Lymphrekonstruktive Operation – Möglichkeit zur Behandlung des Lymphödems
In meinen früheren Artikeln über Lymphödeme habe ich die Möglichkeit lymphrekonstruktiver Operationen nicht erwähnt. Die Medizin verändert und entwickelt sich jedoch ständig. Mit der Erweiterung der Möglichkeiten der Mikrochirurgie rückt die chirurgische Lösung des Lymphödems immer näher. Da dieses Thema viele Menschen interessieren könnte, habe ich den Experten, Dr. Balázs Mohos, Lymphrekonstruktionschirurg, gebeten, zu helfen, Klarheit in die Sache zu bringen.
In meinen früheren Artikeln über Lymphödeme habe ich die Möglichkeit lymphrekonstruktiver Operationen nicht erwähnt. Die Medizin verändert und entwickelt sich jedoch ständig. Mit der Erweiterung der Möglichkeiten der Mikrochirurgie rückt die chirurgische Lösung des Lymphödems immer näher. Da dieses Thema viele Menschen interessieren könnte, habe ich den Experten, Dr. Balázs Mohos, Lymphrekonstruktionschirurg, gebeten, zu helfen, Klarheit in die Sache zu bringen.
Dr. Zátrok Zsolt (ZZs): In den vergangenen Jahrzehnten war die ärztliche Auffassung, dass das Lymphödem eine nicht heilbare Erkrankung sei und die Behandlung lediglich auf die Linderung der Symptome abzielt. Es gibt jedoch immer mehr Berichte über operative Lösungen, sodass viele Patientinnen und Patienten mit Lymphödem große Erwartungen haben. Züchtet man damit falsche Hoffnungen? Kann wirklich jedem geholfen werden?
Dr. Balázs Mohos (MB): Wichtig ist zunächst zu betonen, dass die rekonstruktive Lymphchirurgie nachweislich wirksam ist. Bei Patientinnen und Patienten mit Lymphödem können lymphrekonstruktive Operationen mit einer „starken Empfehlung" durchgeführt werden. Das bedeutet, dass in Studien mit großen Fallzahlen Vor- und Risiken solcher Eingriffe abgewogen wurden und festgestellt wurde, dass lymphrekonstruktive Operationen eindeutig wirksam sind und die Erkrankung vorteilhaft beeinflussen.
Die Situation der an Lymphödem leidenden Patienten sollte jedoch auch aus der Perspektive der technischen Durchführbarkeit der Operationen betrachtet werden. Allein in Ungarn gibt es laut Statistik mehrere Zehntausend Patientinnen und Patienten mit Lymphödem. Eine einzelne Operation kann 5–8 Stunden dauern, sodass ein Operateur jährlich höchstens ein paar hundert Eingriffe durchführen kann. Ein weiterer Aspekt ist, dass die dafür erforderlichen Geräte ziemlich teuer sind. Auch hieraus ist ersichtlich, dass der Kapazitätsmangel die größte Hürde darstellt.
ZZs: Da nicht alle operiert werden können, ist natürlich eine gewisse "Auswahl" der Patienten nötig. Nach welchen Kriterien wird derzeit entschieden, wer für eine Operation in Frage kommt?
MB: Die primäre Therapie des Lymphödems ist die konservative, komplexe physikalische Therapie. Diese ist als symptomatische Behandlung zu verstehen, da sie das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhält. Die konservative Therapie umfasst manuelle und maschinelle Lymphdrainage, Kompressionsverbände, Bewegungstherapie und Hautpflege und führt bei 85–90 % der Patienten zu einer Besserung. Bei Versagen dieser Maßnahmen hingegen verschlechtert sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung der Zustand des Lymphsystems und die Lebensqualität der Betroffenen nimmt schrittweise ab. Die operative Behandlung kommt in der Lymphödemtherapie als zweiter Schritt in Betracht. Wegen des kontinuierlich progredienten Verlaufs der Erkrankung sollte die lymphrekonstruktive Operation so früh wie möglich erfolgen, vorausgesetzt die konservative Versorgung war nicht ausreichend erfolgreich.
ZZs: Auf welchen Untersuchungen beruht die Entscheidung?
MB: Die Auswahl der Art der lymphchirurgischen Rekonstruktion erfolgt stets individuell. Die Indikation und die Wahl des OP-Verfahrens hängen vom allgemeinen Zustand des Patienten, von der Grunderkrankung und dem Alter sowie vom Stadium, der Zusammensetzung und der Lokalisation des Lymphödems ab. Im OP-Plan spielt auch die Frage eine Rolle, ob geeignete Lymphknoten oder Lymphgefäße für eine Rekonstruktion vorhanden sind oder nicht. Neben der einfachen klinischen Untersuchung können verschiedene bildgebende Verfahren hierauf Antwort geben. Dazu gehören zum Beispiel die Lymphknoten-Lymphgang-Szintigraphie, Lymphographie, Ultraschall, CT und MRT. Diese können zur Steigerung der Effektivität der Operation durch weitere Untersuchungen und Messungen ergänzt werden.
ZZs: Bei Lymphödempatienten gibt es keine zwei identischen Fälle, aber natürlich gibt es Hauptoperationsarten. Welche sind das?
MB: Die chirurgische Behandlung umfasst einerseits gewebereduzierende Operationen (verschiedene Exzisionsverfahren, Fettabsaugung) und andererseits physiologische rekonstruktive Eingriffe. Letztere zielen darauf ab, den Lymphabfluss wiederherzustellen und das Fortschreiten des Lymphödems zu stoppen. Man kann daher sagen, dass moderne rekonstruktive Verfahren, die den Lymphabfluss wiederherstellen, die Erkrankung nicht nur behandeln, sondern auch heilen können. Von den rekonstruktiven Methoden gibt es verschiedene OP-Typen, die auf unterschiedlichen Prinzipien beruhen und das Lymphgefäßsystem in dem betroffenen Bereich auf verschiedene Weise ableiten können.
Ein Beispiel dafür ist das Anlegen von Verbindungen zwischen kleinen Lymphgefäßen und Venen in der lymphpflichten Region. Diese Verbindungen werden weiter stromabwärts vom Ort der Lymphabflussstörung angelegt, sodass das zur Verstopfung fließende Lymph vor der Engstelle umgeleitet und in die Venen abgeleitet wird.
ZZs: Warum gab es bisher keine solche Lösung?
MB: Das Prinzip dieser Operationen ist nicht neu, und Teile davon wurden bereits früher durchgeführt. In den letzten Jahren haben die bisher verwendeten Instrumente jedoch enorme Fortschritte gemacht, und außerdem sind neue Geräte erschienen. Dadurch hat sich das operative Spektrum erweitert und die Effektivität der einzelnen Operationstypen ist gestiegen.
Die lymphchirurgischen Eingriffe habe ich in Wien in einem von Professor Tzou geleiteten, weltklasse Mikrochirurgie-Zentrum erlernt. Dort hatte ich auch die Möglichkeit, an einem Mikrochirurgischen Fellowship-Programm teilzunehmen. Ich erhalte weiterhin fachliche Unterstützung aus diesem Umfeld und folge den dortigen Methoden und Richtlinien.
Mohos B.: Der mikrochirurgische Eingriff wird mit Hilfe eines speziellen Mikroskops durchgeführt, dessen Rolle entscheidend ist. Auf dem Bild arbeite ich mit einem Robotermikroskop, dessen Anzeige sich im VR-Headset befindet.
ZZs: Die Möglichkeiten der Lymphchirurgie sind hierzulande begrenzt. Wie geht es weiter?
MB: Meine Zukunft sehe ich hierzulande, und ich möchte mich in der rekonstruktiven Chirurgie weiter vertiefen. Den ausländischen Studien und meiner dortigen Arbeit verdanke ich sehr viel. Für eine langfristige Entwicklung möchte ich die fachlichen und freundschaftlichen Verbindungen ins Ausland in gleicher Weise erhalten und pflegen. Deshalb plane ich neben meiner Arbeit im Inland weiterhin regelmäßig ins Ausland zu fahren und an der Arbeit von internationalen Teams teilzunehmen.
ZZs: Was möchtest du den Lymphpatienten mitteilen?
MB: Es muss betont werden, dass in der Versorgung von Lymphödemen die traditionelle, konservative Therapie die wichtigste ist und ergänzend chirurgische Möglichkeiten in Betracht gezogen werden können. Die Erhaltungsbehandlung muss regelmäßig durchgeführt werden. Je besseren Zustand die Patienten erhalten, desto später treten Komplikationen auf und desto bessere Ergebnisse können bei einer Operation erzielt werden. Wichtig sind eine schnelle Diagnose und eine früh begonnene Behandlung. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden die operativen Möglichkeiten eingeschränkt und die Wirksamkeit rekonstruktiver Eingriffe nimmt ab.
ZZs: Viel Erfolg bei der Verbreitung des Verfahrens im Inland! Gleichzeitig schlage ich vor, über jeden neuen Meilenstein für die Leser von "Élethosszig Egészségesen" zu berichten.
MB: Danke, und ich berichte gern über die Entwicklungen!
Ambulanz für Lymphrekonstruktion – Beratung
Kürzlich bin ich von der Studienreise nach Wien zurückgekehrt. Derzeit arbeite ich daran, die lymphrekonstruktiven Operationen auch für ungarische Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen.
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Dr. Balázs Mohos [email protected]
