbeit aus, aber der Stimulator kann Vorteile bringen, die traditionell Trainierende nicht erhalten: schnellere Regeneration, effektivere Aufwärmung, ein Mittel zur Überwindung von Stagnation. Du entscheidest, ob du die Entwicklung mitgehen willst oder bei alten Routinen bleibst.

Wie es funktioniert Wie das Gehirn die Muskelfasern steuert – das Henneman-Prinzip

Um zu verstehen, warum der Muskelstimulator für Bodybuilder nützlich sein kann, solltest du das Henneman'sche „Größenprinzip" kennen:

  • Typ-I-Fasern (langsam, ausdauernd): werden bei jeder Bewegung zuerst aktiviert. Sie sind dünner und bringen wenig Volumen – hauptsächlich für Ausdauerarbeit.
  • Typ-IIa-Fasern (intermediär, gemischt): werden aktiviert, wenn die Anstrengung etwa über ~50% der maximalen Leistung liegt. Charakteristisch für ausdauernde Kraftbelastungen.
  • Typ-IIb-Fasern (schnell, explosiv): die fasertypisch massengebenden Fasern – sie werden WILLKÜRLICH nur aktiviert, wenn die Belastung etwa >80% deiner Maximalleistung liegt.

Das erklärt, warum dein Armumfang nicht durch 5-kg-Bizepscurls mit zehntausend Wiederholungen wächst – die IIb-Fasern werden nicht angesprochen, du trainierst nur die Typ-I-Fasern. Deshalb arbeiten Bodybuilder mit wenigen Wiederholungen und hohen Lasten.

Moderner Hinweis Moderner Hinweis: EMS rekrutiert anders

Die moderne Literatur (Maffiuletti 2010, Bickel 2011) zeigt, dass EMS das Henneman-Prinzip NICHT strikt befolgt – die Muskelrekrutierung ist nicht selektiv, räumlich fixiert und zeitlich synchron.4, 7 Das bedeutet: EMS aktiviert Muskelfasern anders als das „kleine Gewicht → Typ I, großes Gewicht → Typ IIb"-Muster. Das kann ein Vorteil sein (du kannst die willkürliche Begrenzung umgehen), aber auch eine Einschränkung darstellen (keine sofortige Fasertyp-Selektion). Die wirkliche Wirkung ergibt sich durch CHRONISCHE Anpassung – Wochen bis Monate regelmäßiger Anwendung.

6 konkrete Situationen, in denen EMS für Bodybuilder sinnvoll ist

In den folgenden 6 Fällen kann der Muskelstimulator dem Bodybuilder einen Mehrwert bieten, den andere Mittel nicht liefern. Zu jedem Punkt gibt es eine physiologische Erklärung:

Muskelmasse wird mit schweren Gewichten entwickelt – was die Muskeln und noch stärker die daran ansetzenden Sehnen belastet. Die Durchblutung der Sehnen ist schlechter als die der Muskeln, daher ist deren Aufwärmen schwieriger. Ohne Aufwärmen werden Bänder und knöcherne Ansatzstellen überlastet – es entsteht eine Entzündung, die zu Verletzungen führen kann (Tennisarm, Sehnenscheidenentzündung, Achillessehnenentzündung, Plantarfasziitis, Piriformis-Syndrom usw.).

Eine 15–20-minütige EMS-Aufwärmung vor dem Training steigert die Durchblutung von Muskel und zugehörigen Sehnen, erwärmt und macht das Gewebe elastischer. In einer klinischen Studie 2025 zeigte eine HVPC-Aufwärmung messbare Verbesserungen der Sprungleistung gegenüber Kontrollbedingungen – das belegt, dass EMS-Aufwärmen das Muskel-Gewebe vorbereitet.3

Intensives Training hinterlässt Metaboliten (Laktat, Wasserstoffionen) im Muskel – diese verursachen Ermüdung, Versteifung und teils Schmerzen. Eine verbesserte Durchblutung hilft, diese Metaboliten auszuspülen.

Die Wirkung von EMS auf die Erholung ist gemischt: Eine systematische Übersicht von 2014 (13 Studien) zeigte, dass EMS eine bessere Laktat-Clearance als passive Erholung liefert, aber aktive aerobe Regeneration (z. B. leichtes Radfahren) in der Regel BESSER ist.5 Eine klinische Studie von 2009 mit Schwimmern fand, dass aktives Schwimmen nach 20 Minuten signifikant niedrigere Laktatwerte als EMS erzielte.6

Was heißt das für dich? EMS-Recovery ist nützlich, wenn aktive aerobe Regeneration nicht möglich ist (enges Trainingsprogramm, spät am Abend, Reisen). Wenn möglich, ist leichtes Radfahren oder Schwimmen für 20–30 Minuten besser. EMS ist kein Allheilmittel, aber besser als reine passive Erholung.

Viele erleben, dass eine bestimmte Muskelgruppe (z. B. innerer Oberarmkopf, oberer Brustbereich, Waden) trotz herkömmlichen Trainings nicht mit den anderen mitwächst. Häufig liegt das daran, dass diese Gruppe willkürlich schwer isolierbar ist – umliegende Muskeln übernehmen die Last.

Mit dem Stimulator kannst du durch Elektrodenpositionierung PUNKTGENAU die gewünschte Muskelgruppe kontrahieren. Moderne Studien zeigen, dass EMS bei gleichem Volumen ähnliche Kraftzuwächse wie Hanteltraining liefert – wenn du also neben dem klassischen Training gezielte EMS-Protokolle für die schwache Partie einsetzt, kannst du kombiniert bessere Effekte erzielen.1, 2

Eine systematische Übersicht aus 2012 zeigte, dass bei Eliteathleten (89 Studien) 3–6 Wochen EMS-Training messbare Verbesserungen in Kraft, Sprung- und Sprintleistung brachten, wenn es zusätzlich angewendet wurde.8

Stell dir vor: Nach einem schweren Knie-Beintraining schmerzt das Knie leicht, du machst trotzdem weiter. Nach 2–3 Wochen merkst du, dass es eine Überlastungsverletzung ist und du pausieren musst. Wenn du 2–3 Wochen aussetzt, ist oft die Arbeit der letzten 3–4 Monate verloren.

Hier hilft EMS: Während du das Gelenk schonst (also belastende traditionelle Bewegungen vermeidest), kann EMS die Muskulatur erhalten. Dein Oberschenkel schrumpft nicht, weil die Muskulatur regelmäßig kontrahiert wird. Sobald das Gelenk wieder belastbar ist, kannst du praktisch dort weitermachen, wo du aufgehört hast.

Das ist besonders wichtig nach ACL-Operationen: Eine klinische Studie 2022 (Labanca et al.) zeigte, dass nach ACL-Rekonstruktion superponiertes NMES bessere isokinetische Kraft- und funktionelle Sprungtest-Ergebnisse als Standardrehab brachte.9

EMS wurde ursprünglich als medizinische, klinische Behandlung zur Rehabilitation von Muskelerkrankungen entwickelt. Bei Sportunfällen bewegt EMS das Gelenk nicht, sodass du bereits einige Tage nach einer Sehnen-, Band-, Kapsel- oder Knorpelverletzung mit muskelerhaltenden Behandlungen beginnen kannst.

Nach Zerrung oder Teilriss wartet man meist 3–4 Tage, bis die Einblutung abgeklungen ist – danach kann ein schonendes Regenerationsprogramm mit EMS die Blut- und Lymphzirkulation steigern und die für die Heilung nötigen Nährstoffe an die Verletzungsstelle bringen. Wichtig: Arbeite nur mit Zustimmung deines behandelnden Arztes oder Physiotherapeuten, denn zu frühe oder zu intensive Stimulation kann schaden.

Wer auf hohem Niveau mit mehreren Einheiten täglich für einen Wettkampf trainiert, hat auf langen Reisen ein Problem: Bei 20–30-stündigen Flügen versteifen die Muskeln, und schon zwei Tage Pause wirken sich sichtbar auf die Leistung aus. In solchen Fällen ist der Muskelstimulator unbezahlbar: Er passt in die Hosentasche, ist im Flugzeug oder Hotel nutzbar und hält die wichtigsten Muskeln in Schuss, sodass bei Ankunft keine merkliche Ermüdung mehr sichtbar ist.

ActionNOW ActionNOW – gleichzeitiges Training und EMS (besonders für Bodybuilder)

Die in Globus-Geräten verfügbare ActionNOW-Programmgruppe bietet speziell für Bodybuilder eine besondere Möglichkeit: Die Stimulation wird nicht separat, sondern WÄHREND der Übung eingesetzt. Du arbeitest gleichzeitig mit willkürlicher Kraft und elektrischer Kontraktion – das sogenannte „superimposed"-Protokoll, die in der Literatur am besten dokumentierte EMS-Form.2

Für Bodybuilder ist das besonders nützlich in folgenden Situationen:

  • Gezieltes Training zurückbleibender Muskeln: z. B. wenn der innere Oberarmkopf nicht wächst, aktiviert ActionNOW während der Bizepskontraktion zusätzliche Fasern.
  • Verletzungsprävention bei Maximalbelastungen: die synchrone Kontraktion führt zu kontrollierterer Aktivierung und „vorbereiteterer" Muskulatur.
  • Sauberere Technik bei schweren Lasten: die zusätzliche Aktivierung hilft, die Zielmuskulatur zu rekrutieren.

Für eine ausführliche ActionNOW-Anleitung siehe den Artikel EMS-Trainingsprogramme und deren Anwendung.

Praktisches Beispiel – Muskelstimulation in der Anwendung

In diesem Video zeige ich, wie einfach Muskelstimulation durchführbar ist. Die korrekte Elektrodenplatzierung und Programmauswahl sind ebenfalls deutlich zu sehen:

Wissenschaftlicher Hintergrund Was sagen Studien zur EMS-Nutzung bei Bodybuildern?

„Bringt es so viel Kraft wie Hanteltraining?”

In volumen-angepassten Studien: Ja. Eine systematische Übersicht und Metaanalyse 2022 (19 RCT) zeigte, dass EMS-Training praktisch dieselbe Kraftentwicklung wie traditionelles Hanteltraining erzielte (Effektgröße 0,023 – also kein Unterschied).1 Das bedeutet, EMS wirkt, bietet aber keinen Mehrwert gegenüber Hanteln – die Kombination (superimposed) bringt den zusätzlichen Effekt.

„Was bringt EMS Eliteathleten?”

Eine systematische Übersicht von 2012 (Filipovic et al., 89 Studien) zeigte, dass bei Eliteathleten 3–6 Wochen EMS-Training messbare Verbesserungen in isometrischer und dynamischer Kraft, Explosivleistung, Sprunghöhe und Sprintzeit brachten.8 Hinweis: Die Protokolle sind sehr heterogen (verschiedene Geräte, Frequenzen, Dauer), daher verbergen die Durchschnittswerte methodische Unterschiede.

„Was ist die beste Anwendungsform?”

Die Netzwerk-Metaanalyse von Micke et al. 2023 (36 RCT, 1.092 Athleten) ergab die höchsten Effekte für SUPERIMPOSED-Protokolle – also EMS zusätzlich ZUM traditionellen Training, nicht als Ersatz.2 Die Globus ActionNOW-Programme setzen genau diese Herangehensweise für die Heimanwendung um.

„Hilft es wirklich bei der Regeneration? Werde ich schneller fit?”

Teilweise. Die systematische Übersicht Malone-SR 2014 (13 Studien) fand, dass EMS-Recovery besser ist als passive Erholung, aber aktive aerobe Regeneration (leichtes Schwimmen, Radfahren) in der Regel BESSER für die Laktat-Clearance ist.5 Eine Studie von 2009 mit Schwimmern zeigte niedrigere Laktatwerte beim aktiven Schwimmen im Vergleich zu EMS.6 Fazit: Besser als bloßes Ausruhen, aber kein sofortiges Wundermittel.

„Wann kann ich nach einer Verletzung mit EMS beginnen?”

Nach Operationen wartet man in der Regel 2–3 Wochen wegen der Wundheilung, dann beginnt man vorsichtig. Eine klinische Studie 2022 (Labanca et al.) zeigte, dass frühes superponiertes NMES nach ACL-Rekonstruktion bessere isokinetische Kraft- und funktionelle Sprungergebnisse als Standardrehab brachte.9 Bei Zerrungen/Teilverletzungen kann bereits nach 3–4 Tagen mit einem schonenden Regenerationsprogramm begonnen werden – immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Das Wesentliche Kurz zusammengefasst für Bodybuilder

EMS-Training richtet sich als Ergänzung zum traditionellen Hanteltraining – kombiniert bringt es Mehrwert. Aufwärmen, Regeneration, gezielte Entwicklung zurückgebliebener Muskeln und Erhalt während Verletzungen sind die wichtigsten Anwendungsbereiche. Behauptungen wie „sofortiger Muskelzuwachs" oder „effektiver als jede andere Methode" sind evidenzmäßig nicht gedeckt.

Zuhause Geräteauswahl für Bodybuilder

Für Bodybuilder eignet sich ein Gerät, das: (1) 4-Kanal-fähig ist (so dass du für eine große Muskelgruppe 8 Elektroden anbringen kannst), (2) Programme für Hypertrophie / Max-Kraft / Explosivkraft bietet, (3) Aufwärm-/Regenerations-/Muskelentspannungsprogramme enthält und (4) idealerweise die ActionNOW superimposed-Programmgruppe unterstützt.

Globus Premium 400

4-Kanal-multifunktionales Gerät mit eingebauter Sport-Programmgruppe. Aufwärmen, Hypertrophie, Max-Kraft, Regeneration und Muskelentspannung – alle Grundlagen für Bodybuilder. Einsteigermodell mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sport Pro Linie: Cycling / Runner / Triathlon / Soccer / Champion

Sportartspezifische 4-Kanal-Stimulatoren. Obwohl sie sportartspezifisch sind, sind sie durch feine Parametereinstellung ideal für Bodybuilder. The Champion oder Triathlon Pro sind die universellsten Optionen.

Globus Genesy 600 / Genesy 1500 / Genesy 3000

High-End-Globus-Modelle mit mehreren hundert Programmen – ActionNOW-, Kotz- und kompletten Sport-Programmgruppen. Klinische Parametrierung für ernsthaftes EMS-Training. Wer es ernst meint, wählt Genesy 1500. Für Training reicht meist ein günstigeres Modell; regelmäßige Anwendung ist wichtiger als die reine Programmanzahl.

Tipp Mein Rat für Bodybuilder

In der Regel reicht der Premium 400 oder eines der Sport-Modelle (Runner Pro, Cycling Pro, Soccer Pro, Triathlon Pro, The Champion). Diese Geräte bieten passende Programme, die sich in jede Trainingsroutine integrieren lassen. Wenn du die High-End-Funktionen (ActionNOW, Kotz, parametergenaue Feinabstimmung) nutzen willst, ist Genesy 1500 empfohlen. Genesy 1500 und Genesy 3000 enthalten viele Funktionen, die eher therapeutisch oder für schwere Rehabs relevant sind. Für das Training zählt Regelmäßigkeit, nicht nur Programmanzahl.

Warnung Bevor du als Bodybuilder mit der EMS-Routine beginnst

In den folgenden Situationen ist EMS kontraindiziert oder an eine fachärztliche Rücksprache gebunden:

  • Eingepflanzter Herzschrittmacher, ICD oder anderes aktives Implantat – der Strom kann die Funktion stören.
  • Schwangerschaft – Behandlung von Bauch und Lendenbereich ist in keiner Phase erlaubt.
  • Epilepsie oder andere Anfallsleiden – Stimulation kann einen Anfall auslösen.

     

  • Akuter Muskelfaserriss, frische Zerrung (erste 3–4 Tage) – zunächst die Einblutung abwarten; erst danach mit schonenden Regenerationsprogrammen beginnen.
  • Frisch operiertes Gebiet – warte die Wundheilung (mindestens 2–3 Wochen) ab und beginne nur mit ärztlicher Freigabe.
  • Aktive tiefe Venenthrombose (TVT) – dringend ärztliche Behandlung erforderlich, keine Heimtherapie beginnen.
  • Aktiver bösartiger Tumor im Behandlungsgebiet – vermeide die betroffene Region.
  • Hauterkrankung, Verletzung oder Gefühlsstörung im Behandlungsgebiet – die Haut muss intakt und sensibel sein.
  • Akutes Fieber oder Infektionserkrankung – bis zur Genesung warten.
  • Schwere kardiovaskuläre Erkrankung – bei Arrhythmien oder Herzinsuffizienz kardiologische Freigabe einholen.

Weitere Informationen Weitere Lektüre

Für die vollständige Kontraindikationsliste lies unseren Artikel Kontraindikationen bei elektrischen Behandlungen.

FAQ Häufig gestellte Fragen

Nein. Die Meta-Analyse von Happ 2022 zeigt, dass EMS bei angeglichenem Volumen dieselbe Kraftentwicklung wie Hanteltraining bringt1, ABER für die vollständige Bewegungskoordination, neuronale Anpassung und kardiovaskuläre Verbesserung bleibt das traditionelle Hanteltraining grundlegend. Die beste Strategie ist EMS zusätzlich zum Hanteltraining (superimposed-Protokoll, z. B. ActionNOW).2

Hauptprogramme (Hypertrophie / Max-Kraft / ActionNOW) 2–3-mal pro Woche – ähnlich dem traditionellen Krafttraining. Zusätzlich nach jedem Training eine Regenerations-Einheit (15–20 Minuten) und vor jedem Training ein Aufwärmen (10–15 Minuten). Zu häufige Hypertrophie-/Max-Kraft-Sessions beeinträchtigen die Erholung – Progression und Dosierung sind wichtig.

Im Vergleich zu passiver Erholung: ja. Im Vergleich zu aktiver aerober Erholung (leichtes Radfahren, Schwimmen): in der Regel nein.5, 6 Der Vorteil von EMS-Recovery liegt darin, dass sie auch dann nutzbar ist, wenn aktive Erholung nicht möglich ist (Reisen, spät am Abend, enges Programm). Kein sofortiges Wunder, aber besser als bloßes Ausruhen.

Teilweise ja. Wenn eine Muskelgruppe stagniert (z. B. oberer Brustbereich, Waden), kannst du durch gezielte EMS-Zusatzaktivierung neben dem traditionellen Training zusätzliche Fasern ansprechen. Die Literatur zeigt, dass kombinierte Ansätze zusätzlichen Kraftzuwachs bringen können.2, 8 Erwarte jedoch kein magisches Ergebnis allein durch EMS – Technik, Trainingsvolumen, Regeneration, Ernährung und Genetik spielen ebenfalls eine Rolle.

Ja, das ist eine der besten Anwendungen. Während du ein verletztes Gelenk schonst, erhält EMS die zugehörigen und anderen Muskelgruppen – so verlieren sie nicht so stark an Masse. Nach ACL-Operation ist superponiertes NMES klinisch wirksamer als Standardrehab.9 Für verletzungsspezifische Protokolle konsultiere deinen Arzt oder Physiotherapeuten.

ActionNOW ist eine in Globus-Geräten verfügbare Programmgruppe, die auf dem Superimposed-Prinzip basiert: EMS wird während der aktiven Übung eingesetzt. Für Bodybuilder ist das besonders wertvoll: Du trainierst nicht separat mit EMS und Hanteln, sondern gleichzeitig. Gehirn und Muskel lernen das Zielbewegungsmuster gemeinsam, was laut moderner Literatur bessere Anpassungen bringt als passives EMS.2

Zusammenfassung Zusammenfassung – Kurzübersicht

Worum geht es in diesem Artikel? Ein umfassender Leitfaden für die Bodybuilder-Persona zum Muskelstimulator: 6 konkrete Situationen, in denen er echten Mehrwert bietet, die moderne Evidenzlage, die ActionNOW superimposed-Programme, Geräteauswahl und realistische Erwartungshaltung.
Für wen ist es? Für Bodybuilder und Kraftsportler, die traditionelles Hanteltraining betreiben, über die Anschaffung eines Muskelstimulators nachdenken oder bereits eines besitzen und wissen möchten, wie sie ihn sinnvoll einsetzen.
Hauptbotschaft Der Muskelstimulator ist für Bodybuilder ein trainingsunterstützendes Gerät, kein Ersatz. Volumen-angepasste Studien zeigen ähnliche Kraftzuwächse wie Hanteltraining – der echte Mehrwert kommt durch kombinierte (superimposed, ActionNOW) Nutzung. Aufwärmen, Regeneration, gezielte Entwicklung zurückgebliebener Muskeln und Erhalt bei Verletzung sind die besten Einsatzgebiete. Realistische Erwartung: Nach 4–8 Wochen regelmäßiger Anwendung sind messbare Effekte möglich.
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Quellen

  1. Happ KA, Behringer M. (2022). Neuromuscular electrical stimulation training vs. conventional strength training: a systematic review and meta-analysis of the effect on strength development. Journal of Strength and Conditioning Research 36(12):3527-3540. PubMed: 34417404
  2. Micke F, Held S, Lindenthal J, Donath L. (2023). Effects of electromyostimulation on performance parameters in sportive and trained athletes: a systematic review and network meta-analysis. European Journal of Sport Science 23(8):1570-1580. PubMed: 35913269
  3. Wachi M, Jiroumaru T, Satonaka A, Tanaka K, et al. (2025). Effect of passive warm-up using high-voltage pulsed-current electrical stimulation on jump performance in young adults: a randomized controlled trial. Cureus 17(4):e81594. PubMed: 40322448
  4. Maffiuletti NA. (2010). Physiological and methodological considerations for the use of neuromuscular electrical stimulation. European Journal of Applied Physiology 110(2):223-234. PubMed: 20473619
  5. Malone JK, Blake C, Caulfield BM. (2014). Neuromuscular Electrical Stimulation During Recovery From Exercise: A Systematic Review. Journal of Strength and Conditioning Research 28(9):2478-2506. PubMed: 24552796
  6. Neric FB, Beam WC, Brown LE, Wiersma LD. (2009). Comparison of swim recovery and muscle stimulation on lactate removal after sprint swimming. Journal of Strength and Conditioning Research 23(9):2560-2567. PubMed: 19910818
  7. Bickel CS, Gregory CM, Dean JC. (2011). Motor unit recruitment during neuromuscular electrical stimulation: a critical appraisal. European Journal of Applied Physiology 111(10):2399-2407. PubMed: 21870119
  8. Filipovic A, Kleinöder H, Dörmann U, Mester J. (2012). Electromyostimulation — a systematic review of the effects of different electromyostimulation methods on selected strength parameters in trained and elite athletes. Journal of Strength and Conditioning Research 26(9):2600-2614. PubMed: 22067247
  9. Labanca L, Rocchi JE, Giannini S, Faloni ER, et al. (2022). Early Superimposed NMES Training is Effective to Improve Strength and Function Following ACL Reconstruction with Hamstring Graft regardless of Tendon Regeneration. Journal of Sports Science & Medicine 21(1):91-103. PubMed: 35250338
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Letzte Überprüfung: 15. Juni 2026

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sind rein informativ. Heimtherapie-Geräte ersetzen keine fachärztliche sportmedizinische oder physiotherapeutische Beratung. Bei Verletzungen, chronischen Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme konsultiere vor der Nutzung eines Muskelstimulators immer deinen behandelnden Arzt oder Sportmediziner. Individuelle Reaktionen können abweichen – die genannten klinischen Ergebnisse sind Mittelwerte, keine Garantien.

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