Was ist eine Peroneusparese?
Eine Peroneusparese bezeichnet die Schwäche oder Funktionsunfähigkeit der Muskeln, die den Fuß anheben. Ursache ist eine Schädigung des gemeinsamen Peroneusnervs (Nervus peroneus communis). Dieser Nerv ist ein Ast des Ischiasnervs und verläuft um den Kopf des Wadenbeins (Fibula). Diese anatomische Stelle macht ihn besonders verletzungsgefährdet.
Das typische Symptom der Parese ist der „Fallfuß“: Beim Gehen hebt sich der Fuß nicht ausreichend vom Boden ab. Die betroffene Person geht mit einem „watschelnden“, seitlich ausschwenkenden Schritt. Die Ursache kann eine periphere Nervenschädigung (häufiger) oder eine zentrale Ursache des Nervensystems (seltener) sein. Diese Unterscheidung beeinflusst wesentlich, welche Form der Elektrotherapie geeignet ist.
Kernaussage
Die Rehabilitation bei Peroneusparese beruht auf zwei Säulen: elektrische Stimulation (bei peripherer Ursache selektiver Reizstrom, bei zentraler Ursache klassische NMES) + Bewegungstherapie. Die Nervenregeneration verläuft langsam (1 mm pro Tag). Deshalb hält die regelmäßige Stimulation den Muskel während der Regeneration funktionsfähig. Ohne sie verkümmert er innerhalb von 1,5–2 Jahren unumkehrbar.
Wie entsteht eine Peroneusparese?
Es ist sinnvoll, drei Hauptkategorien der Peroneusparese zu kennen. Sie bestimmen auch die Behandlungsstrategie:
Die häufigsten Ursachen einer peripheren Peroneusparese sind:
- Direkte Verletzung des Nervs (Trauma): Unfall, Knochenbruch, Sportverletzung.
- Anhaltende Einengung (Kompression) am Wadenbeinkopf: Auch eine scheinbar „harmlose Situation“ kann dies auslösen. Wenn Sie zum Beispiel auf einer Feier etwas angetrunken auf einem Stuhl einschlafen und die Beine übereinandergeschlagen sind, können Sie mit einer Lähmung aufwachen. Auch ein zu eng angelegter Gips oder der Rand einer Bandage kann ein ähnliches Problem verursachen.
- Iatrogene Nervenschädigung (durch einen medizinischen Eingriff verursacht): Besonders bei Operationen am Knie oder Unterschenkel können eingesetzte Haken oder Zangen den Nerv abdrücken.
- Nach einer Kniegelenkoperation: Prothese, Sehnenrekonstruktion.
In diesem Fall ist der Nerv geschädigt oder durchtrennt. Grundlage der Behandlung ist der selektive Reizstrom (Stimulation des denervierten Muskels).
Auch Störungen des zentralen Nervensystems können zu einer Funktionsstörung des Peroneusnervs führen:
- Schlaganfall (Hirninfarkt, Hirnblutung) – vor allem als Teil einer halbseitigen Lähmung.
- Multiple Sklerose – als Schub oder schleichend fortschreitend.
- Rückenmarksverletzungen im Bereich der Segmente L4–S1 – zum Beispiel Bandscheibenvorfall oder Wirbelsäulentrauma.
Diese zentralen Ursachen gehen typischerweise mit weiteren neurologischen Symptomen einher und betreffen häufig das Versorgungsgebiet mehrerer Nerven. Hier beruht die Behandlung NICHT auf selektivem Reizstrom, sondern auf klassischer NMES oder ETS. Der periphere Nerv ist INTAKT, nur die zentrale Steuerung ist geschädigt.
Typisch für eine Peroneusparese ist der „Fallfuß“ – die Unfähigkeit zur Dorsalflexion des Fußes (Anheben nach oben) und zum Strecken der Zehen.
Dadurch entsteht der typische „watschelnde“ Gang: Die Zehen heben nicht ausreichend vom Boden ab. Deshalb schwingt die betroffene Person den Fuß in einem seitlichen Bogen nach vorn. Auch die Hüfte muss angehoben werden, wodurch der Rumpf seitlich schwankt. Das belastet Hüfte und Wirbelsäule.
Empfindungsstörungen können ebenfalls auftreten, besonders am Fußrücken und am seitlichen Unterschenkel. Eine verminderte oder fehlende Empfindung kann auf eine Verletzung des peripheren Nervs hinweisen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Für eine genaue Diagnose ist eine gründliche klinische Untersuchung unerlässlich:
- Prüfung der Muskelkraft: Messung der Kraft der Fußhebermuskeln.
- Sensibilitätsprüfung: Prüfung der Berührungs-, Wärme- und Schmerzempfindung am Fuß und am seitlichen Unterschenkel.
- Reflexprüfung: Beurteilung des Achillessehnenreflexes und anderer Reflexe.
- Elektrodiagnostik (EMG, Nervenleitfähigkeitsuntersuchung): Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Bestätigung der Diagnose und bei der Bestimmung von Ort und Schwere der Schädigung.
Das Ergebnis der EMG-Untersuchung zeigt, ob die Parese eine periphere oder zentrale Ursache hat. Danach entscheidet der Facharzt oder Physiotherapeut über die geeignete Behandlungsstrategie.
Die zwei Säulen der Behandlung einer Peroneusparese
Der erste Behandlungsschritt ist die Behandlung der grundlegenden Ursache: Beseitigung der Kompression, Entfernen eines zu engen Gipses oder Verbandes sowie Behandlung einer raumfordernden Schädigung. Diese Maßnahmen verhindern weitere Komplikationen.
Danach verläuft die eigentliche Rehabilitation auf zwei parallel verlaufenden Säulen:
| Säule | Ziel | Mittel |
|---|---|---|
| 1. Elektrische Stimulation | Erhalt des Muskels während der Nervenregeneration (Vorbeugung gegen Muskelatrophie) | Selektiver Reizstrom (periphere Ursache) oder klassische NMES (zentrale Ursache) |
| 2. Bewegungstherapie | Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, Vorbeugung von Kontrakturen, erneutes Erlernen des Bewegungsmusters | Passive → aktiv-assistierte → aktive Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten |
Beide Säulen gemeinsam verbessern die Erholungschancen. Keine ersetzt die andere.
Warum ist die Stimulation des denervierten Muskels unverzichtbar?
Der Muskel braucht die Kontraktion zum Leben. Den dafür nötigen Impuls sendet das Gehirn über die Wirbelsäule und den motorischen Nerv bis zur motorischen Nervenendigung, also bis zur Kontaktstelle zwischen Muskel und Nerv. Wird dieser Kommunikationsweg unterbrochen, erhält der Muskel keinen Kontraktionsimpuls und beginnt sehr schnell zu verkümmern.
Wettlauf mit der Zeit
Die Nervenregeneration verläuft langsam. Nach heutigem Kenntnisstand beträgt sie nur wenige Zehntelmillimeter pro Tag, selbst unter optimalen Bedingungen nicht mehr als 1 mm. Der Peroneusnerv kann 60–80 cm von der Wirbelsäule entfernt beginnen. Deshalb können Monate vergehen, bis der regenerierende Nerv den Muskel wieder „erreicht“.5,6
So lange hält der Muskel ohne Stimulation nicht durch. Wenn er keine Stimulation und keine Kontraktion erhält, verkümmert er innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren; Bindegewebe ersetzt das Muskelgewebe. Selbst wenn sich der Nerv regeneriert, ist der Muskel dann funktionsunfähig und die Lähmung bleibt bestehen.3
Deshalb ist während der langen Erholungsphase das Wichtigste die konsequente Stimulation. Sie hält den Muskel funktionsfähig, auch wenn über 1–2 Jahre hinweg kein sichtbarer Erfolg eintritt.
Auf den Impuls des Elektrostimulators kontrahiert der Muskel genauso wie auf den Impuls aus dem Gehirn. Die Kontraktion ist entscheidend für den Erhalt der Gesundheit, Kraft und Masse des Muskels. Die elektrische Stimulation:
- beugt Muskelatrophie vor.
- erhält die Gewebedurchblutung.
- kann die Nervenregeneration fördern (siehe den Pillar-Artikel zum selektiven Reizstrom).
- hält den Muskel für das „Eintreffen“ des regenerierten Nervs bereit.
Anleitung zur Elektrodenplatzierung
Die Peroneusparese betrifft die Muskeln an der äußeren Vorderseite des Schienbeins, vor allem den Musculus tibialis anterior. Die richtige Platzierung der Elektroden ist für eine wirksame Stimulation entscheidend.
Schritt für Schritt zur richtigen Platzierung
- Orientierung: Tasten Sie die Kante Ihres Schienbeins ab. Der rot markierte Bereich ist in der folgenden Abbildung zu sehen.
- Erste Elektrode (negativ / Kathode): Platzieren Sie sie 5–8 cm unterhalb der Kniescheibe über dem Muskel. Die Innenseite der Elektrode berührt die Schienbeinkante und liegt seitlich davon.
- Zweite Elektrode (positiv / Anode): Platzieren Sie sie weiter unten auf dem Muskel, etwa auf Höhe der Mitte des Schienbeins oder etwas darunter.
Die Wahl der Polarität beeinflusst die Wirksamkeit der Behandlung. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Artikel zur Elektrodenpolarität.

Wenn Sie statt selbstklebender Elektroden Gummielektroden und einen Schwamm verwenden, sehen Sie diese Lösung in der folgenden Abbildung: in einem feuchten Schwammhalter und mit einem elastischen Band befestigt.

Welche Impulsform ist geeignet?
Die Form, Dauer und Anstiegszeit des Impulses bei der Denerviertenstimulation hängen vom Schweregrad der Nervenschädigung ab. Mit fortschreitender Regeneration wird schrittweise die nächste Form eingesetzt:
Bei einer schweren peripheren Nervenschädigung sollten Sie mit einem Dreieckimpuls von 300–900 Millisekunden Dauer beginnen. Wenn das Gerät dies ermöglicht, empfiehlt sich ein Verhältnis von Anstieg zu Abfall des Impulses von 90 %/10 %. Das PeroBravo bietet diese Einstellung. Laut einer Untersuchung der Medizinischen Universität Wien erzielte beim Musculus tibialis anterior ein Dreieckimpuls von 200 ms mit proximal platzierter Kathode das günstigere Ergebnis.1
Bei einer mittelgradigen Nervenschädigung können der Dreieckimpuls und der fast eine Sekunde lange Impuls für den Nerv zu lang und zu intensiv sein. Sie können unangenehm empfunden werden. Bei einer mittelgradigen Verletzung empfiehlt sich deshalb ein Trapezimpuls statt eines Dreieckimpulses.
Mit zunehmender Nervenregeneration kann eine Rechteckwelle mit langer Dauer (100–300 Millisekunden) geeignet sein. Reagiert der Muskel gut auf den denervierten Rechteckimpuls, deutet das auf eine mäßige Nervenschädigung hin. Damit sind die Regenerationschancen günstiger. Je schwerer die Schädigung ist, desto länger dauert die Regeneration und desto geringer ist die Chance auf eine vollständige Erholung.
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
- Ausprobieren: Probieren Sie die Programme nacheinander aus. Keine Sorge – keines davon kann Schaden anrichten. Sie merken höchstens, dass es nicht das ideale Programm ist. Nach einigen Minuten lässt sich das geeignete Programm finden.
- Messung mit dem Gerät: PeroBravo, Genesy 1500 und Genesy 3000 ermöglichen dem Physiotherapeuten, den passendsten Impuls und die passende Dauer zu bestimmen. Dies wird meistens in der Praxis durchgeführt. Wenn Sie keine Unterstützung durch einen Physiotherapeuten erhalten, kommen Sie mit der ersten Methode, dem Ausprobieren, ungefähr zum gleichen Ergebnis.
Die ausführliche Theorie der Wellenformen (Chronaxie, Akkommodation, Vergleich der Impulsdauer) finden Sie im Pillar-Artikel zum selektiven Reizstrom.
Welches Gerät eignet sich zur Behandlung einer Peroneusparese?
Bei einer peripheren Peroneusparese – der häufigsten Form – benötigen Sie ein Gerät für selektiven Reizstrom. Bei einer zentralen Ursache (nach Schlaganfall, bei MS) wird ein anderer Gerätetyp empfohlen.
Bei peripherer Peroneusparese (selektiver Reizstrom erforderlich)
PeroBravo – das auf selektiven Reizstrom spezialisierte Gerät
Die erste Empfehlung von Medimarket für die Behandlung einer peripheren Peroneusparese zu Hause. Ein leistungsfähiges, speziell für den selektiven Reizstrom entwickeltes Gerät mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten für den Physiotherapeuten: denervierte Programme mit Dreieck-, Trapez- und Rechteckimpulsen sowie einstellbare Impulsdauer und Anstiegs-/Abfallverhältnis. Zum Lieferumfang gehört auch ein Fußschalter, der beim erneuten Erlernen des Gehens eingesetzt werden kann (FES-Gehassistenz). Individuelle Programme ermöglichen es dem Physiotherapeuten, die Parameter mit fortschreitender Regeneration fein abzustimmen.
Vielseitige Genesy-Geräte, die auch selektiven Reizstrom bieten – diese Geräte sind nicht nur auf selektiven Reizstrom spezialisiert, sondern verfügen auch über umfangreiche NMES-Funktionen:
Genesy 3000 – vielseitiges Gerät auf professionellem Niveau
Das Spitzenmodell der Globus-Genesy-Reihe. Programme mit selektivem Reizstrom zur Behandlung denervierter Muskeln plus umfangreiche NMES-Programme. Geeignet für Patientinnen und Patienten, die mit einem einzigen Gerät mehrere Indikationen abdecken möchten.
Genesy 1500 – vielseitiges Spitzenmodell für zu Hause
Die umfassendste für den häuslichen Einsatz empfohlene Lösung der Genesy-Reihe. Bietet dieselben Programme mit selektivem Reizstrom wie der Genesy 3000 UND umfangreiche NMES-Funktionen.
Genesy 600 – vielseitiges Gerät der Mittelklasse
Das mittlere Modell der Genesy-Reihe: Es enthält grundlegende Programme mit selektivem Reizstrom zur Behandlung denervierter Muskeln sowie umfangreiche NMES-Funktionen für andere Rehabilitationsziele. Eine kostengünstige Wahl für die Behandlung zu Hause bei leichter oder mittelgradiger Parese.
Bei zentraler Ursache (nach Schlaganfall, bei MS) – NICHT selektiv!
Wenn die Peroneusparese eine zentrale Ursache hat (Schlaganfall, Multiple Sklerose), ist der periphere Nerv intakt. In diesem Fall ist NICHT selektiver Reizstrom, sondern klassische NMES oder ETS erforderlich:
DuoBravo N – ETS-Stimulator für die Rehabilitation nach Schlaganfall
Der Spezialist für Lähmungen nach einem Schlaganfall: Er verwendet die ETS-Technologie (EMG-Triggered Stimulation), die die Stimulation durch den eigenen willkürlichen Versuch der Patientin oder des Patienten auslöst. Bei zentral verursachter Peroneusparese ist er eine geeignete Wahl.
Genesy 300 Pro – klassische NMES für die Rehabilitation nach Schlaganfall
Ein geeignetes klassisches NMES-Gerät zur Behandlung von Lähmungen nach einem Schlaganfall. Es enthält KEINE Programme mit selektivem Reizstrom UND KEINE ETS-Funktion und kann daher als grundlegendes Gerät für die Muskelrehabilitation eingesetzt werden.
Bewegungstherapie – die zweite Säule der Rehabilitation
Regelmäßige Bewegung hilft, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, Kontrakturen (Gelenkversteifungen) vorzubeugen und geeignete Muster der Muskelaktivierung zu fördern. Die Übungen sollten alle folgenden Bewegungen umfassen:
- „Fuß anziehen“ (Dorsalflexion): Anheben des Fußes.
- „Fuß strecken“ (Plantarflexion): Auf die Zehenspitzen stellen.
- Drehbewegungen: Pronation und Supination des Sprunggelenks.
Die Steigerung der Übungen:
- Passive Bewegung: Der Physiotherapeut oder eine angehörige Person bewegt das Bein der Patientin oder des Patienten.
- Aktiv-assistierte Bewegung: Die betroffene Person versucht die Bewegung selbst, erhält aber Unterstützung.
- Aktive Bewegung: Die Bewegungen werden selbstständig ausgeführt – parallel zur Rückkehr der Nervenfunktion.
Gleichgewichts- und propriozeptive Übungen werden mit fortschreitender Erholung immer wichtiger. Sie helfen, normale Bewegungsmuster neu zu entwickeln und die funktionelle Stabilität beim Gehen und bei anderen Tätigkeiten zu verbessern. Der Gangmechanik sollte besondere Aufmerksamkeit gelten. Anfangs ist eine kompensatorische Bewegung nötig. Mit fortschreitender Nervenregeneration sollte der Schwerpunkt zunehmend auf dem Auftreten mit der Ferse, dem Anheben des Fußes während der Schwungphase und der allgemeinen Effizienz des Gehens liegen.
Die gemeinsame Anwendung von Bewegungstherapie und elektrischer Stimulation verbessert die Erholungschancen.
Voraussichtliche Erholungszeit und die Rolle von Orthesen
Voraussichtliche Erholungszeit
Der zeitliche Verlauf der Erholung von einer Peroneusparese ist unterschiedlich:
- Leichte Kompressionsverletzungen: können innerhalb von Wochen bis Monaten abklingen.
- Schwerere Verletzungen: können 6–12 Monate benötigen.
- Restbeschwerden: können auch bei optimaler Behandlung bestehen bleiben.
Die Rolle von Orthesen – mit Vorsicht!
Sprunggelenk-Fuß-Orthesen (AFO – Ankle Foot Orthosis) werden Menschen mit Fallfuß häufig empfohlen. Diese Hilfsmittel können Stürze verhindern, die Effizienz des Gehens verbessern und eine korrekte Gelenkstellung erhalten.
Eine Orthese sollte nicht ständig getragen werden!
Der von der Orthese gehaltene Muskel verliert schnell an Kraft und Masse. Eine ständig getragene Orthese kann daher die Erholungschancen verschlechtern. In bestimmten Situationen kann sie wichtig sein, etwa wenn Sie in der Stadt etwas erledigen müssen und sicherer gehen möchten. Zu Hause und beim Üben sollten Sie sie jedoch nicht verwenden. Für die Wiedergewinnung von Muskelkraft und Funktion sind aktive Bewegung und elektrische Stimulation erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Je früher, desto besser. Die Muskelatrophie beginnt kurze Zeit nach dem Ausbleiben des Nervenimpulses. Abhängig von der Beurteilung durch den Physiotherapeuten oder Facharzt sollte die Behandlung innerhalb weniger Wochen nach der Diagnose begonnen werden. Je länger Sie auf eine atrophieverhindernde Stimulation verzichten, desto geringer ist die Chance, die vollständige Funktion zurückzugewinnen, wenn sich der Nerv regeneriert.
Das stellt der neurologische Facharzt anhand einer EMG-Untersuchung (Elektromyografie) und einer Nervenleitfähigkeitsuntersuchung fest. Der Unterschied ist für die Behandlung entscheidend: Bei einer peripheren Ursache ist selektiver Reizstrom (PeroBravo, Genesy 600/1500/3000) erforderlich, bei einer zentralen Ursache klassische NMES oder ETS (DuoBravo N, Genesy 300 Pro). Beginnen Sie VOR der Untersuchung NICHT eigenständig mit der Behandlung.
Das genaue Protokoll legt der Physiotherapeut fest. Als allgemeine Empfehlung gilt jedoch: Zu Beginn der Rehabilitation ist eine tägliche Behandlung sinnvoll – 5–6-mal pro Woche mit Sitzungen von 20–30 Minuten. Um Muskelatrophie zu verhindern, sind täglich ausreichend viele Kontraktionen erforderlich. Mit fortschreitender Regeneration passt der Fachmann die Parameter und die Häufigkeit an.
Die langen Impulse mit hoher Ladung bei der Denerviertenstimulation können tatsächlich unangenehm sein, besonders wenn keine Empfindungsstörung besteht. Eine gute Methode: Gewöhnen Sie sich zuerst auf der gesunden Seite an die Intensität und beginnen Sie auf der betroffenen Seite mit der dort gewohnten Stärke. Wenn die Empfindung dauerhaft unangenehm bleibt, verringern Sie die Intensität oder probieren Sie eine andere Wellenform aus (Trapez statt Rechteck, wenn sich der Nerv bereits teilweise regeneriert hat).
Die Nervenregeneration verläuft langsam – mit einer Geschwindigkeit von 1 mm pro Tag. Wenn der Peroneusnerv 60–80 cm von der Wirbelsäule entfernt verletzt wurde, kann es 1–2 Jahre dauern, bis der Nerv den Muskel „erreicht“. Während dieser Zeit ist keine sichtbare Verbesserung zu erwarten. Die Stimulation muss aber trotzdem fortgesetzt werden, weil sie den Muskel funktionsfähig hält. Wenn nach 1,5–2 Jahren kein Hinweis auf eine Nervenregeneration vorliegt (EMG-Kontrolle), kann der Facharzt alternative Behandlungsstrategien abwägen, etwa einen chirurgischen Eingriff oder eine Versorgung mit einer Orthese.
Nein. Die Orthese dient der Sicherheit beim Gehen und der Vermeidung von Stürzen. Bei ständigem Tragen verliert der Muskel jedoch schnell an Kraft. Verwenden Sie sie zu Hause und beim Üben NICHT. Ziehen Sie sie nur an, wenn sie wirklich notwendig ist, zum Beispiel beim Gehen in der Stadt oder auf längeren Strecken. Aktive Bewegung und elektrische Stimulation sind der Schlüssel zur Erholung, nicht die Orthese.
Bevor Sie mit der Behandlung beginnen
Die elektrische Behandlung einer Peroneusparese zu Hause ist sicher, aber es gibt Situationen, in denen sie nicht angewendet werden darf. Besprechen Sie den Beginn der Behandlung immer mit Ihrem behandelnden Arzt!
Wann ist Vorsicht erforderlich?
- Implantierter Herzschrittmacher oder Defibrillator – der elektrische Impuls kann mit dem implantierten Gerät interferieren
- Aktive Tumorerkrankung im Behandlungsbereich – elektrische Stimulation im Behandlungsbereich ist zu vermeiden
- Schwangerschaft – eine gynäkologische fachärztliche Beratung ist erforderlich
- Epilepsie – elektrische Stimulation kann einen Krampfanfall auslösen (relative Gegenanzeige, fachärztliche Beratung erforderlich)
- Hautentzündung oder offene Wunde im Elektrodenbereich – Elektroden dürfen nicht auf verletzter Haut angebracht werden
- Thrombose oder Thrombophlebitis im Behandlungsbereich – eine Muskelkontraktion in diesem Bereich kann gefährlich sein
- Noch nicht diagnostizierte Nervenschädigung – zunächst sind EMG und Nervenleitfähigkeitsuntersuchung erforderlich
- Schwere Empfindungsstörung im Behandlungsbereich – erhöhte Vorsicht, weil eine mögliche Überwärmung oder Hautreizung nicht bemerkt wird
Ergänzende Behandlung, keine eigenständige Therapie
Die elektrische Stimulation zu Hause ist eine Ergänzung der physiotherapeutischen oder ärztlichen Behandlung und kein Ersatz dafür. Diagnostik, Festlegung des Behandlungsplans und Kontrollen erfolgen immer durch einen Fachmann. Eine Behandlung zu Hause ist nur mit den vom Fachmann eingestellten Programmen und den von ihm festgelegten Parametern sicher. Eine ausführliche Liste der Gegenanzeigen finden Sie im Artikel zu den Gegenanzeigen der Elektrotherapie.
Zusammenfassung – schneller Überblick
Quellen
- Pieber K, Herceg M, Paternostro-Sluga T, Schuhfried O. (2015). Optimizing stimulation parameters in functional electrical stimulation of denervated muscles: a cross-sectional study. Journal of NeuroEngineering and Rehabilitation, 12, 51. PubMed: 26048812
- Enovis/DJO Global. (n. a.). Electrotherapy of denervated muscle – clinical review. djoglobal.ch. Quelle
- Paternostro-Sluga T, Schuhfried O, Vacariu G, Lang T, Fialka-Moser V. (2002). Chronaxie and accommodation index in the diagnosis of muscle denervation. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, 81(4), 253-260. PubMed: 11953548
- Kern H, Salmons S, Mayr W, Rossini K, Carraro U. (2005). Recovery of long-term denervated human muscles induced by electrical stimulation. Muscle & Nerve, 31(1), 98-101. PubMed: 11940016
- ElAbd R, Alabdulkarim A, AlSabah S, et al. (2022). Role of Electrical Stimulation in Peripheral Nerve Regeneration: A Systematic Review. Plastic and Reconstructive Surgery – Global Open, 10(3), e4314. PubMed: 35317464
- Gordon T, English AW. (2022). The Effect of Electrical Stimulation on Nerve Regeneration Following Peripheral Nerve Injury. Biomolecules, 12(12), 1856. PubMed: 36551289
- Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C. (2019). The Interdisciplinary Management of Foot Drop. Deutsches Ärzteblatt International, 116(20), 347-354. PubMed: 31288917
- Marciniak C. (2013). Fibular (peroneal) neuropathy: electrodiagnostic features and clinical correlates. Physical Medicine and Rehabilitation Clinics of North America, 24(1), 121-137. PubMed: 23177034
Alle Quellen sind anklickbar. Der PubMed-Link führt zum Abstract und bei bestehendem Abonnement zum Volltext. Die Liste basiert auf der klinischen Fachliteratur zum selektiven Reizstrom und auf interdisziplinären Übersichten zur Behandlung der Peroneusparese.
