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Oberschenkelmuskel mit Muskelstimulator wieder kräftigen und das Knie stabilisieren

Oberschenkelmuskel mit Muskelstimulator wieder kräftigen und das Knie stabilisieren

Der vierköpfige Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) ist der stärkste Muskel des Körpers – und die „lebende Orthese“ Ihres Knies. Die Stabilität des Knies wird nämlich von zwei Systemen gewährleistet: vom passiven System (Knochen, Bänder, Menisken) und vom aktiven System – der das Gelenk umgebenden Muskulatur. Solange der Oberschenkelmuskel kräftig ist, steuert und entlastet er das Gelenk; beim Gehen auf ebener Fläche wirkt auf das Knie das 2- bis 3-Fache des Körpergewichts, beim Treppensteigen das 3- bis 4-Fache und beim Hocken und Laufen sogar das 5- bis 8-Fache – und einen erheblichen Teil dieser Belastung fängt die Muskulatur anstelle des Knorpels ab.

Musculoskeletal
Elektrostimulation
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Oberschenkelmuskel wieder kräftigen: Warum ist das der Schlüssel zur Knie-Rehabilitation?

 

Das Problem ist, dass dieser Muskel unglaublich schnell abbaut. Nach einer Knieverletzung, einer Operation oder anhaltenden Schmerzen führt nicht nur die Schonung zu seinem Abbau: Das geschwollene, schmerzhafte Gelenk „schaltet“ den Oberschenkelmuskel reflexartig ab. Das nennen wir arthrogene Muskelhemmung. Selbst wenn Sie ihn anspannen möchten, bremst das Nervensystem. So beginnt der Teufelskreis: schwacher Oberschenkelmuskel → unkontrolliertere Kniebewegung → überlasteter Knorpel → mehr Schmerzen → noch weniger Nutzung → noch schwächerer Muskel. In diesem Artikel geht es darum, wie sich dieser Kreislauf mit einem Muskelstimulator (EMS/NMES) durchbrechen lässt: wann die Anwendung sinnvoll ist, wo die Elektroden platziert werden, welches Programm und welche Intensität erforderlich sind und was klinische Studien dazu sagen.

Kerngedanke Kerngedanke

Die Muskelstimulation ersetzt beim Wiederaufbau des Oberschenkelmuskels nicht das Training, sondern bildet die Brücke dorthin: Sie ist besonders wertvoll, wenn Übungen aus eigener Kraft noch nicht möglich sind – nach einer Operation, wegen Schmerzen oder aufgrund der arthrogenen Hemmung –, weil der elektrische Impuls den bremsenden Reflex umgeht und den Muskel arbeiten lässt, den Ihr eigener Wille gerade nicht erreicht. Studien zufolge beschleunigt eine zusätzlich zur üblichen Physiotherapie eingesetzte Muskelstimulation in den ersten Wochen nach der Operation messbar die Rückkehr der Muskelkraft – unter zwei Bedingungen: Die Intensität muss eine kräftige, sichtbare Muskelkontraktion auslösen, und die Behandlungsdauer muss ausreichend sein. Eine schwache Einstellung, die „gerade einmal kitzelt“, baut keinen Muskel auf.

Funktionsweise Wie funktioniert das – und wann ist es erforderlich?

Klicken Sie auf die Registerkarten:

Zwei Mechanismen wirken gleichzeitig. Der erste ist die einfache Untätigkeit: Ein nicht genutzter Muskel verliert bereits in der ersten Woche messbar an Kraft und Masse – bei einem Gipsverband oder Bettruhe geschieht das besonders schnell. Der zweite Mechanismus ist heimtückischer: die arthrogene Muskelhemmung. Die Rezeptoren des verletzten, geschwollenen und schmerzhaften Kniegelenks hemmen auf Höhe des Rückenmarks reflexartig die Aktivierung des Oberschenkelmuskels. Ihr Gehirn gibt zwar den Befehl, doch ein Teil der Muskelfasern schaltet sich einfach nicht ein. Deshalb „finden“ viele Menschen nach einer Knieoperation ihren Oberschenkelmuskel wochenlang nicht, und deshalb reicht die Strategie „Ich mache Übungen, sobald es nicht mehr weh tut“ nicht aus: Solange die Hemmung besteht, erreicht das willentliche Training nur einen Teil des Muskels. Mehr über die Folgen des Abbaus: Folgen von Bewegungsmangel →

EMS (elektrische Muskelstimulation, medizinisch NMES) stimuliert über auf der Haut angebrachte Elektroden direkt die Nerven, die den Muskel versorgen, und löst eine Kontraktion aus – unabhängig von Ihrem Willen und von der arthrogenen Hemmung. Dadurch kann die Methode in dieser Situation drei Dinge, die sonst nichts leistet: Sie lässt den Muskel auch dann arbeiten, wenn willentliches Training wegen Schmerzen oder einer Hemmung nicht möglich ist; sie erreicht auch die schnell abbauenden Fasern mit hoher Reizschwelle; und sie „trainiert“ die Nerven-Muskel-Verbindung neu – während der Behandlung spannen Sie den Muskel bewusst zusätzlich an, sodass Ihr Gehirn den Befehl wieder mit der Kontraktion verbindet. Mehr über die physikalischen Grundlagen der Methode und den Unterschied zu TENS: EMS – elektrische Muskelstimulation → und TENS, EMS, MENS – worin liegt der Unterschied? →

Typische Situationen sind: nach einer Knieoperation (Prothese, Kreuzbandrekonstruktion, Meniskusoperation) in der frühen Phase zusätzlich zur Physiotherapie1,2; bei Muskelabbau nach einer Gipsruhigstellung oder Entlastung; bei Kniearthrose, wenn das Training wegen Schmerzen nur eingeschränkt möglich ist – hier ist ein kräftigerer Oberschenkelmuskel selbst ein Teil der Behandlung; bei allgemeinem Muskelverlust nach längerer Krankheit oder Bettruhe, auch bei älteren Menschen; sowie bei Sportlern, um die verletzungsbedingte Trainingspause zu überbrücken. In allen Fällen gilt: Die Stimulation ist Teil des Rehabilitationsplans und keine eigenständige Wundermethode. Die Anwendung nach einer Operation sollten Sie auch hinsichtlich des Zeitpunkts mit Ihrem behandelnden Arzt und Physiotherapeuten abstimmen. Die dazugehörigen Ratgeber: Muskelstimulation nach einer Operation → · Prothesenoperation und Rehabilitation → · Kreuzband-Rehabilitation →

Übung Elektrodenplatzierung und Körperposition

Der Oberschenkelmuskel besteht aus vier Köpfen. Bei der Anwendung zu Hause arbeiten wir an den zwei gut erreichbaren vorderen Köpfen – dem äußeren und inneren breiten Muskel sowie dem geraden Oberschenkelmuskel. Die Regeln:

Regel Warum?
Zwei Elektroden pro Muskel: eine im oberen Drittel und eine im unteren Drittel des Muskels – die beiden Pole desselben Kabels (Kanals) müssen immer am SELBEN Muskel platziert werden Der Strom fließt zwischen den beiden Polen. Befindet sich das Paar an zwei verschiedenen Muskeln, arbeitet keiner der beiden richtig
Selbstklebende Elektroden von mindestens 5×5 cm; mit einem 4-Kanal-Gerät können beide Beine gleichzeitig behandelt werden (8 Elektroden) Die größere Fläche ist angenehmer und ermöglicht eine tiefere Muskelarbeit. Die gleichzeitige Behandlung beider Beine spart Zeit, und auch die gesunde Seite bleibt im Training
Auf sauberer, fettfreier und trockener Haut – ohne Creme oder Öl Davon hängen die Haftung der Elektrode und eine gleichmäßige Stromleitung ab
Im Sitzen, mit leicht gebeugtem Knie (etwa 20–60 Grad) und abgestütztem Bein Eine starke Kontraktion bei gestrecktem Knie kann das Gelenk unangenehm belasten. In gebeugter Position arbeitet der Muskel sicher
Spannen Sie während der Kontraktion bewusst mit an oder halten Sie dagegen (drücken Sie den Fuß gegen den Boden oder eine Fixierung) Willentliches Anspannen und Stimulation wirken zusammen besser als jede Methode allein – außerdem bauen sie die Nerven-Muskel-Verbindung wieder auf

Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) wieder kräftigen – Elektrodenplatzierung für die Behandlung mit einem 4-Kanal-Muskelstimulator

Der 12-Wochen-Plan zum Wiederaufbau

Phase Programme Häufigkeit Ziel
1. Woche: Gewöhnung Muskelentspannungsprogramm (ca. 20 Minuten) + Ausdauerkraftprogramm (ca. 25 Minuten) Entspannung täglich, Kräftigung 3× pro Woche Gewöhnung von Haut, Muskel und Nervensystem; Finden der richtigen Intensität
2.–3. Woche: Grundlagen Ausdauerkraft (20–30 Minuten) + Maximalkraftprogramm (20–30 Minuten) Ausdauerkraft täglich, Maximalkraft 2× pro Woche Wiederaufbau von Muskelmasse und Ermüdungstoleranz
4.–12. Woche: Aufbau Ausdauerkraft (30 Minuten) + Maximalkraft (30 Minuten) Ausdauerkraft täglich, Maximalkraft 3× pro Woche Kraft und Stabilität – parallel zum zunehmenden eigenen Training

Die Intensität ist der Schlüssel der gesamten Behandlung: Steigern Sie sie, bis Sie eine deutlich sichtbare, kräftige, aber nicht schmerzhafte Kontraktion erreichen. Während der Behandlungen kann sie Woche für Woche weiter erhöht werden, wenn sich der Muskel daran gewöhnt. Die Erkenntnis aus den Studien ist eindeutig: Eine kurz dauernde Stimulation mit niedriger Intensität hat nur eine geringe Wirkung2 – besser weniger Programme, dafür mit ausreichender Intensität. Die andere Hälfte des Plans ist Ihr schrittweise wiederaufgebautes eigenes Training: Variationen von Kniebeugen, Ausfallschritte, Treppensteigen und Radfahren. Die Stimulation ergänzt diese Übungen und macht ihnen später allmählich Platz: Belastungsaufbau in der Rehabilitation →

Welches Gerät eignet sich zum Wiederaufbau des Oberschenkelmuskels?

Für diese Aufgabe eignet sich ein 4-Kanal-Muskelstimulator, mit dem beide Beine gleichzeitig behandelt werden können und der über Rehabilitations- und Kräftigungsprogramme sowie passende Elektroden verfügt. Aus dem Angebot gibt es vier typische Leistungsstufen:

MyoBravo Muskelstimulator

MyoBravo

Ein zweikanaliger, auf Rehabilitation ausgerichteter Muskelstimulator für Personen, die ein Bein behandeln, eine einfache Anwendung wünschen und das Gerät hauptsächlich zum Wiederaufbau nach einer Operation oder Verletzung einsetzen möchten. Der kleinste Einstieg für diese Aufgabe.

Genesy 300 Pro Elektrotherapiegerät

Genesy 300 Pro

Ein vierkanaliges Globus-Gerät mit EMS-, TENS- und Mikrostromprogrammen: Beide Oberschenkel können gleichzeitig behandelt werden, und dasselbe Gerät kann auch zur Linderung von Knieschmerzen (TENS) eingesetzt werden. Für die meisten Rehabilitationsanwendungen zu Hause ist dies die vernünftige Wahl.

Premium 400 Elektrotherapiegerät

Premium 400

Das Schwestermodell des Genesy 300 Pro mit erweitertem Sport- und Kräftigungsprogramm – für Personen, die das Gerät nach der Rehabilitation auch für Trainingsziele wie Kraft, Ausdauer und Regeneration einsetzen möchten. Für Sportler stehen auch sportartspezifische Programme (Runner, Cycling, Triathlon Pro) zur Verfügung.

Genesy 1500 Elektrotherapiegerät

Genesy 1500

Ein professionelles Gerät mit großer Programmauswahl für Physiotherapeuten, Praxen und anspruchsvolle Anwender zu Hause – auch bei nahezu denervierten Muskeln und komplexen Rehabilitationsprotokollen mit umfangreichen Reserven.

Das vollständige Angebot – vom Einstiegsmodell Elite 150 über das Activa 700 bis zu den professionellen Geräten – finden Sie auf der Kategorieseite: Muskelstimulatoren →. Wenn Sie bei der Auswahl unsicher sind, habe ich den Unterschied zwischen günstigen und professionellen Geräten gesondert beschrieben: Günstige und professionelle Muskelstimulatoren im Vergleich →

Warnung Wann sollten Sie keinen Muskelstimulator am Oberschenkel verwenden?

  • Herzschrittmacher, implantierter Defibrillator oder anderes aktives elektrisches Implantat – elektrische Stimulation ist verboten, da sie die Funktion des Geräts stören kann.
  • Frische oder vermutete tiefe Venenthrombose – eine Muskelstimulation am Bein ist in diesem Fall verboten: Die Muskelpumpe kann den Blutpfropf lösen. Nach einer Operation und längerer Bettruhe – wenn das Thromboserisiko am höchsten ist – sollten Sie den Beginn der Behandlung deshalb mit einem Arzt abstimmen. Thrombose →
  • Schwangerschaft – Elektrotherapie am Rumpf und an der unteren Extremität während der Schwangerschaft nur mit ärztlicher Genehmigung.
  • Epilepsie – nur mit Zustimmung des behandelnden Arztes.
  • Tumorerkrankung im behandelten Bereich – über einem bekannten oder vermuteten Tumor darf keine Stimulation durchgeführt werden.
  • Hautverletzung, Infektion oder frische Wunde an der Elektrodenstelle – meiden Sie den Bereich bis zur Abheilung; nach einer Operation dürfen die Elektroden niemals auf der Narbe oder unmittelbar daneben platziert werden.
  • Metallimplantat im Behandlungsbereich (z. B. Knieprothese) – keine absolute Gegenanzeige: Die Stimulation des Oberschenkelmuskels ist auch bei einer Prothese in Studien etabliert2. Platzieren Sie die Elektroden jedoch nicht direkt über dem Implantat und stimmen Sie die Anwendung nach der Operation mit dem Operateur ab.
  • Akutes, heißes und geschwollenes, ungeklärtes Knie – zuerst die Diagnose (Entzündung? Infektion? Gicht?), danach die Rehabilitation: Kniebeschwerden im Überblick →

Forschung Was sagen die Studien? Fragen der Leser

„Beschleunigt die Methode die Genesung nach einer Kreuzbandoperation wirklich?“

Die besten Daten stammen genau aus diesem Bereich. Einer Analyse, die 11 randomisierte Studien überprüfte und sechs davon in einer Metaanalyse zusammenfasste, zufolge führte eine zusätzlich zur üblichen Physiotherapie eingesetzte Muskelstimulation in der frühen Phase nach einer Kreuzbandoperation (4–12 Wochen) im Vergleich zur alleinigen Physiotherapie zu einem statistisch und klinisch signifikanten zusätzlichen Kraftgewinn des Oberschenkelmuskels. Auch die körperliche Funktion verbesserte sich stärker.1 Das ist genau der Zeitraum, in dem das willentliche Training wegen der arthrogenen Hemmung am schlechtesten funktioniert – dort kann EMS also am meisten helfen, wo die herkömmliche Methode am wenigsten leistet. Der langfristige Unterschied gleicht sich in den Studien aus, sobald das eigene Training die Hauptrolle übernimmt. Die in den frühen Wochen gewonnene Kraft bestimmt jedoch das Tempo der gesamten Rehabilitation.

„Und nach einer Knieprothese?“

Auch dort ist das Bild günstig – mit einer wichtigen Erkenntnis. Einer systematischen Übersicht über NMES-Studien nach einer Prothesenoperation zufolge führt eine durch Stimulation ergänzte Rehabilitation insbesondere in der frühen Phase nach der Operation zu einem kräftigeren Oberschenkelmuskel als die übliche Physiotherapie allein. Die Autoren betonen jedoch, dass das Ergebnis von Intensität und Dauer abhängt – kurze Behandlungen mit niedriger Intensität haben nur eine geringe Wirkung.2 Wichtig ist auch: Eine frühe Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2010 fand noch keine ausreichenden Belege3. Die seither veröffentlichten Studien mit besserer Qualität und höherer Dosierung haben das Bild zugunsten der Methode verändert. Für Sie bedeutet das zweierlei: Die Methode funktioniert, aber nur bei korrekter Anwendung – kräftige Kontraktion, ausreichende Behandlungsdauer und mehrere Wochen konsequente Durchführung.

„Wäre es nicht einfacher, einfach Übungen zu machen?“

Doch – sobald Sie dazu in der Lage sind. Übungen bilden die Grundlage der Knie-Rehabilitation, und bei Arthrose ist ihre Wirkung mit der von Medikamenten vergleichbar4. Ein vollständiges willentliches Training kann EMS langfristig nicht übertreffen und nicht ersetzen. Der Wert der Stimulation liegt in der Übergangsphase: Wenn Übungen wegen Schmerzen, Schwellung, Hemmung oder einer Ruhigstellung nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, lässt EMS den Muskel trotzdem arbeiten. So müssen Sie später nicht bei null beginnen. Die richtige Formel lautet daher nicht „Übungen ODER Stimulation“, sondern eine stufenweise Kombination: zunächst Stimulation plus so viele Übungen, wie möglich sind; danach zunehmend mehr eigenes Training und am Ende das Gerät nur noch ergänzend. Wer gehfähig und schmerzfrei ist, für den sind Kniebeugen und Treppensteigen der wichtigste „Muskelstimulator“.

FAQ Häufig gestellte Fragen

Sie darf nicht schmerzen – aber Sie müssen sie spüren. Bei der richtigen Intensität spüren Sie zunächst ein starkes Kribbeln und danach eine deutliche, sichtbare Muskelkontraktion. Das ist ungewohnt, aber nicht schmerzhaft. Ein leichter Muskelkater nach den ersten Behandlungen ist normal und sogar ein gutes Zeichen. Wenn Sie einen stechenden, beißenden oder brennenden Schmerz spüren, haftet die Elektrode schlecht oder die Intensität wurde zu schnell erhöht. Stellen Sie die Intensität niedriger ein, überprüfen Sie die Elektrode und steigern Sie langsamer. Sitzen Sie während der Behandlung immer bequem und mit abgestütztem Bein.

Diese Entscheidung treffen der Operateur und der Physiotherapeut. In den Studien begann die Stimulation typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der Operation als Teil des Rehabilitationsprotokolls, weil sie gerade in der frühen Phase den größten zusätzlichen Nutzen bringt. Was Sie tun können: Fragen Sie bereits bei der ersten Kontrolle, ob die Methode in Ihren Plan aufgenommen werden kann, und bringen Sie die Daten Ihres Geräts mit. Meiden Sie den Bereich um die Wunde mit den Elektroden immer, und klären Sie die Thrombosefrage (siehe Gegenanzeigen) unbedingt ab. Mehr dazu: Muskelstimulation nach einer Operation →

Die neuronale Wirkung – dass Sie den Muskel „wiederfinden“ und leichter anspannen können – ist häufig bereits nach 1–2 Wochen spürbar. Für einen messbaren Kraftzuwachs sind den Studien zufolge 4–6 Wochen regelmäßiger Behandlung mit guter Intensität erforderlich, für einen sichtbaren Zuwachs an Muskelmasse 8–12 Wochen. Deshalb ist der Plan auf 12 Wochen ausgelegt und deshalb sollten Sie nicht schon nach 2 Wochen ein Urteil fällen. Ihren Fortschritt können Sie einfach messen: den Oberschenkelumfang mit einem Maßband (immer an derselben Stelle und in derselben Körperposition), die Anzahl des Aufstehens vom Stuhl innerhalb von 30 Sekunden und die Ermüdung nach dem Treppensteigen.

Oft ja – die aktive Stabilisierung des Knies wird genau durch einen kräftigen, schnell reagierenden Oberschenkelmuskel gewährleistet. Hinter dem Gefühl, dass das Knie „wegknickt“, steckt häufig keine Bandverletzung, sondern eine Muskelschwäche und eine verzögerte Muskelreaktion. Die Reihenfolge ist jedoch wichtig: Die Ursache der Instabilität muss zunächst ärztlich geklärt werden (Band? Meniskus? Kniescheibe?), denn bei einem echten Bänderriss ist die Kräftigung zwar notwendig, allein aber nicht immer ausreichend. Das Muskelprogramm nach der Diagnose bildet jedoch in jedem Fall das Rückgrat der Behandlung – mit dem in diesem Artikel beschriebenen Protokoll.

Die ehrliche Antwort lautet: Das sollten Sie nicht von ihr erwarten. Der Kalorienverbrauch durch EMS beträgt nur einen Bruchteil des Verbrauchs bei einem Spaziergang, und eine „lokale Fettverbrennung“ gibt es nicht. Die Stimulation baut Muskeln auf und erhält sie, baut aber kein Fett ab. Über das Abnehmen entscheidet die Ernährung: Abnehmen – das einfache Erfolgsrezept → – ein realistisches Bild von Körperformung erhalten Sie hier: Kann man mit einem Muskelstimulator abnehmen? →

Zusammenfassung Zusammenfassung – Schneller Überblick

Worum geht es in diesem Artikel? Praktischer Ratgeber zum Wiederaufbau des Oberschenkelmuskels mit einem Muskelstimulator und zur dadurch möglichen Stabilisierung des Knies: Warum der Oberschenkelmuskel abbaut (arthrogene Hemmung), wie EMS hilft, Elektrodenplatzierung, 12-Wochen-Programm, Regeln zur Intensität, Geräteauswahl, Gegenanzeigen und klinische Belege.
Für wen ist der Artikel gedacht? Für Patienten nach einer Knieoperation (Prothese, Kreuzband), für Menschen mit Arthrose, für Personen mit Muskelabbau nach einem Gipsverband oder längerer Schonung sowie für Sportler, die eine Trainingspause überbrücken möchten.
Kernaussage: Der Oberschenkelmuskel ist die lebende Orthese des Knies und baut sich nach Schmerzen oder einer Operation wegen einer reflexartigen Hemmung schneller ab, als Sie vielleicht denken. EMS bildet die Brücke: Die Methode umgeht die Hemmung und lässt den Muskel arbeiten, solange eigenes Training noch nicht möglich ist. Studien zufolge beschleunigt sie zusätzlich zur Physiotherapie in den frühen Wochen messbar die Rückkehr der Kraft. Voraussetzung sind eine kräftige, sichtbare Kontraktion, ausreichende Behandlungszeit, 12 Wochen konsequente Anwendung und bewusstes zusätzliches Anspannen. Bei Thromboserisiko ist die Anwendung verboten; nach einer Operation muss sie mit einem Arzt abgestimmt werden. Das eigentliche Ziel bleibt immer das Training aus eigener Kraft – das Gerät begleitet Sie bis dorthin.
Nächster Schritt: Muskelstimulation nach einer Operation → · Belastungsaufbau → · Kniebeschwerden im Überblick →

Quellen

  1. Hauger AV, Reiman MP, Bjordal JM, Sheets C, Ledbetter L, Goode AP. Neuromuscular electrical stimulation is effective in strengthening the quadriceps muscle after anterior cruciate ligament surgery. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2018;26(2):399-410. DOI: 10.1007/s00167-017-4669-5
  2. Labanca L, Bonsanto F, Raffa D, Orlandi Magli A, Benedetti MG. Does adding neuromuscular electrical stimulation to rehabilitation following total knee arthroplasty lead to a better quadriceps muscle strength recovery? A systematic review. Int J Rehabil Res. 2022;45(2):118-125. DOI: 10.1097/MRR.0000000000000525
  3. Monaghan B, Caulfield B, O'Mathúna DP. Surface neuromuscular electrical stimulation for quadriceps strengthening pre and post total knee replacement. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(1):CD007177. DOI: 10.1002/14651858.CD007177.pub2
  4. Fransen M, McConnell S, Harmer AR, Van der Esch M, Simic M, Bennell KL. Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database Syst Rev. 2015;1:CD004376. DOI: 10.1002/14651858.CD004376.pub3
Dr. Zsolt Zátrok

Dr. Zsolt Zátrok

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen weder eine ärztliche Untersuchung noch die Anleitung durch einen Physiotherapeuten. In der Rehabilitation nach einer Operation müssen Sie den Beginn und den Zeitpunkt der Muskelstimulation immer mit Ihrem behandelnden Arzt abstimmen. Geräte für die Heimanwendung dienen als Ergänzung zur medizinischen Behandlung.

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