Schmerzlindernde Programme – welches, wofür?
Zur Linderung von Schmerzen nehmen die meisten Menschen Medikamente. Aber was ist mit denen, bei denen Nebenwirkungen von Medikamenten das unmöglich machen? Für sie empfehle ich medikamenten- und nebenwirkungsfreie, schmerzlindernde neurostimulative Methoden, also TENS und MENS-Behandlungen. Beide beruhen auf der elektrischen Stimulation von Nerven durch Impulse. Die Geräte können verschiedene Programme anbieten, deren Wirkung unterschiedlich sein kann. Es gibt Programme, die Sie bei akuten Schmerzen nur einige Tage anwenden sollten, weil sie bei längerer Anwendung an Wirkung verlieren. Andere wiederum können bei chronischen Schmerzen über Jahre hinweg ohne Gewöhnung oder Wirkverlust eingesetzt werden. In diesem Artikel zeige ich, wann Sie welches schmerzlindernde Programm wählen sollten.
Ziel der TENS-Behandlung ist die Verringerung von Gelenk- und Muskelschmerzen sowie die Linderung anderer endogen bedingter Beschwerden und Schmerzen.
Über die praktische Durchführung der Behandlung können Sie hier ausführlich lesen.
Schmerzlindernde Impulse
Die meisten TENS-Geräte bieten allgemein einsetzbare Programme an, die von den Herstellern ähnlich benannt werden. Zum Beispiel traditionelles (oder hochfrequentes) TENS, Endorphin- (oder niederfrequentes) TENS, BURST-TENS, moduliertes TENS usw. Ein gemeinsames Merkmal ist, dass sie an jeder schmerzenden Stelle Ihres Körpers angewendet werden können.
Einige Geräte bieten darüber hinaus Programme an, die nach einer bestimmten Erkrankung oder einem Symptom benannt sind – etwa Nackenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Hexenschuss, Tennisellenbogen, Knieschmerzen usw. Diese Programme liefern auf das jeweilige Problem fein abgestimmte Impulse und sind am besten für die Behandlung geeignet, die dem Programmnamen entspricht.
TENS-Geräte bieten in der Regel die folgenden Programme. Nicht alle Geräte enthalten jedes einzelne genannte Programm; beispielsweise ist das modernste und am effektivsten wirkende modulierte TENS noch in wenigen Geräten vorhanden! Informieren Sie sich vor dem Kauf eines Geräts!
Traditionelles TENS
Ein Programm aus hochfrequenten Impulsen, 20–30 Minuten Dauer. Die schmerzlindernde Wirkung kann einige Stunden anhalten. Durch die Stimulation „schließen“ sich die Tore der schmerzleitenden Nervenbahnen, das heißt der Schmerzreiz erreicht nicht das Gehirn und es entsteht kein Schmerzempfinden.
Die Stimulation erzeugt ein angenehmes, kribbelndes Gefühl. Muskelzuckungen treten dabei nicht auf.
Vorteil: Sie können es zur Linderung jeder Art von Schmerz an jeder Stelle Ihres Körpers anwenden (Ausnahme: Schädel, vordere Halsregion).
Nachteil: Das traditionelle TENS ist bei den meisten Menschen nur einige Tage wirksam, danach nimmt die Wirkung ab. Das liegt daran, dass das Nervensystem sich schnell an diese regelmäßig in gleichen Abständen abgegebenen Impulse „gewöhnt“.
Sie werden feststellen, dass die anfangs gute schmerzlindernde Wirkung nach einigen Tagen Behandlung nachlässt oder sogar ganz verschwindet.
Wann anwenden: Verwenden Sie es bei Beschwerden, die plötzlich auftreten und bei denen Sie wegen der Schmerzstärke möglichst schnell eine Linderung wünschen. Zum Beispiel Zahnschmerzen, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Einklemmungen von Nerven, Hexenschuss, Ischias, Bandscheibenvorfall usw., da bei diesen die ersten Tage am schmerzhaftesten sind und der natürliche Heilungsprozess die Beschwerden danach abschwächt.
Wann nicht anwenden: Dieses Programm ist nicht ideal, wenn Sie chronische und täglich auftretende Schmerzen behandeln möchten. Bei Arthrose, Arthritis, Rheuma, Sehnen-Degeneration, Sehnenentzündung, Bandscheibenvorfall, Ischias oder hartnäckigen Rückenschmerzen – diese Erkrankungen verursachen in der Regel anhaltende Schmerzen über Wochen, Monate oder Jahre. In solchen Fällen empfehle ich eher das modulierte TENS-Programm.
Endorphin-TENS
Ein Programm aus niederfrequenten Impulsen, 30–40 Minuten Dauer. Die Impulse dauern länger als beim traditionellen TENS, daher können Sie feine Muskelzuckungen im behandelten Bereich spüren. Das ist normal und kein Grund zur Besorgnis. Die schmerzlindernde Wirkung hält länger an, oft 5–8 Stunden oder länger.
Diese Stimulation regt die Produktion körpereigener Schmerzmittel (sog. Endorphine) an.
Vorteil: Besonders wirksam zur Linderung von muskulär bedingten Schmerzen (Zerrung, Verstauchung, verspanntes Genick, Hexenschuss, Rückenschmerzen, verhärteter Nacken nach einem stressigen Tag usw.). Die Wirkung hält länger an als beim traditionellen TENS.
Nachteil: Beim Endorphin-TENS gibt das Gerät die Impulse in gleichmäßigen Zeitabständen und mit gleicher Form und Dauer ab. Ihr Nervensystem gewöhnt sich daher innerhalb weniger Tage an sie. Die anfangs gute schmerzlindernde Wirkung kann nach einigen Behandlungen nachlassen oder komplett verschwinden.
Wann anwenden: Hauptsächlich bei akuten, muskelbezogenen Beschwerden. Die endorphinvermittelte Wirkung setzt langsamer ein, hält aber länger an als beim traditionellen TENS.
Wann nicht anwenden: Auch dieses Programm ist nicht ideal bei langanhaltenden, täglich auftretenden Schmerzen. Bei chronischen Schmerzen empfehle ich eher das modulierte TENS-Programm.
Burst-TENS
Entwickelt, um der Gewöhnung an traditionelles und Endorphin-TENS vorzubeugen. Während der Behandlung sendet das Gerät alle paar Sekunden abwechselnd niederfrequente und hochfrequente Impulsserien, unterbrochen von Pausen. Durch die Kombination beider Impulsarten entsteht eine doppelte schmerzlindernde Wirkung: einerseits blockiert sie die Weiterleitung des Schmerzreizes, andererseits regt sie die Endorphinproduktion an.
Vorteil: Kann zur Linderung jeder Schmerzart an jeder Stelle des Körpers eingesetzt werden. Die Wirkung ist dauerhaft. Eine Gewöhnung kann erst nach längerer Anwendung (4–6 Wochen regelmäßiger Nutzung) eintreten, daher eignet es sich gut für Beschwerden, die voraussichtlich kürzer andauern.
Nachteil: Wegen der „springenden“ Frequenz fühlt sich die Behandlung kribbelnd und störender an; manche Patienten empfinden BURST als unangenehmer als das traditionelle oder Endorphin-Programm. Da es sich um variable, aber dennoch regelmäßige Impulse handelt, gewöhnt sich das Nervensystem innerhalb einiger Wochen an sie, und die anfangs gute Wirkung kann nach einigen Wochen nachlassen oder ganz verschwinden.
Wann anwenden: Verwenden Sie es, wenn voraussichtlich länger – etwa 4–5 Wochen – eine schmerzlindernde Behandlung nötig ist. Zum Beispiel bei Gürtelrose, Gelenkentzündungen, Neuralgien, Tennis- oder Golferellenbogen, Rückenschmerzen usw. Sie können es auch bei chronischen Schmerzen, etwa Arthrose oder rheumatischen Gelenkproblemen, einsetzen. Diese Erkrankungen verursachen oft lang anhaltende Schmerzen, die über Wochen, Monate oder Jahre zurückkehren. Das Burst-TENS verliert jedoch nach einigen Wochen an Wirkung für diese Beschwerden.
Moduliertes TENS
Das modulierte TENS ist der modernste TENS-Algorithmus. Während der Behandlung ändern sich Impulsdauer, Amplitude und Frequenz kontinuierlich, also moduliert. Bei dieser Behandlung tritt keine Gewöhnung auf und die mit elektrischer Therapie verbundenen Unannehmlichkeiten werden minimiert.
Vorteil: Kann zur Linderung jeder Schmerzart an jeder Stelle des Körpers angewendet werden, auch über Jahre hinweg. Die Wirkung ist dauerhaft. Keine Gewöhnung, keine Behandlungsunlust, keine Nebenwirkungen.
Nachteil: Nur modernere Geräte bieten dies an, und deren Preis ist höher (suchen Sie nach Modellen ab etwa 20.000).
Wann anwenden: Bei akuten wie auch chronischen Schmerzen an beliebiger Körperstelle. Besonders geeignet bei lang anhaltenden Beschwerden (Arthrose, Brachialgie, Karpaltunnelsyndrom, Neuralgien etc.).
Mikrostrom-Behandlungen (MENS)
Der Mikrostrom (MENS) ist die neueste Form der transkutanen Neurostimulation.
Der größte Unterschied zwischen TENS und Mikrostrom (MENS) liegt in der Stromstärke. TENS-Programme arbeiten mit Milliampere-Stärken, weshalb die Impulse während der Behandlung deutlich spürbar sind und ein stechendes, brennendes Gefühl erzeugen können, das empfindliche Personen schwer ertragen.
Mikrostromprogramme verwenden um eine Größenordnung kleinere Ströme, also Mikroampere. 1 Milliampere = 1.000 Mikroampere, das heißt die TENS-Behandlung verwendet einen tausendmal stärkeren Strom als MENS. Der Mikrostrom ist so mild, dass die meisten Menschen die Behandlung kaum oder gar nicht spüren.
Studien zeigen, dass die schmerzlindernde Wirkung der Mikrostrombehandlung stärker ist als die des TENS. Bei mehr als 90 % der Patienten führt die Mikrostrombehandlung zu einer Schmerzlinderung.
Ein weiterer Vorteil ist, dass andere TENS-Programme meist nur symptomatisch wirken, während die Mikrostrombehandlung auch heilend wirken kann, also die Ursache der Schmerzen mitbehandelt. In westlichen Ländern ist die Mikrostrombehandlung bereits eine der am häufigsten angewendeten physikalischen Schmerzlinderungsmethoden.
Vorteil: Kann zur Linderung jeder Schmerzart an jeder Stelle des Körpers angewendet werden, auch über Jahre hinweg. Die Wirkung ist dauerhaft. Keine Gewöhnung, keine Behandlungsunlust, keine Nebenwirkungen. Heilende Wirkung!
Nachteil: Nur die modernsten elektrotherapeutischen Geräte bieten Mikrostrom an, und diese sind teurer (in der Regel über 100.000).
Wann anwenden: Bei jeder Art von Schmerz, Entzündung oder chronischen Beschwerden – überall am Körper.
Es gibt verschiedene TENS-Geräte
Damit Sie das für Sie am besten geeignete Gerät auswählen können, sollten Sie die folgenden Aspekte berücksichtigen.
- die Größe des von Schmerzen betroffenen Bereichs,
- die Schmerzstärke,
- die Anzahl der Kanäle des Geräts. Je mehr Kanäle ein Gerät hat, desto größere Bereiche kann es gleichzeitig behandeln,
- die vom Gerät angebotenen Programme (günstigere Geräte im Bereich 11–15 Tausend bieten oft nur traditionelles und Endorphin-TENS an, bei denen Sie bereits nach einigen Tagen eine Gewöhnung feststellen und die Wirkung ausbleibt, daher eignen sie sich nur für kürzere Behandlungen),
- Vorhandensein von moduliertem TENS und Mikrostromprogrammen (diese sind wirksamer und führen auch bei Langzeitanwendung nicht zur Gewöhnung),
- Vorhandensein weiterer Funktionen: Muskelstimulation, Inkontinenzbehandlung, kosmetische Programme usw.