PeroBravo zur Behandlung peripherer Lähmungen
Der PeroBravo ist ein vielseitiger Stimulator mit 20 verschiedenen Programmen, den der Patient auch zu Hause ohne Anwesenheit des Arztes verwenden kann. Das Gerät wird hauptsächlich zur Behandlung peripherer Lähmungen unterschiedlichen Schweregrades eingesetzt. Dank eines speziellen Fußsensors eignet es sich besonders zur Behandlung von Peroneus-Lähmungen und den daraus resultierenden Gehstörungen (herabhängender Fuß).
Warum elektrische Behandlung bei Lähmungen?
Periphere Lähmungen werden durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des sogenannten „unteren Motoneurons“, also des vom Rückenmark zum Muskel verlaufenden motorischen Nervs, verursacht. Sie können aus verschiedenen Gründen auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Aufgrund des Ausfalls der Nervenfaser gelangt der Impuls aus dem Gehirn nicht mehr zum betroffenen Muskel, wodurch keine Muskelkontraktion und folglich keine Bewegung mehr möglich ist.
Den in seiner Nervenversorgung verlorenen Muskel bezeichnet man in der medizinischen Praxis als „denervierten Muskel“.
Nach dem Verlust der nervalen Verbindung (Denervation) durchläuft der Muskel drei Stadien:
- sofortiger Verlust der willkürlichen Bewegungsfunktion
- schneller Verlust der Muskelmasse (Muskelatrophie) und der Muskelstruktur (Sarkomere)
- Degeneration der Muskelfasern, wobei Bindegewebe und Fett die Stelle des Muskelgewebes einnehmen. Dies ist ein irreversibler Zustand.
Regelmäßig durchgeführte Elektrotherapie verlangsamt oder verhindert völlig den Atrophieprozess, sodass die Funktion des Muskels so lange erhalten werden kann, bis die Nervenregeneration eintritt.
Die Heilung und Regeneration von Nerven ist ein sehr langsamer Prozess. In der Regel regeneriert sich eine Nervenfaser um 0,1–0,2 mm, im besten Fall selten mehr als 1 mm pro Tag. Bei einer lumbalen Nervenschädigung kann die Strecke bis zu den Zehen 60–80 cm betragen. Das heißt: bis der Nerv den Muskel wieder erreicht, kann es Jahre dauern.
Der Muskel hält das so lange ohne Nerv nicht aus. Ohne Kontraktionen verkümmert der Muskel innerhalb anderthalb bis zwei Jahren, Bindegewebe ersetzt das Muskelgewebe und selbst wenn der Nerv dann regeneriert, ist der Muskel funktionsunfähig und die Lähmung bleibt bestehen.
Deshalb ist es während der langwierigen Heilungsphase bei Lähmungen das Wichtigste, die Funktionsfähigkeit des Muskels zu erhalten, auch wenn über 1–2 Jahre hinweg kaum sichtbare „Ergebnisse“ erkennbar sind. Dafür ist der PeroBravo gedacht.
Periphere Lähmung benötigt spezielle Impulse
Bis zur Regeneration des Nervs muss die Muskelatrophie verhindert werden. Wiederholte Stimulationsimpulse beschleunigen darüber hinaus die Nervenregeneration.
Die Behandlung des gelähmten Muskels unterscheidet sich je nach Ausmaß der Denervation. Der PeroBravo kann in allen Formen eingesetzt werden.
Während ein gesunder Muskel durch kurz dauernde Rechteckimpulse zur Kontraktion gebracht werden kann, reagiert ein denervierter Muskel darauf nicht. In diesem Fall behandelt man den Muskel mit langen, bis zu 600–800 Millisekunden dauernden, langsam ansteigenden Dreieckimpulsen. Auf teil-denervierte Muskeln können Dreieck- oder Trapezimpulse angewendet werden.
Die Kontraktionen werden durch langsam ansteigende Impulse ausgelöst. Diese aktivieren den gelähmten Muskel, verhindern aber gleichzeitig die Kontraktion der umliegenden gesunden Muskeln.
Bei teilweiser Denervation und bei erfolgreichem Therapiefortschritt können die Impulsdauern schrittweise verkürzt werden (600–400–200 ms), und statt Dreieck kann Trapezform verwendet werden. Veränderungen dürfen jedoch nur so weit gehen, dass der teils denervierte Muskel weiterhin auf den Reiz reagiert.
Die optimalen Behandlungsparameter sind individuell bestimmbar. Das Gerät unterstützt die Erfassung der Intensitäts-/Dauerkurve.
Peroneus-Lähmung
Eine der häufigsten peripheren Lähmungen (Paresen) ist die Schädigung des Peroneusnervs (Fibularnerv).
In den ersten Behandlungsphasen der Peroneus-Lähmung sollte, wie oben beschrieben, mit Dreieck- und dann Trapezimpulsen gearbeitet werden. Wenn die Nervenfaser den Muskel wieder erreicht hat, ist der Muskel bereit, Rechteckimpulse zu empfangen. Dann kann mit dem Muskelaufbau begonnen werden.
Auf der Abbildung zeige ich, um welchen Muskel es geht: Die Peroneus-Lähmung betrifft die außen-vorderen Muskeln des Schienbeins (insbesondere den Musculus tibialis anterior). Diese Muskeln heben den Fuß, also die Dorsalflexion im Sprunggelenk. Sind sie funktionsunfähig, kannst du den Fuß bzw. die Zehen nicht nach oben ziehen. Beim Gehen behindert das „Herabhängen“ des Fußes den Schritt. Dein Gang wird typisch schwankend und watschelnd.
Zur Bestimmung der Elektrodenposition tastest du die Kante des Schienbeins entlang (ich habe sie mit einer roten Linie markiert). Die erste Elektrode platzierst du etwa 5–8 cm unterhalb der Kniescheibe über dem Muskel. Die innere Kante der Elektrode soll die Schienbeinkante berühren und nach außen versetzt liegen. An diese Elektrode schließt du den negativen Pol des Kabels an.
Die zweite Elektrode platzierst du weiter unten am Muskel, etwa in der Mitte des Schienbeins oder etwas darunter. An diese Elektrode schließt du den positiven Pol an.

Wenn du statt selbstklebender Elektroden Gummielektroden und Schwamm verwendest, siehst du auf dem Bild letztere: ein nasser Schwamm im Beutel, mit elastischem Band fixiert.

Die nächste Phase ist das Wiedererlernen des Gehens. Dafür verwendest du das spezielle Zubehör des PeroBravo, den Fußsensor. Er erkennt, wenn die Ferse den Boden berührt. Das aktiviert das Gerät, das dann einen unterstützenden Impuls an den Peroneus-Muskel abgibt und so das Anheben des Fußes unterstützt.
Da das Gehirn für das Erlernen einer Bewegung etwa 10.000 Wiederholungen benötigt, erfordert auch diese Phase beharrliche Behandlung und Training.
Fazialisparese (Bell’sche Parese)
Eine weitere häufige periphere Lähmung betrifft den Gesichtsnerv. Diese Lähmung wird auch Bell-Lähmung genannt. Die Folge ist, dass die mimischen Gesichtsmuskeln nicht funktionieren (du kannst die Stirn nicht runzeln, das Auge nicht schließen, die Mundwinkel hängen und Speichel läuft aus, usw.). Da sie meist einseitig auftritt, wirkt das Gesicht asymmetrisch. Die gesunden Muskeln auf der intakten Seite ziehen die betroffene Seite mit.
Auch hier hängt die Behandlung vom Ausmaß der Nervenschädigung ab. Bei vollständigem Ausfall beginnt die Therapie mit Dreieckimpulsen; mit Besserung kann schrittweise auf kürzere Impulse, dann auf Trapez- und schließlich auf Rechteckimpulse umgestellt werden. Bei kompletter Lähmung kann die Wiederherstellung eines nahezu gesunden Zustands länger als ein Jahr dauern. Für eine 100%ige Genesung (symptomloses Verschwinden) braucht es außergewöhnliches Glück; meist bleiben Restabweichungen zurück.
Für diese Behandlung benötigst du kleine selbstklebende runde Elektroden (Durchmesser ca. 25–30 mm) (hier erhältlich). Im Gesicht ist nur wenig Platz, daher passen große Elektroden nicht und eine präzise Behandlung ist dann nicht möglich.

PeroBravo – Rehabilitation in einem einzigen Gerät
Mit dem PeroBravo-Gerät steht dir eine therapeutische Option zur Verfügung, die Lösungen für alle Schweregrade peripherer Lähmungen bietet.
Für die Anfangsbehandlung schwerer Lähmungen eignen sich die Programme 1–6, 17 und 18; für bereits bessernde Paresen die Programme 7–11, 19 und 20.
Ein spezielles diagnostisches Programm (PRG 12) ermöglicht die Festlegung der Intensitäts-/Dauerkurve. Damit können die für dich am besten geeigneten Behandlungsparameter genau bestimmt werden.
Den Fußsensor verwendest du in den Programmen 13–16; diese unterstützen das synchronisierte Wiedererlernen des Gehens bei Peroneus-Lähmung.
Das Gerät kannst du nicht nur zur Behandlung denervierter Muskeln verwenden. Die Programme 10, 19 und 20 sind auch für die Rehabilitation von Muskeln mit intakter Innervation oder zur Schmerzlinderung einsetzbar.
Aufbau der Programme
Die Programme des Geräts wurden so entwickelt, dass sie den Patienten von schwerer peripherer Nervenschädigung bis zum vollständig ausgeheilten Zustand begleiten. Dies spiegelt sich in den Programmen 1 bis 10 wider: Programm 1 ist für vollständige Nervenschädigung, Programm 10 für einen gesund innervierten Muskel.
Bei kompletter Nervenschädigung beginnt man mit Programm 1. Ein Muskel, der seine motorische Innervation vollständig verloren hat, kann nur durch sehr lange, nahezu 1 Sekunde dauernde Impulse zur Kontraktion gebracht werden. Der Impuls muss zudem langsam und stufenweise „ansteigen“. Daher ist die ansteigende Phase (prozentual) einstellbar. Anfangs macht die ansteigende Phase 90 % der Impulsdauer aus. Die Regeneration aus vollständiger Lähmung kann Jahre dauern; daher ist Programm 1 zunächst im Verhältnis 90 %–10 % zu verwenden und die ansteigende Phase schrittweise zu verkürzen, während die Ergebnisse überwacht werden.
Mit der Zeit muss geprüft werden, ob das Programm 2 mit kürzerer Impulsdauer eine ausreichende Kontraktion auslöst. Ist das der Fall, wechselt man auf Programm 2 und später auf Programm 3. Schritt für Schritt geht es weiter, bis zur vollständigen Genesung.
Aus dem Vorangegangenen folgt, dass nicht bei jedem die Nervenschädigung vollständig ist, sondern teilweise. Bei teilweiser Schädigung ist Programm 1 nicht geeignet: Die Impulsdauer ist zu lang und die halb geschädigte Nervenfaser empfindet dies oft als unangenehmen „Stromschlag“. Man muss das Programm finden, das eine gute Kontraktion verursacht, aber nicht schmerzhaft ist.
Dafür gibt es zwei Methoden. Die eine ist das sukzessive Ausprobieren der Programme (keine Sorge: schaden kann keines, höchstens ist es unangenehm). Nach ein paar Minuten Testen findet man meist das passende Programm. Die andere Methode wird vom Gerät selbst angeboten – und zwar für Physiotherapeuten: Programm 12, das in 24 Schritten hilft, die am besten geeignete Impuls-/Dauerkombination zu bestimmen. Dies wird meist von Fachpersonal in der Praxis durchgeführt. Falls du keine Hilfe von einem Physiotherapeuten bekommst, erreichst du mit der ersten Methode dasselbe Ergebnis.
Erstellen individueller Programme
Das Gerät erlaubt dir, für die Programmplätze 19 und 20 ein individuelles Behandlungsprogramm nach deinen Bedürfnissen zu erstellen, das aus bis zu 5 verschiedenen Phasen bestehen kann.
Den PeroBravo kannst du dadurch zur Optimierung folgender Zustände einsetzen:
Muskelstimulation
- Verbesserung der Durchblutung
- Lösen von Muskelspastizität (Steifigkeit)
- Muskelkräftigung
- Vermeidung von Ungleichgewichten im Muskel
- Aktivierung der Muskelfasern
- Muskelermüdung
- Kräftigung von verkümmernden Muskeln
- Regeneration der Muskeln
- Erhalt und Erweiterung der Mobilität
Nervenstimulation (Schmerztherapie)
- Anregung der Endorphinproduktion
- Allgemeine Schmerzlinderung und Schmerztherapie, unter anderem bei:
- Gelenkentzündungen
- Rückenschmerzen
- chronische Rückenschmerzen
- Schmerzen der Halswirbelsäule
- Brustwirbelsäulen-Schmerzen
- Lendenwirbelsäulen-Schmerzen
- Durchblutungsstörungen
- Nervenschmerzen
- Muskelkater/-schmerzen
- Phantomschmerzen
- Schmerzen nach Knochenbrüchen
- Beckenboden-Schmerzen