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Schmerzlindernde Programme – welches, wofür?

Schmerzlindernde Programme – welches, wofür?

Moderne TENS-Geräte werden mit 4 bis über 200 Programmen ausgeliefert, und Nutzer sind oft verunsichert, welches Programm wofür eingesetzt werden sollte. Dieser Artikel geht technisch tiefer als die TENS-Grundlagen: Er behandelt die Parameter der Impulse, die vier grundlegenden Programmfamilien und technische Ansätze zur Vermeidung von Habituation (Gewöhnung).

Elektrostimulation
Schmerz
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Wenn du noch nicht weißt, was TENS ist und nach welchem Prinzip es funktioniert, lohnt sich zuerst das Lesen der TENS-Grundlagen. Falls du jedoch bereits ein TENS-Gerät besitzt und Orientierung zwischen den vielen Programmen suchst, bist du hier richtig.

Kulcsgondolat

Ein TENS-Programm ergibt sich aus der Kombination der vier Basisparameter (Frequenz, Impulsbreite, Amplitude, Wellenform). Selbst ein Gerät mit 200 Programmen lässt sich im Wesentlichen auf vier Grundfamilien reduzieren: konventionell, akupunkturähnlich, Burst und moduliert. Die Vielfalt der Variationen zwischen Programmen ist die Grundlage für eine langfristige Nutzbarkeit.

Die vier Parameter eines TENS-Impulses

Jedes TENS-Programm unterscheidet sich durch die Einstellungen dieser vier Parameter. Die Studie von Francis, Marchant und Johnson (Physiother Theory Pract, 2011) zeigte, dass die Wahl der Parameter maßgeblich das Empfinden und die Wirkdauer der Behandlung beeinflusst.

Anzahl der Impulse pro Sekunde. Der TENS-Bereich liegt typischerweise bei 2–150 Hz. Niedrige Frequenzen (2–10 Hz) wirken auf das endogene Opioid-System, hohe Frequenzen (50–150 Hz) gemäß der Gate-Theorie vorwiegend auf Aβ-Fasern. Die Wirkung der Frequenzauswahl wurde unter anderem in der Studie von Kararmaz et al. (2004) untersucht.

Dauer eines einzelnen Impulses in Mikrosekunden. Dieser Parameter entscheidet, welche Nervenfasern erreicht werden. Konventionelles TENS verwendet kurze Impulse (typisch 50–100 μs) – damit werden vorwiegend sensible Nerven angesprochen, was ein kribbelndes, aber kein Muskelkontraktionsgefühl verursacht. Das akupunkturähnliche / endorphinvermittelte TENS arbeitet mit längeren Impulsen (in der Regel 100–400 μs), die auch motorische Fasern erreichen und leichte, rhythmische Muskelkontraktionen hervorrufen können. Burst- und modulierte Programme kombinieren diese Ansätze.

Stärke des Stroms in Milliampere. TENS-Bereich: 10–80 mA. Der richtige Pegel liegt über der Wahrnehmungsschwelle, aber unter der Schmerzschwelle: starkes Kribbeln, das jedoch nicht schmerzhaft ist. Die Intensität wird vom Anwender reguliert und kann während der Behandlung schrittweise erhöht werden, um Habituation entgegenzuwirken.

Die zeitliche Form des Impulses. Moderne TENS-Geräte verwenden meist kompensierte biphasische Rechteckimpulse: die Polarität wechselt innerhalb eines Impulses, wodurch elektrochemische Ablagerungen unter der Haut vermieden werden. Ein präziser Rechteckimpuls fühlt sich angenehmer an als eine verzerrte Wellenform. Details: Artikel zur Elektrodenpolarität.

Die vier Grundprogrammfamilien – technisch betrachtet

Parameter: 50–150 Hz Frequenz, kurze (10–80 μs) Impulsbreite, niedrige bis mittlere Amplitude (über der Wahrnehmungsschwelle, unter der motorischen Schwelle; typischerweise 0–30 mA). Mechanismus: Gate-Theorie (Stimulation der Aβ-sensiblen Fasern).

Erlebnis: starkes, angenehmes Kribbeln, KEINE Muskelkontraktion (die kurze Impulsdauer erreicht nicht die motorische Schwelle). Wirkbeginn: 1–5 Minuten. Dauer nach Abschalten: 1–3 Stunden. Die randomisierte Studie von Ebadi et al. (2021) verglich konventionelles mit akupunkturähnlichem TENS.

Parameter: 2–10 Hz Frequenz, längere (100–300 μs) Impulsbreite, Amplitude oberhalb der motorischen Schwelle (typisch 20–50 mA, abhängig vom Gerät und der Toleranz). Mechanismus: Stimulation motorischer Fasern und Förderung der Freisetzung endogener Opioide (Endorphine, Enkephaline).

Erlebnis: die längeren Impulse erreichen motorische Schwellen, weshalb rhythmische, leichte Muskelkontraktionen wahrnehmbar sind (ein „tippendes“ Gefühl). Wirkbeginn: 15–30 Minuten (langsamer als konventionelles TENS). Dauer nach Abschalten: bis zu 4–8 Stunden. Besonders nützlich bei chronischen, tiefen Schmerzen.

Parameter: Das Programm wechselt in gepulsten Blöcken zwischen hoher (typisch 70–100 Hz) und niedriger (2–15 Hz) Frequenz. Die beiden Frequenzen werden meist in 2–3 Sekunden langen Blöcken alterniert. Impulsbreiten liegen typischerweise zwischen 100–250 μs. In der Literatur ist das Verfahren auch als „Dense-Disperse“ oder „Han-Wellenform" bekannt; viele moderne Heimgeräte bieten diese kombinierte Option an.

Mechanismus: Der hochfrequente Abschnitt blockiert gemäß Gate-Theorie über Aβ-Fasern die Schmerzweiterleitung; der niederfrequente Abschnitt reizt über Aδ- und motorische Fasern die Freisetzung endogener Opioide. Das Programm aktiviert somit beide Hauptmechanismen der Schmerzlinderung.

Erlebnis: wellenförmiges, „pochendes" Empfinden – feines Kribbeln in den Hochfrequenzphasen und leichte Muskelzuckungen in den Niederfrequenzphasen. Viele Nutzer empfinden Burst als angenehmer und abwechslungsreicher als monotone konventionelle oder endorphinbasierte Programme. Gut geeignet für gemischte Schmerzbilder (z. B. tiefe Muskelverspannung plus oberflächlicher Schmerz).

Parameter: Frequenz, Impulsbreite und/oder Amplitude werden kontinuierlich variiert (typischerweise im Bereich ±20–50%). Mechanismus: Die Parametervariation kann zur Verringerung der Habituation beitragen.

Erlebnis: ein „dynamisches" Empfinden, nicht monoton. Bei häufiger, mehrmaliger täglicher Anwendung bleibt die Wirksamkeit meist länger erhalten als bei Programmen mit konstanten Parametern. Für die Langzeitbehandlung chronischer Schmerzen ist das modulierte Programm besonders zu empfehlen.

Technischer Vergleich der vier Programme

Parameter Konventionell Endorphin Burst Moduliert
Frequenz 50–150 Hz 2–10 Hz 2–15 Hz / 70–100 Hz wechselnd (2–3 s Blöcke) variabel
Impulsbreite 10–80 μs (kurz) 100–300 μs (lang) 100–250 μs variabel (±50%)
Amplitude (mA) 0–30 mA (über Wahrnehmungsschwelle) 20–50 mA (über motorischer Schwelle) 15–40 mA variabel
Mechanismus Gate-Theorie (Aβ-Fasern) Endorphin (Aδ + opioid) Gate-Theorie + Endorphin zusammen (Dense-Disperse / Han) Gegen Habituation
Wirkbeginn 1–5 Minuten 15–30 Minuten 5–15 Minuten variabel
Dauer 1–3 Stunden 4–8 Stunden 2–6 Stunden variabel
Muskelkontraktion Keine (kurzer Impuls) Ja (längerer Impuls) Wellendynamik: Kribbeln + rhythmisches Zucken Variabel
Optimale Indikation Akute Schmerzen Chronische, tiefe Schmerzen Gemischte Beschwerden Lang anhaltende chronische Schmerzen

Vermeidung von Gewöhnung (Habituation) – technische Ansätze

Habituation ist die natürliche Reaktion des Nervensystems auf wiederholte Reize: in der ersten bis zweiten Behandlungswoche kann nach anfänglicher starker Wirkung eine schrittweise Abschwächung eintreten. Das Phänomen weist nicht auf ein fehlerhaftes Gerät oder „abgenutzte" Nerven hin, sondern auf normale neuronale Anpassung. Gewöhnung lässt sich technisch auf verschiedene Weisen mildern:

Strategien gegen Habituation

  • Moduliertes Programm wählen – die wechselnden Parameter reduzieren die Gewöhnung. Dies ist die unmittelbarste technische Maßnahme.
  • Programme rotieren – an einem Tag konventionell, am nächsten akupunkturähnlich, am dritten Burst. Das Nervensystem reagiert unterschiedlich auf die einzelnen Parameterfamilien.
  • Frequenzrotation – wenn dein Gerät es erlaubt, variiere konventionelle Programme zwischen 80, 100 und 120 Hz.
  • Amplitude erhöhen – du kannst die Intensität während der Sitzung schrittweise steigern, wenn sich das System anpasst. Achte darauf, im angenehmen Kribbelbereich zu bleiben und die Schmerzschwelle nicht zu überschreiten.
  • Ruhetage – 1–2 Tage pro Woche Pause „re-sensibilisiert" das Nervensystem.
  • Variieren der Elektrodenposition – platziere die Pads nicht immer exakt an derselben Stelle. Eine Verschiebung um 2–3 cm reizt andere Nervenfasern.

Wie viele Programme sollte das Gerät haben?

Marktgeräte kommen mit 4 bis über 20 TENS-Programmen – doch nicht jedes Programm ist inhaltlich wesentlich unterschiedlich. Die vier Grundfamilien sind in jedem Gerät vorhanden; ein "200-Programme"-Gerät besteht meist aus denselben Parametergruppen mit 4–8 körperregionsspezifischen Voreinstellungen.

Anzahl Programme Was wird angeboten? Für wen ausreichend?
4–8 Programme 4 Grundfamilien (konventionell, akupunkturähnlich, Burst, moduliert) + 1–4 Körperregion-Voreinstellungen Einsteiger, Gelegenheitsnutzer (z. B. Dolito)
10–25 Programme Grundoptionen + verfeinerte Parametervarianten + EMS-Programme Tägliche Nutzung, chronische Schmerzen (z. B. Globus Elite SII)
50–100+ Programme Modulierte Varianten, Sportprotokolle, klinische Protokolle, Multifunktion (TENS+EMS+MENS+IF) Chronische, vielfältige Beschwerden, Sportler (z. B. Globus Genesy SII, Genesy 1500)
200+ Programme Klinische Protokolle, Kotz, Iontophorese, detaillierte anatomische Voreinstellungen Sportphysiotherapeut, Rehabilitationszentrum (z. B. Globus Genesy 3000)

Menge vs. Qualität

Die reine Anzahl der Programme garantiert nicht die Wirksamkeit. Ein qualitatives 8-Programm-Gerät (präziser Rechteckimpuls, feine Intensitätsregelung) kann eine bestimmte Indikation oft besser abdecken als ein billiges Gerät mit 100 Programmen. Kaufberatung: TENS-Geräte-Auswahl.

Häufig gestellte Fragen

Im Handbuch findest du Hinweise wie „moduliert", „Modulation", „M" oder „M-mode“. Nach Programmauswahl zeigt das behandlungsseitige Empfinden die ständige Veränderung an: Intensität oder Frequenz verändern sich spürbar. Einsteigergeräte bieten selten modulierte Programme; Mittel- und Premiumklasse enthalten sie meist.

In der TENS-Praxis sind die beiden Angaben gleichwertig: pps = pulses per second (Impulsanzahl pro Sekunde). Hz (Hertz) meint technisch dasselbe. Ein 100 Hz-Konventionsprogramm entspricht einem 100 pps-Programm.

Pro Kanal läuft immer nur ein Programm. Hat dein Gerät zwei Kanäle, können theoretisch unterschiedliche Programme parallel auf den beiden Kanälen laufen (z. B. konventionell am Rücken, akupunkturähnlich an der Wade), doch die meisten Heimgeräte geben auf beiden Kanälen dasselbe Programm aus. Innerhalb einer Sitzung lässt sich das Programm jedoch wechseln, z. B. 15 Minuten konventionell, danach 15 Minuten akupunkturähnlich.

Nein. Burst-TENS arbeitet mit gebündelten Impulsen, zielt aber auf sensible Nerven zur Schmerzreduktion. EMS stimuliert motorische Fasern und löst kräftige Muskelkontraktionen mit dem Ziel von Kraftaufbau oder Regeneration aus. Unterschiede im Detail: TENS, EMS, MENS – Unterschiede.

Die Polarität des Stroms kehrt sich in jedem Impuls um – ein positiver und ein negativer Abschnitt bilden zusammen den Impuls. "Kompensiert" bedeutet, dass die Ladungen beider Abschnitte ausgeglichen sind, sodass keine elektrochemische Ablagerung (säure/alkalische Reaktionen) unter der Haut entsteht. Das ist wichtig für die sichere Langzeitanwendung. Mehr zur Polarität: Elektrodenpolarität.

Zusammenfassung

Was ist das?

Technische Vertiefung in die vier Grundfamilien der TENS-Programme (konventionell, akupunkturähnlich, Burst, moduliert) und die vier Hauptparameter (Frequenz, Impulsbreite, Amplitude, Wellenform).

Für wen?

TENS-Anwender, die die Grundlagen bereits kennen und verstehen möchten, was 4–200 Programme am Gerät praktisch bedeuten und wie man sie optimal nutzt.

Kernaussage

Die 4 Grundprogramme finden sich in jedem Gerät; zur Vermeidung von Gewöhnung empfiehlt sich ein moduliertes Programm oder ein Rotationsschema. Die Anzahl der Programme allein garantiert keine Wirksamkeit – die Qualität der Parameter ist mindestens ebenso wichtig.

Nächster Schritt

Lesen Sie die TENS-Grundlagen oder, wenn Sie ein Gerät auswählen möchten: TENS-Kaufberatung. Zu Pads und Polarität: Pads-Artikel, Polaritäts-Artikel.

Wissenschaftliche Quellen

  • Ebadi S, et al. The effect of acupuncture-like and conventional transcutaneous electrical nerve stimulation on neck pain: a randomized controlled trial – Journal of Bodywork and Movement Therapies, 2021. PubMed: 34776182
  • Francis RP, Marchant P, Johnson MI. Comparison of post-treatment effects of conventional and acupuncture-like transcutaneous electrical nerve stimulation – Physiotherapy Theory and Practice, 2011. PubMed: 22007892
  • Kararmaz A, et al. The effect of TENS frequency on the success of analgesia – Urological Research, 2004. PubMed: 15243722
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnologie-Experte, Blogger

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Für genaue TENS-Einstellungen – insbesondere bei chronischen Schmerzen – ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten empfehlenswert. Die Heim-TENS-Anwendung ergänzt die medizinische Behandlung, ersetzt sie jedoch nicht.

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