Nebenwirkungen und Kontraindikationen elektrischer Behandlungen
Wenn du eine elektrische Behandlung anwenden oder erhalten möchtest, ist es wichtig, die damit verbundenen Kontraindikationen zu kennen. Diese therapeutischen Verfahren können in vielen Fällen sehr nützlich sein, doch es gibt Situationen, in denen sie nicht angezeigt sind. Die Elektrotherapie nutzt verschiedene Arten von elektrischem Strom für spezifische medizinische, rehabilitative oder kosmetische Ziele, kann aber in bestimmten Fällen für dich kontraindiziert sein. Schauen wir uns im Detail an, wann du besonders vorsichtig sein oder diese Behandlungsform ganz vermeiden solltest.
Was ist Elektrotherapie?
Elektrotherapie ist keine einzelne Methode oder Behandlung, sondern sehr vielfältig. Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich dadurch, dass sie mit Strömen unterschiedlicher Eigenschaften arbeiten und dadurch unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Zum Beispiel sind TENS, MENS und Interferenz wirksame Mittel zur Schmerzlinderung, EMS und Kotz unterstützen die Verbesserung des Muskelzustands, und Mikrostrom- sowie Interferenzbehandlungen können der Gewebeheilung dienen. Vor der Behandlung ist es wichtig, die Kontraindikationen zu kennen, um mögliche Risiken zu vermeiden.
Aktuelle Forschungsergebnisse und aktualisierte Leitlinien helfen dir dabei, besser zu verstehen, wann die Anwendung der Elektrotherapie nicht empfohlen wird.
Physiotherapeutische Behandlungen mit elektrischem Strom
Physiotherapeutische Behandlungen mit elektrischem Strom bieten zahlreiche Vorteile und können zur Behandlung verschiedener Gesundheitsprobleme eingesetzt werden. Bei elektrotherapeutischen Anwendungen werden verschiedene Stromarten verwendet, die spezifische Effekte im Körper hervorrufen. Diese Behandlungen können zur Schmerzlinderung, zur Verbesserung der Durchblutung, zur Förderung der Muskelfunktion und zur Unterstützung der Gewebeheilung beitragen.
Zu den elektrotherapeutischen Anwendungen gehört zum Beispiel eine der bekanntesten Formen, die TENS-Behandlung, die zur Reduktion muskuloskelettaler Schmerzen eingesetzt wird. Ebenfalls dazu zählt die selektive Denerviert‑Strombehandlung, die bei Muskeln nach Schädigung des motorischen Nervs (gelähmte Muskeln) zur Verbesserung des Zustands beiträgt. Bei der elektrischen Stimulation wirken die Ströme in unterschiedlichen Frequenzen und Intensitäten auf den Körper, was verschiedene physiologische Reaktionen auslöst.
Elektrische Behandlungen eignen sich nicht nur zur Schmerzlinderung und Wundheilungsförderung, sondern auch für Rehabilitation und Leistungssteigerung im Sport. Die bei der Elektrotherapie eingesetzten Techniken und Geräte entwickeln sich ständig weiter, was personalisierte und effektive Behandlungsoptionen ermöglicht.
Arten elektrotherapeutischer Behandlungen
Elektrotherapeutische Anwendungen verwenden verschiedene Arten von elektrischem Strom, die jeweils spezifische Wirkungen haben. Im Folgenden werden die am häufigsten angewendeten Elektrotherapie‑Verfahren und ihre Hauptmerkmale vorgestellt.
Niedrigfrequente Behandlungen nutzen strom mit niedriger Frequenz, der tief in das Gewebe eindringt und unterschiedliche physiologische Effekte hervorruft. Diese Behandlungen sind besonders wirksam bei Muskelschmerzen, Muskelkrämpfen und der Reduktion chronischer Schmerzen.
Zu den (auch zuhause anwendbaren) elektischen Behandlungen gehören: TENS (Schmerzlinderung), EMS oder NMES (Behandlung der Muskeln), MENS (Mikrostrom-Schmerzlinderung), MCR (entzündungsreduzierender Mikrostrom), Iontophorese (lokale Wirkstoffapplikation), Interferenz (schmerzlindernd und entzündungshemmend), Kotz (auch Russian, muskelstärkende Behandlung), FES (funktionelle Muskelstimulation), CES (craniale Stimulation), TES (Schwellwertstimulation zur Muskelbehandlung), tVNS (Vagusstimulation).
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Elektrische Behandlung ist ein Sammelbegriff. Dazu gehören alle Behandlungsarten, die mit elektrischem Strom durchgeführt werden.
Die bekannteste elektrotherapeutische Methode: TENS
Die meisten kennen wahrscheinlich den Begriff TENS (Transcutaneous Electric Nerve Stimulation). Man muss wissen, dass dies eine der ältesten elektrotherapeutischen Methoden ist. In den frühen 1970er-Jahren begann man mit ihrer Anwendung zur Schmerzlinderung. Die theoretische Grundlage lieferte die 1965 veröffentlichte Melzack–Wall Gate‑Kontrolltheorie, die zeigte, dass durch Nervenstimulation die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Gehirn verhindert werden kann und gleichzeitig die Freisetzung von Endorphinen gefördert werden kann.
Obwohl die Entwicklung von TENS-Geräten erst in den 1970er-Jahren begann, bildet die Entdeckung und Ausarbeitung der Theorie durch Ronald Melzack und Patrick Wall die wissenschaftliche Grundlage der Methode.
TENS ist also die erste, aber nicht die einzige elektrische Behandlungsmethode.
TENS verwendet elektrische Stimulation über die Haut zur Schmerzlinderung. Während einer TENS-Behandlung reduziert die elektrische Stimulation den Schmerz, fördert die Durchblutung und verbessert den Zustand des behandelten Bereichs.
TENS ist besonders wirksam zur Linderung chronischer Schmerzen, Muskelschmerzen und entzündlicher Schmerzen. Die Stimulation aktiviert die natürlichen schmerzlindernden Mechanismen des Körpers und reduziert die Schmerzempfindung.
Die TENS-Behandlung hat viele Vorteile, darunter schnelle und effektive Schmerzlinderung, minimale Nebenwirkungen und einfache Handhabung. Eine Sitzung dauert in der Regel 15–30 Minuten, wobei die Stimulation die Durchblutung steigert und den Zustand der behandelten Region verbessert.
Die für TENS verwendeten Geräte sind meist kleine, tragbare Geräte, die elektrische Stimulation liefern. Sie bieten in der Regel verschiedene Programme für unterschiedliche Schmerzarten und Behandlungsziele.
Insgesamt ist die TENS-Behandlung ein effektives und sicheres elektrotherapeutisches Verfahren zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung des Zustands der behandelten Region. Sie ist in der Anwendung oft einfach und mit minimalen Nebenwirkungen, weshalb sie in der Schmerztherapie zunehmend populär wird.
Allgemeine Kontraindikationen
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Wenn du einen Herzschrittmacher oder einen implantierbaren Kardioverter‑Defibrillator (ICD) hast, musst du besonders vorsichtig sein.
Bis vor einigen Jahren galt eine vollständige Kontraindikation für Elektrotherapie. Aktuelle Forschungen zeigen jedoch, dass eine nuanciertere Einschätzung möglich ist. Moderne Herzimplantate verfügen über verbesserte Schutzmechanismen gegen elektromagnetische Interferenzen, sodass unter bestimmten Bedingungen bestimmte Formen der Elektrotherapie infrage kommen können, wenn sie mit ausreichendem Abstand zum Gerät angewendet werden. Dennoch erfordert jede Anwendung eine sorgfältige Abwägung und Rücksprache mit einem Kardiologen.
Bei Patienten mit Arrhythmien oder ischämischer Herzkrankheit richten sich die Bedenken auf mögliche Effekte elektrischer Ströme auf die kardiale Erregungsleitung.
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass sorgfältig durchgeführte elektrotherapeutische Anwendungen sicherer sind als früher angenommen, besonders bei Behandlungen in peripheren (vom Herzen weit entfernten) Bereichen.
Direkte Anwendungen im Brustbereich bleiben jedoch weiterhin strikt kontraindiziert. Entscheidend ist der ausreichende Abstand zum Herzen und die Anwendung geeigneter Stromparameter.
Schwangerschaft
Die Schwangerschaft erfordert besondere Überlegungen bei der Anwendung von Elektrotherapie. Die Hauptsorge gilt den möglichen Effekten elektrischer Ströme auf den sich entwickelnden Fötus und dem Risiko der Auslösung einer Frühgeburt. Der aktuelle Forschungsstand empfiehlt, elektrotherapeutische Anwendungen im Bereich des Bauchs, des Beckens und des unteren Rückens während der gesamten Schwangerschaft zu vermeiden.
Die Risiken variieren je nach Gestationsstadium. In der Frühschwangerschaft kann elektrische Stimulation die Einnistung oder die frühe Plazentabildung stören.
In späteren Stadien liegt die Sorge eher in der möglichen Auslösung von Wehen und Auswirkungen auf die fetale Entwicklung.
Einige Studien deuten darauf hin, dass unter strenger Kontrolle Elektrotherapie an vom Uterus entfernten Bereichen zur Schmerzlinderung sicher sein kann. Ich empfehle jedoch, solche Anwendungen nur mit ausdrücklicher ärztlicher Genehmigung durchzuführen.
Aktive Tumore oder malignen Läsionen
Über Krebs und aktive maligne Tumore sowie in deren unmittelbarer Nähe ist Elektrotherapie kontraindiziert und nicht zu empfehlen.
Die primäre Sorge besteht darin, dass elektrische Stimulation die Zellaktivität und die Durchblutung steigern kann, was theoretisch das Wachstum oder die Ausbreitung von Tumorzellen begünstigen könnte. Diese Kontraindikation gilt nicht nur für aktive Krebserkrankungen, sondern auch für verdächtige maligne Läsionen und kürzlich durchgeführte onkologische Behandlungen.
Neuere Forschungen untersuchen, ob bestimmte niederintensive elektrotherapeutische Modalitäten für Krebspatienten sicher sein können, insbesondere in der palliativen Versorgung zur Schmerzlinderung. Auch die Behandlung entfernter Körperbereiche, bei denen kein direkter Einfluss auf den Tumor zu erwarten ist, kann geprüft werden.
Jede solche Anwendung erfordert jedoch eine sorgfältige Abwägung unter Berücksichtigung von Tumorart, Stadium und dem Gesamtkonzept der Behandlung. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen ist vor jeglicher Elektrotherapie bei gegenwärtiger oder kürzlich erfolgter Krebserkrankung unerlässlich.
Epilepsie
Neurologische Erkrankungen, insbesondere Epilepsie, erfordern eine sorgfältige Abwägung bei der Überlegung zur Elektrotherapie.
Die Hauptsorge bei Epilepsie ist das potenzielle Auslösen von Anfällen durch elektrische Stimulation, insbesondere bei Anwendungen in der Nähe von Kopf oder Hals. Aktuelle Forschungsergebnisse unterstützen diese Vorsicht, besonders bei kranieller Elektrotherapie.
Die Kontraindikation geht über die Vermeidung direkter kranieller Anwendungen hinaus.
Bei Epilepsiepatienten erfordern sogar periphere (vom Schädel entfernte) elektrotherapeutische Anwendungen sorgfältige Überlegungen, da nervale Stimulation über neuronale Bahnen Anfallsaktivität auslösen kann.
Eine individuelle Risikoabschätzung und Konsultation mit einem Neurologen sind bei Epilepsie unerlässlich.
Akute Infektionen
Das Vorliegen akuter Infektionen, lokal oder systemisch, stellt eine wichtige Kontraindikation für Elektrotherapie dar.
Die wesentliche Sorge ist, dass elektrische Stimulation die Durchblutung erhöhen und damit möglicherweise die Ausbreitung einer Infektion begünstigen kann. Dies betrifft bakterielle und virale Infektionen sowie mykotische Erkrankungen.
Aktuelle Studien betonen mögliche Zusammenhänge zwischen elektrischer Stimulation und der Immunantwort.
Während die durch Elektrotherapie geförderte Durchblutung in manchen Zuständen (z. B. bei Entzündungen) die Heilung unterstützen kann, kann sie bei aktiver Infektion die Situation verschlechtern, indem sie die Infektion verbreitet. Dies ist besonders relevant bei systemischen Infektionen wie Sepsis, bei denen die Ressourcen des Körpers ohnehin stark belastet sind.
Unkontrollierte Hypertonie oder Hypotonie
Die Stabilität des Blutdrucks spielt eine wichtige Rolle für die Sicherheit elektrotherapeutischer Anwendungen. Patienten mit unkontrolliert schwankendem Bluthochdruck (Hypertonie) oder niedrigem Blutdruck (Hypotonie) können Risiken durch elektrische Stimulation ausgesetzt sein, da diese das autonome Nervensystem beeinflusst und damit die Blutdruckregulation verändern kann.
Die Kontraindikation ist besonders relevant in Fällen, in denen die Stimulation plötzliche Blutdruckänderungen über Gefäßerweiterung oder durch das autonome Nervensystem verursachen könnte.
Neuere Untersuchungen legen nahe, bei Patienten mit behandeltem Bluthochdruck unter der Therapie den Blutdruck zu überwachen (während der Behandlung 1–2 Mal messen), besonders zu Beginn der Anwendung.
Blutungsneigungen oder Einnahme von Antikoagulanzien
Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder unter Einnahme von Blutverdünnern benötigen besondere Überlegungen bei der Anwendung von Elektrotherapie.
Die durch elektrische Stimulation gesteigerte Durchblutung und Gefäßerweiterung kann bei solchen Patienten potenziell zu Nachblutungen oder Hämatomen führen.
Diese Kontraindikation ist besonders relevant in Bereichen, in denen Gefäße nahe der Hautoberfläche liegen oder Regionen, die generell zu Blutungen neigen.
Die Risikobewertung muss sowohl die Art der Blutungsstörung als auch das verwendete Antikoagulans berücksichtigen, da verschiedene Medikamente unterschiedliche Risikoniveaus mit sich bringen.
Kognitive Beeinträchtigungen
Wenn du kognitive Störungen hast, zum Beispiel Anweisungen nur schwer verstehst oder während der Behandlung kein genaues Feedback geben kannst, ist Elektrostimulation nicht empfehlenswert, da das Risiko für Verletzungen erhöht ist.
Lokale Kontraindikationen
Behandlung über implantierten Metallteilen
Das Vorhandensein von Metallimplantaten galt traditionell als Kontraindikation für Elektrotherapie, insbesondere bei direkter Anwendung über dem Implantat. Moderne Forschungsergebnisse stellen jedoch einige dieser Annahmen in Frage, besonders in Bezug auf neuere Implantatmaterialien und -designs.
Derzeit empfiehlt sich weiterhin, direkte Anwendungen über Metallimplantaten zu vermeiden. Die Anwesenheit eines Implantats schließt Elektrotherapie an anderen Körperstellen jedoch nicht zwangsläufig aus, insbesondere wenn ein Abstand von etwa 10–15 cm zum Implantat eingehalten wird. Bei einer Knieprothese wäre eine direkte Behandlung des Kniegelenks nicht empfohlen, während die Behandlung von Oberschenkel‑ oder Unterschenkelmuskulatur nicht unbedingt kontraindiziert ist.
Entscheidend sind Implantatmaterial, Lage und die geplante elektrotherapeutische Methode. Titanimplantate erfordern andere Überlegungen als ältere Stahlimplantate.
Bereiche mit Thrombose oder Thrombophlebitis
Wenn frische Blutgerinnsel in deinem Körper vorhanden sind, können diese durch Elektrotherapie mobilisiert werden, was zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Schlaganfall oder Lungenembolie führen kann. Verwende in solchen Bereichen keine Elektrotherapie.
Ungefähr 3 Monate nach einer Thrombose hat sich in der Regel ein Zustand entwickelt, in dem die elektrische Behandlung das Risiko nicht mehr beeinflusst, sodass Elektrotherapie dann eingesetzt werden kann (und in der postthrombotischen Phase sogar eine symptomatische Therapieoption darstellen kann).
Stimulation in empfindlichen Bereichen
Setze keinen Strom auf das Augapfel, die Augenlider, da dies empfindliches Gewebe schädigen kann. Vermeide den Halsbereich (Carotissinus), da elektrische Stimulation hier zu Ohnmacht oder Herzstillstand führen kann. Die Beckenorgane sind besonders empfindlich, weshalb die meisten elektrotherapeutischen Anwendungen hierfür nicht geeignet sind.
Offene Wunden oder geschädigte Haut
Der Zustand der Haut und des darunterliegenden Gewebes spielt eine entscheidende Rolle für die Sicherheit der Elektrotherapie.
Offene Wunden, geschädigte Haut oder Bereiche mit kompromittierter Gewebeintegrität stellen spezifische Kontraindikationen dar, da das Infektionsrisiko, Gewebeschäden oder veränderte Stromverläufe drohen. In solchen Fällen erfordert die Anwendung elektrischer Stimulation besondere Vorsicht.
Aktuelle Untersuchungen befassen sich mit elektrotherapeutischen Anwendungen speziell zur Wundheilung, doch diese benötigen spezifische Protokolle und Ausrüstung. Standard‑Elektrotherapieanwendungen bleiben in Bereichen mit aktiven Gewebeschäden kontraindiziert.
Bereiche mit sensorischer Beeinträchtigung
Gebiete mit vermindertem Empfinden stellen besondere Herausforderungen und Kontraindikationen bei der Elektrotherapie dar.
Fehlende genaue Rückmeldung über die Empfindung der elektrischen Stimulation kann zu Gewebeschäden oder Verbrennungen führen, insbesondere bei Patienten mit Erkrankungen wie peripherer Neuropathie oder Rückenmarksverletzungen.
Diese Kontraindikation erfordert vor Beginn der Behandlung eine sorgfältige Beurteilung der Sensibilität und kann modifizierte Protokolle oder alternative Behandlungsmethoden notwendig machen. Regelmäßige Kontrolle und Neubewertung sind grundlegende Bestandteile einer sicheren Anwendung.
Wenn du an einem bestimmten Bereich vermindertes Empfinden hast, solltest du besonders vorsichtig sein. In sensorisch beeinträchtigten Bereichen spürst du die Stimulation möglicherweise nicht richtig und könntest die Stromstärke zu hoch einstellen, was zu Verbrennungen führen kann. Achte daher darauf, die Stromstärke nicht zu stark zu erhöhen.
Kosmetische Kontraindikationen
Wenn du Elektrotherapie aus kosmetischen Gründen verwenden möchtest, z. B. für Gesichtsbehandlungen oder Körperformung, beachte Folgendes:
Wende keine Elektrotherapie bei Ekzemen, Psoriasis oder Akne an, da der Strom entzündete Haut reizen kann. Wenn du kürzlich Botox oder Filler erhalten hast, warte mindestens 2–4 Wochen, da der Strom diese verschieben oder beeinträchtigen kann. Nach einer kürzlichen Operation warte auf die vollständige Heilung, bevor du Elektrotherapie in der Nähe des behandelten Bereichs anwendest. Elektrotherapie ist in solchen Fällen zu vermeiden.
Ganzkörper-Elektrostimulation (WB-EMS)
Verschiedene Formen elektrischer Stimulation, wie WB-EMS (Ganzkörper‑Elektrostimulation, auch EMS Muskeltraining genannt), werden im Training und in der Rehabilitation immer beliebter.
Wenn du Ganzkörper‑EMS einsetzen willst, beachte Folgendes:
Bei Diabetes, Bluthochdruck oder stabilem kardiovaskulärem Befund kann WB-EMS unter strikten Protokollen sicher angewendet werden.
Verwende kein WB-EMS bei fortgeschrittener Arteriosklerose, da instabile Plaques Komplikationen verursachen können.
Führe nicht zu viele EMS‑Behandlungen in kurzer Zeit durch, da dies zu Muskelschäden (Rhabdomyolyse) führen kann. Hole immer die Unterstützung eines Fachmanns ein.
Altersgruppenspezifische Überlegungen
Bei Kindern wird die Anwendung von Elektrotherapie in der Regel nicht empfohlen, da ihr Nervensystem noch in der Entwicklung ist. Eine Anwendung ist nur bei medizinischer Indikation und mit Zustimmung eines Facharztes zulässig. Bei dieser Altersgruppe ist besondere Vorsicht geboten.
Bei älteren Menschen achte auf den Hautzustand und Begleiterkrankungen, da Elektrotherapie ein erhöhtes Risiko bergen kann. Behandlungen sollten vorsichtig, konservativ und unter enger Beobachtung durchgeführt werden.
Praktische Anwendung und Risikobewertung
Die praktische Umsetzung dieser Kontraindikationen erfordert eine sorgfältige individuelle Bewertung und die Berücksichtigung mehrerer Faktoren. Die Anwendung elektrischer Stimulation verlangt besondere Aufmerksamkeit.
Dies umfasst:
- Das Verständnis der gewählten elektrotherapeutischen Methode und ihrer spezifischen Risiken und Kontraindikationen.
- Die Bewertung der vollständigen Krankengeschichte und des aktuellen Zustands des Patienten.
- Die Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen mehreren vorhandenen Erkrankungen oder Risikofaktoren.
- Die Aufrechterhaltung regelmäßiger Überwachung und Neubewertung während des gesamten Behandlungsverlaufs.
Empfehlung
Für eine sichere und effektive Anwendung der Elektrotherapie musst du alle Kontraindikationen genau kennen und berücksichtigen. In manchen Fällen ist die Behandlung vollständig zu vermeiden, in anderen ist sie unter geeigneten Vorsichtsmaßnahmen möglich. Der Schlüssel zu einer sicheren Behandlung liegt in einer gründlichen Untersuchung, dem Einhalten geeigneter Vorsichtsmaßnahmen und der regelmäßigen Kontrolle deines Zustands. Elektrische Stimulation selbst kann Teil dieser Vorsichtsmaßnahmen sein.
Moderne Forschung liefert laufend neue Informationen zu Kontraindikationen, was eine sicherere und individuellere Anwendung ermöglicht. Das Grundprinzip bleibt jedoch unverändert: Deine Sicherheit hat bei der Anwendung von Elektrotherapie oberste Priorität.
Ein fundiertes Verständnis der elektrotherapeutischen Kontraindikationen hilft dir und deinem behandelnden Arzt, fundierte Entscheidungen über Behandlungsmöglichkeiten zu treffen und optimale Ergebnisse bei minimalen Risiken zu erzielen.
Mit fortschreitender Forschung und technologischem Fortschritt werden voraussichtlich neue sichere und wirksame Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.
Der Bereich der Elektrotherapie entwickelt sich ständig weiter, und es erscheinen regelmäßig neue Behandlungsmethoden und Anwendungen.
Das bedeutet für dich, dass du dich regelmäßig über Kontraindikationen und Sicherheitsvorschriften informieren solltest. Mit sorgfältiger Berücksichtigung der Kontraindikationen und angemessener Risikobewertung kann Elektrotherapie auch für dich ein wertvolles therapeutisches Instrument in moderner Gesundheitsversorgung und Rehabilitation sein.
Neueste Forschung und aktualisierte Leitlinien
Einige frühere Kontraindikationen, z. B. Diabetes oder Krebs, können unter streng kontrollierten Bedingungen neu bewertet werden.
Moderne Pacemaker und Defibrillatoren sind besser gegen elektromagnetische Interferenzen geschützt, was die Durchführung von Elektrotherapie auch bei Vorhandensein solcher Geräte ermöglicht. Neue Studien deuten darauf hin, dass elektrische Stimulation mit diesen Geräten sicherer geworden ist.
Stimulation im Bereich von Kopf und Hals bleibt jedoch für Epileptiker mit hohem Risiko weiterhin mit erhöhtem Risiko verbunden.
Für Fachkräfte empfehle ich einige englischsprachige Publikationen zum Thema.
- researchgate.net/publication/321535620_The_safety_of_electrical_stimulation
- pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2136990/
- heart.org/en/health-topics/arrhythmia/prevention–treatment-of-arrhythmia
- physio-pedia.com/Transcutaneous_Electrical_Nerve_Stimulation_(TENS)
- heart.org/en/health-topics/arrhythmia/prevention–treatment-of-arrhythmia/
