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Strahlentherapie (Radiotherapie) und das Risiko eines Lymphödems

Strahlentherapie (Radiotherapie) und das Risiko eines Lymphödems

Die Strahlentherapie – auch Radiotherapie genannt – ist eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen. Dabei wird die DNA von Tumorzellen durch hochenergetische ionisierende Strahlung geschädigt, wodurch ihre Teilung und ihr Wachstum verhindert werden. Die moderne Radiotherapie ist präzise: Die Strahlung wird auf den Zielbereich konzentriert, während das umliegende gesunde Gewebe möglichst geschont wird. Dies wird durch bildgebende Verfahren (CT, MRI), 3D-Planung und intensitätsmodulierte Bestrahlungstechniken (IMRT, VMAT) erreicht.

Tumore
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Was ist Strahlentherapie (Radiotherapie)?

Die Strahlentherapie – auch Radiotherapie genannt – ist eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen. Dabei wird die DNA von Tumorzellen durch hochenergetische ionisierende Strahlung geschädigt, wodurch ihre Teilung und ihr Wachstum verhindert werden. Die moderne Radiotherapie ist präzise: Die Strahlung wird auf den Zielbereich konzentriert, während das umliegende gesunde Gewebe möglichst geschont wird. Dies wird durch bildgebende Verfahren (CT, MRI), 3D-Planung und intensitätsmodulierte Bestrahlungstechniken (IMRT, VMAT) erreicht.

Die Radiotherapie ist neben der Operation und der medikamentösen Therapie (Chemotherapie, zielgerichtete biologische Therapie, Immuntherapie, Hormontherapie) eine der drei wichtigsten Säulen der Krebsbehandlung. Weltweit erhalten mehr als 50 % der Krebspatienten irgendeine Form der Strahlentherapie.

Kerngedanke Kerngedanke

Die Strahlentherapie ist eine lebensrettende Therapie, kann aber als Nebenwirkung – insbesondere bei der Bestrahlung von Lymphregionen – ein chronisches Lymphödem verursachen. Dieses Risiko bleibt auch Jahre nach der Behandlung bestehen. Deshalb sollten bestrahlte Patienten langfristig auf Schwellungen an Armen, Beinen oder im Halsbereich achten und sich rechtzeitig an einen Facharzt wenden.

Wann wird die Strahlentherapie angewendet?

Die Strahlentherapie wird im Rahmen des Behandlungsplans vor allem in drei Situationen eingesetzt:

  • Mit kurativem Ziel: zur vollständigen Zerstörung des Tumors, häufig als Alternative zu einer Operation oder als Ergänzung dazu. Typische Beispiele sind Brustkrebs, Prostatakrebs, Gebärmutterhalskrebs sowie Kopf-Hals-Tumoren.
  • Als adjuvante Behandlung: nach einer Operation, um verbliebene mikroskopische Tumorzellen zu zerstören und das Rückfallrisiko zu senken.
  • Als palliative Behandlung: bei einer fortgeschrittenen, nicht heilbaren Erkrankung zur Linderung von Schmerzen, Blutungen oder anderen Beschwerden.

Für das Lymphödemrisiko ist entscheidend, ob der bestrahlte Bereich die regionalen Lymphregionen betrifft. Bei der Behandlung von Brustkrebs wird beispielsweise häufig die axilläre Lymphregion bestrahlt. Dies ist ein wichtiger Risikofaktor für ein Brustkrebs-assoziiertes Lymphödem des Arms (BCRL). Ebenso erhöht die Strahlentherapie von Tumoren im kleinen Becken (Gebärmutterhals, Prostata) das Risiko eines Lymphödems der unteren Extremitäten. Die Bestrahlung von Kopf-Hals-Tumoren kann dagegen zu einem Lymphödem im Hals- und Gesichtsbereich führen.

Strahlentherapie und das Risiko eines Lymphödems

Die Strahlentherapie erhöht das Risiko für ein Lymphödem, weil ionisierende Strahlung nicht nur Tumorzellen, sondern auch die umliegenden Lymphgefäße und Lymphknoten schädigt. Die durch die Strahlung verursachten Veränderungen umfassen:

  • Akute Entzündung im behandelten Bereich, die sich innerhalb von Wochen und Monaten schrittweise zu einem subakuten und chronischen Prozess entwickeln kann.
  • Strahlenfibrose – eine Verengung oder ein Verschluss des Lumens der Lymphgefäße infolge der Vernarbung des Bindegewebes.
  • Schädigung der Lymphknoten – die Funktion der bestrahlten Lymphknoten nimmt ab oder erlischt.
  • Mikrovaskuläre Schädigung – das Endothel kleiner Gefäße (Blut- und Lymphgefäße) wird verletzt. Dadurch verschlechtert sich der Flüssigkeitsaustausch allmählich.

Wichtig ist: Ein Lymphödem kann auch noch Jahre NACH der Strahlentherapie entstehen. In der klinischen Praxis treten die Beschwerden bei etwa einem Drittel der Patienten innerhalb von 2–5 Jahren auf. Zwischen der Behandlung und dem Auftreten des Ödems können jedoch auch 10–15 Jahre liegen. Dieses „späte Lymphödem“ ist besonders problematisch, weil der Patient die Beschwerden nicht mehr mit der lange zurückliegenden onkologischen Behandlung verbindet und häufig erst spät einen Arzt aufsucht.

Die grundlegende Funktion des Lymphsystems und die Folgen einer Schädigung werden im Ratgeber Lymphödem – Formen, Ursachen und Stadien ausführlich erläutert.

Armschwellung nach Brustkrebs (BCRL) – das häufigste strahlenassoziierte Lymphödem

Die Armschwellung nach Brustkrebs (BCRL, breast cancer-related lymphedema) ist das häufigste und klinisch am besten untersuchte strahlenassoziierte Lymphödem. Bei 20–30 % der Brustkrebspatienten entwickelt sich im Laufe ihres Lebens ein BCRL. Das Risiko ist besonders hoch bei Patienten, die:

  • eine umfangreiche Entfernung axillärer Lymphknoten (axilläre Lymphadenektomie) erhalten haben,
  • im axillären oder supraklavikulären Bereich bestrahlt wurden,
  • am Arm der operierten Seite wiederholt an einer lokalen Infektion (Erysipel) litten,
  • einen höheren BMI haben,
  • unmittelbar nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie erhalten haben.

Die gute Nachricht: Ein erheblicher Teil des Risikos lässt sich vermeiden. In der modernen klinischen Praxis wird die Entfernung des Wächterlymphknotens (sentinel lymph node) bevorzugt – statt einer vollständigen axillären Dissektion, sofern die Indikation dies erlaubt. Eine postoperative prophylaktische pneumatische Kompression senkt außerdem die Entstehungswahrscheinlichkeit eines BCRL signifikant.

Su und Kollegen (2025) – Meta-Analyse zur BCRL-Prävention, 1397 Patienten

Nach den zusammengefassten Ergebnissen von 14 randomisierten klinischen Studien senkt die pneumatische Kompression die Entstehung eines Lymphödems nach Brustkrebs signifikant (RR=0,36; 95 % CI 0,22–0,58). Optimales Protokoll: ≤40 mmHg Druck, >2 Wochen Behandlung, möglichst innerhalb von ≤24 Monaten nach dem chirurgischen Eingriff begonnen. Eine frühe Erkennung und eine präventive IPC sind daher klinisch belegte Verfahren.1

Donahue und Kollegen (2023) – Review zur BCRL-Prävention und -Behandlung

Die moderne BCRL-Versorgung beruht auf mehreren Säulen: Entfernung des Wächterlymphknotens als Standardversorgung, frühe Erkennung durch Maßbandmessung und Bioimpedanz, komplexe Entstauungstherapie (CDT), pneumatische Kompression, Low-Level-Lasertherapie (LLLT) sowie zunehmend auch mikrochirurgische Verfahren (LVA, VLNT). Aufklärung und langfristige Nachsorge sind ebenso wichtig wie die physische Behandlung.2

Andere strahlenassoziierte Lymphödeme

Das BCRL ist zwar die häufigste und am besten untersuchte Form. Eine Strahlentherapie kann jedoch auch in anderen Körperregionen ein Lymphödem verursachen:

  • Lymphödem im Kopf-Hals-Bereich: Nach der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren (Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Zungentumoren) können Gesicht, Hals und Kinnbereich anschwellen. Klinische Untersuchungen haben auch für diesen Bereich die Wirksamkeit von pneumatischen Kompressionsgeräten zur Heimanwendung (APCD) belegt.
  • Lymphödem der unteren Extremitäten nach einem Tumor im kleinen Becken: Bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs, Prostatakrebs oder Gebärmutterkörperkrebs kann die Bestrahlung der Beckenlymphregionen zu einer chronischen Schwellung der unteren Extremitäten führen.
  • Genitales Lymphödem: Eine Bestrahlung des kleinen Beckens kann seltener auch eine Schwellung des Hodensacks oder der Vulva verursachen.
  • Lymphödem des Bauchfells und der Bauchhöhle: Nach einer ausgedehnten Bestrahlung des Bauchraums oder des Retroperitoneums, häufig in Form eines Chyloperitoneums (Ansammlung von Chylus).

Ridner und Kollegen (2021) – RCT zu APCD bei Kopf-Hals-Lymphödem, 49 Patienten

Bei Patienten nach Behandlung eines Kopf-Hals-Tumors erwies sich die Anwendung eines advanced pneumatic compression device (APCD) als sichere und praktikable Behandlung zu Hause. Sie verbesserte das sichtbare Ödem und das vom Patienten wahrgenommene Gefühl der Kontrolle. In Situationen, in denen kein Therapeut für eine manuelle Behandlung verfügbar ist, kann sie eine Alternative zur CDT darstellen.3

Strahlentherapie: Vorbereitung und Ablauf der Behandlung

Die Planung und Durchführung einer Strahlentherapie ist ein mehrstufiger Prozess. Typischerweise beginnt er mit einer 1–2-wöchigen Vorbereitung:

  1. Gespräch mit dem strahlentherapeutischen Onkologen. Festlegung von Tumorart, Ausdehnung und individuellem Behandlungsziel. Besprechung der Voruntersuchungen (CT, MRI, PET-CT).
  2. Planungs-CT (Simulations-CT). Der Patient wird mithilfe von Immobilisationsvorrichtungen exakt positioniert und zur Planung des Bestrahlungsfeldes bildgebend untersucht.
  3. 3D-Planung. Der Medizinphysiker und der Onkologe legen anhand einer computergestützten Planung die Strahlendosis und die Anordnung der Felder fest.
  4. Behandlungssitzungen. Bei konventioneller Fraktionierung eine Sitzung täglich, gewöhnlich an 5 Tagen pro Woche. Die Sitzungen sind kurz (10–30 Minuten) und finden ambulant statt.

Die gesamte Behandlungsdauer hängt von der Tumorart ab und beträgt 3–8 Wochen. Die adjuvante Bestrahlung bei Brustkrebs dauert beispielsweise meist 5–6 Wochen, die Bestrahlung des kleinen Beckens 7–8 Wochen. Hypofraktionierte Protokolle dauern dagegen 1–3 Wochen.

Was erwartet Sie? Nebenwirkungen und Lymphödemrisiko

Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie lassen sich in zwei Gruppen einteilen: akute Beschwerden während und unmittelbar nach der Behandlung sowie späte Beschwerden, die Monate oder Jahre später auftreten. Das Lymphödem gehört typischerweise zur späten Gruppe.

Akute Nebenwirkungen (Wochen):

  • Rötung, Schuppung und Empfindlichkeit im behandelten Bereich,
  • Müdigkeit und allgemeine Schwäche,
  • Übelkeit (bei Bestrahlung des Bauchs oder kleinen Beckens),
  • Schleimhautentzündung (Mundhöhle, Bronchien, Harnblase oder Enddarm, je nach Zielbereich),
  • akute Lymphstauung im behandelten Bereich (meist vorübergehend).

Späte Nebenwirkungen (Monate bis Jahre):

  • Chronisches Lymphödem in der bestrahlten Lymphregion,
  • Strahlenfibrose (Vernarbung des Bindegewebes) im behandelten Bereich,
  • Hautveränderungen (Atrophie, Teleangiektasien),
  • Funktionsstörungen von Organen abhängig vom Zielbereich (z. B. Herzschädigung bei linksseitiger Brustbestrahlung oder Lungenfibrose bei Bestrahlung im Bronchialbereich).

Auch Maßnahmen, die während der Behandlung und unmittelbar danach ergriffen werden, sind wichtig, um das Lymphödemrisiko zu senken. Eine frühe Mobilisation, der Schutz der behandelten Extremität vor Verletzungen und Infektionen sowie ein prophylaktisches Kompressionskleidungsstück werden empfohlen – nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Wie lässt sich das Risiko eines strahlenassoziierten Lymphödems senken?

Früherkennung und vorbeugende Maßnahmen sind entscheidend, damit nach einer Strahlentherapie kein chronisches Lymphödem entsteht oder sich ein bestehendes nicht verschlimmert. Die folgenden 6 Schritte entsprechen einem evidenzbasierten Vorgehen:

  1. Früherkennung. Regelmäßige Messung der bestrahlten Extremität mit einem Maßband oder per Bioimpedanz, an denselben Messpunkten und möglichst bereits während der Behandlung. Ein Umfangsunterschied von mehr als 2 cm oder eine zunehmende Bioimpedanz sind frühe Warnzeichen.
  2. Prophylaktische Kompressionskleidung. Individuell angepasste Strümpfe oder Armstrümpfe der Kompressionsklasse II (23–32 mmHg) während und nach der Strahlentherapie, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
  3. Prophylaktische pneumatische Kompression. Nach der Meta-Analyse von Su 2025: ≤40 mmHg, >2 Wochen, innerhalb von ≤24 Monaten nach der Operation oder Strahlentherapie. Dies kann zu Hause mit einem Power Q-Gerät durchgeführt werden.
  4. Frühe komplexe Entstauungstherapie (CDT). Wenn trotzdem eine Schwellung auftritt, sollte frühzeitig ein Facharzt oder Lymphtherapeut konsultiert und eine CDT begonnen werden.
  5. Anpassung des Lebensstils. Schützen Sie die bestrahlte Extremität vor tiefen Verletzungen, Einstichen, Blutabnahmen und Blutdruckmessungen. Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine moderate Natriumzufuhr.
  6. Langfristige fachärztliche Nachsorge. Zusätzlich zu den onkologischen Kontrollen sollte jährlich eine lymphologische Untersuchung erfolgen – auch wenn keine Beschwerden bestehen, denn ein spätes Lymphödem kann noch 5–10 Jahre nach der Behandlung auftreten.

Eine ausführliche Beschreibung der praktischen Protokolle für zu Hause – Kompression, IPC, Selbstmassage und Bewegung – finden Sie im Ratgeber Lymphödem zu Hause behandeln. Bei der Auswahl des passenden Geräts hilft der Ratgeber Lymphmassagegerät – Multi-Indikations-Hub. Der Unterschied zwischen manueller und apparativer Lymphdrainage wird im Ratgeber Lymphdrainage – manuelle und apparative Lymphmassage erläutert.

Ergebnisse und langfristige Nachsorge

Die Ergebnisse der modernen Radiotherapie sind je nach Tumorart sehr gut: Brustkrebs lässt sich lokal wirksam behandeln, die 5-Jahres-Überlebensrate bei Kopf-Hals-Tumoren hat sich deutlich verbessert und auch die kurativen Behandlungsergebnisse bei Tumoren des kleinen Beckens werden kontinuierlich besser. Die Behandlung rettet somit Leben.

Die langfristige Lebensqualität hängt jedoch häufig nicht nur vom Überleben ohne Tumorerkrankung ab, sondern auch von der Kontrolle behandlungsbedingter Nebenwirkungen – darunter des chronischen Lymphödems. Die gute Nachricht: Komplexe Entstauungstherapie, pneumatische Kompression zu Hause und moderne mikrochirurgische Rekonstruktionen (LVA, VLNT) können gemeinsam dazu beitragen, dass bestrahlte Patienten langfristig eine gute Lebensqualität bewahren.

Eine ausführliche Übersicht der chirurgischen Rekonstruktionsmöglichkeiten finden Sie im Ratgeber Lymphrekonstruktive Operation – Arten und Indikationen. Die persönliche Sicht auf die klinische Praxis finden Sie im Interview mit dem Chirurgen Dr. Balázs Mohos.

Vertiefende Ratgeber zum Thema

Die thematisch verknüpften Ratgeber zu Strahlentherapie und Lymphödem im Cluster:

  • Lymphödem – Formen, Ursachen und Stadien – Pillar-Ratgeber
  • Lymphödem zu Hause behandeln – konservatives Behandlungsprotokoll
  • Lymphdrainage – manuelle und apparative Lymphmassage – physikalische Methoden
  • Lymphrekonstruktive Operation – chirurgische Übersicht
  • Interview mit dem Chirurgen Dr. Balázs Mohos – fachärztliche Einschätzung
  • Lymphmassagegerät – Multi-Indikations-Hub – Geräteauswahl
  • Lymphmassagegerät – wofür ist es geeignet, wie wählen Sie aus? – technischer Ratgeber

Demnächst verfügbare Ratgeber:

  • Armschwellung nach Brustkrebs (BCRL) – ausführliche klinische Behandlung (in Vorbereitung)
  • Lymphödem-Stadien (ISL 0–3) – stadienbezogener Ratgeber (in Vorbereitung)

Warnung Worauf sollten Sie während und nach der Strahlentherapie achten?

Im bestrahlten Bereich können verschiedene Beschwerden auftreten, die eine ärztliche Beratung erfordern. Die folgenden Warnzeichen sollten Sie mit einem Facharzt besprechen:

Warnzeichen

  • Plötzlich auftretende Schwellung auf der behandelten Seite – auch noch Jahre nach der Strahlentherapie. Eine frühzeitige fachärztliche Beratung kann das Risiko eines chronischen Lymphödems deutlich senken.
  • Akute Hautinfektion (Erysipel, Cellulitis) im bestrahlten Bereich – eine dringende antibiotische Behandlung ist erforderlich.
  • Anhaltende Hautveränderung – Fibrose, Atrophie oder Teleangiektasien. Ärztliche Beratung durch einen Dermatologen.
  • Neue oder zunehmende Beschwerden im Zielbereich – Schmerzen oder Funktionseinschränkung. Eine onkologische Kontrolle ist erforderlich, um ein Wiederauftreten auszuschließen.
  • Selbstständige Anwendung pneumatischer Kompression bei aktiver Malignität – ausschließlich nach Zustimmung des Onkologen; bei Bestrahlung der behandelten Region oder aktiver Tumorerkrankung ist eine individuelle Abwägung erforderlich.

Info Wichtiger Hinweis

Die Einführung einer prophylaktischen Kompression oder pneumatischen Kompression muss bei bestrahlten Patienten immer mit einem strahlentherapeutischen Onkologen und/oder Lymphologen abgestimmt werden. Eine IPC zu Hause sollte während der Strahlentherapie und unmittelbar danach – bei akuter Hautentzündung – in der Regel pausiert werden.

FAQ Häufig gestellte Fragen

In der klinischen Praxis treten die Beschwerden bei etwa einem Drittel der Patienten innerhalb von 2–5 Jahren nach der Strahlentherapie auf. Ein spätes Lymphödem kann sich jedoch auch nach 10–15 Jahren entwickeln. Deshalb ist eine langfristige fachärztliche Nachsorge für bestrahlte Patienten besonders wichtig. Regelmäßige Messungen zu Hause mit einem Maßband oder per Bioimpedanz erleichtern die Erkennung.

Teilweise. Die moderne klinische Praxis – Entfernung des Wächterlymphknotens statt einer vollständigen axillären Dissektion, sofern angezeigt, prophylaktische pneumatische Kompression, Früherkennung mit Maßband oder Bioimpedanz sowie Patientenaufklärung – senkt das Risiko deutlich. Laut der Meta-Analyse von Su 2025 senkt eine prophylaktische IPC die Entstehung eines BCRL auf RR=0,36. Eine vollständige Vermeidung kann jedoch nicht garantiert werden.

WÄHREND der Strahlentherapie wird pneumatische Kompression im behandelten Bereich in der Regel nicht empfohlen, weil eine akute Hautentzündung (strahlenassoziierte Dermatitis) die Haut empfindlich macht. Bereiche außerhalb des behandelten Feldes können meist behandelt werden, zum Beispiel der rechte Arm oder die Beine, wenn die linke Brust bestrahlt wird. Stimmen Sie das genaue Protokoll immer mit dem strahlentherapeutischen Onkologen und Ihrem behandelnden Arzt ab.

Messen Sie den Umfang der Extremität am selben Messpunkt und zur selben Tageszeit, zum Beispiel 10 cm oberhalb und unterhalb der Ellenbeuge, und vergleichen Sie die Werte mit der anderen Seite. Ein Unterschied von mehr als 2 cm oder eine zunehmende Tendenz sollte fachärztlich abgeklärt werden. Wenden Sie sich an Ihren strahlentherapeutischen Onkologen oder einen Lymphologen. Früherkennung und der Beginn einer CDT können den Schweregrad des entstehenden Lymphödems deutlich senken.

Die Haut am bestrahlten Arm ist besonders empfindlich und infektionsanfällig. Empfehlenswert ist: Vermeiden Sie Blutabnahmen und Blutdruckmessungen am bestrahlten Arm, tragen Sie bei Garten- und Haushaltsarbeiten Handschuhe, cremen Sie die Haut täglich ein, behandeln Sie kleine Verletzungen sofort mit einem Desinfektionsmittel und weisen Sie Zahnarzt und Manikürist darauf hin, vorsichtig zu arbeiten. Bei Rötung, Wärmegefühl oder Schmerzen müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen (mögliches Erysipel).

Ja. Moderne mikrochirurgische Verfahren (lymphovenous anastomosis – LVA, vascularized lymph node transfer – VLNT) können auch bei einem chronischen Lymphödem nach einer Strahlentherapie eine deutliche Verbesserung ermöglichen. Für eine geeignete Indikation sind ein passendes Stadium (meist Stadium 2), ein motivierter Patient und ein erfahrener Mikrochirurg erforderlich. Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Lymphrekonstruktive Operation.

Zusammenfassung Zusammenfassung – Strahlentherapie und Lymphödem kurz erklärt

Was ist Strahlentherapie? Eine der wichtigsten Säulen der Krebsbehandlung. Sie schädigt Tumorzellen durch hochenergetische ionisierende Strahlung. Sie ist eine lebensrettende Therapie, kann aber als Nebenwirkung auch regionale Lymphregionen schädigen.
Wie hängt sie mit dem Lymphödem zusammen? Die Strahlung verursacht chronische Schäden an Lymphgefäßen und Lymphknoten, die zu einem sekundären Lymphödem führen können – am häufigsten als BCRL (Armschwellung nach Brustkrebs), aber auch im Kopf-Hals-Bereich und an den unteren Extremitäten.
Lässt es sich verhindern? Teilweise: durch Entfernung des Wächterlymphknotens, prophylaktische pneumatische Kompression (nach Su 2025 RR=0,36), Früherkennung mit einem Maßband sowie den Schutz der bestrahlten Extremität vor Verletzungen und Infektionen.
Kernaussage: Die Strahlentherapie ist lebensrettend, doch das Lymphödemrisiko bleibt langfristig bestehen. Früherkennung und eine evidenzbasierte Behandlung zu Hause (Kompression, IPC, Bewegung) können zu einer anhaltenden Verbesserung der Lebensqualität beitragen.
Nächster Schritt: Lymphödem zu Hause behandeln – ausführliche tägliche Routine →

Quellen

  1. Su L, Huang H, Tong Y, und Kollegen (2025). Intermittent pneumatic compression devices for the prevention and treatment of breast cancer-related lymphedema – a systematic review and meta-analysis. Supportive Care in Cancer. DOI: 10.1007/s00520-025-10159-8
  2. Donahue PMC, MacKenzie A, Filipovic A, Koelmeyer L (2023). Advances in the prevention and treatment of breast cancer-related lymphedema. Breast Cancer Research and Treatment. DOI: 10.1007/s10549-023-06947-7
  3. Ridner SH, Dietrich MS, Deng J, Ettema SL, Murphy B (2021). Advanced pneumatic compression for treatment of lymphedema of the head and neck: a randomized wait-list controlled trial. Supportive Care in Cancer. DOI: 10.1007/s00520-020-05540-8
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Beratung durch einen strahlentherapeutischen Onkologen oder einen anderen Facharzt. Zur Vorbeugung und Behandlung von Nebenwirkungen der Strahlentherapie ist ein individueller ärztlicher Plan erforderlich. Bei neuen Beschwerden, zunehmender Schwellung, Schmerzen oder Hautveränderungen wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

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