Muskelatrophie
Die Muskelatrophie ist eine der schwerwiegendsten Erkrankungen des Muskelgewebes, bei der die funktionsfähige Muskelmasse und damit parallel auch die Muskelkraft kontinuierlich abnimmt. Die „echte“ Muskelatrophie ist von der vorübergehenden Atrophie zu unterscheiden, die infolge von Inaktivität (zum Beispiel infolge eines Knochenbruchs oder einer Operation) auftritt, da der „nicht verwendete“ Muskel rasch an Masse und Kraft verliert. Es existieren verschiedene Formen der Erkrankung, die unterschiedliche Verläufe nehmen können.
Vorkommen der Muskelatrophie
Zum Glück kommt Muskelatrophie selten vor: Durchschnittlich leiden bei 100.000 Menschen etwa 10 an dieser Erkrankung. Meistens liegt der Erkrankung eine genetisch bedingte Enzymstörung oder ein Stoffwechseldefekt zugrunde; es gibt sowohl vererbte als auch spontan auftretende Formen.
Es ist wichtig zu wissen, dass durch Inaktivität (Bewegungsmangel) ähnliche Symptome einer Muskelatrophie ausgelöst werden können. Wenn deine Muskeln über längere Zeit nicht bewegt werden, beginnen sie zu schwinden – ein solcher Zustand kann zum Beispiel bei einem Knochenbruch oder nach einer Operation entstehen, weshalb Physiotherapie in diesen Fällen besonders wichtig ist.
Auch Erkrankungen, die nicht primär die Muskeln, sondern die Nerven angreifen, können zu Muskelatrophie führen – wie beispielsweise ein Schlaganfall, der den motorischen Bereich des Nervensystems betrifft und somit zu Muskelschwund führt.
Wenn du feststellst, dass deine Muskeln ohne ersichtlichen Grund dünner werden und an Kraft verlieren, solltest du so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen. Du kannst mit deinem Hausarzt beginnen oder direkt eine neurologische Praxis kontaktieren.
Arten der Muskelatrophie
Die häufigste, im Kindesalter auftretende Form der Erkrankung ist das Duchenne-Syndrom, eine etwas weniger schwere Form ist die ebenfalls bei Kindern vorkommende Becker-Muskeldystrophie. Die am häufigsten bei Erwachsenen auftretende Muskelerkrankung ist die Myotone Dystrophie.
- Duchenne-Muskeldystrophie betrifft nur Jungen, da sie stets X-chromosomal vererbt wird (Mädchen können nur Überträgerinnen sein, da ihr zweites X-Chromosom den Defekt ‚ausgleicht‘). Bei der Erkrankung verhindert ein Protein namens Dystrophin den Ionenfluss innerhalb der Zelle, was letztlich die Muskelzellen nach und nach zerstört. Die Muskelzellen zerfallen und werden durch Gewebe ersetzt, das nicht zur Kraftentwicklung fähig ist. Das Duchenne-Syndrom stellt einen äußerst schweren Verlauf dar: Die Betroffenen verlieren bereits um das 13. Lebensjahr die Gehfähigkeit und erreichen aufgrund der Beteiligung der Atem- und Herzmuskulatur meist nicht das Erwachsenenalter.
- Bei der selteneren Becker-Muskeldystrophie ist die Genmutation weniger schwerwiegend. Die Erkrankung schreitet langsamer voran und die Symptome treten ‚erst‘ im Alter von 6 bis 19 Jahren auf.
- Die adulte Muskelatrophie verläuft meist milder. Die Myotone Dystrophie betrifft sowohl Männer als auch Frauen und kann in jedem Lebensalter auftreten. Sie geht mit Muskelschwäche und -steifheit einher. Als Ursachen kommen verschiedene Stoffwechselstörungen in Frage – meist liegt jedoch eine Fehlfunktion der Enzyme im Zucker- und Fettstoffwechsel vor.
- Von einer sekundären Muskelschwäche spricht man, wenn der Muskelschwund durch eine andere Erkrankung indirekt verursacht wird. Beispiele hierfür sind eine Überproduktion von Wachstumshormonen, Schilddrüsenerkrankungen, metabolische Erkrankungen oder Lebererkrankungen.
- Bei einer autoimmunen Muskelerkrankung erkennt der Körper die Muskeln als Fremdstoff an und bildet Antikörper dagegen.
Mögliche Behandlungsmethoden bei Muskelatrophie
Die Medizin verfügt über umfangreiche Kenntnisse zum Verlauf der Muskelatrophie, jedoch bleibt die eigentliche Ursache bisher unbekannt. Daher gibt es noch kein spezifisches Medikament zur Heilung; eine Verzögerung der Progression, Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität sind jedoch möglich.
Bei der kindlichen Muskelatrophie verlangsamt eine Steroidbehandlung den Verlauf etwas; eine wirkliche Lösung wird jedoch hoffentlich erst in Zukunft durch die Stammzelltherapie möglich sein.
Höre niemals auf, dich zu bewegen!
Physiotherapie spielt eine lebenswichtige Rolle bei der Behandlung der Muskelatrophie. Regelmäßige Bewegung verlängert das Leben der intakten Fasern. Um geeignete Übungen durchzuführen, solltest du unbedingt mit einem Physiotherapeuten, Bewegungstherapeuten oder einem Medical-Fitness-Trainer sprechen.
Hilfsmittel, die unterstützen
Rehabilitationshilfen und medizinische Geräte ergänzen und unterstützen die Wirksamkeit der Übungen. Wichtig! Die Hilfsmittel sind nicht als Ersatz für die Physiotherapie (allenfalls bei sehr schwerem Verlauf) gedacht, sondern als ergänzende Lösung!
Ultraschall
Vor dem Training ist es sinnvoll, das atrophierte und verspannte Muskelgewebe mittels Ultraschall vorzubereiten. Durch Ultraschall-Wellen entspannen sich Muskeln und Bänder, sie erwärmen sich und erleichtern so die Physiotherapie.
Elektro-Muskelstimulator
Mit den Elektro-Muskelstimulator-Geräten werden sanfte, schmerzfreie elektrische Impulse über die Haut abgegeben, die zu Muskelkontraktionen führen. Durch eine 30- bis 40-minütige Anwendung kann die Muskelkraft ähnlich wie beim Training gesteigert werden. Diese Methode eignet sich, um Muskelatrophie vorzubeugen, rückgängig zu machen oder zumindest den Fortschreiten zu verlangsamen.
Auf dem Blog von Dr. Zátrok Zsolt findest du einen Trainingsplan, der dir helfen kann, deine Muskelkraft zu erhalten.
Die Elektro-Stimulationstherapie verhindert sehr effektiv den Abbau von Muskelmasse und -kraft. Natürlich hat eine einzelne Stimulation keine nennenswerte Wirkung, ebenso wenig wie ein einzelnes Training die Kraft signifikant steigern kann. Aber bei regelmäßiger Anwendung (1-2 Mal täglich) lassen sich bereits nach 2–3 Monaten erhebliche Verbesserungen erzielen.
Einfachere Geräte für leichte Beschwerden und die Behandlung kleinerer Areale sind bereits ab rund 20.000 Forint erhältlich. Die Geräte mit den besten Ergebnissen liegen jedoch im Bereich von 100.000 bis 150.000 Forint.