Was ist eine Peroneus‑Lähmung?
Die Peroneus‑Lähmung bezeichnet eine Schwäche oder Funktionsunfähigkeit der für das Anheben des Fußes verantwortlichen Muskeln, verursacht durch eine Schädigung des gemeinsamen Peroneusnervs (Nervus peroneus communis). Dieser Nerv ist ein Ast des Nervus ischiadicus und verläuft um den Schienbeinkopf (Fibula) – gerade diese anatomische Stelle macht ihn besonders verletzungsanfällig.
Typisches Symptom der Lähmung ist der „hängende Fuß“: Beim Gehen hebt sich der Fuß nicht vom Boden, die betroffene Person geht mit einem „watschelnden“, seitwärts‑werfenden Schritt. Die Ursache kann peripheren Ursprungs (häufiger) oder zentralnervös (seltener) sein – und diese Unterscheidung bestimmt maßgeblich, welche Art der elektrischen Therapie geeignet ist.
Kernbotschaft
Die Rehabilitation der Peroneus‑Lähmung beruht auf zwei Säulen: elektrische Stimulation (bei peripherer Ursache selektiver Reizstrom, bei zentraler Ursache klassisches NMES) plus Bewegungstherapie. Die Nervenregeneration ist langsam (ca. 1 mm/Tag), daher erhält regelmäßige Stimulation den Muskel während der Regenerationsphase am Leben – ohne sie kann der Muskel innerhalb von 1,5–2 Jahren irreversibel atrophieren.
Wie entsteht die Peroneus‑Lähmung?
Es gibt drei Hauptkategorien der Peroneus‑Lähmung, die die therapeutische Strategie bestimmen:
Die häufigsten Ursachen der peripheren Peroneus‑Lähmung sind:
- Direkte Schädigung des Nervs (Trauma): Unfall, Knochenbruch, Sportunfall.
- Anhaltende Kompression am Fibulakopf: bereits eine „harmlose“ Situation kann Kompression auslösen – z. B. wenn man auf einer Feier leicht angetrunken und mit übergeschlagenem Bein einschläft und mit einer Lähmung aufwacht. Auch zu enge Gips‑ oder Bandagenränder können Probleme verursachen.
- Iatrogene Nervenschädigung: insbesondere während Operationen im Bereich Knie oder Unterschenkel können Haken oder Zangen den Nerv zusammendrücken.
- Nach Knieoperationen: z. B. Prothesenimplantation, Sehnenrekonstruktion.
In diesen Fällen ist der Nerv geschädigt oder durchtrennt – die Basistherapie ist selektiver Reizstrom (Stimulation denervierter Muskeln).
Zentrale Erkrankungen des Nervensystems können ebenfalls eine Peroneus‑Dysfunktion verursachen:
- Schlaganfall (Insult, Hirnblutung) – meist im Rahmen einer einseitigen Lähmung.
- Multiple Sklerose – als Schub oder progredient.
- Rückenmarksschäden der Segmente L4–S1 – z. B. Bandscheibenvorfall, Wirbelsäulenverletzungen.
Diese zentralen Ursachen gehen typischerweise mit weiteren neurologischen Ausfällen einher und betreffen oft mehrere Nervenversorgungsgebiete. Hier ist die Therapie NICHT selektiver Reizstrom, sondern klassisches NMES oder ETS angezeigt (der periphere Nerv ist intakt, nur die zentrale Steuerung gestört).
Typisch für die Peroneus‑Lähmung ist das „Hängen“ des Fußes – die Unfähigkeit zur Dorsalflexion des Fußes und zum Strecken der Zehen.
Das Resultat ist ein typischer „watschelnder“ Gang: Die Zehen heben sich nicht vom Boden, daher wird der Fuß in einer bogenförmigen, seitlichen „Wurfbewegung“ nach vorn geschwungen. Die Hüfte muss angehoben werden, was seitliche Schwankungen des Rumpfes verursacht und Hüfte sowie Wirbelsäule zusätzlich belastet.
Sensorische Störungen können ebenfalls auftreten, besonders an der dorsalen Oberfläche des Fußes und an der lateralen Unterschenkelseite. Gefühlsminderungen oder Ausfälle deuten auf eine periphere Nervenverletzung hin.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Für eine exakte Diagnose ist eine gründliche klinische Untersuchung unerlässlich:
- Muskelkraft‑Tests: Messung der Kraft der fußhebernden Muskulatur.
- Sensibilitätsprüfung: Tast‑, Wärme‑ und Schmerzempfinden am Fuß und an der lateralen Unterschenkelseite.
- Reflexprüfung: Bewertung des Achillessehnenreflexes und anderer Reflexe.
- Elektrodiagnostik (EMG, Nervenleitgeschwindigkeit): Schlüsselrolle zur Bestätigung der Diagnose sowie zur Lokalisierung und Einschätzung der Schwere der Schädigung.
Das Ergebnis der EMG‑Untersuchung bestimmt, ob die Lähmung peripheren oder zentralen Ursprungs ist – darauf basierend legt der Facharzt oder Physiotherapeut die geeignete Behandlungsstrategie fest.
Die zwei Säulen der Behandlung der Peroneus‑Lähmung
Der erste Schritt ist die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache – z. B. das Aufheben einer Kompression, Entfernen eines zu engen Gipses oder Verbandes, Behandlung raumfordernder Läsionen. Diese Maßnahmen verhindern das Entstehen weiterer Komplikationen.
Die eigentliche Rehabilitation verläuft dann parallel auf zwei Säulen:
| Säule | Ziel | Gerät |
|---|---|---|
| 1. Elektrische Stimulation | Den Muskel während der Nervenregeneration erhalten (Vorbeugung gegen Atrophie) | Selektiver Reizstrom (bei peripherer Ursache) oder klassisches NMES (bei zentraler Ursache) |
| 2. Bewegungstherapie | Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, Vermeidung von Kontrakturen, Wiedererlernen von Bewegungsmustern | Passiv → aktiv‑assistiert → aktive Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten |
Die beiden Säulen zusammen bieten die besten Chancen auf Erholung – sie ersetzen einander nicht.
Warum ist die Stimulation denervierter Muskeln unerlässlich?
Die Existenz eines Muskels hängt von seiner Fähigkeit zur Kontraktion ab. Der dazu nötige Impuls wird vom Gehirn über das Rückenmark und den motorischen Nerv bis zur motorischen Endplatte (Muskel‑Nerv‑Übergang) geleitet. Ist diese Verbindung unterbrochen, erhält der Muskel keinen Kontraktionsreiz und beginnt rasch zu atrophieren.
Wettlauf gegen die Zeit
Die Nervenregeneration ist langsam – nach heutigem Kenntnisstand wächst ein Nervenfasern täglich einige Zehntel Millimeter, im besten Fall selten mehr als 1 mm. Der Peroneusnerv kann 60–80 cm von der Wirbelsäule entfernt beginnen, sodass Monate vergehen können, bis der regenerierende Nerv den Muskel erreicht.5,6
Der Muskel übersteht diese Zeit ohne Stimulation nicht schadlos. Wenn er keine Kontraktionen erfährt, degeneriert er innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren und wird durch Bindegewebe ersetzt. Selbst wenn der Nerv später regeneriert, bleibt der Muskel dann funktionslos und die Lähmung dauerhaft.3
Daher ist während der langen Heilungsphase eine konsequente Stimulation entscheidend, um den Muskel funktionsfähig zu erhalten – auch wenn über ein bis zwei Jahre keine sichtbaren Fortschritte erkennbar sind.
Auf einen vom Elektrostimulator abgegebenen Impuls kontrahiert der Muskel genauso wie auf einen vom Gehirn kommenden Impuls. Diese Kontraktion ist essenziell für die Erhaltung von Muskelgesundheit, -kraft und -masse. Die elektrische Stimulation:
- verhindert Muskelschwund,
- erhält die Gewebedurchblutung,
- kann die Nervenregeneration begünstigen (siehe Artikel zur Säule Selektiver Reizstrom),
- hält den Muskel bereit für die Ankunft des regenerierten Nervs.
Elektroden‑Platzierungshilfe
Die Peroneus‑Lähmung betrifft die an der äußer‑vorderen Seite des Schienbeins liegenden Muskeln – hauptsächlich den Musculus tibialis anterior. Die korrekte Positionierung der Elektroden ist entscheidend für eine wirkungsvolle Stimulation.
Präzise Platzierung Schritt für Schritt
- Orientierung: Tasten Sie die Kante Ihres Schienbeins ab (die rote Linie ist in der Abbildung markiert).
- Erste Elektrode (negativ / Kathode): Platzieren Sie sie etwa 5–8 cm unterhalb der Kniescheibe über dem Muskel. Die innere Elektrodenseite liegt an der Schienbeinkante und ragt nach außen.
- Zweite Elektrode (positiv / Anode): Setzen Sie sie weiter unten am Muskel an, etwa auf Höhe der Schienbeinmitte oder etwas darunter.
Die Wahl der Polarität beeinflusst die Wirksamkeit – eine ausführliche Erklärung finden Sie im Artikel zur Elektroden‑Polarität.
Wenn Sie statt selbstklebender Elektroden Gummielektroden mit Schwamm verwenden, sehen Sie auf dem Bild diese Lösung: im nassen Schwammbeutel und mit einem elastischen Band fixiert.
Welche Impulsform ist geeignet?
Form, Dauer und Anstiegszeit des denervierten Stimulationsimpulses richten sich nach dem Schweregrad der Nervenschädigung. Die Auswahl verändert sich mit der fortschreitenden Regeneration wie folgt:
Bei schwerer peripherer Nervenschädigung sollte man mit 300–900 ms dauernden Dreiecksimpulsen beginnen. Wenn das Gerät es erlaubt, ist ein Anstiegs/Abfall‑Verhältnis von 90%/10% empfehlenswert. Das PeroBravo bietet solche Einstellmöglichkeiten. Eine Wiener Untersuchung zeigte, dass beim Musculus tibialis anterior insbesondere ein 200 ms‑Dreiecksimpuls mit proximalem Kathoden‑Placement günstige Ergebnisse erzielte.1
Bei mittelgradiger Nervenschädigung sind Dreiecks‑ oder nahezu 1‑sekündige Impulse oft zu lang und zu intensiv und verursachen unangenehme Empfindungen. Bei solchen Läsionen wird daher ein Trapezimpuls empfohlen.
Mit fortschreitender Nervenregeneration kann eine lange Rechteckwelle (100–300 ms) passend sein. Reagiert der Muskel gut auf den denervierten Rechteckimpuls, deutet das auf eine mäßige Schädigung hin – das ist günstig für die Regeneration. Je schwerer die Schädigung, desto länger die erwartete Regenerationszeit und desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Wiederherstellung.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Ausprobieren: Sie testen nacheinander die Programme. Keine Sorge – Schaden richten Sie damit nicht an, höchstens merken Sie, dass eine Einstellung unangenehm ist. Nach ein paar Minuten finden Sie meist eine passende Einstellung.
- Gerätemessung: Geräte wie PeroBravo, Genesy 1500 oder Genesy 3000 bieten in der Praxis die Möglichkeit, dass der Physiotherapeut die am besten geeignete Impulsform und -dauer bestimmt. Diese Feinabstimmung erfolgt meist durch Fachpersonal. Falls keine therapeutische Unterstützung verfügbar ist, führt Probieren in der Regel zu einem vergleichbaren Ergebnis.
Die detaillierte Theorie zu Wellenformen (Chronaxie, Akkommodation, Vergleich von Impulsdauern) finden Sie im Säulen‑Artikel zur selektiven Reizstromtherapie.
Welche Geräte sind für die Behandlung der Peroneus‑Lähmung geeignet?
Bei peripherer Ursache – die am häufigsten vorkommt – ist ein Gerät erforderlich, das selektiven Reizstrom liefern kann. Bei zentraler Ursache (z. B. nach Schlaganfall, MS) ist dagegen ein anderes Gerätetyp empfohlen.
Bei peripherer Peroneus‑Lähmung (selektiver Reizstrom erforderlich)
PeroBravo – das auf Selektivität spezialisierte Gerät
Die Top‑Empfehlung für die häusliche Behandlung peripherer Peroneus‑Lähmung. Spezialisiert auf selektiven Reizstrom und bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten für Physiotherapeuten: denervierte Programme mit Dreieck, Trapez und Rechteck, einstellbare Impulsdauer und Anstiegs/Abfall‑Verhältnisse. Im Lieferumfang ist ein Fußschalter enthalten, der auch beim Wiedererlernen des Gehens (FES‑Gehassistenz) eingesetzt werden kann. Individuelle Programme erlauben dem Therapeuten eine Feinabstimmung während der Regeneration.
Vielseitige Genesy‑Geräte mit selektiven Programmen – sie kombinieren selektive Reizstrom‑Optionen mit umfassender NMES‑Funktionalität:
Genesy 3000 – professionelles Multitalent
Das Flaggschiff der Globus Genesy‑Reihe. Selektive Reizstromprogramme für denervierte Muskeln plus umfangreiche NMES‑Programme. Ideal für Patienten, die mit einem Gerät mehrere Indikationen abdecken möchten.
Genesy 1500 – vielseitiges Spitzenmodell für zuhause
Die Heim‑Variante der Genesy‑Linie mit ähnlichen selektiven Reizstromprogrammen und umfangreicher NMES‑Funktionalität wie das Genesy 3000.
Genesy 600 – Mittelklasse‑Multifunktionsgerät
Das mittlere Modell der Genesy‑Reihe: bietet Basis‑Programme für selektiven Reizstrom zur Behandlung denervierter Muskeln sowie breit gefächerte NMES‑Funktionen. Kosten‑effektive Wahl für die häusliche Therapie bei leichten bis mittelschweren Lähmungen.
Bei zentraler Ursache (nach Schlaganfall, MS) – NICHT selektiv!
Wenn die Peroneus‑Lähmung zentral verursacht ist (Schlaganfall, Multiple Sklerose), ist der periphere Nerv intakt – hier ist NICHT selektiver Reizstrom angezeigt, sondern klassisches NMES oder ETS:
DuoBravo N – ETS‑Stimulator für die Schlaganfall‑Rehabilitation
Spezialgerät für post‑stroke Lähmungen: es verwendet ETS (EMG‑Triggerte Stimulation), die die Stimulation durch die eigene willkürliche Aktivität des Patienten auslöst. Ideal bei zentraler Ursache der Peroneus‑Lähmung.
Genesy 300 Pro – klassisches NMES für die Schlaganfall‑Reha
Geeignet zur Behandlung post‑stroke Lähmungen als klassisches NMES‑Gerät. Enthält keine selektiven Reizstrom‑Programme und keine ETS‑Funktion, eignet sich daher als grundlegendes Reha‑Werkzeug.
Bewegungstherapie – die zweite Säule der Rehabilitation
Regelmäßige Bewegung hilft, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, Kontrakturen (Gelenkversteifungen) zu verhindern und fördert angemessene Muskelaktivierungsmuster. Die Übungen sollten folgende Bewegungen einschließen:
- Dorsalflexion („Anziehen des Fußes“): Anheben des Fußrückens.
- Plantarflextion („Spitzfußstellung“): Auf die Zehenspitzen stellen.
- Rotationsbewegungen: Pronation und Supination des Sprunggelenks.
Progression der Übungen:
- Passive Bewegung: Der Physiotherapeut oder eine Hilfsperson bewegt den Fuß des Patienten.
- Aktiv‑assistierte Bewegung: Der Patient versucht die Bewegung, erhält aber Unterstützung.
- Aktive Bewegung: Der Patient führt die Übungen selbstständig aus – parallel zur Rückkehr der Nervenfunktion.
Gleichgewichts‑ und Propriozeptionsübungen gewinnen mit zunehmender Genesung an Bedeutung. Sie helfen, normale Bewegungsmuster wiederherzustellen und die funktionelle Stabilität beim Gehen und in anderen Aktivitäten zu verbessern. Die Gehmechanik muss gezielt trainiert werden – zunächst werden kompensatorische Bewegungen erlernt, später, mit fortschreitender Nervenregeneration, sollte der Fokus auf der Fersenablage, dem Anheben des Beins in der Schwungphase und der allgemeinen Geh‑Effizienz liegen.
Die Kombination aus Bewegungstherapie und elektrischer Stimulation erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation.
Erwartete Erholungsdauer und die Rolle von Orthesen
Erwartete Erholungsdauer
Die Dauer der Erholung nach einer Peroneus‑Lähmung variiert:
- Leichte Kompressionsverletzungen: können innerhalb von Wochen bis Monaten heilen.
- Schwerere Verletzungen: können 6–12 Monate oder länger benötigen.
- Restbeschwerden: können selbst bei optimaler Behandlung verbleiben.
Die Rolle von Orthesen – mit Vorsicht!
Knöchel‑Fuß‑Orthesen (AFO – Ankle Foot Orthosis) werden häufig Patienten mit Fußdrop empfohlen. Diese Hilfsmittel helfen, Stürze zu vermeiden, verbessern die Gehfunktion und erhalten eine korrekte Gelenkstellung.
Dauerhaftes Tragen der Orthese nicht empfohlen!
Der durch die Orthese entlastete Muskel verliert schnell an Kraft und Masse. Das dauerhafte Tragen einer Orthese kann die Erholungswahrscheinlichkeit verschlechtern. Orthesen sind jedoch z. B. für Erledigungen in der Stadt wichtig, da sie die Geh‑Sicherheit erhöhen. Zu Hause und während der Übungseinheiten sollten Sie die Orthese jedoch nicht verwenden. Zur Wiedererlangung von Muskelkraft und Funktion ist aktive Bewegung (und elektrische Stimulation) erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Je früher, desto besser. Der Muskelschwund beginnt kurz nach Wegfall der Nervenimpulse – basierend auf der Einschätzung des Physiotherapeuten oder Facharztes sollte die Behandlung innerhalb nach Diagnosestellung begonnen werden. Je länger die Stimulation zum Schutz vor Atrophie ausbleibt, desto geringer die Chance auf vollständige Funktionsrückkehr, selbst wenn der Nerv später regeneriert.
Das bestimmt der Neurologe anhand von EMG (Elektromyographie) und Nervenleitungsuntersuchungen. Die Unterscheidung ist entscheidend für die Therapie: Peripherer Ursprung erfordert selektiven Reizstrom (PeroBravo, Genesy 600/1500/3000), zentraler Ursprung klassischen NMES oder ETS (DuoBravo N, Genesy 300 Pro). Beginnen Sie vor diesen Untersuchungen nicht mit einer eigenmächtigen Therapie.
Das genaue Protokoll legt der Physiotherapeut fest, aber eine allgemeine Empfehlung lautet: zu Beginn täglich behandeln – 5–6 Sitzungen pro Woche, jeweils 20–30 Minuten. Für die Verhinderung von Muskelschwund sind ausreichend viele Kontraktionen pro Tag nötig. Mit der Regeneration passt der Fachmann Parametern und Frequenz an.
Lange, hohe Ladungsimpulse der denervierten Stimulation können unangenehm sein – besonders, wenn kein Gefühlsverlust vorliegt. Bewährt hat sich: zuerst die gesunde Seite an die Intensität gewöhnen und dann mit dem dort gewohnten Niveau an der betroffenen Seite beginnen. Bei anhaltender Schmerzempfindung Intensität reduzieren oder eine andere Impulsform testen (z. B. Trapez statt Rechteck, wenn der Nerv bereits teilweise regeneriert ist).
Die Nervenregeneration ist langsam – etwa 1 mm/Tag. Wenn der Peroneusnerv 60–80 cm vom Rückenmark entfernt geschädigt ist, können 1–2 Jahre vergehen, bis der Nerv den Muskel erreicht. Sichtbare Verbesserungen sind in dieser Zeit oft nicht zu erwarten – jedoch muss die Stimulation fortgesetzt werden, da sie den Muskel lebendig hält. Bleibt nach 1,5–2 Jahren im EMG keine Regenerationsanzeige, kann der Facharzt alternative Strategien (chirurgischer Eingriff, orthesenbasierte Funktion) erwägen.
Nein. Die Orthese dient der Geh‑Sicherheit (Sturzprophylaxe), aber bei dauerhaftem Tragen verliert der Muskel schnell an Kraft. Verwenden Sie die Orthese zu Hause und während der Übungen NICHT. Ziehen Sie sie nur an, wenn es unbedingt nötig ist (z. B. Stadterledigungen). Aktive Bewegung und elektrische Stimulation sind der Schlüssel zur Genesung, nicht die Orthese.
Bevor Sie mit der Behandlung beginnen
Die häusliche elektrische Behandlung der Peroneus‑Lähmung ist im Allgemeinen sicher, es gibt jedoch Zustände, bei denen sie nicht angewendet werden sollte. Stimmen Sie die Behandlung immer mit Ihrem behandelnden Arzt ab!
Wann ist Vorsicht geboten?
- Eingepflanzter Herzschrittmacher (Pacemaker) oder Defibrillator – die elektrischen Impulse können mit dem Implantat interferieren
- Aktive Tumorerkrankung im Behandlungsgebiet – elektrische Stimulation im Tumorbereich ist zu vermeiden
- Schwangerschaft – gynäkologische Facharztkonsultation erforderlich
- Epilepsie – elektrische Stimulation kann Anfälle auslösen (relativ, fachärztliche Abklärung notwendig)
- Hautentzündung oder offene Wunde im Elektrodenbereich – Elektroden dürfen nicht auf verletzte Haut aufgebracht werden
- Thrombose, Thrombophlebitis im Behandlungsgebiet – Muskelkontraktionen im betroffenen Bereich können gefährlich sein
- Noch nicht diagnostizierte Nervenschädigung – zuerst EMG/NLG‑Untersuchung erforderlich
- Starker Gefühlsverlust im Behandlungsgebiet – erhöhte Vorsicht, da mögliche Überhitzung oder Hautreizung nicht wahrgenommen wird
Ergänzende Behandlung, keine alleinige Therapie
Die häusliche elektrische Stimulation ist eine ergänzende Maßnahme zur physiotherapeutischen/ärztlichen Behandlung und kein Ersatz dafür. Diagnostik, Therapieplanung und Kontrollen werden stets von Fachpersonal durchgeführt. Die häusliche Anwendung sollte nur mit vom Fachmann eingestellten Programmen und Parametern erfolgen. Eine ausführliche Liste der Kontraindikationen finden Sie im Artikel zu Kontraindikationen der Elektrotherapie.
Zusammenfassung – Kurzübersicht
Quellen
- Pieber K, Herceg M, Paternostro‑Sluga T, Schuhfried O. (2015). Optimizing stimulation parameters in functional electrical stimulation of denervated muscles: a cross‑sectional study. Journal of NeuroEngineering and Rehabilitation, 12, 51. PubMed: 26048812
- Enovis/DJO Global. (o. J.). Electrotherapy of denervated muscle – clinical review. djoglobal.ch. Quelle
- Paternostro‑Sluga T, Schuhfried O, Vacariu G, Lang T, Fialka‑Moser V. (2002). Chronaxie and accommodation index in the diagnosis of muscle denervation. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 81(4), 253‑260. PubMed: 11953548
- Kern H, Salmons S, Mayr W, Rossini K, Carraro U. (2005). Recovery of long‑term denervated human muscles induced by electrical stimulation. Muscle & Nerve, 31(1), 98‑101. PubMed: 11940016
- ElAbd R, Alabdulkarim A, AlSabah S, et al. (2022). Role of Electrical Stimulation in Peripheral Nerve Regeneration: A Systematic Review. Plastic and Reconstructive Surgery – Global Open, 10(3), e4314. PubMed: 35317464
- Gordon T, English AW. (2022). The Effect of Electrical Stimulation on Nerve Regeneration Following Peripheral Nerve Injury. Biomolecules, 12(12), 1856. PubMed: 36551289
- Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C. (2019). The Interdisciplinary Management of Foot Drop. Deutsches Ärzteblatt International, 116(20), 347‑354. PubMed: 31288917
- Marciniak C. (2013). Fibular (peroneal) neuropathy: electrodiagnostic features and clinical correlates. Physical Medicine and Rehabilitation Clinics of North America, 24(1), 121‑137. PubMed: 23177034
Alle Quellen sind verlinkt – PubMed‑Links führen zur Zusammenfassung (bei Abonnement ggf. Volltext). Die Auflistung basiert auf der klinischen Literatur zur selektiven Reizstrom‑Therapie und interdisziplinären Übersichten zur Peroneus‑Lähmung.