Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose – kurz MS – ist eine chronische, entzündliche, autoimmune Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Die Fortsätze der Nervenzellen (Axone) sind von einer Schutzhülle, der Myelinscheide, umgeben. Ihre Funktion ähnelt der Isolierung elektrischer Leitungen: Sie ermöglicht, dass sich Nervenimpulse schnell und ungestört entlang der Nervenbahnen bewegen.
Bei MS gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht und beginnt, die Myelinscheide anzugreifen. Durch die Beschädigung der „Isolierung“ erreichen die Nervensignale ihr Ziel langsamer oder überhaupt nicht – dadurch entstehen die typischen, vielfältigen Beschwerden der Erkrankung. MS wird nicht ohne Grund als „Krankheit mit tausend Gesichtern“ bezeichnet: Die Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und verändern sich auch im zeitlichen Verlauf (mal stärker, mal schwächer).
Kerngedanke
Die Behandlung der MS beruht auf drei Säulen: medikamentöse Therapie + regelmäßige Bewegung + elektrische Muskelstimulation (NMES). Da MS das zentrale Nervensystem betrifft, ist für die Muskelstimulation eine zweiphasige Rechteckwelle EMS/NMES erforderlich – niemals selektiver Reizstrom, der die Spastik verstärken kann.
Die häufigsten Beschwerden bei MS – nach Gruppen
Die Beschwerden bei MS lassen sich drei Hauptgruppen zuordnen. Die Entwicklung einer geeigneten Rehabilitationsstrategie beginnt mit einer genauen Erfassung dieser Beschwerden:
- Muskelschwäche und Muskelsteifigkeit (Spastik): Die Muskeln werden angespannt und steif, was die Bewegung erschwert.
- Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsprobleme: Das Gehen wird unsicher, Schwindel tritt häufig auf.
- Eingeschränkter Bewegungsumfang: Die spastischen Muskeln verhindern den vollständigen Bewegungsumfang der Gelenke.
- Ermüdendes Gehen: Bereits kurze Strecken führen zu deutlicher Erschöpfung.
- Taubheitsgefühl, Kribbeln: Empfindungsstörungen an den Gliedmaßen oder am Rumpf.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder durch eine Entzündung des Sehnervs.
- Schmerzen: Muskel- und Nervenschmerzen, besonders in den spastischen Muskeln.
- Abgeschlagenheit: Krankhafte, unbegründete Müdigkeit, die nicht im Verhältnis zur ausgeführten Tätigkeit steht.
- Inkontinenz: Schwierigkeiten, Urin oder Stuhl zurückzuhalten.
- Atemstörungen: Besonders in fortgeschrittenen Stadien durch eine Schwächung der Atemmuskulatur.
- Stimmungsbezogene Probleme: Depression und Angst.
Warum ist regelmäßige Bewegung bei MS lebenswichtig?
MS ist derzeit noch nicht ursächlich heilbar, aber ihre Beschwerden können behandelt und ihr Fortschreiten kann verlangsamt werden. Neben der medikamentösen Behandlung ist regelmäßige Bewegung eines der wichtigsten Mittel. Sie ist nicht nur eine Empfehlung – sie ist ein Grundbedürfnis.
Warum? Weil Muskeln ohne Belastung schnell abbauen. MS erschwert die Bewegung ohnehin – kommt dann ein bewegungsarmer Lebensstil hinzu, entsteht ein Teufelskreis: Sie bewegen sich weniger → Ihre Muskeln werden schwächer → dadurch bewegen Sie sich noch schwerer. Regelmäßige Bewegung durchbricht diesen Kreislauf.
Die wichtigsten Vorteile von Bewegung bei MS
| Vorteil | Warum wichtig? |
|---|---|
| Erhalt der Muskelkraft | Aktive Muskeln verlieren langsamer an Kraft. |
| Verringerung der Spastik | Regelmäßige Bewegung hilft, steife Muskeln zu lockern. |
| Verbesserung des Gleichgewichts | Gezielte Übungen fördern den Gleichgewichtssinn. |
| Verbesserung der Stimmung | Bewegung setzt Endorphine frei und kann dadurch das Depressionsrisiko senken. |
| Verringerung der Abgeschlagenheit | Paradoxerweise kann regelmäßiges Training krankhafte Müdigkeit verringern. |
Nützliche Hilfsmittel für das Training zu Hause
Für Menschen mit MS ist es besonders wichtig, dass das Training schonend und dennoch wirksam ist:
- Elastische Widerstandsbänder und Schlaufen: Sie bieten unterschiedliche Widerstände, können im Sitzen oder Liegen verwendet werden und lassen sich leicht anpassen.
- Heimtrainer: Ein Fahrradergometer oder Ellipsentrainer ist ideal, um die Ausdauer zu erhalten – die Anwendung im Sitzen ist sicherer und verringert die Sturzgefahr.
Die Grenzen der willkürlichen Bewegung – hier kommt die Muskelstimulation ins Spiel
Sie wissen zwar, wie wichtig Bewegung ist – doch gerade diese Bewegung wird durch MS eingeschränkt. Die Erkrankung schädigt die Nervenbahnen, die vom Gehirn ausgehen. Dadurch erreichen willkürliche Bewegungsbefehle die Muskeln nicht mehr richtig.
Was bedeutet das in der Praxis? Vielleicht möchten Sie Ihr Bein bewegen, aber der Muskel reagiert nicht ausreichend auf den Befehl. Oder er reagiert zwar, ermüdet aber schneller als bei einem gesunden Menschen. Die Spastik – die krankhafte Steifigkeit der Muskeln – erschwert die Situation zusätzlich, weil sie den vollständigen Bewegungsumfang verhindert.
Willkürliche Bewegung ist wichtig, reicht allein aber nicht immer aus. Dann kommt eine ergänzende Therapie infrage. Eine der geeigneten Möglichkeiten ist die elektrische Muskelstimulation (NMES, EMS).
Wie funktioniert NMES bei MS?
Die elektrische Muskelstimulation – EMS oder NMES – ist eine Behandlungsmethode, die direkt auf die Muskeln wirkt und dabei teilweise die geschädigten zentralen Nervenbahnen umgeht. Über auf der Haut angebrachte Elektroden leitet das Stimulationsgerät einen elektrischen Impuls an die motorischen Nervenendigungen des Muskels. Von dort läuft die Erregung über den peripheren Nerven weiter, der bei MS typischerweise INTAKT bleibt.
Wichtig: Der Muskel weiß nicht, woher der Impuls kommt. Ob das Signal aus Ihrem Gehirn oder aus einem Stimulationsgerät kommt – der Muskel zieht sich nach demselben Mechanismus zusammen. Dabei laufen dieselben Stoffwechselvorgänge ab. Der Muskel entwickelt und kräftigt sich auf dieselbe Weise und ermüdet auch ebenso.
Die drei wichtigsten NMES-Arten in der MS-Rehabilitation
Kurze und schwache elektrische Impulse, die vor allem die sensiblen Nerven ansprechen. Sie kann bei MS-bedingten Schmerzen angewendet werden. Im Grunde handelt es sich um das TENS-Protokoll – eine ausführliche Erklärung finden Sie im TENS-Leitartikel.
Wiederholte elektrische Impulse, die Muskelkontraktionen auslösen. Sie können beim Aufbau von Muskelkraft und Ausdauer unterstützen. Die regelmäßigen, wiederholten Impulse helfen, die Muskeln schrittweise zu kräftigen und ihre Belastbarkeit zu erhöhen. Dies ist das klassische NMES-Protokoll – ein geeignetes Gerät dafür ist Genesy 300 Pro.
Der fortschrittlichere Ansatz: EMG erfasst die elektrische Eigenaktivität Ihrer Muskeln, also Ihren Bewegungsversuch, und stimmt die Stimulation darauf ab. Diese „personalisierte“ Methode kann bei der Bewegungsrehabilitation besonders nützlich sein, weil sie den aktiven Versuch durch die Stimulation „verstärkt“. Das auf ETS spezialisierte Gerät ist DuoBravo N. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Biofeedback-Leitartikel.
Wie kann Muskelstimulation die Beschwerden bei MS unterstützen?
NMES kann Menschen mit MS in mehreren Bereichen unterstützen. Sehen Sie sich die folgende Übersicht anhand Ihrer aktuellen Beschwerden an:
Bei MS werden die Muskeln häufig steif und angespannt. Das behindert die Bewegung und kann Schmerzen verursachen. Traditionell versucht man, diese Steifigkeit durch kräftige passive Bewegungen zu lösen. Das kann unangenehm sein und das Gewebe belasten.
Elektrische Stimulation ist eine deutlich schonendere Möglichkeit. Sie fördert die Durchblutung, entspannt den Muskel und das umgebende Gewebe und verringert die übermäßige Aktivität des motorischen Nervs. Durch die Stimulation der Gegenspielermuskeln kann NMES die reziproke Hemmung fördern und dadurch eine zusätzliche Verbesserung unterstützen.6
Muskeln brauchen Kontraktionen. Wenn sich ein Muskel längere Zeit nicht zusammenzieht, beginnt er abzubauen. Durch die Muskelstimulation arbeiten Ihre Muskeln regelmäßig, auch wenn Sie sie willkürlich nicht mehr ausreichend bewegen können. Das hilft, Muskelmasse und Kraft zu erhalten.
Forschungen zufolge kann NMES besonders die Kraft der unteren Extremitäten verbessern – ein wichtiger Faktor für das Gehen und die allgemeine Beweglichkeit. Mehr Muskelkraft kann zu einer besseren Leistung bei alltäglichen Aktivitäten beitragen.4,5
Wegen der spastischen Muskeln können Sie den vollständigen Bewegungsumfang Ihrer Gelenke oft nicht nutzen – beispielsweise lassen sich Ellbogen oder Knie nicht vollständig strecken. Muskelstimulation kann die Muskeln lockern, sodass sich der Bewegungsumfang erweitern kann.
Inkontinenz, also Schwierigkeiten beim Zurückhalten von Urin oder Stuhl, kann bei MS häufig auftreten. Ursache können eine Schwächung der Schließmuskeln des Beckenbodens und eine Störung ihrer motorischen Nerven sein. Die meisten MS-Patienten, die mit funktioneller Muskelstimulation behandelt werden, berichten über eine Verbesserung der Blasen- und Darmfunktion. Die Behandlung des Beckenbodens erfolgt mit speziellen Sonden oder oberflächlich angebrachten Elektroden – nach Rücksprache mit einem Urologen oder Gastroenterologen.
Bei MS-Patienten im Rollstuhl nimmt die Aktivität der Arm- und Brustmuskeln ab. Dadurch können Atemprobleme und ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen entstehen. Funktionelle Stimulation kann helfen, die Kraft der Bauch- und Rumpfmuskeln zu erhalten. Das kann die Hustenfähigkeit und die Atmung verbessern.
Bei eingeschränkter Beweglichkeit steigt das Risiko für Druckgeschwüre. Wenn Muskelmasse und Muskeltonus erhalten bleiben, verteilt sich der Druck gleichmäßiger auf der Haut. Dadurch kann dieses Risiko sinken.
Studien zu NMES zufolge kann die Behandlung die Neuroplastizität fördern – den Prozess, bei dem das Gehirn sich durch den Aufbau neuer Nervenverbindungen neu organisiert. Zentrale Effekte können zu einer kortikalen Reorganisation führen, die für die funktionelle Erholung bei MS unerlässlich ist. Dieser Effekt kann besonders beim ETS-Protokoll (DuoBravo N) zum Tragen kommen, weil das zeitliche Zusammentreffen von willkürlichem Bewegungsversuch und Stimulation die Reorganisation des Gehirns fördern kann.2,3
Technische Informationen – welcher Impuls ist für MS geeignet?
MS verursacht eine zentrale Lähmung – KEIN selektiver Reizstrom!
Multiple Sklerose betrifft das zentrale Nervensystem. Die dadurch verursachte Lähmung ist eine zentrale Lähmung. Bei dieser Erkrankung dürfen Sie NIEMALS eine sogenannte selektive Reizstrombehandlung (bei Denervierung) anwenden!
Die Behandlung mit selektivem Reizstrom, zum Beispiel das PeroBravo-Programm, verstärkt Muskelsteifigkeit und Spastik. Das kann sich für die betroffene Person als deutliche Verschlechterung zeigen und zusätzlich schmerzhaft und unangenehm sein.
Für die Behandlung von MS ist EMS/NMES, also klassische Muskelstimulation, geeignet. Die passende Wellenform ist eine zweiphasige Rechteckwelle. Eine ausführliche Erklärung des Unterschieds zwischen peripherer und zentraler Lähmung finden Sie im Artikel zum selektiven Reizstrom.
Welches Gerät ist für Menschen mit MS geeignet?
Bei MS (zentrale Lähmung!) ist eine NMES mit zweiphasiger Rechteckwelle erforderlich. Geeignet ist entweder ein ETS-Spezialist, der den Bewegungsversuch „verstärkt“, ein klassisches NMES-Gerät oder ein vielseitiges Globus-Genesy-Gerät. Dessen selektive Funktion darf bei MS NICHT angewendet werden, die NMES-Funktion hingegen schon.
Primäre Empfehlungen bei MS
DuoBravo N – ETS-Spezialist (besondere MS-Empfehlung)
Der Spezialist für zentrale Lähmungen, etwa nach Schlaganfall oder bei MS: ETS (EMG-Triggered Stimulation) startet die Stimulation entsprechend dem eigenen willkürlichen Bewegungsversuch. Das ist für Menschen mit MS besonders wertvoll, weil der aktive Versuch zeitlich mit der Stimulation zusammentrifft. Dadurch kann die Neuroplastizität, also die Reorganisation des Gehirns, unterstützt werden. Das „unterstützende“ System hilft, Muskelkraft und Koordination zu erhalten.
Genesy 300 Pro – klassisches NMES (Rehabilitation)
Ein klassisches NMES-Gerät, das sich besonders für die Rehabilitation eignet. Es ist das Einstiegs- bis Mittelklassegerät der 4-Kanal-Genesy-Reihe von Globus und bietet umfangreiche NMES-Funktionen. Für die Rehabilitation von Menschen mit MS zu Hause bietet es ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Vielseitige Globus-Genesy-Reihe – diese Geräte enthalten NMES-Programme für die Rehabilitation bei MS. Verwenden Sie das Programm für selektiven Reizstrom bei MS jedoch nicht. Darüber hinaus eignen sie sich für zahlreiche weitere Indikationen. Sie sind ideal für Menschen, die mit einem einzigen Gerät mehrere Ziele verfolgen möchten:
Genesy 600 – vielseitiges Einstiegs- bis Mittelklassegerät
Das 4-Kanal-Gerät eignet sich mit seinen NMES-Programmen auch für die MS-Rehabilitation. Eine kostengünstige Wahl, wenn Sie das Gerät zusätzlich zur NMES für weitere Zwecke einsetzen möchten.
Genesy 1500 – Spitzenmodell für zu Hause
Ein 4-Kanal-Gerät mit umfangreichen NMES-Funktionen. Eine Wahl mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis für die MS-Rehabilitation zu Hause und weitere Indikationen.
Genesy 3000 – vielseitig auf professionellem Niveau
Das Spitzenmodell der Genesy-Reihe. Mit einer NMES-Programmbibliothek auf professionellem Niveau eignet es sich in Kombination mit Physiotherapie ideal für die MS-Rehabilitation zu Hause.
Was können Sie von der Behandlung erwarten – und was nicht?
Realistische Erwartungen
Elektrische Muskelstimulation behandelt Multiple Sklerose NICHT ursächlich. Sie stellt geschädigte Nervenbahnen nicht wieder her und beseitigt nicht die grundlegende Ursache der Erkrankung.
Was sie erreichen kann: Sie kann helfen, Bewegungsfähigkeiten länger zu erhalten. Das ist für die Lebensqualität ein großer Unterschied. In der frühen Phase der MS kann die Stimulation für eine gewisse Zeit sogar eine Verbesserung unterstützen, etwa durch kräftigere Muskeln und eine mögliche Verringerung der Spastik. Mit fortschreitender Erkrankung hilft sie zunehmend dabei, die Beschwerden zu verlangsamen. Auch das ist ein wertvolles Ergebnis: Wenn Sie mit NMES Ihre Gehfähigkeit einige Jahre länger erhalten oder die Abhängigkeit vom Rollstuhl hinauszögern können, ist das ein großer Gewinn.
Vorteile für die Lebensqualität
- Mehr Selbstständigkeit: Verbesserte Muskelkraft und funktionelle Mobilität können direkt zu mehr Selbstständigkeit im Alltag beitragen.7
- Psychisches Wohlbefinden: Die Teilnahme an körperlicher Aktivität – auch in begrenztem Umfang – kann das Selbstwertgefühl stärken und das Gefühl der Hilflosigkeit verringern.7
- Weniger Müdigkeit: NMES kann in bestimmten Fällen mit einer Verringerung der Müdigkeit und einer Verbesserung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit verbunden sein. Paradoxerweise kann die „aktivere“ Existenz des stimulierten Muskels chronische Müdigkeit verringern.7
Häufig gestellte Fragen
Je früher, desto besser – aber immer nach Rücksprache mit einem Neurologen. In der frühen Phase kann NMES helfen, die Muskelkraft zu erhalten, bevor ein stärkerer Muskelabbau entsteht. Den genauen Beginn und das Behandlungsprotokoll legt Ihr behandelnder Arzt oder Physiotherapeut anhand Ihres aktuellen Zustands fest.
Selektiver Reizstrom ist für denervierte Muskeln vorgesehen, bei denen der Nerv geschädigt oder durchtrennt ist, etwa bei einer peripheren Peroneuslähmung. Bei MS ist der periphere Nerv INTAKT – das Problem liegt im Gehirn. Selektiver Reizstrom ist an normal innervierten Muskeln unangenehm, schmerzhaft und kann die Spastik verstärken. Deshalb ist bei MS eine EMS/NMES mit zweiphasiger Rechteckwelle erforderlich – die NMES-Funktionen von DuoBravo N, Genesy 300 Pro oder Genesy 600/1500/3000.
Klassische NMES mit Genesy 300 Pro und der Genesy-Reihe arbeitet mit einer automatischen Zeitsteuerung. Das Gerät wechselt in einem festen Rhythmus zwischen Stimulation und Pause. ETS (DuoBravo N) überwacht dagegen die elektrische Eigenaktivität des Muskels und startet die Stimulation, wenn Sie selbst versuchen, den Muskel zu bewegen. Diese Kombination aus aktivem Bewegungsversuch und stimulierender „Verstärkung“ kann bei der MS-Rehabilitation besonders wertvoll sein, weil sie die Neuroplastizität unterstützt. Das ETS-Protokoll ist TEURER, funktionell aber die fortschrittlichere Wahl.
Das genaue Protokoll legt Ihr Physiotherapeut oder behandelnder Arzt anhand Ihres aktuellen Zustands fest. Als allgemeine Empfehlung gelten 5-6 Anwendungen pro Woche mit einer Behandlungsdauer von 20-30 Minuten. Bei mehreren Muskelgruppen können dies getrennte Sitzungen sein. Für die Verringerung der Spastik ist regelmäßige Anwendung deutlich wichtiger als eine längere einzelne Behandlung.
Ja. Klinische Protokolle empfehlen NMES ausdrücklich als ergänzende Therapie zur medikamentösen Behandlung und Physiotherapie. NMES beeinträchtigt die Wirkung von MS-Medikamenten wie Interferon, Glatirameracetat oder monoklonalen Antikörpern nicht und kann physiotherapeutische Übungen unterstützen. So kann beispielsweise Bewegungstherapie nach der Behandlung an entspannten Muskeln wirksamer sein.
Die Beckenbodenmuskelstimulation kann nach klinischer Erfahrung bei Menschen mit MS eine deutliche Verbesserung der Blasen- und Darmfunktion unterstützen. Die Behandlung erfolgt mit speziellen Sonden oder oberflächlich angebrachten Elektroden und darf AUSSCHLIESSLICH nach Rücksprache mit einem Urologen oder Gastroenterologen und nach Einweisung durch einen Physiotherapeuten begonnen werden. Geräte und Protokolle zur Inkontinenzbehandlung gehören zu einer anderen Kategorie. Ausführliche Informationen erhalten Sie in einer ärztlichen Beratung.
Bevor Sie mit der Behandlung beginnen
NMES ist bei MS im Allgemeinen sicher, aber bei bestimmten Zuständen darf sie nicht angewendet werden. Besprechen Sie die Behandlung vor Beginn immer mit Ihrem behandelnden Arzt oder Neurologen!
Wann ist Vorsicht erforderlich?
- Implantierter Herzschrittmacher oder Defibrillator – elektrische Impulse können das Implantat stören
- Selektive Reizstrombehandlung bei MS verboten – sie verstärkt die Spastik und kann schmerzhaft sein
- Aktive Krebserkrankung im Behandlungsbereich – elektrische Stimulation in diesem Bereich vermeiden
- Schwangerschaft – Rücksprache mit einem Frauenarzt erforderlich
- Epilepsie – elektrische Stimulation kann einen Krampfanfall auslösen (relative Gegenanzeige, ärztliche Rücksprache erforderlich)
- Hautentzündung oder offene Wunde im Bereich der Elektroden – Elektroden nicht auf verletzter Haut anbringen
- Thrombose oder Thrombophlebitis im Behandlungsbereich – Muskelkontraktionen können dort gefährlich sein
- Starker Sensibilitätsverlust im Behandlungsbereich – besondere Vorsicht erforderlich
- Akute Phase eines MS-Schubs – zuerst stabilisiert der Neurologe den Schub; danach kann NMES begonnen oder fortgesetzt werden
Ergänzende Behandlung, keine eigenständige Therapie
Die häusliche NMES ist eine Ergänzung der MS-Rehabilitation und ersetzt weder die fachärztliche Behandlung durch einen Neurologen noch die Physiotherapie. Diagnostik, Behandlungsplanung und Kontrollen müssen immer durch Fachpersonal erfolgen. Eine ausführliche Liste der Gegenanzeigen finden Sie im Artikel über Gegenanzeigen der Elektrotherapie.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
- O'Connor D, Lennon O, Minogue C, Caulfield B. (2021). Design considerations for the development of neuromuscular electrical stimulation (NMES) exercise in cancer rehabilitation: a narrative review. Disability and Rehabilitation, 43(21), 3117-3126. PubMed: 32116053
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- Ou CH, Shiue CC, Kuan YC, Liou TH, Chen HC, Kuo TJ. (2023). Neuromuscular Electrical Stimulation of the Upper Limbs in Patients With Cerebral Palsy: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 102(2), 151-158. PubMed: 35687763
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