Weichlaser-Therapie in der Tiermedizin
Wenn Ihr Hund wegen Arthrose hinkt, Ihre Katze eine schlecht heilende Wunde hat oder Ihr Pferd mit Sehnenproblemen zu kämpfen hat – greifen immer mehr Tierärzte und Tierphysiotherapeuten zur Weichlaser-/Low-Level-Lasertherapie (LLLT, Photobiomodulation). Aber funktioniert das wirklich? In diesem Artikel fasse ich zusammen, was die wissenschaftliche Forschung sagt und wann diese Behandlungsoption sinnvoll sein kann.
Was ist Weichlaser-/Low-Level-Lasertherapie?
Die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) – neuerdings auch Photobiomodulation (PBM) genannt – ist eine nichtinvasive, schmerzfreie Behandlungsmethode. Niedrigenergetisches Laserlicht (typischerweise rotes oder nahes Infrarotlicht mit Wellenlängen zwischen ca. 600–1000 nm) wird in das Gewebe eingebracht, wo das Licht photochemische Reaktionen in den Zellen auslöst.
Wesentliche Mechanismen:
- Das Laserlicht aktiviert die Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien
- Dies steigert die ATP-(Zellenergie-)Produktion
- Die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des behandelten Bereichs nehmen zu
- Es entwickelt sich eine entzündungshemmende und schmerzreduzierende Wirkung
- Die Zellregeneration und Gewebeheilung werden gefördert
Wichtig: Der Weichlaser schneidet oder verbrennt NICHT – im Gegensatz zu chirurgischen Lasern. Die Behandlung ist schmerzfrei; das Tier kann allenfalls eine leichte Wärmeempfindung verspüren.
Wofür wird die Lasertherapie in der Tiermedizin eingesetzt?
Eine systematische Übersichtsarbeit aus 2023 analysierte 45 Publikationen zur Lasertherapie bei Hunden, Katzen und Pferden. Die wichtigsten Indikationen:
- Bewegungsapparat: Arthrose, Gelenksentzündungen, Muskelverletzungen
- Neurologische Zustände: Rehabilitation nach Bandscheibenvorfall
- Hauterkrankungen und Wunden: Wundheilung, Hot-Spot, Leckgranulom
- Schmerzlinderung: postoperative Schmerzen, chronische Schmerzen
- Sehnen- und Bandverletzungen: insbesondere bei Pferden
Was sagen die wissenschaftlichen Studien?
Hunde – Rehabilitation nach Bandscheibenvorfall
Eines der am häufigsten untersuchten Gebiete ist die Erholung von Hunden nach thorakolumbalem Bandscheibenvorfall (IVDD), besonders bei Dackeln.
In einer prospektiven Studie aus 2012 wurden 36 akut paraparetische/paraplegische Hunde nach Hemilaminektomie behandelt. Ergebnisse:
- Die mit Laser behandelte Gruppe begann median nach 3,5 Tagen wieder zu laufen
- Die Kontrollgruppe erreichte dies median nach 14 Tagen
- Der Unterschied war signifikant (p=0,0016)
Die Autoren schließen, dass die Lasertherapie in Kombination mit der Operation die Zeit bis zur Wiedererlangung der Gehfähigkeit signifikant verkürzen kann.1
Eine spätere Studie mit 32 Hunden fand jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen Laser- und Kontrollgruppe; die Autoren betonen den Bedarf an größeren Stichproben.2
Hunde – Arthrose und chronische Schmerzen
In einer retrospektiven Studie an 17 arthrotischen Hunden führte wöchentliche Laserbehandlung über 6 Wochen zu:
- Signifikanter Reduktion des Schmerzpunktwerts (CBPI: 11,8 → 9,2, p=0,018)
- Verbesserter von den Besitzern wahrgenommener Lebensqualität
- Bei mehreren Hunden konnte die Dosis von Schmerzmitteln reduziert werden
Die Autoren bewerten die Lasertherapie als vielversprechende ergänzende Therapie zur Schmerzbehandlung bei arthrotischen Hunden.3
Hunde – Hauterkrankungen und Wundheilung
Eine kritische Übersichtsarbeit (CAT-Methode) aus 2022 analysierte 19 klinische Studien zur Laserbehandlung von Hauterkrankungen bei Hunden. Wichtige Erkenntnisse:
- Die Lasertherapie ist ein vielversprechendes ergänzendes Verfahren bei interdigitaler Pyoderma und tiefer Pyoderma
- In einer Studie reduzierte die Kombination aus Laser + Antibiotikum die Heilungszeit von 10,4 auf 4,3 Wochen
- Für andere Hauterkrankungen (atopische Dermatitis, Alopezien) ist die Evidenz noch schwach
Die Autoren heben hervor, dass die Lasertherapie helfen kann, den Antibiotikaeinsatz zu verringern – ein wichtiger Aspekt im Zeitalter antimikrobieller Resistenz.4
Hunde – Rehabilitation nach TPLO
Zur Lasertherapie nach TPLO (Operation bei Riss des vorderen Kreuzbandes) gibt es mehrere Untersuchungen:
- Eine Studie mit 95 Hunden berichtete, dass Besitzer eine bessere Gangqualität in der Lasergruppe wahrnahmen
- Eine Studie mit 27 Hunden zeigte 8 Wochen postoperativ eine bessere Gliedmaßenfunktion (gemessen auf einer Kraftmessplatte)
Die Ergebnisse sind ermutigend, jedoch zeigten sich bei radiologischer Heilung und objektiver Schmerzmessung keine eindeutigen Unterschiede.5
Pferde – Sehnen- und Bandverletzungen
In der Pferdemedizin wird die Lasertherapie hauptsächlich zur Behandlung von Sehnen- und Bandverletzungen eingesetzt. Forschungsergebnisse:
- In einer klinischen Serie mit 150 Sportpferden zeigten die mit Hochleistungs-Laser behandelten Pferde innerhalb von 2 Wochen deutliche Verbesserungen in Lahmheit und Läsionsbild
- Die Re-Rupturrate war niedriger als bei traditioneller Ruhigstellung
- Der Laser fördert Fibroblastenproliferation, Kollagenordnung und Angiogenese im Sehnengewebe
Wichtig: Fell und Haut reduzieren die Lichtpenetration erheblich. Eine Studie empfiehlt, das zu behandelnde Areal zur effektiven Lichtdurchlässigkeit raschurartig zu scheren.6
Katzen – begrenzte Daten
Die Studienlage bei Katzen ist sehr dünn. Die systematische Übersichtsarbeit aus 2023 fand nur eine Studie mit Katzen. Klinisch tolerieren Katzen die Behandlung meist gut, und die Hauptindikationen (Arthrose, Wundheilung) ähneln denen bei Hunden.
Zusammenfassung der Evidenz
Die 2023er systematische Literaturübersicht wertete 45 Artikel aus (24 zu Hunden, 1 zu Katzen, 20 zu Pferden). Kernaussage:
„Die Literatur zeigt inkonsistente Ergebnisse und unklare klinische Anwendbarkeit. Dies erklärt sich durch die große Variabilität der in den Studien verwendeten Behandlungsparameter: Wellenlänge, Laserklasse, Dosis, Behandlungsfrequenz und -dauer."
Das bedeutet:
| Indikation | Evidenzniveau | Anmerkung |
|---|---|---|
| Rehabilitation nach Bandscheibenvorfall (Hund) | ⭐⭐⭐☆☆ Mittel | Einige Studien sehr positiv, andere fanden keinen Unterschied |
| Arthrose, chronische Schmerzen (Hund) | ⭐⭐⭐☆☆ Mittel | Vielversprechende ergänzende Therapie; größere Studien nötig |
| Wundheilung, Pyoderma (Hund) | ⭐⭐⭐☆☆ Mittel | Kombiniert mit Antibiotika möglicherweise effektiv |
| TPLO-Rehabilitation (Hund) | ⭐⭐☆☆☆ Schwach-Mittel | Subjektive Verbesserungen, bei objektiven Messungen weniger eindeutig |
| Sehnen-/Bandverletzung (Pferd) | ⭐⭐⭐☆☆ Mittel | Klinische Erfahrungen positiv, RCTs fehlen |
| Katzen (allgemein) | ⭐☆☆☆☆ Sehr schwach | Kaum Forschungsdaten |
Wann ist die Lasertherapie zu erwägen?
Basierend auf der aktuellen Evidenz kann die Weichlaser-/Lasertherapie erwogen werden bei:
- Postoperativer Rehabilitation – nach Bandscheibenvorfall, TPLO, orthopädischen Eingriffen
- Als ergänzende Behandlung bei chronischen Schmerzen – Arthrose, degenerative Gelenkerkrankungen
- Unterstützung der Wundheilung – besonders bei schlecht heilenden Wunden, Pyodermen
- Zur Reduktion der Analgetikadosis – bei alten Tieren oder bei Nierenproblemen, wenn NSAIDs riskant sind
- Behandlung von Sehnen-/Bandverletzungen bei Pferden
Die Lasertherapie ist kein Wundermittel – aber eine sichere, nebenwirkungsarme Zusatzbehandlung, die in vielen Fällen helfen kann.
Wann nicht anwenden?
Gegenanzeigen
- Nie in die Augen leuchten! Laserlicht kann die Retina schädigen – Schutzbrillen sind Pflicht
- Über Tumoren – theoretische Bedenken, dass Laser Zellproliferation fördern könnte
- Auf dem Bauch tragender Tiere – Auswirkungen auf den Fötus sind nicht bekannt
- Bei Gerinnungsstörungen oder Antikoagulation – Laser erhöht die Durchblutung
- Aktive Infektion, eitrige Wunde – zuerst die Grunderkrankung behandeln
- Bei Einnahme von lichtsensibilisierenden Medikamenten
Wann sollte ein Tierarzt aufgesucht werden?
- Wenn sich die Beschwerden nach 2–3 Behandlungen nicht bessern
- Wenn eine Wunde sich infiziert (Rötung, Schwellung, Sekret)
- Wenn der Allgemeinzustand des Tieres sich verschlechtert
- Bei unklarer Lahmheit oder Schmerz – zuerst Diagnose stellen!
Mögliche Nebenwirkungen
Die Lasertherapie gilt als sehr sicher. In klinischen Studien wurden
Seltene, milde Reaktionen können sein:
- Vorübergehendes Wärmegefühl an der behandelten Stelle
- Leichte Rötung der Haut (geht schnell zurück)
- Das Tier kann vorübergehend unruhiger sein (selten)
Das größte Risiko ist eine Augenverletzung – daher ist das Tragen von Schutzbrillen für Behandler UND, wenn möglich, für das Tier obligatorisch.
Praktische Hinweise zur Behandlung
Behandlungsparameter – abhängig von der Tierart
| Tierart | Empfohlene Leistung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Katze, kleine Hunde | 200–500 mW | Dünneres Fell, oberflächlichere Gewebe |
| Mittelgroße bis große Hunde | 500–3000 mW | Dickere Gewebe, tiefere Penetration erforderlich |
| Pferd | 2000–15000 mW | Große Muskelmassen, dichtes Fell – scheren empfohlen! |
Allgemeine Empfehlungen
- Wellenlänge: 808 nm Infrarot für tiefere Gewebe, 660 nm Rot für oberflächliche Anwendungen
- Dosis: 4–8 J/cm² auf die zu behandelnde Fläche (nach WALT-Leitlinien)
- Frequenz: Bei akuten Fällen täglich, bei chronischen Fällen 2–3× pro Woche
- Fell: Dickes, dunkles Fell reduziert die Lichtdurchlässigkeit – Scheren ist empfehlenswert
- Kontakt: Der Applikatorkopf sollte Hautkontakt haben (Kontaktmodus) für bessere Lichtübertragung
Empfohlene Geräte
Für Tierärzte und Tierphysiotherapeuten (professionelle Nutzung)
Die LaserVet-Serie wurde speziell für die Tiermedizin entwickelt und enthält voreingestellte Behandlungsprogramme für Hunde, Katzen und Pferde:
- LaserVet 1.0 (1W, 808 nm) – Kleintiere, Katzen
- LaserVet 3.0 (3W, 808 nm) – Hund, kleines Pferd
- LaserVet 8.0 (8W, 808 nm) – größere Hunde, Pferd
- LaserVet 15.0 (15W, 808 nm) – Pferd, große Hunde, tiefe Gewebe
Hersteller: Globus (Italien). Eingebaute, tierartspezifische Programme.
Für Tierhalter zur Anwendung zuhause
Wenn Sie die Behandlung Ihres eigenen Hundes oder Pferdes zu Hause unterstützen möchten:
- Personal Laser L400 (400 mW, 808 nm) – Kleintiere, Hunde für Heimanwendung
- Energy-Laser L2000 Pro (2000 mW, 808 nm) – Pferd, Großtier-Anwendung
Wichtig: Die Heimanwendung von Lasergeräten ergänzt die tierärztliche Versorgung, ersetzt sie aber nicht!
Unser komplettes Angebot an tiermedizinischen Lasern finden Sie hier: Kategorie Tiermedizinische Laser
Zusammenfassung – Kurzüberblick
Worum geht es in diesem Artikel? Ein evidenzbasierter Leitfaden zur Weichlaser-/Low-Level-Lasertherapie in der Tiermedizin für die Behandlung von Hunden, Katzen und Pferden.
Für wen ist er gedacht? Für Tierärzte, Tierphysiotherapeuten und verantwortungsbewusste Tierhalter, die ergänzende Behandlungsoptionen suchen.
Kernaussage: Die Lasertherapie ist eine sichere, nebenwirkungsarme Methode, die in der postoperativen Rehabilitation, bei chronischen Schmerzen und zur Unterstützung der Wundheilung vielversprechende Ergebnisse zeigt. Das Evidenzniveau ist mittelmäßig – die Studienlage ist gemischt, die Tendenz ist jedoch positiv. Die Lasertherapie ergänzt, ersetzt jedoch nicht die konventionelle tierärztliche Behandlung.
Empfohlene Geräte: Für den professionellen Einsatz die LaserVet-Serie, für zuhause Personal Laser L400 (Kleintier) oder Energy-Laser L2000 Pro (Pferd).
Quellen
- Draper WE et al. (2012). Low-level laser therapy reduces time to ambulation in dogs after hemilaminectomy: a preliminary study. J Small Anim Pract. PubMed: 22783835
- Bennaim M et al. (2017). Preliminary evaluation of the effects of photobiomodulation therapy and physical rehabilitation on early postoperative recovery of dogs undergoing hemilaminectomy. Am J Vet Res. PubMed: 28140641
- Adami C et al. (2020). Preliminary clinical experience of low-level laser therapy for the treatment of canine osteoarthritis-associated pain. Open Vet J. PMC7193873
- Romanelli G et al. (2022). Critically Appraised Topic on Low-Level Laser Therapy (LLLT) in Dogs: An Advisable Treatment for Skin Diseases? Vet Sci. PMC9502196
- Millis DL, Bergh A. (2023). A Systematic Literature Review of Complementary and Alternative Veterinary Medicine: Laser Therapy. Animals. PubMed: 36830454
- Ryan T, Smith R. (2007). An investigation into the depth of penetration of low level laser therapy through the equine tendon in vivo. Ir Vet J. PubMed: 21851694
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen nur zu Informationszwecken. Vor einer Lasertherapie bei Tieren wird eine tierärztliche Konsultation zur genauen Diagnosestellung empfohlen. Geräte für die Heimanwendung dienen der Ergänzung der tierärztlichen Behandlung und ersetzen nicht die fachärztliche Versorgung.