Lymphödem: 6 Dinge, die man wissen muss
Das Lymphödem betrifft heute in unserem Land viele Tausend Menschen. Die meisten erhalten keine adäquate Behandlung, und oft wird ihnen nicht einmal erklärt, was ihre Erkrankung verursacht, ob sie beseitigt werden kann und was sie selbst zu ihrem Wohl tun müssen. Ich fasse kurz die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
1. Was ist ein Lymphödem?
Ein Lymphödem ist vor allem eine Schwellung der Gliedmaßen. Ursache ist die Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Zwischenzellraum.
Anfangs ist die Schwellung schwach. Beim Tasten fühlt sie sich ähnlich wie Hefeteig an. Wenn du mit dem Finger hineindrückst, bleibt eine Delle zurück, sie glättet sich nicht innerhalb von Minuten. Morgens ist die Schwellung reduziert oder fast ganz verschwunden, weil die Flüssigkeit im Liegen in einen Bereich „abfließt“, in dem dein Lymphsystem intakt ist und die Flüssigkeit aufgenommen wird.
Wenn du es unbehandelt lässt, wird sich dein Zustand verschlechtern. Die Schwellung nimmt zu, es tritt ein spannender Schmerz auf. Deine Haut kann einreißen und strohgelbe Lymphflüssigkeit austreten. Proteine lagern sich zwischen den Zellen ab, der ödematöse Bereich wird hart, du kannst ihn mit dem Finger nicht mehr eindrücken. Die Haut beginnt zu schuppen, warzenartige Wucherungen erscheinen, und es kommt zu rötlich-violetten Verfärbungen.
2. Wie entsteht ein Lymphödem?
Auch bei einem gesunden Menschen entsteht Lymphe!
Dein Kreislauf besteht aus drei Teilen.
- Die Arterien bringen frisches Blut in deinen Körper bis in die Zellen.
- Die Venen sammeln den Großteil dieses Blutes und transportieren es zurück zu deinem Herzen.
- Was die Venen nicht „aufsammeln“ können, bleibt dem Lymphsystem überlassen.
Solange du gesund bist, nehmen Venen und Lymphgefäße gemeinsam das von den Arterien gelieferte Blut wieder auf, sodass keine Schwellung entsteht.
Ein Lymphödem entsteht, wenn dein Lymphsystem erkrankt oder verletzt ist und seine „Transportaufgabe“ nicht mehr erfüllen kann. Was es nicht abtransportiert, sammelt sich unaufhörlich im Gewebe an.
Wenn neben einer Fehlfunktion der Lymphgefäße auch deine Venen erkrankt sind (erweitert, geschlängelt, mit verlangsamtem Fluss), lastet noch mehr Arbeit auf dem Lymphsystem. Das gemischte, venös- und lymphogen bedingte Ödem zeigt schwerere Symptome.
3. Wodurch entsteht ein Lymphödem?
In armen Regionen Afrikas und Indiens sind noch heute Infektionen die Hauptursache. Die Erreger gelangen über verunreinigtes Trinkwasser in den Körper und zerstören dort die Lymphgefäße.
In wohlhabenden Ländern, so auch bei uns, sind Infektionen selten die Ursache. Hier kennt man zwei Hauptformen.
Angeboren
- Meist tritt es bei Frauen auf, selten bereits in der Kindheit; häufiger beginnt es in der Pubertät oder zur ersten Schwangerschaft.
Erworben
- Diese Form ist viel, viel häufiger – mindestens 65–70 % der Fälle im Inland gehören hierzu.
- Am häufigsten entsteht sie nach Operationen, Unfällen oder Verletzungen.
- Nach Brustkrebsoperationen tritt es oft am Arm auf.
- Auch nach Venenoperationen, Fettabsaugungen, Leisten- oder anderen großen gynäkologischen, urologischen oder abdominalen Eingriffen kann es Jahre später auftreten.
- Auch nach Unfällen mit mehrfachen Knochenbrüchen kommt es vor.
- Bei Adipositas ist es häufiger, weil das Fettgewebe viele Gefäße enthält und darin mehr Lymphe entsteht. Das auf einen größeren Körper entfallende Mehr an Lymphflüssigkeit kann vom für einen kleineren Körper „ausgelegten“ Lymphsystem nicht aufgenommen werden.
4. Ist ein Lymphödem heilbar?
Ein Lymphödem ist derzeit nicht heilbar, ABER BEHANDELBAR.
Ziel der Behandlung ist, die Schwellung auf eine normale Größe zurückzuführen, damit du ein normales Leben führen kannst, und gleichzeitig ein Fortschreiten zu verhindern.
Wenn du ein Lymphödem hast, musst du die Behandlung zusammen mit Arzt und Pflegepersonal erlernen. Du musst deine Maßnahmen kennen und dich täglich darum kümmern. Wenn du das nicht tust, schadest du dir selbst!
Krankenhaus, Praxis, Masseur, Pflegekraft und Arzt sind nie genau dann verfügbar, wenn du sie brauchst. Du musst dich anmelden und warten. DU SELBST bist dagegen immer „zur Hand“!
5. Wie lässt sich das Lymphödem behandeln?
Ich schrieb bereits, dass Lymphe bei jedem Herzschlag immer wieder neu entsteht. Daraus folgt: Sobald du eine Behandlung abbrichst, bildet sich die Flüssigkeit wieder.
Deshalb erfordert es regelmäßige Behandlung. Die echten Symptome eines Lymphödems müssen täglich, höchstens alle zwei Tage behandelt werden!
Wichtig zu wissen: Diuretika haben keinerlei Wirkung auf ein Lymphödem, sie schwächen dich jedoch. Nimm bei Lymphödem keine Entwässerungstabletten, sie helfen nicht!
Die Behandlung zu Hause besteht aus mehreren Teilen.
Direkte ödemvermindernde Methoden
Bandagierung (Kompressionsbinden):
Vorteil: hilft, wenn du dich wenig bewegst.
Nachteil: Beim Bewegen rutscht sie leicht, sie schneidet in den Falten ein, man muss sie oft wieder öffnen und neu anlegen. Bei schlanker Figur lässt sie sich noch gut anbringen, bei etwas Übergewicht kaum.
Elastische (Kompressions-)Strümpfe:
Vorteil: unterstützen während der Bewegung die Muskelpumpe.
Nachteil: An- und Ausziehen ist nicht einfach, besonders bei Übergewicht.
Selbstmassage zur Reduktion des Lymphödems.
Vorteil: Mit etwas Lernen und Übung kann sie wirksam sein, denn du kannst dir jederzeit selbst helfen.
Nachteil: Bei Übergewicht erreichen die meisten nicht ihre eigenen Beine.
Manuelle Lymphdrainage durch einen Therapeuten.
Vorteil: Hervorragend, wenn du sie häufig genug durchführen lässt.
Nachteil: Erreichbarkeit und Kosten.
Du bekommst keinen Termin genau dann, wenn du ihn brauchst, sondern wenn der Therapeut Zeit hat.
Eine Behandlung kostet etwa 100 Euro. Wenn du den Masseur nur zweimal pro Woche besuchst, hat das keinen Effekt. Bei ausreichender Häufigkeit kostet es ein Vermögen. In angemessener Häufigkeit sind jährliche Ausgaben im fünfstelligen Bereich möglich.
Maschinelle Lymphdrainage (mit Lymphdrainage-Gerät).
Nachteil: nicht so präzise wie ein ausgebildeter Lymphdrainage-Therapeut.
Vorteil: Ein medizinisch zugelassenes Lymphdrainage-Gerät (mit Beinbehandlungs-Set) kannst du schon ab etwa 140.000 HUF kaufen (Power Q-1000 Plus).
Ein professionelles Gerät (Power Q-1000 Premium) ist ebenfalls ab etwa 240.000 HUF erhältlich.
Du kaufst es einmal und es dient 8–10 Jahre. Du holst es hervor, wenn du es brauchst.
Indirekte ödemvermindernde Methoden
Sie tragen zur Verringerung oder Eindämmung der Ödembildung bei.
- Ruhe mit hochgelagertem Bein/Arm, tagsüber 10–15 Minuten.
- Regelmäßige körperliche Aktivität (Nordic Walking, Radfahren sind am effektivsten).
- Achte auf dein Körpergewicht! Adipositas und Lymphödem gehen Hand in Hand.
- Iss abwechslungsreich! Reduziere den Verzehr tierischer Fette und Proteine.
- Einige (Medikamente) fördern die Ödembildung. Vermeide diese.
- Wärme fördert die Ödembildung. Vermeide Sonnenbaden und heiße Bäder.
- Pflege deine Haut. Ödematöse Haut ist empfindlich. Schütze deine Füße vor Verletzungen, Insektenstichen und Wunden. Achte besonders auf Nagelpflege.
6. Was musst du tun, damit es besser wird?
Mangels angemessener Information glaubt die Mehrheit der ungarischen Lymphödem-Patienten, dass als Behandlung das ausreicht, was ihnen auf Rezept verschrieben wird, also jährlich 5 (mancherorts 10) Tage Krankenhausbehandlung. Ist das wahr?
NEIN!
Wie ich bereits sagte, begleitet dich deine Lymphkrankheit von dem Moment ihrer Entstehung bis ans Ende deines Lebens! Das Ödem wird bei jedem Herzschlag neu gebildet, das heißt, du kannst keinen Tag auslassen, geschweige denn 360 Tage. Die Sozialversicherung behandelt heute nur ein paar Tage, die restlichen 360 Tage bleibt man allein.
Du musst erkennen, dass du nur auf dich selbst zählen kannst; es hängt nur von dir ab, wie sehr du unter den Symptomen leidest.
Wenn du behandelst, wirst du wenig leiden, wenn du dich nicht kümmerst, wird es dir das Leben zur Hölle machen. Und natürlich das deiner Familie, denn unbehandelt wirst du früher oder später auf Hilfe angewiesen sein.
Mein Rat: Kümmere dich täglich um die Behandlung deines Lymphödems, mache sie zum Teil deines Alltags. Es lohnt sich – 20–30 Minuten am Tag zahlt sich aus!