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Multiple Sklerose und Muskelstimulation

Multiple Sklerose und Muskelstimulation

Multiple Sklerose ist ein chronisch-entzündlicher Zustand, der das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betrifft. Die Symptome schwanken in ihrer Stärke, nehmen aber meist schrittweise zu. Bei MS können Muskelkrämpfe, Muskelsteifigkeit (Spastizität), Muskelschwäche, Schmerzen und Inkontinenz die größten Probleme bereiten. In diesem Artikel erkläre ich, wie elektrische Muskelstimulation bei der Behandlung der Symptome helfen kann und warum regelmäßige Bewegung für Menschen mit MS so wichtig ist.

Nervensystem
Elektrostimulation
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose – kurz MS – ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Die Fortsätze der Nervenzellen (Axone) sind von einer schützenden Hülle, der Myelinscheide, umgeben. Diese hat eine ähnliche Funktion wie die Isolierung elektrischer Leitungen: Sie ermöglicht, dass Nervensignale schnell und störungsfrei entlang der Nervenbahnen geleitet werden.

Bei MS gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht und beginnt, die Myelinscheide anzugreifen. Durch die Schädigung dieser "Isolationsschicht" erreichen die Nervenimpulse ihr Ziel langsamer oder gar nicht – das erklärt die typischen, vielfältigen Symptome der Erkrankung. MS wird nicht ohne Grund als "vielgestaltige" Krankheit bezeichnet: Die Symptome unterscheiden sich von Person zu Person und verändern sich im Zeitverlauf (mal stärker, mal schwächer).

Kernaussage Kernaussage

Die Behandlung der MS basiert auf drei Säulen: medikamentöse Therapie + regelmäßige körperliche Aktivität + elektrische Muskelstimulation (NMES). Da MS das zentrale Nervensystem betrifft, ist für die Stimulation eine biphasische Rechteckwelle (biphasisches Rechtecksignal) im EMS/NMES erforderlich – auf keinen Fall selektiver Reizstrom, der die Spastizität verstärken würde.

Symptome Die häufigsten MS-Symptome – nach Gruppen

Die Symptome der MS lassen sich grob in drei Hauptgruppen einteilen. Die Festlegung einer geeigneten Rehabilitationsstrategie beginnt mit einer genauen Erfassung dieser Symptome:

  • Muskelschwäche und Muskelsteifigkeit (Spastizität): die Muskeln werden angespannt und steif, was die Bewegung erschwert.
  • Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsprobleme: das Gehen wird unsicher, Schwindel ist häufig.
  • Bewegungsumfangseinschränkung: spastische Muskeln verhindern die volle Gelenkbewegung.
  • Ermüdetes Gehen: schon kurze Strecken führen zu erheblicher Ermüdung.
  • Taubheitsgefühle, Kribbeln: Empfindungsstörungen in Gliedmaßen oder Rumpf.
  • Sehstörungen: verschwommenes Sehen oder Doppelbilder durch Entzündung des Sehnervs.
  • Schmerzen: Muskel- und nervenbedingte Schmerzen (besonders in spastischen Muskeln).
  • Ermüdung: krankhafte, unangemessene Müdigkeit, die nicht zur Aktivität passt.
  • Inkontinenz: Schwierigkeiten, Urin oder Stuhl zurückzuhalten.
  • Atemstörungen: besonders in fortgeschrittenen Stadien durch Schwäche der Atemmuskulatur.
  • Stimmungsprobleme: Depression und Angststörungen.

Warum regelmäßige körperliche Aktivität bei MS lebenswichtig ist

MS ist bisher nicht heilbar, aber die Symptome sind behandelbar und das Fortschreiten lässt sich verlangsamen. Neben der medikamentösen Therapie ist regelmäßige körperliche Aktivität eines der wichtigsten Instrumente. Das ist nicht nur eine Empfehlung – es ist eine Lebensnotwendigkeit.

Warum? Weil deine Muskeln ohne Nutzung schnell abbauen. MS erschwert ohnehin die Bewegung – kommt noch ein bewegungsarmer Lebensstil hinzu, entsteht ein Teufelskreis: Du bewegst dich weniger → die Muskeln schwächen → Bewegung wird noch schwieriger. Regelmäßige Bewegung durchbricht diesen Kreislauf.

Die wichtigsten Vorteile von Bewegung bei MS

Vorteil Warum wichtig?
Erhalt der Muskelkraft Aktive Muskeln verlieren langsamer an Kraft.
Reduktion der Spastizität Regelmäßige Bewegung hilft, verspannte Muskeln zu lockern.
Verbesserung des Gleichgewichts Zielgerichtete Übungen stärken das Gleichgewichtsgefühl.
Stimmungsaufhellung Bewegung setzt Endorphine frei und verringert das Depressionsrisiko.
Verringerung der Ermüdung Paradoxerweise reduziert regelmäßiges Training die krankhafte Müdigkeit.

Tipp Nützliche Hilfsmittel für das Training zu Hause

Für Menschen mit MS ist es besonders wichtig, dass das Training schonend, aber effektiv ist:

  • Elastische Widerstandsbänder und Schlaufen: bieten variable Widerstände, sind im Sitzen oder Liegen anwendbar und lassen sich leicht anpassen.
  • Heim-Ergometer: Heimtrainer oder Crosstrainer sind ideal, um die Ausdauer zu erhalten – sicher, weil sie sitzend benutzt werden können und so das Sturzrisiko vermindern.

Die Grenzen der willentlichen Bewegung – hier kommt die Muskelstimulation ins Spiel

So wichtig die Bewegung ist – MS kann genau diese willentliche Bewegung einschränken. Der Kern der Erkrankung ist die Schädigung der vom Gehirn ausgehenden Nervenbahnen, sodass willentliche Bewegungsbefehle nicht korrekt bei den Muskeln ankommen.

Was bedeutet das praktisch? Du möchtest vielleicht dein Bein bewegen, aber der Muskel reagiert nicht richtig auf den Befehl. Oder er reagiert, ermüdet jedoch schneller als bei einer gesunden Person. Die Spastizität – die krankhafte Muskelsteifigkeit – verschärft die Lage weiter, weil sie den vollen Bewegungsumfang verhindert.

Willentliche Bewegung ist zwar essenziell, reicht aber nicht immer allein aus. In solchen Fällen kommen ergänzende Therapien zum Einsatz, von denen eine der wirksamsten die elektrische Muskelstimulation (NMES, EMS) ist.

Mechanismus Wie funktioniert NMES bei MS?

Die elektrische Muskelstimulation – EMS oder NMES – ist eine Behandlungsform, die direkt an den Muskeln ansetzt und die geschädigten zentralen Nervenbahnen teilweise umgeht. Über auf der Haut platzierte Elektroden übermittelt das Stimulationsgerät elektrische Impulse an die motorischen Endplatten des Muskels; von dort erfolgt die Weiterleitung über die peripheren Nervenbahnen, die bei MS meist intakt sind.

Wichtig: Der Muskel weiß nicht, woher der Impuls kommt. Ob das Signal vom Gehirn oder vom Stimulator ausgeht, die Kontraktion erfolgt nach demselben Mechanismus. Dieselben Stoffwechselprozesse laufen ab, der Muskel kann wachsen und an Kraft zunehmen, aber genauso ermüden.

Die drei Haupttypen von NMES in der MS-Rehabilitation

Kurze und milde elektrische Impulse, die hauptsächlich die sensorischen Nerven ansprechen. Kann zur Schmerzlinderung bei MS-assoziierten Schmerzen eingesetzt werden. Dies entspricht im Wesentlichen dem TENS-Protokoll – detaillierte Erklärung im TENS-Artikel.

Wiederholte elektrische Impulse, die Muskelkontraktionen auslösen. Wirksam zur Verbesserung von Muskelkraft und Ausdauer. Regelmäßig angewandt unterstützen diese Impulse die schrittweise Kräftigung und Ausdauersteigerung der Muskeln. Dies ist das klassische NMES-Protokoll – ein geeignetes Gerät ist z. B. der Genesy 300 Pro.

Ein fortgeschrittener Ansatz: Das EMG erfasst die eigene elektrische Aktivität deiner Muskeln (den Versuch), und die Stimulation wird zeitlich darauf abgestimmt. Diese "personalisierte" Methode ist besonders nützlich in der Rehabilitationsphase, weil sie die aktive Versuchsanstrengung durch gezielte Stimulation verstärkt. Ein ETS-Spezialgerät ist das DuoBravo N. Mehr dazu im Biofeedback-Artikel.

Wie hilft die Muskelstimulation bei der Behandlung von MS-Symptomen?

NMES kann Menschen mit MS auf mehreren Ebenen unterstützen. Die folgende Übersicht hilft dir, die möglichen Effekte anhand deiner aktuellen Symptome einzuordnen:

Bei MS werden Muskeln oft steif und angespannt, was Bewegung behindert und Schmerzen verursachen kann. Klassischerweise versucht man, diese Steifigkeit durch kräftiges manuelles Durchbewegen zu lösen, was unangenehm sein und das Gewebe traumatisieren kann.

Die elektrische Stimulation ist deutlich schonender. Sie fördert die Durchblutung, entspannt den Muskel und das umliegende Gewebe und reduziert die übermäßige Aktivität der motorischen Nerven. Durch die Stimulation der Antagonisten kann NMES die reziproke Hemmung auslösen, was weitere Verbesserungen bringen kann.6

Muskeln leben von Kontraktionen. Wenn ein Muskel über längere Zeit nicht arbeitet, beginnt er zu verkümmern. Durch NMES werden die Muskeln regelmäßig aktiviert, auch wenn du sie nicht mehr willkürlich ausreichend bewegen kannst. Das hilft, Muskelmasse und Kraft zu erhalten.

Studien zeigen, dass NMES besonders die Kraft der unteren Extremität verbessern kann – entscheidend für Gehfähigkeit und allgemeine Mobilität. Mehr Kraft kann zu besseren Leistungen im Alltag führen.4,5

Spastische Muskeln verhindern oft die volle Nutzung des Gelenkbewegungsumfangs – etwa Ellenbogen oder Knie lassen sich nicht vollständig strecken. NMES kann die Muskeln lockern, wodurch sich der Bewegungsumfang erweitern kann.

Inkontinenz kann bei MS eine Folge geschwächter Beckenboden-Schließmuskeln und gestörter motorischer Nerven sein. Die funktionelle Elektrostimulation zeigt bei vielen Patienten Verbesserungen der Blasen- und Darmfunktion. Die Beckenbodenbehandlung erfolgt mit speziellen Sonden oder oberflächlichen Elektroden und sollte nur nach urologischer/gastroenterologischer Konsultation begonnen werden.

Bei im Rollstuhl sitzenden MS-Patienten nimmt die Aktivität von Arm- und Brustmuskulatur ab, was zu Atemproblemen und erhöhtem Risiko für Atemwegsinfektionen führen kann. Funktionelle Stimulation kann helfen, Bauch- und Rumpfmuskulatur zu erhalten, wodurch Husten- und Atemfunktion verbessert werden können.

Bei Bewegungseinschränkungen steigt das Risiko für Druckgeschwüre. Der Erhalt von Muskelmasse und -tonus sorgt für eine gleichmäßigere Druckverteilung auf der Haut und kann dieses Risiko verringern.

Forschungen deuten darauf hin, dass NMES die Neuroplastizität fördern kann – den Prozess, bei dem das Gehirn durch Bildung neuer Verbindungen sich umorganisiert. Zentrale Effekte können zu kortikaler Umorganisation führen, die für funktionelle Erholung bei MS wichtig ist. Dies ist besonders beim ETS-Protokoll (DuoBravo N) ausgeprägt, da die zeitliche Kopplung von aktivem Versuch und Stimulation die konditionierende Wirkung auf die Hirnplastizität unterstützt.2,3

Technik Technische Hinweise – welche Impulse sind für MS geeignet?

Achtung MS = zentrale Lähmung – KEIN selektiver Reizstrom!

Multiple Sklerose greift das zentrale Nervensystem an; die dadurch entstehende Lähmung ist eine zentrale Lähmung. Auf diesen Zustand sollte niemals selektiver Reizstrom (denervierter Strom) angewendet werden!

Die Behandlung mit selektivem Reizstrom (z. B. PeroBravo-Programm) kann die Muskelsteifigkeit und Spastizität verstärken, was für die Betroffenen eine deutliche Verschlechterung bedeuten und zusätzlich schmerzhaft sein kann.

Für die MS-Behandlung ist EMS/NMES (klassische Muskelstimulation) geeignet, und die passende Wellenform ist die biphasische Rechteckwelle. Eine ausführliche Erklärung zum Unterschied zwischen peripherer und zentraler Lähmung findet sich im Artikel zur selektiven Reizstrom-Therapie.

Zuhause Welches Gerät eignet sich für Menschen mit MS?

Bei MS (zentrale Lähmung!) ist biphasisches Rechteck-NMES erforderlich – ideal ist entweder ein ETS-Spezialist (verstärkt den Versuch), ein klassisches NMES-Gerät oder ein vielseitiges Globus-Genesy-Gerät (der selektive Modus ist bei MS nicht anzuwenden, die NMES-Funktionen jedoch schon).

Primäre Empfehlungen für MS

DuoBravo N – ETS-Spezialist (empfohlen bei MS)

Ein Spezialist für zentrale Lähmung (Schlaganfall, MS): nutzt ETS (EMG-Triggered Stimulation), die die Stimulation an die eigene, willentliche Muskelaktivität koppelt. Für Menschen mit MS besonders wertvoll, da sie die zeitliche Übereinstimmung von aktivem Versuch und Stimulation sicherstellt und so die Neuroplastizität (kortikale Umorganisation) unterstützt. Das System dient dem Erhalt von Kraft und Koordination.

Genesy 300 Pro – klassisches NMES (Reha)

Klassisches NMES-Gerät, speziell für die Rehabilitation geeignet. Ein mittleres Modell der Globus Genesy-Reihe mit 4 Kanälen. Bietet umfangreiche NMES-Funktionalität und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für die häusliche MS-Reha.

Vielseitige Globus Genesy-Reihe – diese Geräte enthalten NMES-Programme für die MS-Behandlung (verwende nicht den selektiven Reizstrom-Modus bei MS!), sind aber auch für viele andere Indikationen geeignet. Ideal für Patienten, die mit einem Gerät mehrere Ziele verfolgen möchten:

Genesy 600 – kostengünstiges, vielseitiges Einstiegs-/Mittelklassegerät

4-Kanal-Gerät mit NMES-Programmen, auch für MS-Reha geeignet. Kostenbewusste Wahl, wenn neben NMES weitere Funktionen gewünscht sind.

Genesy 1500 – Top-Gerät für zu Hause

4-Kanal-Gerät mit breiter NMES-Funktionalität. Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für häusliche MS-Rehabilitation und weitere Indikationen.

Genesy 3000 – professionelles Multitalent

Das Flaggschiff der Genesy-Reihe. Professionelle NMES-Programmbibliothek – in Kombination mit Physiotherapeuten ideal für die häusliche MS-Rehabilitation.

  • Biofeedback in der Rehabilitation (DuoBravo N – Details) →
  • EMS – die elektrische Muskelstimulation (Hauptsäule) →
  • Selektiver Reizstrom – warum NICHT bei MS! (Artikel) →
  • Zurückgewinnung verlorener Muskelkraft (EMS-Reha) →

Was darfst du von der Behandlung erwarten – und was nicht?

Info Realistische Erwartungen

Die elektrische Muskelstimulation heilt die Multiple Sklerose NICHT. Sie stellt die geschädigten Nervenbahnen nicht wieder her und beseitigt nicht die grundlegende Ursache der Erkrankung.

Was sie erreichen kann: Sie hilft, die Bewegungsfähigkeit länger zu erhalten. Das ist ein enormer Unterschied für die Lebensqualität. In den frühen Stadien der MS kann die Stimulation vorübergehend Verbesserungen bewirken (Muskeln werden stärker, Spastizität kann abnehmen). Mit Fortschreiten der Erkrankung unterstützt sie zunehmend das Verlangsamen des Funktionsverlustes – ebenfalls ein wertvolles Ergebnis: Wenn du durch NMES deine Gehfähigkeit über Jahre hinweg bewahren oder die Notwendigkeit eines Rollstuhls hinausschieben kannst, ist das ein großer Gewinn.

Vorteile für die Lebensqualität

  • Mehr Unabhängigkeit: stärkere Muskeln und bessere funktionelle Mobilität können direkt zu größerer Selbstständigkeit im Alltag beitragen.7
  • Psychologisches Wohlbefinden: körperliche Aktivität – auch eingeschränkt – kann das Selbstwertgefühl steigern und das Gefühl der Hilflosigkeit verringern.7
  • Reduktion von Ermüdung: in einigen Fällen ist NMES mit einer Verringerung der Müdigkeit und einer Verbesserung der allgemeinen körperlichen Fitness verbunden – paradox: ein "aktivierter" Muskel kann die chronische Ermüdung senken.7

FAQ Häufig gestellte Fragen

Je früher, desto besser – stets nach Rücksprache mit dem Neurologen. In frühen Stadien kann NMES helfen, Muskelkraft zu erhalten, bevor es zu ausgeprägter Atrophie kommt. Zeitpunkt und Protokoll legt dein behandelnder Arzt oder Physiotherapeut entsprechend deinem Zustand fest.

Selektiver Reizstrom ist für den Einsatz bei denervierten (peripher geschädigten) Muskeln gedacht, wo Nerven unterbrochen sind (z. B. peroneale Lähmung). Bei MS sind die peripheren Nerven in der Regel intakt – das Problem liegt zentral im Gehirn. Selektiver Reizstrom auf normal innervierten Muskeln kann unangenehm sein, Schmerzen verursachen und die Spastizität verstärken. Daher sollte bei MS biphasisches Rechteck-EMS/NMES verwendet werden – z. B. DuoBravo N, Genesy 300 Pro oder die Genesy-Modelle mit NMES-Funktionen.

Klassisches NMES (z. B. Genesy 300 Pro) arbeitet mit automatischer Zeitsteuerung – das Gerät wechselt in einem festen Rhythmus zwischen Stimulations- und Ruhephasen. ETS (DuoBravo N) hingegen überwacht die eigene elektrische Muskelaktivität und startet die Stimulation, wenn du selbst versuchst, den Muskel zu aktivieren. Die Kombination aus aktivem Versuch und stimulierender Bestätigung ist besonders wertvoll für die MS-Reha, da sie die Neuroplastizität fördert. ETS ist in der Regel teurer, aber funktional die fortschrittlichere Wahl.

Das genaue Protokoll legt dein Physiotherapeut oder behandelnder Arzt fest. Allgemein empfohlen: 5–6 Sitzungen pro Woche à 20–30 Minuten. Bei mehreren Muskelgruppen können separate Sitzungen sinnvoll sein. Für die Spastizitätsreduktion ist Regelmäßigkeit wichtiger als gelegentlich sehr lange Anwendungen.

Ja. Klinische Protokolle empfehlen NMES ausdrücklich als ergänzende Therapie zur medikamentösen Behandlung und Physiotherapie. NMES beeinträchtigt nicht die Wirkung gängiger MS-Medikamente (Interferon, Glatirameracetat, monoklonale Antikörper) und kann die Effekte physiotherapeutischer Übungen unterstützen (z. B. ist Bewegungstherapie nach einer Stimulation oft effektiver).

Die Beckenboden-Elektrostimulation kann bei Menschen mit MS laut klinischer Erfahrung zu spürbaren Verbesserungen von Blasen- und Darmfunktion führen. Die Behandlung erfolgt mit speziellen Sonden oder oberflächlich platzierten Elektroden und darf nur nach urologischer oder gastroenterologischer Fachkonsultation und mit physiotherapeutischer Einweisung begonnen werden. Spezifische Geräte und Protokolle für Inkontinenz fallen in eine gesonderte Kategorie, über die dein Arzt informieren kann.

Warnung Bevor du mit der Behandlung beginnst

NMES ist bei MS in der Regel sicher, es gibt jedoch Zustände, bei denen es nicht angewendet werden sollte. Kläre vor Behandlungsbeginn immer mit deinem behandelnden Arzt oder Neurologen!

Wann ist Vorsicht geboten?

  • Eingepflanzter Herzschrittmacher oder Defibrillator – die elektrischen Impulse können mit dem implantierten Gerät interferieren
  • Selektive Reizstrombehandlung (denerviert) ist bei MS verboten – verstärkt die Spastizität und kann schmerzhaft sein
  • Aktive Tumorerkrankung im Behandlungsbereich – elektrische Stimulation im Tumorbereich sollte vermieden werden
  • Schwangerschaft – gynäkologische Fachkonsultation erforderlich
  • Epilepsie – elektrische Stimulation kann Krampfanfälle auslösen (relativ, fachärztliche Abklärung erforderlich)
  • Hautentzündung oder offene Wunde im Bereich der Elektroden – Elektroden dürfen nicht auf verletzter Haut platziert werden
  • Thrombose, Thrombophlebitis im Behandlungsbereich – Muskelkontraktion kann im betroffenen Bereich gefährlich sein
  • Starke Sensibilitätsstörung im Behandlungsbereich – erhöhte Vorsicht notwendig
  • Akute MS-Exazerbation (Schub) – zunächst stabilisieren lassen, NMES erst danach beginnen oder fortsetzen

Info Ergänzende Behandlung, keine alleinige Therapie

Die häusliche NMES ist eine ergänzende Maßnahme der MS-Rehabilitation und ersetzt nicht die fachärztliche neurologische Behandlung oder Physiotherapie. Diagnostik, Therapieplanung und Kontrollen erfolgen immer durch Fachpersonal. Eine detaillierte Kontraindikationsliste findest du im Artikel zu Elektrotherapie-Kontraindikationen.

Zusammenfassung Zusammenfassung – Kurzüberblick

Worum geht es in diesem Artikel? Ein kompletter Überblick zur NMES-Behandlung der Multiplen Sklerose: wie NMES bei MS wirkt, welche Geräte geeignet sind, wann es nicht angewendet werden darf und welche Ergebnisse zu erwarten sind.
Für wen ist das gedacht? Für Menschen mit MS und deren Angehörige, die die häusliche elektrische Behandlung verstehen und sie ergänzend zur klassischen Therapie einsetzen möchten.
Die wichtigste Botschaft: MS ist eine zentrale Lähmung – KEIN selektiver Reizstrom, sondern biphasisches Rechteck-NMES oder ETS ist erforderlich. Regelmäßige Muskelstimulation kann Muskelkraft erhalten, Spastizität reduzieren und den funktionellen Abbau verlangsamen.
Nächster Schritt: DuoBravo N – ETS-Spezialist → | Genesy 300 Pro – klassisches NMES →

Quellen

  1. O'Connor D, Lennon O, Minogue C, Caulfield B. (2021). Design considerations for the development of neuromuscular electrical stimulation (NMES) exercise in cancer rehabilitation: a narrative review. Disability and Rehabilitation, 43(21), 3117-3126. PubMed: 32116053
  2. Xu Q, Guo F, Salem HMA, Chen H, Huang X. (2017). Effects of mirror therapy combined with neuromuscular electrical stimulation on motor recovery of lower limbs and walking ability of patients with stroke: a randomized controlled study. Clinical Rehabilitation, 31(12), 1583-1591. PubMed: 28459163
  3. Ou CH, Shiue CC, Kuan YC, Liou TH, Chen HC, Kuo TJ. (2023). Neuromuscular Electrical Stimulation of the Upper Limbs in Patients With Cerebral Palsy: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 102(2), 151-158. PubMed: 35687763
  4. Fornusek C, Hoang P. (2014). Neuromuscular electrical stimulation cycling exercise for persons with advanced multiple sclerosis. Journal of Rehabilitation Medicine, 46(7), 698-702. PubMed: 24763902
  5. Jones S, Man WD, Gao W, Higginson IJ, Wilcock A, Maddocks M. (2016). Neuromuscular electrical stimulation for muscle weakness in adults with advanced disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, 10(10), CD009419. PubMed: 27748503
  6. Khan F, Amatya B, Bensmail D, Yelnik A. (2019). Non-pharmacological interventions for spasticity in adults: An overview of systematic reviews. Annals of Physical and Rehabilitation Medicine, 62(4), 265-273. PubMed: 29042299
  7. Alves IGN, da Silva E Silva CM, Martinez BP, de Queiroz RS, Gomes-Neto M. (2022). Effects of neuromuscular electrical stimulation on exercise capacity, muscle strength and quality of life in COPD patients: A Systematic Review with Meta-Analysis. Clinical Rehabilitation, 36(4), 449-471. PubMed: 35014892
  8. Alenazy M, Daneshgar Asl S, Petrigna L, et al. (2021). Treatment with electrical stimulation of sensory nerves improves motor function and disability status in persons with multiple sclerosis: A pilot study. Journal of Electromyography and Kinesiology, 61, 102607. PubMed: 34710779
  9. Fu X, Wang Y, Wang C, et al. (2018). A mixed treatment comparison on efficacy and safety of treatments for spasticity caused by multiple sclerosis: a systematic review and network meta-analysis. Clinical Rehabilitation, 32(6), 713-721. PubMed: 29582713
  10. Andreu-Caravaca L, Ramos-Campo DJ, Chung LH, et al. (2022). Can strength training modify voluntary activation, contractile properties and spasticity in Multiple Sclerosis?: A randomized controlled trial. Physiology & Behavior, 255, 113932. PubMed: 35905806
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Letzte Überprüfung: 9. Juni 2026

Die im Artikel enthaltenen Informationen dienen der Orientierung. Häusliche Therapiegeräte sind Ergänzungen zur ärztlichen Behandlung und ersetzen diese nicht. Bei Beschwerden konsultiere deinen behandelnden Arzt.

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