Was sind Schwangerschaftsvarizen?
Schwangerschaftsvarizen sind die krankhafte Erweiterung der Venen während der Schwangerschaft, die zu einer Verschlechterung der Durchblutung führen kann und im schlimmsten Fall sogar eine Thrombose nach sich ziehen kann. Über die bloß sichtbare Erweiterung hinaus ist die klinische Bedeutung also erheblich: Zwar stellen die erweiterten Venen meist keine unmittelbare Gefahr für die Mutter oder das Kind dar, doch können Lebensqualität (Schmerzen, Spannungsgefühl, ästhetische Beeinträchtigung) und das Thromboserisiko deutlich zunehmen.
Das Auftreten von Varizen wird auch durch weibliche Sexualhormone beeinflusst – daher ist die Erkrankung bei Frauen häufiger. In der Schwangerschaft kommen zusätzliche spezifische Faktoren hinzu.
Kernaussage
Hinter Schwangerschaftsvarizen stehen zwei wesentliche Mechanismen: hormonell (Progesteron bewirkt eine Erschlaffung der Venenwand) und mechanisch (die wachsende Gebärmutter übt Druck auf die Beckenvenen aus). Zu Hause kann der venöse Rückfluss durch Kompressionsstrümpfe, Beinhochlagerung, regelmäßige Bewegung und – nur nach ärztlicher Freigabe – mit einem Lymphdrainagegerät unterstützt werden. Muskelstimulatoren (EMS, TENS) sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Die Schwangerschaft selbst erhöht das Thromboserisiko um das 4–5-Fache; daher erfordert jede plötzliche einseitige Bein- oder Wadenanschwellung sofortige ärztliche Abklärung.
Wie entstehen Schwangerschaftsvarizen?
Während der Schwangerschaft wird mehr Blut gebildet, um Mutter und Kind zu versorgen, was zugleich einen erhöhten Druck auf die Gefäße bedeutet. Hinzu kommt, dass die zunehmend wachsende Gebärmutter zusätzlichen Druck auf die Beckenvenen ausübt und so den venösen Rückfluss zum Herzen behindert. Anders ausgedrückt: Der wachsende Fötus "liegt" auf den Beckenvenen der Mutter, sodass das Blut aus den Beinen schlechter abfließen kann.
Der Prozess wird durch das Progesteron weiter verstärkt: Dieses für den Erhalt der Schwangerschaft wichtige Hormon entspannt die glatte Muskulatur, einschließlich der Muskulatur in der Venenwand. Die Venenwand wird weicher und kann leichter erweitern – und die zuvor dicht schließenden Venenklappen können in ihrer Funktion gestört werden.
Es überrascht daher nicht, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung von Varizen haben. Schätzungen zufolge zeigen etwa 30–40 % der Schwangeren während der Schwangerschaft in unterschiedlichem Ausmaß venöse Symptome.
Worin unterscheiden sich Schwangerschaftsvarizen von klassischen Krampfadern?
| Merkmal | Klassische Varikose | Schwangerschaftsvarizen |
|---|---|---|
| Ursache | Venenklappeninsuffizienz, familiäre Veranlagung, Lebensstil | Hormonell (Progesteron) + mechanisch (Druck der Gebärmutter) |
| Erscheinungsbild | geschlängelte, blau-violette Venen | straffere, weiter ausgedehnte, rötlichere Venen |
| Lokalisation | vorwiegend Unterschenkel, Oberschenkel | untere Extremitäten + Schambereich und Beckenvenenausdehnungen |
| Reversibilität | meist nicht vollständig reversibel | bilden sich nach der Geburt häufig zurück (Restveränderungen möglich) |
| Thromboserisiko | mäßig erhöht | 4–5× erhöht (Schwangerschaft ist ein Risikofaktor) |
Mehr zur klassischen Veneninsuffizienz findest du im Artikel zur Veneninsuffizienz.
Typische Symptome der Schwangerschaftsvarizen
Die Symptome treten meist mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft auf, am häufigsten ab dem 2. Trimester. Erkenne die Warnzeichen rechtzeitig:
Sichtbar erweiterte Venen – straff, weitläufig, mit rötlicher Färbung und oft gut tastbar.
Schwere- und Spannungsgefühl – besonders am Ende des Tages unangenehm, vor allem nach längerem Stehen oder Sitzen.
Beinödeme – verstärkt am Knöchel und am Fußrücken; abends ausgeprägter. Die Differenzialdiagnose des Beinödems wird im Artikel zur Beinödembewertung beschrieben.
Venenveränderungen im Schambereich – unangenehm und häufig störend, spezifisch für Schwangerschaftsvarizen.
Nachtkrämpfe, Juckreiz – weitere Ausdrucksformen der gestörten venösen Zirkulation.
Wann ist eine ärztliche Untersuchung DRINGEND?
Die Schwangerschaft erhöht das Risiko für venöse Thromboembolien (tiefe Venenthrombose und Lungenembolie) um das 4–5-Fache gegenüber der Normalbevölkerung. Schwangere sollten daher besonders wachsam gegenüber roten Warnzeichen sein.
DRINGEND – sofort Arzt / Rettungsdienst (ruf: 112)!
- Plötzlich innerhalb eines halben Tages auftretende, einseitige, deutliche Schwellung des Beins, der Wade oder des Knöchels;
- Wärmegefühl, Rötung an einem begrenzten Hautareal mit bei Berührung zunehmenden Schmerzen;
- Brustschmerzen, Atemnot, plötzliches Husten (gegebenenfalls mit blutdurchsetztem Auswurf) – Verdacht auf Lungenembolie: SOFORT Rettungsdienst;
- Ohnmachtsgefühle, schneller Puls, Blässe – Verdacht auf ein akutes Kreislaufereignis.
Das klinische Bild einer Thrombose, Maßnahmen zu Hause und die Behandlung des postthrombotischen Syndroms findest du im Artikel zur Thrombose. Schwangeren, die lange Flug- oder Autofahrten planen, wird insbesondere der Abschnitt zur Reiseprophylaxe empfohlen.
Vorbeugung und Linderung – was du zu Hause tun kannst
Während der Schwangerschaft sind Lebensstilmaßnahmen die Grundlage von Prävention und symptomatischer Linderung. Die folgenden Übungen und Maßnahmen sollten täglich beachtet werden:
- Leg die Beine hoch, wann immer möglich – im Sitzen oder Liegen –, damit das Blut freier zirkulieren kann;
- Mach regelmäßige, schonende Bewegung: 30–40 Minuten zügiges Gehen täglich, Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmen (in dem vom betreuenden Arzt erlaubten Rahmen);
- Vermeide enge Kleidung, besonders am Bauch und an den Oberschenkeln – sie kann die Venen abklemmen;
- Kontrolliere die Gewichtszunahme durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und reduziere übermäßigen Salzkonsum;
- Trage keine schweren Lasten und vermeide übermäßige Anstrengung – schweres Heben erhöht den Druck im kleinen Becken;
- Sitze nicht lange mit übereinandergeschlagenen Beinen; steh stündlich auf und bewege die Waden;
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: 2–2,5 Liter Wasser täglich zur Aufrechterhaltung der Hydratation;
- Kompressionsstrümpfe: In Absprache mit dem betreuenden Arzt werden in der Regel 15–20 mmHg zur Prävention empfohlen; bei symptomatischen Varizen 20–30 mmHg.
Mein Tipp – einfache tägliche Routine
Zieh die Kompressionsstrümpfe morgens noch im Liegen an (noch vor dem Aufstehen!), lagere die Beine am Abend 15–20 Minuten hoch, und verwende nach der Dusche ein kühlendes Gel oder eine feuchtigkeitsspendende Creme für die Beine. Diese kleinen Maßnahmen können einen großen Unterschied machen.
Medizinische Heimgeräte für Schwangere
KRITISCH – das solltest du unbedingt wissen
Während der Schwangerschaft sind Muskelstimulatoren (EMS), TENS- und FES-Geräte kontraindiziert (insbesondere am Bauch und Lendenbereich, aber vorsorglich generell zu vermeiden). Zur Unterstützung bei Varizen dürfen Schwangere zu Hause ausschließlich Lymphdrainagegeräte (pneumatische Kompression) verwenden, und zwar nur bei kompensierter Herzfunktion, mit ärztlicher Freigabe und ausschließlich mit Protokollen, die das kleine Becken nicht einbeziehen (nur untere Extremitäten).
Das Lymphdrainagegerät unterstützt mit präziser, druckgesteuerter, wellenförmiger Massage den venösen und lymphatischen Abfluss und kann Spannungsgefühle und Schwellungen günstig beeinflussen.
Power Q-1000 Plus Lymphdrainagegerät
Einstiegsgerät für die häusliche Beinbehandlung. Für Schwangere empfehlenswert, da es mit einem einfachen, kompressionsgesteuerten Protokoll arbeitet und keine abdominalen/torso-Manschetten benötigt. Die Anwendung sollte mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Power Q-2200 Lymphdrainagegerät
Mittlerer Funktionsumfang mit 2-Kammer-System und verschiedenen Behandlungsprogrammen. Bei ausgeprägten Symptomen (starke Beinödeme, Schmerzen) kann es Schwangeren mit ärztlicher Freigabe und ausschließlichem Beinbehandlungsprotokoll angewendet werden.
Weitere Informationen zur gesamten Angebotspalette an Lymphdrainagegeräten: Kategorie Lymphdrainagegeräte.
Bevor du mit der Behandlung beginnst – Kontraindikationen in der Schwangerschaft
Zur sicheren Anwendung kenn die Kontraindikationen. Vor der Nutzung jeglicher Heimgeräte stimme dich mit deiner Schwangerschaftsbetreuung oder dem behandelnden Arzt ab.
Wann solltest du kein Heimgerät in der Schwangerschaft verwenden?
- Muskelstimulator (EMS, TENS, FES) – während der gesamten Schwangerschaft
- Akute tiefe Venenthrombose oder Verdacht darauf – Lymphdrainagegerät VERBOTEN
- Verdacht auf akute Lungenembolie – sofort Rettungsdienst, keinerlei Heimgerät verwenden
- Schwere Schwangerschaftskomplikationen (Präeklampsie, HELLP-Syndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz)
- Akute Hautinfektion oder offene Wunde im zu behandelnden Bereich
- Manschetten eines Lymphdrainagegeräts, die das kleine Becken betreffen – in der Schwangerschaft niemals verwenden
Wichtig zu wissen
Die Behandlung der unteren Extremitäten (Unterschenkel, Oberschenkel) mit einem Lymphdrainagegerät ist in der Schwangerschaft bei kompensierter Herzfunktion und nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt in der Regel sicher. Behandle niemals den Bauchbereich oder das kleine Becken während der Schwangerschaft.
Was passiert nach der Geburt?
Nach der Entbindung normalisieren sich die Hormonspiegel (insbesondere Progesteron) und der Druck der Gebärmutter entfällt – Schwangerschaftsvarizen bilden sich häufig allmählich zurück. Dieser Prozess kann Wochen bis Monate dauern und ist nicht vollständig vorhersehbar.
Einige wichtige Hinweise für die Zeit nach der Geburt:
- Restvarizen können bestehen bleiben – nicht jede erweiterte Vene bildet sich vollständig zurück;
- 3–6 Monate nach der Geburt ist eine gefäßchirurgische Untersuchung empfehlenswert, wenn die Varizen nicht zurückgehen;
- Während der Stillzeit sind bestimmte Behandlungen (z. B. Sklerotherapie, Lasertherapie) kontraindiziert oder sollten verschoben werden;
- Das Thromboserisiko bleibt in den ersten 6 Wochen postpartum erhöht, mit dem höchsten Risiko in den ersten 1–2 Wochen;
- Frühe Mobilisation nach der Geburt fördert die Erholung des venösen Kreislaufs.
Ausführliche Informationen zur Behandlung der klassischen Varikose: Veneninsuffizienz-Artikel.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Varizen und Beinödeme in der Schwangerschaft – Cochrane (Smyth 2015)
Die Cochrane-Übersicht von Smyth et al. (2015) zeigt, dass graduierte Kompressionsstrümpfe in der Schwangerschaft venöse Symptome (Schmerz, Ödem) günstig beeinflussen können – unter den Interventionen ist die Evidenz für Kompression am stärksten.1
Risiko venöser Thromboembolien in der Schwangerschaft (Heit 2005)
Heit et al. fanden in einer populationsbasierten Studie (2005), dass Schwangerschaft und Wochenbett das Risiko für venöse Thromboembolien (DVT und Lungenembolie) um das 4–5-Fache gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöhen – das höchste Risiko besteht in den ersten Wochen nach der Geburt.2
Pneumatische Kompression zur Behandlung venöser Stase
Die klinische Studie von Kakkos et al. (2001) zeigte, dass intermittierende pneumatische Kompression die venöse Hämodynamik verbessert und Symptome chronischer Veneninsuffizienz lindern kann – dies ist auch für häusliche Protokolle bei Schwangeren relevant.3
ESVS 2022 europäische Leitlinien
De Maeseneer et al. redigierten die Leitlinien der European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 zur Behandlung der chronischen Venenkrankheit der unteren Extremitäten, die auch Empfehlungen für das Management von Schwangerschaftsvarizen enthalten.4
Häufig gestellte Fragen
In den meisten Fällen bilden sich die Varizen mit der Normalisierung der Hormonspiegel und dem Wegfall des Gebärmutterdrucks in den Wochen bis Monaten nach der Geburt allmählich zurück. Ein Teil kann jedoch als Restbefund bestehen bleiben – daher ist eine gefäßchirurgische Vorstellung nach 3–6 Monaten ratsam, wenn keine Rückbildung erfolgt.
Nein. Muskelstimulatoren (EMS, TENS, FES) sind während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert, insbesondere im Bauch- und Lendenbereich, aber vorsorglich überall zu vermeiden. Für Schwangere ist als Heimgerät ausschließlich das Lymphdrainagegerät (pneumatische Kompression) nutzbar, und zwar nur mit Beinbehandlungsprotokoll und ärztlicher Freigabe.
Bei kompensierter Herzleistung und nur nach ärztlicher Freigabe ist die Behandlung der unteren Extremitäten mit einem Lymphdrainagegerät in der Schwangerschaft in der Regel sicher. Verwende niemals abdominale oder beckenbezogene Manschetten. Bei Verdacht auf akute tiefe Venenthrombose oder schweren Schwangerschaftskomplikationen (Präeklampsie, HELLP) ist die Anwendung kontraindiziert.
Bei plötzlich innerhalb eines halben Tages auftretender, einseitiger, starker Schwellung von Bein oder Wade mit Schmerzen, Wärme und Rötung ist dringend eine ärztliche Untersuchung erforderlich (Verdacht auf DVT). Bei Brustschmerzen oder Atemnot besteht der Verdacht auf Lungenembolie: SOFORT Rettungsdienst (112). Die Schwangerschaft erhöht das Risiko venöser Thromboembolien um das 4–5-Fache, daher ist besondere Wachsamkeit geboten.
Zur Prävention (bei Beschwerdefreiheit) sind 15–20 mmHg geeignete Strümpfe; bei symptomatischen Varizen (CEAP C2 aufwärts) werden 20–30 mmHg empfohlen – dies sollte mit der Schwangerenbetreuung abgestimmt werden. Zieh die Strümpfe morgens im Liegen an, noch bevor du aufstehst, damit das Blut nicht in die Beine eingesammelt wird. Spezielle Schwangerschaftsstrümpfe mit zusätzlichem Bauchteil lassen sich oft leichter anziehen.
Im Allgemeinen ja, aber mit erhöhtem Thromboserisiko. Bei Flügen über 4 Stunden wird dringend Kompression, reichliche Flüssigkeitszufuhr, stündliches Aufstehen und Bewegung sowie eine ärztliche Beratung vor dem Flug empfohlen. Bei sehr langen Flügen (8+ Stunden) ziehen einige Ärzte eine Heparinprophylaxe in Betracht. Zur Reise-DVT-Prophylaxe siehe den Abschnitt in Thrombose.
Zusammenfassung – Kurzüberblick
Quellen
- Smyth RM, Aflaifel N, Bamigboye AA (2015). Interventions for varicose veins and leg oedema in pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews. PubMed: 26477632
- Heit JA, Kobbervig CE, James AH, et al. (2005). Trends in the incidence of venous thromboembolism during pregnancy or postpartum: a 30-year population-based study. Annals of Internal Medicine. PubMed: 16287790
- Kakkos SK et al. (2001). Improved hemodynamic effectiveness of a new intermittent pneumatic compression system in patients with chronic venous insufficiency. Journal of Vascular Surgery. PubMed: 11700495
- De Maeseneer MG et al. (2022). European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. European Journal of Vascular and Endovascular Surgery. PubMed: 35027279