Warum schreibe ich über Softlaser-Betrug?
Als Arzt und Händler für Medizintechnik sehe ich täglich die andere Seite des Marktes: „Wunderlaser“, die in sozialen Medien beworben werden, in denen LEDs mit wenigen Milliwatt leuchten, dazu überwältigende Zahlen zur „Gesamtleistung“ – und enttäuschte Käufer, die sich monatelang mit einem Gerät behandeln, das physisch gar nicht in der Lage ist, eine wirksame Dosis abzugeben. Danach ziehen sie den Schluss: „Softlaser wirken nicht“.
Dabei ist die Situation genau umgekehrt: Softlaser (Photobiomodulation) sind bei geeigneter Wellenlänge und Dosis eine durch Studien gestützte Methode – die Ursache für die Wirkungslosigkeit ist meist nicht die Technologie, sondern das falsche Gerät oder die falsche Dosierung.2, 3 Dieser Artikel soll Ihnen helfen, VOR dem Kauf die beiden häufigsten Betrugsmaschen zu erkennen – die als Laser ausgegebene LED-Lampe und den Gesamtleistungstrick des „Duschlasers“ – und jedes Gerät anhand von sechs Fragen zu prüfen.
Kerngedanke
Fragen Sie bei jedem Gerät nach drei Zahlen: der genauen Wellenlänge (in Nanometern), der Leistung pro Diode (in Milliwatt) und der erreichbaren Dosis (in J/cm²). Wer stattdessen von „Gesamtleistung“, „Lasertechnologie“ oder Bereichen spricht, versteht entweder sein eigenes Produkt nicht oder möchte nicht, dass Sie es verstehen. Beides ist Grund genug, weiterzugehen.
Die Sprache der Lasertherapie: drei Zahlen, von denen alles abhängt
Die Wellenlänge des Lichts bestimmt, wie tief es in das Gewebe eindringt. Der rote Bereich (630–660 nm) reicht 1–2 cm tief – er ist für Hautprobleme, Schleimhäute und oberflächliche Wunden geeignet. Nahinfrarotlicht (780–860 nm, typischerweise 808–830 nm) dringt 2–4 cm tief ein – das ist für Gelenke, Sehnen und Muskeln erforderlich. Deshalb ist es nicht unerheblich, ob das Gerät eine GENAUE Wellenlänge angibt (z. B. 808 nm) oder nur von „rotem Licht“ spricht: Für eine therapeutische Wirkung ist eine bekannte Wellenlänge erforderlich, die zum Zielgewebe passt. Den ausführlichen Hintergrund habe ich im Leitfaden zur Softlasertherapie beschrieben.
Die Leistung (mW) bestimmt, wie lange es dauert, die erforderliche Energiemenge zuzuführen. Rechnen wir: Wenn Sie 5 Joule Energie in einen Behandlungspunkt einbringen möchten, dauert das mit einem 500-mW-Laser 10 Sekunden, mit einem 200-mW-Laser 25 Sekunden. Mit einer 5-mW-LED dauert dasselbe mehr als 16 Minuten, mit einer 1-mW-LED 83 Minuten – PRO PUNKT. Bei 6–8 Behandlungspunkten an einem Kniegelenk würde die „Behandlung“ mit einer schwachen LED-Lampe täglich mehrere Stunden dauern – deshalb bleibt die Wirkung auch dann aus, wenn das Licht theoretisch die richtige Wellenlänge hat. Die Frage ist nicht, ob sie leuchtet – sondern ob sie die Dosis in angemessener Zeit zuführen kann.
Die tatsächliche Maßeinheit der Therapie ist nicht Watt, sondern die Energie pro Flächeneinheit: Joule pro Quadratzentimeter (J/cm²). Die Empfehlungen der internationalen Gesellschaft für Lasertherapie (WALT) sehen pro Punkt einige Joule vor – für oberflächliche Ziele weniger, für tieferes Gewebe mehr. Hier kommt der Knackpunkt, den Studien als Glockenkurve beschreiben: Eine zu geringe Dosis bleibt wirkungslos, die passende Dosis unterstützt die Zellfunktion, eine zu hohe Dosis hemmt sie dagegen.2 Weder eine LED-Lampe mit geringer Leistung noch die Haltung „je länger ich sie anwende, desto besser“ führt also zum Ziel – eine berechenbare, bekannte Dosis schon. Die Auswertung von Studien zu Sehnenproblemen hat genau das bestätigt: Wo die empfohlenen Dosen verwendet wurden, traten günstige Ergebnisse auf.3
Der 1. Betrug: Eine LED-Lampe wird als „Laser“ verkauft
In der Werbung steht „Laser“, in der Verpackung sitzen jedoch LEDs mit wenigen Milliwatt. Physikalisch sind die beiden nicht dasselbe:
| LED | Diodenlaser | |
|---|---|---|
| Lichtstrahl | Divergierend, nicht kohärent | Parallel (kollimiert), kohärent |
| Wellenlänge | ~20–30 nm breites Band | Ein einziger, genau bestimmter Wert (±1–2 nm) |
| Typische Leistung | 1–5 mW pro Diode | 200–500 mW pro Diode |
| Eindringtiefe | Oberflächliche Schichten | Je nach Wellenlänge bis zu 2–4 cm |
| Dosis | Schwer oder gar nicht berechenbar | Genau berechen- und zeitlich steuerbar |
Der Fairness halber sollten wir auch die wissenschaftliche Sicht nennen: Rotes und infrarotes LED-Licht hat ebenfalls eine photobiomodulierende Wirkung – nach Ansicht der Forscher hängt die Wirkung vor allem von der zugeführten Dosis ab, nicht von der Kohärenz des Lichts. LED-Geräte haben ihre eigenen Vorteile (große Fläche, Sicherheit, niedriger Preis).1 Der Betrug besteht also NICHT darin, dass jemand ein LED-Gerät verkauft – sondern darin, dass eine LED-Lampe mit wenigen Milliwatt als „Laser“ zum Laserpreis verkauft wird, mit Indikationen für tiefes Gewebe (Gelenk, Wirbelsäule, Sehne), die das LED-Licht gar nicht erreicht, und mit Dosisversprechen, die nur durch eine tägliche Anwendung von mehreren Stunden einzuhalten wären. Eine LED-Lampe ist kein Laser – und wer sie als solchen bezeichnet, führt bereits mit der Produktbezeichnung in die Irre.
Der 2. Betrug: Der „Duschlaser“ und der Gesamtleistungstrick
Der andere Klassiker ist ein „Duschkopf“-Gerät mit vielen Dioden und einer beeindruckenden Gesamtleistungszahl: „12×5 mW Rot + 3×150 mW Infrarot = 510 mW Gesamtleistung!“ Die Rechnung stimmt, die Physik nicht. Ein bestimmter Punkt Ihres Gewebes erhält nämlich nicht die „Gesamtleistung“, sondern das Licht GENAU DER EINEN Diode, die sich gerade darüber befindet. Bei dem Beispielgerät ist das entweder eine 5-mW-Rotdiode (praktisch reine Dekorationsbeleuchtung) oder bestenfalls eine 150-mW-Infrarotdiode. Die Zahl 510 mW auf der Verpackung dient ausschließlich Marketingzwecken.
Das Rezept ist bewährt: Ein namenloses asiatisches Gerät für einige zehntausend Forint erhält einen neuen Markennamen, eine „professionelle“ Website und einige erfundene Expertenempfehlungen – und wird schon zu einem astronomischen „Sonderpreis“ beworben, typischerweise als für alles geeignet, von Rückenschmerzen bis Diabetes. Der Schutz davor ist einfach: Lassen Sie sich die Leistung und die Wellenlänge pro Diode nennen. Wenn Sie als Antwort nur eine Gesamtleistung erhalten, wissen Sie alles.
Vor dem Kauf: die Checkliste mit 6 Fragen
| Frage | Gute Antwort | Verdächtiges Zeichen |
|---|---|---|
| 1. Verfügt das Gerät über eine CE/MDR-Zertifizierung als Medizinprodukt? | Vorzeigbares Zertifikat für einen konkreten Typ | „Natürlich, CE-konform“ – ohne Unterlagen (das CE-Zeichen kann allein auch nur die Konformität eines Elektrogeräts bedeuten) |
| 2. Wie viele Dioden, wie viele mW pro Diode? | Genaue Angabe, z. B. „1×400 mW“ | Nur „Gesamtleistung“ |
| 3. Wie lautet die genaue Wellenlänge? | Konkreter Wert, z. B. 808 nm | Bereich, „rotes Licht“, Mischung |
| 4. Ist die Dosis (J/cm²) berechenbar? | Bekannte Spotgröße + Leistung + Zeitangabe | Keine Dosisangabe, nur Empfehlungen zur Anwendungsdauer |
| 5. Wer ist der Hersteller, gibt es einen Kundendienst vor Ort? | Identifizierbarer Hersteller, erreichbarer Kundendienst und Ersatzteile | Namenloses Gerät, das in mehreren Webshops unter mehreren Namen angeboten wird |
| 6. Wofür wird es beworben? | Konkrete Indikationen, Behandlungsprotokolle, realistische Erwartungen | „Für alles geeignet“ – von Falten bis zu chronischen Erkrankungen |
Mein Rat
Drehen Sie die Reihenfolge beim Kauf um. Suchen Sie nicht zuerst nach einem Gerät, sondern klären Sie zunächst Ihre Beschwerden und die erforderliche Behandlungstiefe: Oberflächliches Problem (Haut, Schleimhaut) → der rote Bereich ist ausreichend; Gelenk, Sehne, Wirbelsäule → Infrarotlicht um 800 nm und mindestens einige hundert mW sind erforderlich. Danach müssen Sie anhand der obigen Liste nur noch prüfen, ob das ausgewählte Gerät dies tatsächlich leisten kann. Und bevor Sie etwas kaufen, lesen Sie auch die Gegenanzeigen – auch ein gutes Gerät ist nicht für jeden geeignet.
Geräte, die die Checkliste bestehen
Ich nenne ausschließlich Geräte mit identifizierbarem Hersteller, medizintechnischer Zertifizierung und dokumentierten, genauen technischen Daten. Drei typische Beispiele für unterschiedliche Anforderungen:
B-Cure Laser Classic
Gerät der Laserklasse 1 mit 808 nm und gepulstem Betrieb sowie großer Behandlungsfläche – ein sicherer Einstieg in die Lasertherapie, der keine Schutzbrille erfordert, für oberflächliche und mittelmäßig tiefe Zielbereiche.
Personal-Laser L400
400 mW, 808 nm, Diodenlaser der Klasse 3B – für tiefe Gewebeziele (Gelenk, Sehne, Wirbelsäule), mit kurzen, punktuellen Anwendungen. Leistung und Dosis sind genau dokumentiert.
Energy-Laser L500 Pro
Professionelles Gerät für die Heimanwendung mit 500 mW, 808 nm und integrierten Programmen – eine sinnvolle Wahl, wenn Sie mehrere Körperbereiche regelmäßig behandeln und die kürzest mögliche Anwendungsdauer wünschen.
Das vollständige Sortiment mit technischen Daten und Vergleich finden Sie in der Kategorie Softlasergeräte; Informationen dazu, wie Sie die Geräte bei welchen Beschwerden anwenden, finden Sie im Leitfaden zur Anwendung von Softlasern zu Hause.
Wann sollten Sie keinen Softlaser verwenden?
- Bestrahlung der Augen – Laserlicht darf niemals auf die Augen gerichtet werden; für Geräte der Klasse 3B ist eine Schutzbrille erforderlich
- Krebserkrankung, krebsverdächtige Veränderung – die Anwendung nur mit Zustimmung des behandelnden Arztes
- Schwangerschaft – die Behandlung im Bauch- und Lendenbereich sollte vermieden werden, alle anderen Anwendungen erst nach ärztlicher Beratung
- Direkte Behandlung der Schilddrüse – der Bereich über der Drüse muss ausgespart werden
- Einnahme lichtsensibilisierender Medikamente – klären Sie dies vorher mit Ihrem Arzt
Die vollständige Liste
Die ausführlichen Sicherheitshinweise und alle Gegenanzeigen habe ich in einem eigenen Artikel zusammengestellt: Gegenanzeigen und Sicherheitshinweise zur Softlasertherapie. Lesen Sie ihn vor dem Kauf – unklare Beschwerden sollte immer zuerst ein Arzt abklären, erst danach sollten Sie mit einer Heimanwendung beginnen.
Häufig gestellte Fragen
Nicht unbedingt – setzen Sie es nur richtig ein. Rotes und infrarotes LED-Licht hat ebenfalls eine in Studien beschriebene biologische Wirkung, vor allem bei oberflächlichen Zielbereichen: Hautprobleme, Unterstützung der Wundheilung und Behandlung größerer Flächen.1 Wofür es nicht geeignet ist: tiefe Gewebeziele (Gelenk, Sehne, Wirbelsäule) und alle Indikationen, bei denen eine berechnete Dosis erforderlich ist. Wenn Sie es dafür gekauft haben, wurde Ihnen leider ein Gerät verkauft, das nicht für Ihre Beschwerden geeignet ist.
Eine geringere, als wir früher angenommen haben – nach Ansicht der Forscher sind die zugeführte Dosis und die Wellenlänge die wichtigsten Faktoren, nicht die Kohärenz des Lichts.1 Der praktische Vorteil eines Lasers liegt in etwas anderem: der hohen, genau bekannten Leistung und dem parallelen Strahl. Damit kann die Dosis für tiefes Gewebe innerhalb von Sekunden bis Minuten berechenbar zugeführt werden. Bei einer LED mit wenigen Milliwatt ist nicht die fehlende Kohärenz das Problem – sondern dass die Dosis nicht in angemessener Zeit erreicht wird.
Eine Sicherheitseinstufung, keine Qualitätsrangfolge. Ein Gerät der Klasse 1 (z. B. B-Cure) ist so konstruiert, dass es bei bestimmungsgemäßer Anwendung für die Augen ungefährlich ist – auch zu Hause und ohne Schutzbrille sicher. Geräte der Klasse 3B (typischerweise Geräte mit 200–500 mW) sind stärker und für die Behandlung tiefer Gewebe geeignet – dafür sind Augenschutz und eine verantwortungsvolle Anwendung zwingend erforderlich. Die Wahl hängt vom Ziel ab: oberflächlich und sicher → Klasse 1; tiefes Gewebe und kurze Anwendungsdauer → 3B unter Einhaltung der Regeln.
Weil sie aus Sicht des behandelten Punktes nicht existiert. Einen bestimmten Punkt Ihres Gewebes beleuchtet immer nur die eine Diode, die sich darüber befindet – das Licht der anderen Dioden fällt an andere Stellen. Ein Duschkopf mit „510 mW Gesamtleistung“ gibt an jedem Punkt also höchstens die Leistung seiner stärksten Diode ab. Die einzige Zahl, mit der sich Ihre Behandlung tatsächlich berechnen lässt, ist die Leistung pro Diode zusammen mit der zugehörigen Wellenlänge.
Lassen Sie sich die Konformitätserklärung oder das Zertifikat zeigen und prüfen Sie, wofür es gilt. Das CE-Zeichen allein kann lediglich die Konformität eines Elektrogeräts bedeuten (wie bei einem Haartrockner) – zum Medizinprodukt wird das Gerät durch eine Zertifizierung gemäß MDR (Verordnung (EU) 2017/745), mit konkreter Typenbezeichnung und Zweckbestimmung. Ein seriöser Händler zeigt dies auch ohne Aufforderung; wer ausweicht, hat wahrscheinlich nur einen Aufkleber als CE-Nachweis.
Was sagen die Studien?
„Wirkt also auch die LED oder nur der Laser?“
Nach einer Übersichtsarbeit zu diesem Bereich hängen die Wirkungen der Photobiomodulation vor allem von der Wellenlänge und der zugeführten Dosis ab – auch die Wirkung nicht kohärenter Lichtquellen (LEDs) ist real, und sie haben ihre eigenen Vorteile: große Fläche, Sicherheit, niedriger Preis.1 Der praktische Unterschied liegt in der Leistung: Für eine Dosis in tiefem Gewebe ist der Bereich von mehreren hundert Milliwatt bei Laserdioden erforderlich – eine LED-Lampe mit wenigen Milliwatt könnte dieselbe Dosis nur innerhalb mehrerer Stunden zuführen. Der Betrug liegt also nicht in der LED-Technologie, sondern in der falschen Kennzeichnung und dem nicht erfüllbaren Versprechen.
„Woher wissen wir, dass die Wirkung von der Dosis abhängt?“
Eine Analyse von 25 kontrollierten Studien zu Sehnenproblemen kam genau zu diesem Ergebnis: Die Hälfte der Studien zeigte günstige Resultate, die andere Hälfte nicht – und die Trennlinie war die Dosierung. Wo die Dosen gemäß der internationalen WALT-Empfehlung angewendet wurden, traten konsequent günstige Ergebnisse auf: messbar größere Griffkraft beim Tennisellenbogen und weniger Schmerzen bei Achillessehnenproblemen.3 Dieselbe Technologie – mit der richtigen Dosis wirkt sie, mit der falschen nicht.
„Und wenn ich eine höhere Dosis anwende, wirkt es dann schneller?“
Ganz im Gegenteil. Die Dosis-Wirkungs-Kurve der Phototherapie ist laut Studien glockenförmig (Arndt-Schulz-Regel): Eine niedrige Dosis regt die Energieproduktion und die Reparaturfunktion der Zellen an, mit steigender Dosis erreicht die Wirkung ihren Höhepunkt und kehrt sich dann um – eine zu große Energiemenge hemmt bereits.2 Deshalb ist „stärker = besser“ kein Argument, und deshalb sollten Sie bei jedem Gerät die empfohlene Anwendungsdauer einhalten – mehr bedeutet hier buchstäblich weniger.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Weiterlesen
Wissenschaftliche Quellen
- Heiskanen V, Hamblin MR (2018). Photobiomodulation: lasers vs. light emitting diodes?. Photochemical & Photobiological Sciences, 17(8), 1003–1017. DOI: 10.1039/c8pp90049c
- Huang YY, Chen ACH, Carroll JD, Hamblin MR (2009). Biphasic dose response in low level light therapy. Dose-Response, 7(4), 358–383. DOI: 10.2203/dose-response.09-027.Hamblin
- Tumilty S, Munn J, McDonough S, Hurley DA, Basford JR, Baxter GD (2010). Low level laser treatment of tendinopathy: a systematic review with meta-analysis. Photomedicine and Laser Surgery, 28(1), 3–16. DOI: 10.1089/pho.2008.2470