Kompressionstherapie für Sportler – Wie sie Vorbereitung und Regeneration unterstützt
Wenn du regelmäßig trainierst – sei es Laufen, Radfahren, Teamsport oder CrossFit – kennst du sicher das unangenehme Gefühl, nach dem Training die Treppe hinunterzugehen. Muskelkater, schwere Beine, spannende und druckempfindliche Muskeln zeigen alle: Dein Körper hat hart gearbeitet und braucht nun Pause und Regeneration. Hier kommt die Kompressionstherapie ins Spiel – eine Methode, die immer mehr Sportler zur Unterstützung von Vorbereitung und Erholung nutzen.
Aber funktioniert sie wirklich? Was sagen die wissenschaftlichen Studien dazu? Und wie kannst du sie zuhause anwenden? Diese Fragen versuche ich in diesem Artikel zu beantworten.
Was passiert in deinen Muskeln während und nach dem Training?
Beim Training erleiden deine Muskeln winzige Schäden. Keine Sorge, das ist völlig normal – genau diese Mikroverletzungen lösen die Anpassung und das stärkere Werden aus. Problematisch wird es, wenn diese Mikroverletzungen mit Entzündung, Schwellung und Schmerzen einhergehen. Das nennen wir verzögerten Muskelkater (englisch DOMS – Delayed Onset Muscle Soreness).
Stell dir deine Muskeln wie eine Baustelle vor. Das Training reißt alte Wände ein, damit neue gebaut werden können. Aber der Schutt – Abfallstoffe und entzündungsfördernde Mediatoren – muss aus dem Bereich abtransportiert werden, damit die Arbeiter weitermachen können. Genau dabei kann die Kompressionstherapie helfen.
Wie funktioniert Kompressionstherapie?
Die Kompressionstherapie wirkt durch Druck auf deine Gliedmaßen und unterstützt damit den venösen Rückfluss und die Lymphdrainage. Es gibt zwei Haupttypen.
Der eine ist die statische Kompression, die du von Kompressionssocken oder -strümpfen kennst. Diese üben einen kontinuierlichen, gleichmäßigen Druck aus.
Der andere ist die intermittierende (periodische) pneumatische Kompression (IPC), bei der ein Gerät mit luftgefüllten Kammern die Gliedmaßen abwechselnd aufpumpt und entlüftet.
IPC-Geräte – wie beispielsweise Pressotherapie-Stiefel – „massieren" die Gliedmaße wellenförmig vom Fuß Richtung Oberschenkel. Diese wellenartige Bewegung fördert effektiv den Abtransport von Lymphflüssigkeit und venösem Blut in Richtung Herz.¹
Was sagen die Studien?
Die wissenschaftliche Literatur beschäftigt sich zunehmend mit den Effekten der Kompressionstherapie auf sportliche Leistung und Regeneration. Schauen wir, was die Forschenden herausgefunden haben!
Verringerung der Schmerzwahrnehmung
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus 2024, die 17 Studien mit insgesamt 319 Teilnehmenden auswertete, fand, dass intermittierende pneumatische Kompression der unteren Gliedmaßen Schmerzen und subjektive Ermüdung in geringem bis mittlerem Ausmaß reduzieren kann.¹
Eine weitere randomisierte, kontrollierte Studie aus 2025 berichtete, dass die Kompressionstherapie – obwohl sie die neuromuskulären Funktionen nicht signifikant verbesserte – konsequent die subjektiv empfundenen Schmerzen der Teilnehmenden verringerte.²
Marker für Muskelschädigung
Bei hochintensivem Intervalltraining (HIIT) kann Kompressionstherapie die molekularen Marker, die auf Muskelschädigung hinweisen, positiv beeinflussen. Martin und Kollegen zeigten 2017, dass eine begleitende pneumatische Kompression die Marker der Proteolyse (Proteinabbau) im Skelettmuskel verringerte.³
Verbesserung der Durchblutung
Eine Metaanalyse aus 2023 zeigte, dass Kompressionsgeräte den venösen Blutfluss sowohl in Ruhe als auch unter Belastung verstärken.⁴ Das bedeutet, dass Abfallprodukte schneller aus den Muskeln abtransportiert werden können und Nährstoffe effizienter zu regenerierenden Geweben gelangen.
Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit
Kompressionstherapie unterstützt primär die Regeneration und wirkt nicht unmittelbar leistungssteigernd. Eine schnellere Erholung ermöglicht jedoch intensiveres Training und kann so indirekt die Leistung verbessern – vorausgesetzt, der Sportler nutzt die zusätzlichen Trainingsreize sinnvoll.⁵
Wann und wie anwenden?
Nach dem Training – zur Regeneration
Die häufigste Anwendung ist zur Unterstützung der Erholung nach dem Training. Die meisten Studien untersuchten Behandlungen von 20–30 Minuten in einem Druckbereich von etwa 100–200 mmHg.¹ Eine sofortige Anwendung nach dem Training kann helfen, den Muskelkater am nächsten Tag zu reduzieren.
Aus persönlicher Sicht empfinde ich 80–100 mmHg als angenehme und wirkungsvolle Massage. Höhere Drücke halte ich aus kreislaufmedizinischer Sicht für wenig sinnvoll; zudem kann die Behandlung oberhalb von etwa 100 mmHg als schmerzhaft empfunden werden.
Zwischen Wettkämpfen
Hast du einen dicht gedrängten Wettkampfplan – zum Beispiel mehrere Partien an einem Turnierwochenende – kann eine Kompressionstherapie zwischen den Spielen helfen, die Muskelfunktion zu erhalten. Das ist besonders nützlich, wenn keine klassische Massage zur Verfügung steht. Eine Studie aus 2020 zeigte, dass die Kombination aus Kompression und Eintauchen in kaltes Wasser die Erholung der Athleten bei mehrtägigen Turnieren effektiv unterstützte.⁶
Bei Reisen
Nach langen Flug- oder Autofahrten kann es in den unteren Extremitäten zu Blut- und Lymphstauungen kommen. Kompressionstherapie kann helfen, das Gefühl „schwerer Beine" zu verhindern und die Akklimatisierung zu beschleunigen.
Welches Gerät wählen?
Für den Heimgebrauch konzipierte Pressotherapie-Geräte behandeln in der Regel Unterschenkel und Oberschenkel. Achte bei der Auswahl auf folgende Punkte:
Die Anzahl der Luftkammern ist wichtig: Je mehr Kammern, desto feiner die wellenförmige Bewegung. Auch der Druckbereich ist relevant: die meisten sportwissenschaftlichen Studien arbeiteten im Bereich von rund 100–200 mmHg. Außerdem lohnt sich ein Gerät mit Timer und verschiedenen Programmen.
Mein Rat
Kompressionstherapie ist kein Wundermittel, das die Arbeit für dich erledigt. Sie kann jedoch ein effektives Ergänzungsinstrument in deinem Regenerationsarsenal sein. Wenn du Sport ernst nimmst und die Effektivität deiner Trainingseinheiten maximieren willst, lohnt sich ein Ausprobieren und regelmäßiger Einsatz. Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du die Methode mit anderen Regenerationsmaßnahmen kombinierst: Muskelstimulation, ausreichendem Schlaf, angemessener Ernährung und aktivem Erholen.
Und vergiss nicht: Regeneration ist ebenso wichtiger Teil des Trainings wie die Belastung selbst. Wer sich besser erholt, kann mehr und härter trainieren – und liefert am Ende bessere Leistungen.
Quellen
- Maia F, Nakamura FY, Sarmento H, et al. (2024). Effects of lower-limb intermittent pneumatic compression on sports recovery: A systematic review and meta-analysis. Biology of Sport, 41(4), 263-275. PubMed
- Do Carmo Silva G, et al. (2025). Intermittent Pneumatic Compression May Reduce Muscle Soreness but Does Not Improve Neuromuscular Function Following Exercise-Induced Muscle Damage: A Randomized Placebo-Controlled Trial. International Journal of Sports Physiology and Performance. PubMed
- Martin JS, Kephart WC, Haun CT, et al. (2017). Concomitant external pneumatic compression treatment with consecutive days of high intensity interval training reduces markers of proteolysis. European Journal of Applied Physiology, 118(1), 173-183. PubMed
- Dutra L, Boffino CC, Brusco CM, et al. (2023). Do Sports Compression Garments Alter Measures of Peripheral Blood Flow? A Systematic Review with Meta-Analysis. Sports Medicine, 53(5), 1003-1015. PubMed
- Stedge HL, Armstrong K. (2021). The Effects of Intermittent Pneumatic Compression on the Reduction of Exercise-Induced Muscle Damage in Endurance Athletes: A Critically Appraised Topic. Journal of Sport Rehabilitation, 30(4), 668-671. PubMed
- Fernández-Lázaro D, Mielgo-Ayuso J, Seco Calvo J, et al. (2020). Intermittent Pneumatic Compression and Cold Water Immersion Effects on Physiological and Perceptual Recovery during Multi-Sports International Championship. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(13), 4691. PubMed
Die im Artikel enthaltenen Informationen dienen der allgemeinen Information. Kompressionsgeräte sind als Ergänzung zum Trainingsprogramm und zur Regeneration gedacht. Bei Verletzungen konsultiere einen Sportarzt oder Physiotherapeuten.