Knieschmerzen: Ort, Zeitpunkt und Alter verraten die Ursache
Deshalb sagt „mein Knie tut weh“ allein nur wenig aus. In diesem Artikel gehe ich drei Fragen nach, mit deren Hilfe der Arzt die wahrscheinliche Ursache eingrenzt: WO genau im Knie tut es weh (vorne, innen, außen, hinten)? WIE hat es begonnen (plötzlich durch eine Verletzung oder über Wochen und Monate)? Und WIE ALT ist der Besitzer des Knies? Aus dem Schnittpunkt dieser drei Antworten ergibt sich die Richtung – und von dort führt Sie unser ausführlicher Artikel zu jedem Thema weiter, vom Verschleiß über das Springerknie bis zur Rehabilitation nach einer Kreuzbandoperation.
Kerngedanke
Das wichtigste „Medikament“ gegen Knieschmerzen ist bei fast allen Ursachengruppen dasselbe: die Kräftigung der Muskulatur rund um das Knie – vor allem der Oberschenkelmuskulatur – und die Regulierung des Körpergewichts. Ein kräftiger Oberschenkelmuskel nimmt dem Gelenk Belastung ab, und jedes verlorene Kilogramm bedeutet für das Knie eine vierfache Entlastung. Und ein Irrtum, den ich gleich zu Beginn ausräumen möchte: Knieschmerzen bedeuten nicht automatisch eine Operation – der überwiegende Teil der Beschwerden durch Verschleiß und degenerative Meniskusveränderungen lässt sich konservativ mit bewegungsbasierten Maßnahmen behandeln. Das bestätigen inzwischen auch die strengsten Untersuchungen.
Drei Fragen ergeben das Gesamtbild
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Vorne, im Bereich der Kniescheibe: patellofemorale Schmerzen (beim Hinuntergehen von Treppen, beim Hocken, nach langem Sitzen), eine Erweichung des Kniescheibenknorpels, bei Sportlern das Springerknie – eine Entzündung am Ansatz der unterhalb der Kniescheibe verlaufenden Sehne.
An der Innenseite: die häufigste Stelle des Verschleißes, Verletzungen des Innenmeniskus und eine statische Überlastung durch Senkfüße.
An der Außenseite: bei Läufern das sogenannte Läuferknie (Reibung des vom Hüftbereich abwärts verlaufenden Faserbandes), außerdem der Außenmeniskus.
Hinten, in der Kniekehle: die Baker-Zyste (der hintere „Überlauf“ von Gelenkflüssigkeit – eine gespannte Schwellung, die selbst ein Zeichen eines anderen Knieproblems ist) und – eine wichtige Ausnahme – Schmerzen in der Kniekehle zusammen mit einer Unterschenkelschwellung als Hinweis auf eine Thrombose.
Schmerzen im gesamten Knie mit Schwellung und Wärme sprechen eher für eine Entzündung: Gelenkentzündung oder Gicht.
Ein plötzlicher, mit einer Verletzung verbundener Beginn – das Bein bleibt hängen, eine Verdrehung oder ein Zusammenstoß – spricht für strukturelle Verletzungen: Ein knackendes Geräusch plus eine starke Schwellung innerhalb weniger Stunden ist das klassische Bild eines Kreuzbandrisses; eine am Tag nach einer Drehbewegung auftretende Schwellung und ein „einklemmendes“ Knie sprechen für den Meniskus; eine knöcherne Druckempfindlichkeit nach einem Sturz für einen Bruch.
Schmerzen, die sich über Wochen oder Monate allmählich entwickeln und bei Belastung zunehmen, sind typisch für Verschleiß und überlastungsbedingte Sehnenbeschwerden. Ein auch in Ruhe und nachts schmerzendes, geschwollenes und warmes Knie weist auf eine Entzündung hin – eine rheumatologische Abklärung ist sinnvoll, bei plötzlichem und heftigem Beginn insbesondere wegen Gicht.
Wenn Beschwerden ohne erkennbaren Auslöser „von selbst“ auftreten, sollten Sie auch an die „Nachbarn“ denken: Eine Erkrankung der Hüfte zeigt sich häufig als ausstrahlender Schmerz im Knie. Deshalb untersucht der Arzt bei Kniebeschwerden auch Ihre Hüfte.
Das Alter schränkt die Liste der möglichen Ursachen bereits ein.
Bei Jugendlichen ist eine Überlastung der Wachstumsfuge am Schienbein am häufigsten (Osgood–Schlatter: Schmerzen an der Vorwölbung unterhalb der Kniescheibe bei Jugendlichen, die Sprung- oder Laufsport betreiben – beunruhigend, aber gutartig) sowie Schmerzen rund um die Kniescheibe.
Bei jungen erwachsenen Sportlern überwiegen Band- und Meniskusverletzungen, das Springerknie und das Läuferknie.
Im mittleren Lebensalter tritt der verschleißbedingte, „von selbst“ auftretende Meniskusriss auf – dafür ist keine Sportverletzung mehr nötig – und die Arthrose beginnt.
Ab 50 ist Knorpelverschleiß die vorherrschende Ursache, häufig zusammen mit Übergewicht und Muskelschwäche. Die Regel ist natürlich nicht starr. Wenn Muster und Alter jedoch nicht zusammenpassen, ist das allein schon ein Grund für eine ärztliche Untersuchung.
Die Übersicht: Muster – wahrscheinliche Ursache – wo weiterlesen?
| Muster | Wahrscheinliche Ursache | Ausführlicher Leitfaden |
|---|---|---|
| 50+, Schmerzen bei Belastung, morgens „läuft es sich ein“, knackendes Knie | Kniearthrose (Knorpelverschleiß) | Kniearthrose → |
| Schmerzen an der Kniescheibe beim Hinuntergehen von Treppen, beim Hocken, nach dem Sitzen im Kino | Patellofemorale Schmerzen, Knorpelerweichung | Siehe FAQ – die Grundlage der Behandlung ist die Kräftigung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur |
| Schmerzen an einem Punkt UNTERHALB der Kniescheibe bei einem Sportler, der springt oder läuft | Springerknie (Tendinitis patellaris) | Springerknie → · Softlaser bei Sehnenentzündung → |
| Verletzung + Knacken + rasche Schwellung + Instabilität | Kreuzbandverletzung | Rehabilitation nach einer Kreuzbandoperation → |
| Nach einer Drehbewegung einhakendes, „blockierendes“ Knie | Meniskusverletzung (bei Jüngeren verletzungsbedingt, ab dem mittleren Lebensalter verschleißbedingt) | Siehe Forschungsabschnitt – bei der degenerativen Form ist eine Operation nicht der erste Schritt |
| Weiche, schwappende Schwellung vor oder unter der Kniescheibe (viel Knien) | Schleimbeutelentzündung (Bursitis) | Bursitis → |
| Spannende Schwellung in der Kniekehle | Baker-Zyste – allein gutartig, aber die auslösende Knieerkrankung muss behandelt werden; wenn sie plötzlich in den Unterschenkel „reißt“, kann sie eine Thrombose imitieren | Thrombose → |
| Plötzliches, nachts auftretendes, brennend-rotes Knie (oder ein anderes Gelenk) | Gichtanfall, Pseudogicht | Gicht → |
| Geschwollenes, warmes Knie mit langer Morgensteifigkeit und Beschwerden in anderen Gelenken | Entzündliche Gelenkerkrankung | Gelenkschmerzen – Übersicht → · Rheumatoide Arthritis → |
| Knieschmerzen bei unauffälligem Knie, ausgelöst durch Hüftbewegung | Ausstrahlender, von der Hüfte ausgehender Schmerz | Ursachen von Hüftschmerzen → |
| Schmerzen an der Vorwölbung unterhalb der Kniescheibe bei einem jugendlichen Sportler | Osgood–Schlatter – gutartig, bessert sich durch angepasste Belastung | Stufenweise Belastung unter Anleitung eines Sportmediziners oder Orthopäden |
| Vor oder nach einem Kniegelenkersatz | Vorbereitung und Rehabilitation | Prothesenoperation – Vorbereitung und Rehabilitation → |
Die Säulen der Behandlung zu Hause – und wo Sie mehr darüber lesen können
Zu jedem Behandlungsverfahren im Themenbereich Knie gibt es einen eigenen ausführlichen Artikel. Hier geht es um den Überblick und die Reihenfolge. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Die ersten beiden Säulen bilden bei jeder Ursachengruppe die Grundlage, alles Weitere baut darauf auf.
| Säule | Was sollten Sie darüber wissen? | Ausführlicher Leitfaden |
|---|---|---|
| 1. Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur | Die Grundlage der Behandlung bei allen Kniebeschwerden: Bewegungstraining führt laut Studien zu einer mit Medikamenten vergleichbaren Schmerzlinderung1; mit einem Theraband lässt es sich auch zu Hause aufbauen, und die durch Schmerzen geschwächte Muskulatur kann durch Muskelstimulation schneller wieder aufgebaut werden | Oberschenkelmuskulatur wieder kräftigen → · Belastung aufbauen → |
| 2. Körpergewicht | Jedes verlorene Kilogramm bedeutet bei jedem Schritt eine vierfache Entlastung für das Knie2 – bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme von 5–10 % eine eigenständige therapeutische Maßnahme | Abnehmen – das Rezept für den Erfolg → |
| 3. Wärme und Kälte | Bei verschleißbedingten und steifen Knien Wärme (zum Aufwärmen vor der Bewegung); bei frischen Verletzungen und akut geschwollenen, heißen Entzündungen Kälte | — |
| 4. Softlaser | Als ergänzende Behandlung von Schmerzen und entzündlichen Prozessen, in Form einer Behandlungskur – ein eigener Artikel erklärt die kniespezifischen Daten, Punkte und Dosierungen | Softlaser bei Knieschmerzen → |
| 5. Magnetfeldtherapie (PEMF) | Eine langfristige ergänzende Behandlung bei Gelenk- und Knochenbeschwerden – Protokoll und Geräteauswahl finden Sie im ausführlichen Artikel | Magnetfeldtherapie am Knie → |
| 6. TENS und Elektrotherapie | Schmerzlinderung, damit Sie die Übungen durchführen können – mit einer für das Knie geformten Elektrode bequemer | Schmerzlindernde Programme → |
| 7. Schuhe, Einlagen, Statik | Senkfüße und Achsfehlstellungen belasten das Knie von oben und unten; bei anhaltenden Beschwerden ist eine podologische Untersuchung sinnvoll | Übersicht über den Fuß → |
Geräte für die Behandlung zu Hause – Elektrotherapie, Laser, Magnetfeldtherapie, Knieelektroden – an einem Ort und nach Indikation geordnet: Behandlung von Knieschmerzen – Geräte für zu Hause →. Die medikamentöse Schmerzlinderung (lokal und oral angewendete entzündungshemmende Medikamente, Gelenkinjektionen) ist Teil der ärztlichen Behandlung4 – eine Brücke zur Bewegung, kein Endpunkt: Kortison: Freund oder Feind? →
Rote Flaggen – wann muss das Knie ärztlich untersucht werden?
- Verletzung + Knacken, rasche Schwellung, Instabilität oder fehlende Belastbarkeit – Verdacht auf eine Band-, Meniskus- oder Knochenverletzung: Das gehört orthopädisch-unfallchirurgisch untersucht und nicht nach dem Motto „das schwillt schon wieder ab“ behandelt.
- Blockiertes Knie – wenn das Knie in einer Stellung „einrastet“ und sich nicht strecken lässt, kann ein eingeklemmtes Meniskusstück die Ursache sein – lassen Sie dies möglichst bald fachärztlich untersuchen.
- Heißes, geschwollenes, rotes Knie mit Fieber – Verdacht auf eine Gelenkinfektion (septische Arthritis): Notfallversorgung – die Infektion kann das Gelenk innerhalb weniger Tage schädigen. Dasselbe Bild ohne Fieber und zum ersten Mal: Gicht oder Pseudogicht – auch das erfordert eine ärztliche Diagnose.
- Schmerzen in der Kniekehle + Unterschenkelschwellung – hinter vermeintlichen Beschwerden durch eine „Baker-Zyste“ kann auch eine tiefe Venenthrombose stecken, besonders wenn der Unterschenkel gespannt und warm ist: noch am selben Tag ärztlich abklären lassen. Thrombose →
- Nächtliche Knieschmerzen, Hinken und Schwellung bei einem Kind – bei Kniebeschwerden im Kindesalter darf „Wachstumsschmerz“ erst nach Ausschluss anderer Ursachen angenommen werden; nächtliche, aufweckende Schmerzen und Hinken müssen immer untersucht werden.
- Seit Wochen geschwollenes Knie ohne eindeutige Verletzung – eine entzündliche Gelenkerkrankung oder eine andere internistische Ursache ist möglich: Laboruntersuchung und rheumatologische Abklärung – wegen des therapeutischen Zeitfensters zählt die Abklärung in Wochen, nicht in Monaten. Übersicht über Gelenkbeschwerden →
Was sagen die Studien? Nach den Fragen der Leser
„Mein Knie ist abgenutzt – was kann Bewegungstraining bei mir bewirken?“
Mehr, als Sie vielleicht denken. Eine Cochrane-Analyse, die 54 randomisierte Studien mit mehr als 3500 Teilnehmern zusammenfasst, zeigt: Bewegungstherapie reduziert bei Kniearthrose mit hoher Evidenz die Schmerzen – die Wirkung ist mit der von entzündungshemmenden Medikamenten vergleichbar, ohne deren Nebenwirkungen, und hält nach Abschluss des Programms noch monatelang an.1 Die amerikanische rheumatologische Leitlinie stellt deshalb Bewegung und bei Übergewicht auch Gewichtsabnahme vor alle anderen Behandlungen.4 Neben den Übungen ist das Gewicht der zweite große Hebel: Messungen zufolge nimmt jedes verlorene Kilogramm bei jedem Schritt vier Kilogramm Belastung vom Knie2 – bei mehreren tausend Schritten täglich lässt sich das in Tonnen messen. Beides zusammen reicht bei vielen Patienten aus, sodass eine Operation gar nicht erst in Betracht gezogen werden muss.
„Das MRT hat einen Meniskusriss gezeigt. Dann muss ich doch operiert werden, oder?“
Bei einem verschleißbedingten (degenerativen) Meniskusriss im mittleren oder höheren Lebensalter ist das normalerweise nicht der erste Schritt. In der wegweisenden Studie finnischer Forscher wurden Patienten mit einem degenerativen Innenmeniskusriss entweder einer echten arthroskopischen Operation oder einer Scheinoperation zugeteilt (die Patienten wussten nicht, welche Behandlung sie erhielten): Ein Jahr später gab es zwischen den beiden Gruppen keinen wesentlichen Unterschied bei Schmerzen und Funktion.3 Seither haben mehrere ähnliche Studien und Leitlinien bestätigt: Die Behandlung der ersten Wahl bei degenerativen Meniskusbeschwerden ist Bewegungstherapie. Eine Operation kommt bei anhaltenden Beschwerden mit blockierenden, mechanischen Symptomen infrage. Wichtig ist aber auch die andere Seite: Ein Riss bei jungen Menschen nach einer Verletzung mit Blockierung gehört in eine andere Kategorie – dort ist eine Operation häufig sinnvoll. Die Entscheidung hängt also nicht allein vom MRT-Bild, sondern vom klinischen Gesamtbild ab. Und Sie haben Zeit, eine zweite Meinung einzuholen.
„Welches Gerät für zu Hause hilft meinem Knie wirklich?“
Stellen Sie die Frage anders: Im Vergleich wozu und zusätzlich wozu? Die Leitlinien bewerten bei Kniearthrose Bewegungstraining, Gewichtsabnahme, Selbstmanagement und die medikamentöse Behandlung als stark empfohlene Maßnahmen. Physikalische Verfahren (Wärme, Elektrotherapie, Akupunktur) sind dagegen ergänzende Maßnahmen mit bedingter Empfehlung4 – ein Gerät ist also dann sinnvoll eingesetzt, wenn Sie es zusätzlich zum Bewegungstraining zur Schmerzlinderung und zur Ermöglichung der Bewegung verwenden, nicht als Ersatz dafür. Die Daten zu den einzelnen Methoden – welche Technologie am Knie was leisten kann und mit welchem Protokoll – habe ich in den ausführlichen Artikeln zusammengestellt: Softlaser →, Magnetfeldtherapie →, Muskelstimulation →. Die ehrliche Reihenfolge lautet also: Bewegungstraining plus Gewichtsregulierung bilden die Grundlage, das Gerät ist der Verstärker – auch der beste Verstärker kann eine fehlende Grundlage nicht ersetzen.
Häufig gestellte Fragen
Das ist typisch für Beschwerden an der Gelenkfläche zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen (patellofemorales Gelenk): Beim Hinuntergehen von Treppen wird diese Fläche am stärksten belastet. Das kommt häufig bei jungen, sportlichen Frauen und auch bei Menschen mit sitzender Tätigkeit vor („Kino-Knie“ – Schmerzen nach langem Sitzen). Der Schwerpunkt der Behandlung liegt überraschenderweise nicht am Knie selbst: Die Kräftigung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur, insbesondere des mittleren Gesäßmuskels, verbessert die Führung der Kniescheibe. Laufen und Hocken sollten vorübergehend reduziert, aber nicht vollständig aufgegeben werden.
Schmerzloses Knacken ist allein keine Erkrankung und sagt auch keinen Verschleiß voraus – es entsteht durch Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit oder durch das Gleiten von Sehnen und kommt auch bei jungen, gesunden Knien täglich vor. Beachtung verdient es, wenn Schmerzen, Schwellung oder ein „Einhaken“ hinzukommen oder wenn es erst kürzlich nach einer Verletzung aufgetreten ist. Wegen des Knackens auf Hocken zu verzichten, ist unnötig – ein kräftiges Bein schützt mehr als Schonung.
Gezielt ja, dauerhaft nein. Die Leitlinie empfiehlt bei einer Arthrose an der Innenseite eine entlastende Knieorthese und bei Beschwerden der Kniescheibe eine patellastabilisierende Variante4; zum vorübergehenden Schutz nach einer Verletzung eignet sich eine vom Arzt empfohlene Orthese. Was Sie vermeiden sollten: Eine elastische Bandage, die Sie „immer tragen“, kann die Muskulatur langfristig von ihrer Arbeit entwöhnen – damit erreichen Sie genau das Gegenteil. Die Bandage ist also ein Hilfsmittel für einzelne Belastungssituationen, die Kräftigung der Muskulatur ist die nachhaltige Lösung.
Seltener, als Sie vielleicht denken. Anamnese, körperliche Untersuchung und bei Bedarf Röntgen grenzen die meisten Kniebeschwerden ausreichend ein. Ein MRT ist sinnvoll, wenn das Ergebnis die Behandlung ändern würde – bei Verdacht auf eine verletzungsbedingte Band- oder Meniskusverletzung, bei einem blockierten Knie oder bei einem unklaren, nicht besser werdenden Beschwerdebild. Es gibt zwei Gründe für Zurückhaltung: Bei Menschen über dem mittleren Lebensalter zeigt das MRT fast immer eine „Abweichung“ (Meniskusdegeneration), von der ein großer Teil keine Beschwerden verursacht und keine Behandlung erfordert – der Befund kann leicht zu einer unnötigen Operation führen. Außerdem beginnt während der langen Wartezeit auf das MRT die nachweislich wirksame Behandlung, das Bewegungstraining, möglicherweise noch nicht. Erst behandeln, und wenn keine Besserung eintritt, bildgebend untersuchen.
Bewegen Sie sich – aber dosiert und sinnvoll. Während wochenlanger Schonung wird der Oberschenkelmuskel schwächer, und das Knie kehrt in einem schlechteren Zustand zurück, als es beim Aufhören war. Die Regel lautet: Leichte Schmerzen (2–3 von 10), die am Tag nach dem Training wieder verschwunden sind, sind akzeptabel. Sind die Schmerzen stärker oder am nächsten Tag noch schlimmer, reduzieren Sie die Belastung – statt Laufen lieber Radfahren, Schwimmen oder Gehen auf weicherem Untergrund. Bei einer frischen Verletzung, einem blockierten oder instabilen Knie sowie einem heißen, geschwollenen Gelenk gilt: erst ärztlich untersuchen lassen, dann belasten. Mehr zum Aufbau der Belastung: Belastung in der Rehabilitation →
Zusammenfassung – Schneller Überblick
Quellen
- Fransen M, McConnell S, Harmer AR, Van der Esch M, Simic M, Bennell KL. Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database Syst Rev. 2015;1:CD004376. DOI: 10.1002/14651858.CD004376.pub3
- Messier SP, Gutekunst DJ, Davis C, DeVita P. Weight loss reduces knee-joint loads in overweight and obese older adults with knee osteoarthritis. Arthritis Rheum. 2005;52(7):2026-2032. DOI: 10.1002/art.21139
- Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A, et al. Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. N Engl J Med. 2013;369(26):2515-2524. DOI: 10.1056/NEJMoa1305189
- Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC, et al. 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol. 2020;72(2):220-233. DOI: 10.1002/art.41142