Knie- und Hüftprothesen-Operation – Vorbereitung und häusliche Rehabilitation
Heutzutage werden in staatlichen und privaten Krankenhäusern sowohl Knie- als auch Hüftprothesen „am Fließband“ eingesetzt. Abgenutzte Gelenke werden nacheinander ausgetauscht. Doch bei einem erheblichen Teil der Operationen bleibt die erwartete Verbesserung aus. Warum ist das so?
Ein kurzer Exkurs: Du bringst dein Auto zur Reifenwerkstatt, weil die Reifen abgefahren sind. Du bekommst einen neuen Satz (wie viel du dafür ausgibst ist nur eine Geldfrage, ob du billige oder hochwertige Reifen nimmst).
Aber von wem hängt es ab, wie lange die neuen Reifen halten? Am wenigsten vom Mechaniker!
Die Ursache für den Reifenverschleiß kann zum Beispiel das abgefahrene Fahrwerk sein – selbst mit neuen Reifen verschleißen sie dann schnell. Wenn du bei Beschleunigungsrennen absichtlich Gummi auf dem Asphalt „verheizt“… nun ja… in der Werkstatt kannst du dich dann nicht beschweren, denn diese Schäden lagen ganz allein an deinem Fahrstil!
Vergleichen wir das mit deiner Operation: Im Krankenhaus wird - sofern dein Zustand es zulässt - in wenigen Stunden das abgenutzte Gelenk ersetzt. Die Wunde wird verschlossen, die Wirkung der Narkose klingt ab und du darfst nach Hause. „Das war der Service, und du hast von ihm die neuen Reifen bekommen!“
Ab diesem Zeitpunkt hängt deine Genesung NICHT mehr vom Operateur ab, ebenso wenig wie davon, wie gut dein Bein nutzbar ist oder ob deine alten Beschwerden verschwinden!
Das hängt davon ab, in welchem Zustand du zur Operation gekommen bist, ob du die zusätzlichen Kilos abgebaut hast, ob du die Rehabilitationsaufgaben gemacht hast!? Wenn du dich damit nicht beschäftigt hast… nun… wovon sollte sich dann dein Zustand verbessern?
Wovon hängt der Erfolg einer Knie- oder Hüftprothesen-Operation ab?
Vorbereitung
Zahlreiche Studien belegen, dass Patienten, die gut vorbereitet zur Operation erscheinen, eindeutig bessere Endergebnisse haben.
Denk mal darüber nach: Dein Knie quält dich seit Jahren. Du bewegst dich immer weniger, deshalb verkümmern und schwächen sich die Oberschenkelmuskeln, die Gelenkbewegungen werden eingeschränkt. Bis es zur Operation kommt, ist dein Knie instabil, schmerzt höllisch, du stehst kaum noch vom Sessel auf. Die Operation wird durchgeführt, die Wunde heilt schnell. Aber du kannst nicht aus dem Sessel aufstehen. Der geschwächte Oberschenkel zittert, das Knie ist kraftlos und unsicher, dein Gang unsicher. Auch Monate später bessert sich die Lage nicht.
Die Stabilität der Gelenke wird von der Kraft der sie umgebenden Muskeln gegeben. Beim Knie sind das vor allem Oberschenkel- und Wadenmuskulatur, bei der Hüfte der Oberschenkel, das Gesäß und teilweise die Bauchmuskulatur, die das Gelenk seitlich, oben und unten umgeben. Sind diese Muskeln stark, halten sie das Gelenk stabil.
Wenn du sie vor der Operation lange „ruhen“ lässt, wenn du mit atrophpen Muskeln zur Operation gehst, wenn du deine Muskulatur nicht auf die Operation vorbereitet hast, dann werden sie dich nach der Operation nicht tragen! Das bedeutet: Die Prothese ist zwar eingebaut, aber du bewegst dich weiterhin genauso eingeschränkt wie vor der Operation.
Aber woran merkst du, dass du vorbereitet bist?
Ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung ist Physiotherapie und Physiokinesiotherapie, die mindestens 2–3 Monate vor der Operation begonnen werden sollte.
Wie dein Zustand nach der Operation sein wird, hängt von den „mitgebrachten“ Muskeln ab, die die Bewegung ausführen. Tatsache ist: Je kräftiger die Muskeln sind, mit denen du zur Operation kommst, desto schneller stehst du wieder auf den Beinen.
Man merkt das schon in den ersten Stunden nach der Operation deutlich, wenn jemand vor der Operation gezielte Bewegung, Physiotherapie oder Physiotherapie ergänzt durch beispielsweise Muskelstimulation betrieben hat.
Wegen der Physiotherapie wende dich an Physiotherapeuten oder Bewegungstherapeuten, und beschaffe dir ein Muskelstimulations-Gerät. Damit kannst du dich bequem zu Hause behandeln.
Die Muskelstimulation großer Muskeln (z. B. Oberschenkel, Gesäß, Bauch usw.) ist keine Hexerei! Die Behandlung selbst ist vollkommen risikofrei.
Lies meinen Artikel Anwendung der Muskelstimulation in der Praxis. Klick hier.
Da Knie- und Hüftprothesen-Operationen meist geplant sind, kennst du den voraussichtlichen Termin oft Monate im Voraus. Im operierenden Team ist neben den Ärzten in der Regel auch ein vorbereitender Physiotherapeut. Er wird dir die Übungen zeigen. Er informiert dich, wie viel und mit welcher Intensität du üben sollst.
Manche Einrichtungen bieten sogar Online-Videos an!!! Es ist so einfach, das Video auf deinem Computer zu starten und die Übung mitzumachen.
Operation
Das operative Team arbeitet also mit „mitgebrachtem Material“.
Je schlechter dein Zustand bei der Operation ist – also je schwächer deine Muskeln, je höher dein Übergewicht, je steifer die Gelenke, je untrainierter Herz, Atmung und Stoffwechsel – desto höher sind das OP-Risiko, die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und desto geringer die Chance auf vollständige Wiederherstellung.
Wenn du dich also vernachlässigt hast und nicht vorbereitet warst, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit trotz guter chirurgischer Leistung von vornherein geringer.
Bei Operationen gilt: Je geringer die Invasivität (also je kleiner der Schnitt und je weniger Muskelverletzungen verursacht werden), desto schneller die Erholung. In der Regel sind solche Techniken teurer (weil sie mehr Fachwissen und Spitzengeräte zur Umsetzung benötigen).
Rehabilitation
Nach einer Knie- oder Hüftprothesen-Operation wirst du in der Regel noch am selben Tag „aufgerichtet“. Das geschieht, sobald das Taubheitsgefühl und die motorische „Ungeschicklichkeit“ nach der Anästhesie abgeklungen sind und du nach der Narkose dein klares Bewusstsein und Konzentrationsfähigkeit zurückgewonnen hast.
Die Rehabilitation verantwortlichen Fachleute erklären dir Schritt für Schritt die Aufgaben für die kommende Zeit. Über die klinischen Gruppentherapien, Möglichkeiten und Regeln zur Durchblutungsförderung (venöse Übungen, Bandagierung, Kompressionsstrümpfe, Bemer-Therapie usw.).
Zunächst werden einige Übungen in liegender Position durchgeführt. Danach setzt man sich an den Bettrand, nach einigen Minuten wird das Aufstehen geübt und anschließend das Gehen mit dem Rollator.
Manchmal kannst du bereits einige Stunden nach der Operation selbstständig gehen. Das kann ein sehr erhebendes Gefühl sein. Der frühere Schmerz ist weg, du kannst auf dein Bein „auftreten“. Du bist nicht mehr (oder nur minimal) auf fremde Hilfe angewiesen.
Dieser ideale Zustand ist erreichbar, wenn du dich entsprechend vorbereitet hast!
Wenn du dich vernachlässigt hast, kann die Rehabilitationsphase Wochen oder Monate dauern.
Es lohnt sich also, sich auf die geplante Operation vorzubereiten und der Rehabilitation große Aufmerksamkeit zu schenken.
Arzt oder Patient. Wessen Rolle ist wichtiger?
Die meisten Patienten glauben, dass der Erfolg der Operation nahezu ausschließlich vom Operateur abhängt. Das ärztliche Team spielt zwar eine sehr wichtige, zweifellos sichtbare und entscheidende Rolle, ist aber nur ein Teilaufgabe.
Der Erfolg hängt jedoch in hohem Maße vom Patienten selbst ab!
Wenn der Patient die Lösung all seiner Probleme ausschließlich vom Arzt erwartet, reduziert das die Erfolgschancen. Wenn er sich hingegen gut auf die Operation vorbereitet und die Rehabilitationsaufgaben konsequent durchführt, vergrößert er die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs erheblich.