Stuhlinkontinenz und ihre Behandlung
Stuhlinkontinenz ist die Störung oder Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten, was zu unwillkürlichem Austreten von Stuhl aus dem After führt. Im englischsprachigen Raum spricht man auch von "bowel incontinence". Das Ausmaß variiert von Person zu Person: von einigen Tropfen bis zum vollständigen Kontrollverlust. Unabhängig von der Ursache kann Stuhlinkontinenz sehr peinlich sein. Viele schämen sich und suchen keinen Arzt auf, obwohl sich in den meisten Fällen durch Behandlung eine Besserung erzielen lässt.
Stuhlinkontinenz ist die Störung oder Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten, was zu unwillkürlichem Austreten von Stuhl aus dem After führt. Im englischsprachigen Raum wird dies auch als „bowel incontinence“ bezeichnet. Das Ausmaß variiert individuell und reicht von einigen Tropfen bis zum völligen Verlust der Kontrolle. Unabhängig von der Ursache kann Stuhlinkontinenz sehr peinlich sein. Viele schämen sich und suchen keinen Arzt auf, obwohl sich die meisten Fälle mit Behandlung verbessern lassen.
Symptome
Eine vorübergehende Stuhlinkontinenz kann bei einer "gelegentlichen" Durchfallerkrankung auftreten, wenn der Drang so plötzlich und heftig ist, dass die Toilette nicht rechtzeitig erreicht wird.
Von einer echten Stuhlinkontinenz spricht man bei einem chronischen, wiederkehrenden Zustand.
Es gibt zwei Formen:
- Passive Inkontinenz: Es besteht kein Stuhldrang, dennoch hinterlässt der Stuhl Flecken in der Unterwäsche oder entleert sich spontan. Dies kann durch eine Schwäche des Schließmuskels oder eine Störung seiner Innervation verursacht werden.
- Dranginkontinenz: Der Betroffene kann die Stuhlentleerung nicht aufhalten; der Drang tritt so plötzlich auf, dass die Toilette nicht rechtzeitig erreicht wird.
Stuhlinkontinenz kann Angstzustände und Depressionen auslösen. Die Betroffenen schämen sich oft, es dem Arzt zu erzählen. Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen, mit denen sich der Zustand verbessern oder sogar vollständig beheben lässt. Wenn Sie jahrelang warten oder die Behandlung vernachlässigen, verringern Sie die Heilungschancen. Je früher Sie beginnen, desto besser die Chancen auf Heilung.
Ursachen der Stuhlinkontinenz
- Muskelverletzung. Verletzungen oder Schäden der ringförmigen Schließmuskeln oberhalb des Afters (Anus) können bei der Geburt auftreten, insbesondere bei einem Dammriss oder Dammschnitt. Auch beim analen Geschlechtsverkehr können die Muskeln verletzt werden, z. B. durch sehr große Hilfsmittel.
- Nervenschädigung. Der Enddarm ist reich an sensorischen Nervenendigungen, die das Dehnungsgefühl durch Stuhl wahrnehmen und das Bedürfnis zum Stuhlgang auslösen. Auch der Schließmuskel selbst wird nerval gesteuert: einerseits hält er den Ausgang unwillkürlich geschlossen, andererseits können wir ihn bewusst öffnen. Eine Schädigung der sensiblen oder motorischen Nervenfasern kann zu Stuhlinkontinenz führen. Häufige Ursachen für Nervenschäden sind Geburt, Rückenmarksverletzungen, Schlaganfall oder Komplikationen nach Prostataoperationen. Diabetes mellitus oder Multiple Sklerose können ebenfalls Nervenschäden verursachen, deren Folge Inkontinenz sein kann.
- Verstopfung. Durch verlangsamte Darmbewegungen verbleibt der Stuhl lange im Darm, und die Darmzotten entziehen ihm nahezu vollständig die Feuchtigkeit. So wird der Stuhl trocken und hart, bildet ein großes Volumen und staut sich vor dem Ausgang auf. Bei Verstopfung presst und drückt der Betroffene mit großer Kraft, wodurch sich die Schließmuskeln dehnen und langsam schwächen. Dies kann zu Stuhlaustritt führen. Chronische Verstopfung kann auch Nervenschäden verursachen, die die Lage verschlimmern.
- Durchfall. Festere Stühle lassen sich im Rektum leichter zurückhalten als dünnflüssiger Stuhl. Deshalb kann Durchfall (meist vorübergehend) Stuhlinkontinenz verursachen oder eine bestehende Inkontinenz verschlechtern.
- Hämorrhoiden. Geschwollene, geweitete Venen im Enddarm (Hämorrhoiden) können verhindern, dass der After vollständig verschließt. Dadurch kann Stuhl tröpfeln.
- Narbenbildung. Normalerweise ist der Enddarm sehr dehnbar, um Stuhl aufzunehmen. Strahlentherapie oder entzündliche Darmerkrankungen können zu Narbenbildung im Rektum führen; die Darmwand wird unelastisch und kann sich nicht ausreichend ausdehnen, sodass Stuhl überdrüssig herausgedrückt wird.
- Operative Schädigung. Hämorrhoiden-Operationen sowie Eingriffe am After und im kleinen Becken können Muskel- und Nervenschäden verursachen.
- Prolaps (Rektumvorfall). Beim Vorfall der Rektumschleimhaut erscheint die Schleimhaut im After, eventuell wölbt sich der gesamte Rektum nach außen. Ursache können Verstopfung, starkes Pressen beim Stuhlgang, chronische Hämorrhoidalerkrankungen oder Rektumpolypen sein.
- Rektokele. Ein Rektumvorfall in die hintere Vaginalwand (Rektokele) entsteht, wenn sich der Enddarm in die Vagina wölbt. Dies kann angeborene Bindegewebsschwäche oder unzureichend behandelte Verletzungen während der vaginalen Geburt zur Ursache haben.
Behandlungsmöglichkeiten
Stuhlinkontinenz kann in jedem Alter auftreten, ist aber häufiger bei Erwachsenen über 65 Jahren. Bei Frauen ist sie häufiger, da sie eine Komplikation der Geburt sein kann. Neuere Studien zeigen auch, dass Frauen, die eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren erhalten, häufiger Stuhlinkontinenz entwickeln.
Die Behandlung der Stuhlinkontinenz ist aus mehreren Gründen wichtig.
Einerseits führt der Verlust der Fähigkeit, Stuhl zurückzuhalten, zu Würdeverlust, Schamgefühlen, Angst und Depression. Häufig versuchen Betroffene, das Problem zu "verbergen", indem sie den Kontakt zu anderen meiden und sich zurückziehen.
Andererseits ist die Haut um den After fein und empfindlich; Stuhl kann Hautschäden, Schmerzen und Juckreiz verursachen.
Die Behandlung sollte von einem qualifizierten Facharzt gesteuert werden, der Ihnen sagt, welche Methoden und wie sie angewendet werden sollen. Viele Behandlungen können heute jedoch auch zu Hause durchgeführt werden, sodass nicht täglich eine Praxis aufgesucht werden muss.
Prävention
In vielen Fällen ist Prävention möglich. Die folgenden Maßnahmen können helfen:
- Vermeidung von Verstopfung – erhöhen Sie die körperliche Aktivität (gehen, joggen, regelmäßig Gymnastik), essen Sie mehr Gemüse und Obst, ballaststoffreiche Kost und trinken Sie viel Flüssigkeit.
- Die Ursache für durch Infektionen bedingten Durchfall muss behandelt werden.
- Vermeiden Sie starkes Pressen beim Stuhlgang – übermäßiges Pressen kann die Schließmuskeln schwächen oder die Nerven schädigen.
Ein Ziel der Behandlung ist, Ihnen beizubringen, wie Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur stärken, rechtzeitig das Bedürfnis zur Entleerung erkennen und die Schließmuskeln gezielt anspannen können.
Beckenbodenübungen
Tägliche "Übungen", bei denen Sie den Schließmuskel gezielt anspannen. Eine Wirkung ist nach monatelangem Training zu erwarten. Obwohl dies die kostengünstigste und einfachste häusliche Behandlungsmethode bei Stuhlinkontinenz ist, ist sie auch die langsamste. Mit Muskelstimulation lassen sich deutlich schneller Ergebnisse erzielen.
Elektrotherapie und Biofeedback
Biofeedback
Ein Gerät, das mittels einer in den After eingeführten Sonde die Beckenbodenübungen unterstützt.
Die Wahrnehmung erfolgt auf zwei Arten.
- Durch Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln (EMG). Wenn Sie versuchen, die Schließmuskeln bewusst anzuspannen, erkennt das Gerät das vom Gehirn kommende Signal, so schwach es auch sein mag.
- Durch Detektion des vom Schließmuskel ausgeübten Drucks (pressure). In diesem Fall misst das Gerät die vom Schließmuskel erzeugte Druckkraft.
Wichtig bei beiden Verfahren ist, dass das Gerät die Muskelanspannung erkennt und rückmeldet. Es zeigt zum Beispiel die Intensität der Kontraktion als Zahl oder Licht an. Das Biofeedback-Gerät selbst behandelt nicht, sondern hilft Ihnen, die Übung korrekt und effektiv auszuführen. Mit Biofeedback erreichen Sie schneller und effektiver Ergebnisse als nur mit normalen Beckenbodenübungen.
FES, also funktionelle Elektrostimulation
Bei der Trainingstherapie der Beckenboden-Schließmuskeln unterstützt ein Gerät, das über eine in den After eingeführte Elektrode direkt die Beckenbodenmuskulatur stimuliert. Es handelt sich um ein passives Verfahren: das Gerät wirkt, ohne dass Sie aktiv etwas tun müssen.
Mit Muskelstimulation lassen sich sowohl Muskelschwäche als auch übermäßige Muskelaktivität behandeln – allerdings werden unterschiedliche Programme zum Stärken bzw. zum Entspannen eingesetzt. Die Elektrostimulation hilft auch dann, wenn die Inkontinenz durch eine Schädigung der motorischen Nerven zum Schließmuskel oder durch andere Probleme verursacht wird und ein gezieltes Training nicht möglich ist.
Ein weiterer Vorteil der Methode ist das "Training" der zum Schließmuskel führenden Nerven. Bei einem hyperaktiven Schließmuskel führt die Stimulation zur Entspannung des Muskels, und er "lernt" den relaxierten Zustand.
Das Stimulationsgerät ist einfach zu bedienen und die intim erfordernde Behandlung kann sicher zu Hause ohne Anwesenheit des Arztes durchgeführt werden.
Die Stimulation erzielt wesentlich schneller Ergebnisse als Beckenbodenübungen. Bei regelmäßiger, täglicher Anwendung werden die Muskeln gestärkt/entspannt und das Halten/Entleeren des Stuhls wird wieder kontrollierbar. Erste Erfolge sind bereits nach 2–3 Wochen spürbar, die Behandlung sollte jedoch 8–10 Wochen fortgesetzt werden. Das erreichte Ergebnis muss anschließend mit Erhaltungsmaßnahmen wie regelmäßigen Beckenbodenübungen oder 1–2 Stimulationssitzungen pro Woche aufrechterhalten werden. (Wenn Sie die Behandlung komplett abbrechen, kann das Problem mit der Zeit zurückkehren).
ETS-Gerät
Das modernste und effektivste Inkontinenzbehandlungsgerät ist das ETS-Gerät, also eine durch Biofeedback ausgelöste Muskelstimulationsbehandlung.
Die in den After eingeführte Sonde erkennt, wenn Sie die Muskeln bewusst anspannen. Bei einer voreingestellten " Anspannungsstärke" unterstützt das Gerät: es verstärkt die Muskelkontraktion durch einen über die Sonde abgegebenen Stimulationsimpuls. Das macht die Muskelkontraktion effektiver.
Das ETS, also das kombinierte Biofeedback- + Stimulationsgerät, bietet die effektivste Methode zur Behandlung von Inkontinenz.
Inkontinenz-Behandlungsgeräte
Die Behandlung von Stuhl- und Harninkontinenz kann mit mehreren Methoden erfolgen. Muskelstimulation (Muskelstimulation) gehört zu den effektivsten Verfahren. Nach 2–3 Wochen Behandlung sind spürbare Verbesserungen möglich, und bei konsequenter Behandlung beseitigt sie in den meisten Fällen die Symptome vollständig oder reduziert sie zumindest deutlich.
