Was ist ein Steroid – und warum spaltet es die Meinungen?
Klären wir zunächst ein häufiges Missverständnis. Gemeint ist hier ein Kortikosteroid: die synthetische, zu einem Medikament entwickelte Variante des körpereigenen Hormons Kortisol, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es reduziert Entzündungen stark und bremst das Immunsystem. Mit den zum Muskelaufbau verwendeten und durch Missbrauch bekannt gewordenen anabolen Steroiden hat es nichts zu tun – die beiden sind nur dem Namen nach verwandt.
Kerngedanke
Ein Steroid ist in einer akuten Situation eines der wertvollsten Mittel der Medizin – unter Umständen rettet es Leben. Das Problem ist nicht das Steroid selbst, sondern seine langfristige, routinemäßige Anwendung: Bei längerer Einnahme steigt das Risiko von Nebenwirkungen kontinuierlich, während die günstige Wirkung – besonders bei Gelenkbeschwerden – immer kürzer anhält und immer schwächer wird. Das Ziel ist daher nicht, Steroide abzulehnen, sondern sie klug und sparsam einzusetzen.
Wann ist es ein Freund? Wenn es sogar Leben retten kann
Das muss man klar sagen, denn manche Menschen lehnen aufgrund von im Internet gelesenen Horrorgeschichten sogar eine notwendige Behandlung ab – und bringen sich damit selbst in Gefahr. Es gibt Situationen, in denen ein Steroid keine Option, sondern ein notwendiges, möglicherweise lebensrettendes Mittel ist.
Bei einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) – zum Beispiel nach einem Wespenstich oder bei einer Erdnussallergie – kann ein Steroid Teil der schnell eingeleiteten medikamentösen Behandlung sein: Es kann helfen, den Zustand zu stabilisieren. Bei Autoimmunerkrankungen – etwa Lupus, Gefäßentzündungen oder schwerer rheumatoider Arthritis – kann ein Schub lebenswichtige Organe wie Nieren, Lunge oder Blutgefäße schädigen; in diesem Fall verschafft das Steroid die Zeit, in der die Langzeitbehandlung aufgebaut werden kann. Auch bei einer schweren Verschlechterung von Asthma und COPD kann es eine wichtige Rolle spielen. In diesen Situationen ist die Abwägung eindeutig: Der Nutzen des Steroids übersteigt sein Risiko oft um ein Vielfaches.
Und es gibt einen Mittelbereich: kurze, gezielte Behandlungszyklen. Eine einige Tage bis Wochen dauernde, ärztlich überwachte Steroidbehandlung verursacht bei den meisten Menschen keine bleibenden Probleme. Der eigentliche Bereich für Nebenwirkungen ist die kontinuierliche Einnahme über Monate oder Jahre.
Wie wirkt es, und in welchen Formen ist es erhältlich?
Eine Entzündung ist nicht grundsätzlich ein Feind: Sie ist ein natürlicher Abwehr- und Reparaturprozess des Körpers – darauf weisen Rötung, Wärme, Schwellung und Schmerzen hin. Bei bestimmten Erkrankungen läuft das Immunsystem jedoch übermäßig auf Hochtouren oder greift sogar körpereigenes Gewebe an. Das Steroid dämpft dann die Entzündung und die Immunreaktion – schnell und stark. Darin liegen sowohl seine Stärke als auch seine Gefahr: Es unterscheidet nicht. Zusammen mit der schädlichen, übermäßigen Entzündung dämpft es auch die nützlichen Abwehr- und Reparaturprozesse.
Sie können es lokal anwenden (Creme, Salbe, Augentropfen), einnehmen (Tablette), injizieren lassen (in eine Vene, einen Muskel oder gezielt in ein Gelenk beziehungsweise neben eine Sehne) oder inhalieren (bei der Behandlung von Asthma und COPD). Die Form ist keine Nebensache, sondern entscheidend für das Risiko: Je kleiner die behandelte Fläche und je geringer die Wirkstoffmenge, desto weniger Nebenwirkungen betreffen in der Regel den ganzen Körper. Über Gelenkinjektionen habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich geschrieben: Steroidinjektion (Kortisol-Spritze) – was sollten Sie wissen? →
Eine auf die Haut aufgetragene Creme oder ein inhaliertes Spray wirkt hauptsächlich dort, wohin es gelangt – nur eine kleine Menge kommt in den Blutkreislauf. Tablette und Infusion hingegen „baden“ den ganzen Körper im Wirkstoff: Deshalb treten die im nächsten Abschnitt aufgeführten Nebenwirkungen vor allem bei einer systemischen, also im ganzen Körper wirksamen Behandlung auf. Eine Gelenkinjektion liegt dazwischen: Sie ist gezielt, aber ein Teil des Wirkstoffs gelangt aus dem Depot langsam auch in den Kreislauf – und auch für das Gelenk selbst ist es nicht unerheblich, wie oft es behandelt wird (dazu weiter unten im Abschnitt zu den Forschungsergebnissen).
Wann wird es zum Feind? Der Preis einer langfristigen Einnahme
Studien zufolge tritt bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen, die über längere Zeit regelmäßig Steroide einnehmen – in manchen Erhebungen bei bis zu 90 % – irgendeine Nebenwirkung auf. Nicht alle sind schwerwiegend, aber man sollte sie kennen, weil die meisten zunächst unbemerkt bleiben:
| Bereich | Was kann passieren? | Worauf sollten Sie achten? |
|---|---|---|
| Knochen | Osteoporose – bei einem erheblichen Teil der Langzeitanwender, bis zu 40 %, kommt es zu Knochenverlust, der bereits in den ersten 6-12 Monaten beginnen kann1 | Knochendichtemessung, Calcium- und Vitamin-D-Ergänzung nach ärztlicher Empfehlung |
| Stoffwechsel | Erhöhter Blutzucker (Entstehung oder Verschlechterung eines Diabetes), Gewichtszunahme, typische Veränderung der Fettverteilung (Mondgesicht) | Regelmäßige Blutzuckerkontrolle, Gewicht beobachten |
| Herz-Kreislauf-System | Blutdruckanstieg, Flüssigkeitseinlagerung (Ödem) | Regelmäßige Blutdruckmessung, auch zu Hause |
| Psyche | Schlaflosigkeit, Unruhe, Stimmungsschwankungen, seltener Depression | Sagen Sie es Ihrem Arzt – es ist keine „Einbildung“, sondern eine bekannte Wirkung |
| Immunsystem | Erhöhte Infektanfälligkeit, langsamere Wundheilung | Bei Fieber oder Entzündung früher einen Arzt aufsuchen |
| Augen | Erhöhtes Risiko für Grauen und Grünen Star | Bei langfristiger Einnahme jährliche augenärztliche Kontrolle |
| Muskeln, Haut | Muskelschwäche, dünner werdende Haut, leichte Blutergüsse | Kräftigende Bewegung einbauen (siehe nächsten Abschnitt) |
| Magen-Darm-Trakt | Magenbeschwerden, erhöhtes Geschwürsrisiko – vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Entzündungshemmern | Nie eigenmächtig mit einem NSAID-Schmerzmittel kombinieren |
Die wichtigste Regel: Setzen Sie es niemals plötzlich ab
Während einer langfristigen Steroideinnahme gewöhnt sich Ihre Nebenniere daran, kein eigenes Kortisol mehr zu produzieren. Wenn Sie das Medikament von einem Tag auf den anderen absetzen, bleibt Ihr Körper ohne Hormon – das kann zu Unwohlsein, Blutdruckabfall und in schweren Fällen zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Das Ausschleichen erfolgt immer schrittweise und wird immer von Ihrem Arzt gesteuert.
Gelenk- oder Muskel-Skelett-Beschwerden? Verlassen Sie sich nicht nur auf Steroide
Jetzt kommt der wichtigste Teil dieses Artikels – der Teil, den Menschen mit Muskel-Skelett-Beschwerden vollständig lesen sollten. Bei Kniearthrose, Schulterschmerzen, Tennisellenbogen und Wirbelsäulenbeschwerden werden auch heute noch sehr häufig Steroidinjektionen verabreicht – und kurzfristig wirken sie tatsächlich: Die Schmerzen lassen innerhalb weniger Tage nach. Genau das ist die Falle.
Die Forschung zeigt nämlich übereinstimmend, dass sich die Wirkung von Steroiden bei Gelenk- und Sehnenbeschwerden mit der Zeit umkehrt: Die erste Injektion hilft deutlich, die nächste schon weniger und kürzer, und regelmäßige Wiederholungen verbessern den langfristigen Verlauf nicht nur nicht, sondern können ihn sogar verschlechtern – zulasten von Knorpel und Sehnengewebe.2,4 Das Steroid schaltet den Schmerz ab, behandelt aber nicht die Ursache der Beschwerden – die schwache Muskulatur, die überlastete Sehne oder den verschleißenden Knorpel. Außerdem belasten viele Menschen das Gelenk in den schmerzfreien Wochen genauso weiter, sodass sich das Grundproblem unbemerkt verschlechtert.
Was empfehle ich stattdessen? Eine Doppelstrategie – und das Steroid behalten Sie für das, was es ist: eine gelegentliche Notmaßnahme.
Die erste Säule ist die Kräftigung von Muskeln und Sehnen. Der wichtigste Schutz Ihres Gelenks ist die kräftige Muskulatur in seiner Umgebung: Sie übernimmt einen Teil der Belastung, stabilisiert das Gelenk und versorgt den Knorpel – denn Knorpel wird durch Bewegung „ernährt“. Ein von einem Physiotherapeuten zusammengestelltes Kräftigungsprogramm und regelmäßige, gelenkschonende Bewegung (Gehen, Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik) behandeln nicht nur das Symptom, sondern die Ursache. Studien zufolge erzielte konsequente Physiotherapie bei Kniearthrose nach einem Jahr bessere Ergebnisse als eine Steroidinjektion3 – sie wirkt langsamer, aber nachhaltiger.
Die zweite Säule ist eine ergänzende physikalische Therapie mit natürlichen Energien. Diese Methoden arbeiten nicht mit chemischen Substanzen, sondern mit physikalischen Reizen – Licht, Schall, elektrischen Impulsen und Magnetfeldern – und belasten deshalb weder Magen noch Knochen oder Blutzucker. Therapeutischer Ultraschall und Softlaser können die lokale Durchblutung und die Regeneration auf Zellebene unterstützen, Magnetfeldtherapie (PEMF) kann die Gewebereparatur fördern, TENS kann beim Dämpfen von Schmerzsignalen helfen, Mikrostrom kann die Energieproduktion geschädigter Gewebe unterstützen und EMS kann beim Wiederaufbau schwacher Muskulatur helfen – dient also genau der ersten Säule. Das Ziel ist nicht, Steroide von einem Tag auf den anderen zu „ersetzen“, sondern den Bedarf an Steroiden schrittweise zu senken: Wenn sich die Schmerzen mit physikalischer Therapie und Bewegung kontrollieren lassen, muss seltener zur Notmaßnahme gegriffen werden.
Mein Rat: Erstellen Sie einen „Steroid-Sparplan“
Besprechen Sie offen mit Ihrem behandelnden Arzt, dass Ihr Ziel darin besteht, Ihre Beschwerden mit so wenig Steroid wie möglich unter Kontrolle zu halten. Bitten Sie um eine Verordnung für Physiotherapie oder um ein Übungsprogramm für zu Hause, bauen Sie tägliche Bewegung und physikalische Therapie zu Hause in Ihren Alltag ein – und führen Sie ein Schmerztagebuch. Wenn das Tagebuch bei der nächsten Kontrolle eine Verbesserung zeigt, wird Ihr Arzt die Injektionen sicherlich gern seltener verabreichen. Das Steroid bleibt für Notfälle im Schrank – und genau dort gehört es hin.
Möglichkeiten der physikalischen Therapie zu Hause
Die folgenden Gerätegruppen dienen der zweiten Säule der Steroid-Sparstrategie. Sie müssen nicht alle gleichzeitig kaufen – die Art Ihrer Beschwerden entscheidet, mit welchem Gerät Sie beginnen sollten. Dabei helfen Ihnen der oben genannte Technologie-Leitfaden oder Ihr behandelnder Arzt.
B-Cure Laser Classic Softlaser
Softlasergerät für zu Hause bei Gelenk- und Weichteilbeschwerden: Das Licht kann den Stoffwechsel der Zellen im behandelten Bereich und die Regeneration unterstützen. Dank der großen Behandlungsfläche ist es auch für größere Gelenke wie Knie und Schulter praktisch, und die Anwendung ist schmerzfrei.
Therapeutischer Ultraschall SonicRelief
Mikromassage tieferer Gewebe – etwa von Sehnen und Gelenkkapseln: Ultraschall kann die lokale Durchblutung und die Regeneration des Gewebes verbessern. Bei chronischen Sehnen- und Gelenkbeschwerden ist er eine gute Ergänzung; Behandlungsrhythmus: jeden zweiten Tag eine Behandlung, bis zu 20-30 Anwendungen hintereinander.
Premium 400 Elektrotherapiegerät
Vierkanalgerät, das beide Säulen der Strategie gleichzeitig unterstützt: TENS zur Schmerzdämpfung, Mikrostrom zur Unterstützung der Geweberegeneration und EMS zum Wiederaufbau schwacher Muskulatur. Wenn Sie mit nur einem Gerät beginnen möchten, ist es die vielseitigste Wahl.
Magnetfeldtherapiegerät Magnum 2500
Gepulstes Magnetfeldtherapiegerät (PEMF), das die Geweberegeneration und den Knochenstoffwechsel unterstützen kann – letzteres kann für Menschen unter langfristiger Steroidbehandlung besonders wichtig sein. Während der Behandlung können Sie lesen oder fernsehen: Das Magnetfeld dringt auch durch die Kleidung.
Steroidbehandlung: Wann ist besondere Vorsicht erforderlich?
Bei den folgenden Erkrankungen darf eine Steroidbehandlung nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung und unter engerer Kontrolle fortgesetzt werden – wenn eine davon auf Sie zutrifft, informieren Sie unbedingt Ihren Arzt:
- Diabetes – Steroide erhöhen den Blutzuckerspiegel; während der Behandlung können häufigere Kontrollen und gegebenenfalls eine Anpassung der Medikamente erforderlich sein.
- Osteoporose – Steroide können den Knochenverlust weiter beschleunigen; eine knochenschützende Behandlung sollte erwogen werden.
- Bluthochdruck, Herzerkrankung – wegen Flüssigkeitseinlagerung und Blutdruckanstieg ist eine engmaschigere Kontrolle erforderlich.
- Aktive Infektion – Steroide schwächen die Immunreaktion; die Infektion kann aufflammen oder länger andauern.
- Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür – die Beschwerden können sich verstärken, insbesondere in Kombination mit Entzündungshemmern.
- Grüner Star (Glaukom) – der Augeninnendruck kann weiter steigen; eine augenärztliche Kontrolle ist erforderlich.
- Schwangerschaft, Stillzeit – nur bei eindeutiger ärztlicher Indikation und nach individueller Abwägung.
- Ödematöse Erkrankung, Lymphödem – Steroide verstärken die Wassereinlagerung, sodass sich auch das Ödem ungünstig entwickeln kann.
Wichtiger Hinweis
Beginn, Änderung und Ausschleichen einer Steroidbehandlung sind immer ärztliche Entscheidungen. Dieser Artikel fordert Sie nicht dazu auf, Ihr verordnetes Medikament abzusetzen – sondern dazu, mit Ihrem Arzt über die niedrigste wirksame Dosis und über ergänzende, medizinisch anerkannte Alternativen zu sprechen.
Was sagen die Forschungsergebnisse?
„Was passiert, wenn ich regelmäßig eine Steroidinjektion in mein Knie bekomme?“
Eine sorgfältig aufgebaute, zweijährige Studie gab auf diese Frage eine nachdenklich stimmende Antwort. Die eine Hälfte der Patienten mit Kniearthrose erhielt alle drei Monate eine Steroidinjektion in das Gelenk, die andere Hälfte eine auf die gleiche Weise verabreichte Injektion ohne Wirkstoff – und nach zwei Jahren war der Knieknorpel bei den Patienten mit Steroid messbar stärker ausgedünnt, während ihre Schmerzen nicht geringer waren als die der anderen Gruppe.2 Die regelmäßige, routinemäßige Wiederholung ging also zulasten des Knorpels, ohne dauerhaften Vorteil. Die gelegentliche, begründete Injektion bleibt trotzdem ein sinnvolles Mittel – die Gewohnheit „Ich gehe vierteljährlich zu meiner üblichen Spritze“ sollte man aufgrund dieser Ergebnisse jedoch überdenken.
„Kann mein Knie durch Bewegung tatsächlich besser werden als durch eine Injektion?“
Eine in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlichte Studie verglich genau dies bei Patienten mit Kniearthrose: Eine Gruppe erhielt eine Steroidinjektion, die andere eine von Physiotherapeuten geleitete Behandlung. Nach einem Jahr berichteten die Mitglieder der Physiotherapiegruppe über weniger Schmerzen und eine bessere Bewegungsfähigkeit als die Patienten mit Injektion.3 Die Bewegungstherapie führte langsamer zu einer Verbesserung – aber die erreichte Verbesserung blieb bestehen. Das ist der wesentliche Unterschied: Die Injektion behandelt das Symptom, die Bewegungstherapie die Ursache.
„Warum sagt man, dass eine schnelle Verbesserung täuschen kann?“
Die Forschung zum Tennisellenbogen gab darauf die klarste Antwort. In einer Studie verbesserten sich die Patienten mit Steroidinjektion in den ersten Wochen deutlich schneller als die Patienten mit einer wirkstofffreien Injektion – ein Jahr später hatte sich das Bild jedoch umgekehrt: In der Steroidgruppe waren weniger Patienten vollständig genesen, und mehr als viermal so viele erlitten einen Rückfall.4 Eine schnelle Schmerzlinderung ist daher nicht immer ein Zeichen der Heilung – manchmal verdeckt sie lediglich, dass das Gewebe noch nicht wiederhergestellt ist und eine zu frühe Belastung weiteren Schaden verursacht.
„Belastet eine langfristige Einnahme die Knochen wirklich so stark?“
Leider ja – das ist eine der am gründlichsten dokumentierten Nebenwirkungen. Große Übersichtsanalysen zeigen, dass langfristig oral eingenommene Steroide bereits in niedriger Dosis den Knochenverlust und das Knochenbruchrisiko messbar erhöhen und dass dieser Prozess bereits in den ersten Behandlungsmonaten beginnt.1 Die gute Nachricht: Das Risiko lässt sich beeinflussen – durch Knochendichtemessung, Calcium- und Vitamin-D-Ergänzung, bei Bedarf durch knochenschützende Medikamente und nicht zuletzt durch regelmäßige belastende Bewegung, die auch die Knochen stärkt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wenn eine Steroidbehandlung von mehr als 3 Monaten vor Ihnen liegt.
Praktische Ratschläge für Menschen, die Steroide einnehmen
Die niedrigste Dosis, für die kürzestmögliche Zeit. Das ist die goldene Regel der Steroidbehandlung – und Sie haben das Recht, Ihren Arzt zu fragen, ob Ihre Dosis dieser Regel entspricht und wann ein Versuch der Dosisreduktion vorgesehen ist.
Bevorzugen Sie lokale Anwendungsformen. Wenn Ihre Beschwerden lokal begrenzt sind (Haut, ein Gelenk, Atemwege), verursacht eine lokale Behandlung (Creme, Injektion, Inhalator) typischerweise weniger Nebenwirkungen im ganzen Körper als eine Tablette. Auch das ist eine ärztliche Entscheidung – aber fragen dürfen Sie.
Gehen Sie zu den Kontrolluntersuchungen. Bei langfristiger Einnahme sind regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker, Augen und Knochendichte keine übertriebene Vorsicht, sondern Bestandteil der Behandlung. Die meisten Nebenwirkungen lassen sich früh erkannt gut behandeln.
Bewegen Sie sich – gerade wegen des Steroids. Eine langfristige Einnahme kann Muskelschwäche und Knochenverlust verursachen; regelmäßige kräftigende und belastende Bewegung wirkt beidem entgegen. Bewegung ist für Menschen, die Steroide einnehmen, keine Option, sondern lebenswichtig.
Häufig gestellte Fragen
Das hängt vom Präparat ab: Kurz wirkende Steroide wie Hydrokortison wirken über Stunden, lang wirkende wie Dexamethason über 1-2 Tage. In ein Gelenk verabreichte Depot-Injektionen wirken über Wochen – bei Diprophos wird beispielsweise die schnell wirkende Komponente innerhalb von Stunden freigesetzt, der Depotanteil über Wochen, und der größte Teil des Wirkstoffs verlässt den Körper innerhalb von 2-3 Wochen.
Nein. Bei kurzen, niedrig dosierten und ärztlich überwachten Behandlungen sind Nebenwirkungen selten und meist vorübergehend. Das Risiko steigt mit der Dosis und vor allem mit der Dauer – bei einer kontinuierlichen Einnahme über Monate werden die genannten Nebenwirkungen tatsächlich häufig. Deshalb richtet sich dieser Artikel nicht gegen Steroide, sondern gegen ihre langfristige, routinemäßige Anwendung.
Das hängt davon ab, wofür Sie das Steroid bekommen. Bei einer Autoimmunerkrankung oder einer schweren Allergie kann es nicht ersetzt werden – dort bildet es die Grundlage der Behandlung. Bei Muskel-Skelett-Beschwerden können Bewegungstherapie und physikalische Therapie der Forschung zufolge langfristig bessere Ergebnisse erzielen, und durch die Kombination beider Ansätze lässt sich der Bedarf an Steroiden deutlich reduzieren. Über einen Wechsel oder eine Dosisreduktion entscheiden Sie immer gemeinsam mit Ihrem Arzt – niemals eigenmächtig.
Im Allgemeinen ja, sogar ausdrücklich empfohlen – Bewegung wirkt dem Muskel- und Knochenverlust entgegen. Beachten Sie zwei vernünftige Regeln: Schonen Sie das behandelte Gelenk nach einer Gelenkinjektion einige Tage lang (Ihr Arzt sagt Ihnen, wie lange), und lassen Sie sich durch die Schmerzfreiheit nicht zu einer sofortigen vollständigen Belastung verleiten – eine Linderung der Beschwerden ist nicht dasselbe wie eine Heilung des Gewebes.
Werfen Sie das Rezept nicht weg, und nehmen Sie das Medikament auch nicht schweigend voller Angst ein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Fragen Sie: Was passiert, wenn ich es nicht einnehme? Wie lange muss ich es einnehmen? Wie sieht der Plan für die Dosisreduktion aus? Mit welchen ergänzenden Möglichkeiten lässt sich die Behandlung verkürzen? Ein guter Arzt beantwortet diese Fragen gern. Die schlechteste Entscheidung ist eine heimlich abgebrochene Behandlung – damit nehmen Sie die Nachteile beider Welten in Kauf.
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
- van Staa TP, Leufkens HG, Cooper C. (2002). The epidemiology of corticosteroid-induced osteoporosis: a meta-analysis. Osteoporosis International. PubMed: 12378366
- McAlindon TE, LaValley MP, Harvey WF, et al. (2017). Effect of intra-articular triamcinolone vs saline on knee cartilage volume and pain in patients with knee osteoarthritis: a randomized clinical trial. JAMA. PubMed: 28510679
- Deyle GD, Allen CS, Allison SC, et al. (2020). Physical therapy versus glucocorticoid injection for osteoarthritis of the knee. New England Journal of Medicine. PubMed: 32268027
- Coombes BK, Bisset L, Brooks P, et al. (2013). Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes in patients with unilateral lateral epicondylalgia: a randomized controlled trial. JAMA. PubMed: 23385272