Kinesiologisches Tape – bunte "Klebestreifen" bei Problemen des Bewegungsapparates
Das kinesiologische Tape (Kinesio-Tape) ist ein spezielles, extrem elastisches selbstklebendes Band, das zur Behandlung und Vorbeugung von Beschwerden und Schmerzen des Bewegungsapparates entwickelt wurde. Seine Bekanntheit verdankt es vor allem Sportlern – inzwischen sieht man bei fast jeder Sportübertragung Athleten mit den charakteristischen bunten Bändern – doch die Methode geht weit über die Sportmedizin hinaus.
Die Kinesio-Taping-Methode wurde in den 1970er Jahren vom japanischen Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase entwickelt. Er erkannte, dass Gelenkbeschwerden häufig durch muskuläre Ungleichgewichte in der Umgebung der betroffenen Stelle verursacht werden und dass herkömmliche, starre Fixierungen keine optimale Lösung bieten. Das kinesiologische Tape ermöglicht dagegen Bewegung, während es die körpereigenen Heilungsprozesse unterstützt. Weltweit bekannt wurde die Methode bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2012 in London, als zahlreiche Sportler die bunten Bänder trugen.
Wie wirkt das kinesiologische Tape?
Das Material des kinesiologischen Tapes besteht aus Baumwolle, ist atmungsaktiv, wasserfest und in seiner Elastizität der menschlichen Haut ähnlich. Das Band lässt sich in Längsrichtung auf etwa 130–140 % dehnen, in der Querrichtung ist es hingegen starr – das sorgt für den speziellen Wirkmechanismus.
Beim Aufkleben auf die Haut hebt das Band die Hautoberfläche leicht an. Diese mikroskopische „Hebewirkung" löst mehrere günstige Prozesse aus:
- Verbesserung der Blut- und Lymphzirkulation – die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen wird gesteigert
- Druckminderung – das Zusammendrücken von Muskeln, Bindegewebe und Nerven wird reduziert
- Schmerzlinderung – über Rezeptoren wird das Schmerzempfinden des Körpers reduziert
- Unterstützt die Gelenke – stabilisiert, ohne die Bewegung einzuschränken
- Fördert die Selbstheilung – die andauernde, feine Reizung aktiviert die Regenerationsfähigkeit des Körpers
Nach dem Anlegen entfaltet das Tape seine Wirkung kontinuierlich für 3–5 Tage; es kann beim Duschen oder Schwimmen auf der Haut bleiben.
Wann kann es angewendet werden?
Das kinesiologische Tape ist bei vielen muskuloskelettalen Problemen eine nützliche Ergänzungsbehandlung:
- Muskelprobleme: Zerrung, Überlastung, Muskelkater, Krämpfe, Rehabilitation bei teilweisem Muskelriss
- Gelenkbeschwerden: Schmerz, Entzündung, Schwellung, Instabilität, Knorpelverschleiß
- Sehnenprobleme: Sehnenscheidenentzündung, Sehnenentzündung, teilweiser Sehnenriss
- Weitere Anwendungen: Beschleunigung des Abklingens von Blutergüssen, Behandlung von Ödemen, Rehabilitation nach Operationen, Verbesserung des Lymphabflusses, Behandlung von Narben
- Das Tape ist auch zur Prävention geeignet: Vor Sporteinheiten angelegt reduziert es das Risiko von Überlastungen und Verletzungen.
Die Bedeutung der Farben
Kinesiologische Tapes gibt es in vielen Farben. Wichtig ist zu wissen, dass Materialzusammensetzung und Elastizität unabhängig von der Farbe gleich sind – die Farbauswahl ist eher eine Frage persönlicher Präferenz.
Anhänger der Farbtherapie glauben, dass verschiedene Farben unterschiedliche Wirkungen haben können:
- Blau – kühlend, schmerzlindernd, entzündungshemmend
- Rot – wärmend, gefäßerweiternd, fördert die Durchblutung
- Rosa – beruhigend, muskelentspannend
- Orange – regt die Selbstheilungsprozesse an
- Grün – entspannend, empfohlen bei Gelenkentzündungen
- Beige/Hautfarben – neutral, dezent, weniger auffällig
- Schwarz – strahlt Kraft aus, bei Sportlern beliebt
Was man zur Anwendung wissen sollte
Die Wirksamkeit des kinesiologischen Tapes hängt in hohem Maße von der Anlagetechnik ab. Falsch angelegt kann es nicht nur wirkungslos sein, sondern die Beschwerden sogar verschlechtern – es kann zu Schwellungen oder Durchblutungsstörungen führen.
Vor dem Aufkleben:
- Die Hautfläche sollte sauber, trocken und fettfrei sein
- Bei behaarter Haut ist es ratsam, die Haare zu entfernen
- Die richtige Technik sollte von einem Fachmann (Physiotherapeut, Tape-Therapeut) erlernt werden
Wann nicht anwenden:
- An offenen Wunden oder nicht verheilten Narben
- Bei psoriatischer oder ekzematöser Haut
- Im ersten Drittel der Schwangerschaft (im Bauchbereich)
- Bei bekannter Allergie gegen Klebstoffe
Das kinesiologische Tape ersetzt nicht die ärztliche Behandlung, kann aber eine ausgezeichnete ergänzende Therapie zu anderen Behandlungsmethoden sein. Es ist medikamentenfrei und praktisch nebenwirkungsarm – das macht es besonders attraktiv für diejenigen, die natürliche Lösungen für ihre muskuloskelettalen Beschwerden suchen.