Auswirkungen übermäßiger Belastung
Sportverletzungen durch Überlastung sind die häufigsten! Diese chronischen Beschwerden treten deutlich häufiger auf als akute Sportverletzungen. Während eine akute Verletzung meist sofort mit einem Funktionsverlust einhergeht und du dadurch sofort einen Arzt aufsuchst, werden Überlastungsbeschwerden oft lange Zeit ignoriert und die meisten Ärzte schenken ihnen nicht die angemessene Beachtung.
Eine Überlastungsverletzung ist ein „heimtückisches“ Problem. Anfänglich bemerkst du sie kaum. Sie beginnt als ein leichtes Ziehen, sodass du sie lange Zeit nicht wahrnimmst. Deine Beschwerden verstärken sich allmählich, du „leidest womöglich monatelang“ damit. Erst wenn der Schmerz das Training unmöglich macht, suchst du einen Arzt auf.
Ich habe mit vielen Sportlern gesprochen, die solche Schmerzen als „normal“ ansehen – dabei ist das nicht der Fall! Schmerz ist die Rückmeldung deines Körpers, dass etwas falsch läuft. Nimm ihn sehr ernst und wende dich sofort an einen Fachmann! Du brauchst eine gründliche und sorgfältige Behandlung.
Hier kommt ein weiteres wichtiges Problem ins Spiel: Es erschwert dir die Lage, dass viele Ärzte (auch Sportmediziner) diesen Verletzungen keine große Bedeutung beimessen und keine intensive Behandlung einleiten. Oft lautet die Empfehlung lediglich: „Reduziere die Belastung“, „kalte Kompressen und Salbe“ oder „ruhe ein paar Tage, dann geht es von selbst vorbei“.
Wie werden Beschwerden chronisch?
Chronische Beschwerden lösen sich nicht dadurch, dass du ein paar Tage weniger trainierst!
Ohne Behandlung werden die Probleme innerhalb weniger Wochen dein tägliches Training behindern. Außerdem führst du wegen der Schmerzen bestimmte Bewegungen „schonend“ aus, also in einer Weise, die den Schmerz vermeidet. Diese schlechte Bewegung verursacht jedoch andernorts Überlastung. Je mehr du versuchst, schmerzvermeidend zu bewegen, desto größer wird dein Problem.
Ein Teufelskreis, aus dem nur eine fachgerechte Behandlung herausführt!
Häufige Ursache von Überlastung: mangelnde Ausbildung/Technik
Die überwiegende Mehrheit der durch Überlastung verursachten Beschwerden resultiert aus fehlerhaft ausgeführten Bewegungen.
Haltung, der Bodenkontakt des Fußes beim Laufen, eine fehlerhafte Knieposition bei Trittfrequenz, das Abspringen oder die Landung sind nur einige Beispiele. In jeder Sportart gibt es viele Kleinigkeiten, die durch Technikverbesserung vermieden werden können.
Würdest du z. B. wissen, warum ein Fußballer Rückenschmerzen hat? Im Moment des Schusses schwingt das schießende Bein nach vorne, während das standhafte Bein stützt. Dafür müssen die Rumpfmuskeln Stabilität liefern. Wenn der Trainer viele Schüsse üben lässt, aber keine Übungen zur Stärkung von Rumpf- und Gesäßmuskulatur anordnet, wird die Lendenwirbelsäule überlastet und der Sportler hat ständig Rückenschmerzen und kann deshalb nicht richtig trainieren.
Häufige Ursache von Überlastung: ungeeignetes technisches Equipment
Technische Hilfsmittel können ebenfalls Überlastungsbeschwerden verursachen.
Ein falsch gewählter Laufschuh, der das Fußgewölbe nicht stützt, eine schlecht eingestellte Fahrradposition oder falsche Sattelhöhe sind solche Beispiele. Auch im Fitnessstudio können falsche Griffweiten und fehlerhafte Ausführungen zu genau diesen Problemen führen.
Ich habe oft gesagt: bloßes Krafttraining reicht nicht! Man muss es mit Verstand machen.
Einige typische Überlastungsbeispiele
Kürzlich haben mich mehrere Sportler um Rat gebeten.
Triathlet
Ein hervorragender Triathlet kam zu mir und klagte über monatelange Achillessehnenschmerzen, weshalb er nicht mit der nötigen Intensität trainieren konnte; längere Lauftrainings musste er abbrechen, weil der Schmerz nach wenigen Kilometern „Stopp“ sagte.
Er war sehr niedergeschlagen und verlor Selbstvertrauen. Er dachte schon fast an das Ende seiner Karriere und bereitete sich darauf vor, mit seinen Beschwerden zu leben.
Durch das sehr intensive Trainingspensum, viel Laufen auf Asphalt und hunderte Kilometer Radfahren pro Woche entstand an der Ansatzstelle der Achillessehne (am Fersenbein) eine Periost- und Sehnenentzündung, die bereits in Ruhe und beim Gehen schmerzte, ganz zu schweigen von den Qualen beim Laufen.
Durch die chronische Belastung reichern sich im Entzündungsbereich Toxine an, die die Heilung behindern. Die Funktion der Zellen im entzündeten Gewebe stoppt aufgrund einer Veränderung der Membranpolarität (injury current). In der erkrankten Zelle findet keine ATP-Produktion statt, keine Proteinsynthese, das Gewebe ist nicht in der Lage, „von selbst“ zu heilen. Dann ist Hilfe erforderlich.
Seine Beschwerden verschwanden dank zielgerichteter Softlaser- und Mikrostrom-Behandlung innerhalb von 5–6 Wochen, und heute trainiert er wieder mit der alten Intensität; in den Winter- und frühen Frühlingswettkämpfen erzielte er sogar sehr gute Ergebnisse.
Die 5–6 Wochen Heilungszeit mögen lang erscheinen, aber bedenke, dass er seine Beschwerden mehr als ein Jahr lang „mit sich herumtrug“, bevor er einen Fachmann aufsuchte. Verglichen damit ist die Heilungsdauer relativ kurz.
Radfahrer
Ein anderer Sportler kam wegen mehrwöchiger Knieschmerzen. Wegen seiner Arbeit trainierte er im Winter relativ wenig, ging aber natürlich ins mediterrane Trainingslager seines Teams zur Saisonvorbereitung und fuhr mit der Mannschaft. Das hätte er nicht tun sollen… oder zumindest nicht so! Nach nur wenigen Hundert Kilometern im Winter fuhr das Team im Camp über tausend Kilometer pro Woche, dazu in sehr gebirgigem Gelände mit vielen Höhenmetern.
Beim Radfahren werden die Oberschenkelmuskeln am stärksten belastet; deren Sehnen setzen an den Knochen um das Knie an. Die plötzliche Belastungssteigerung war ein solcher „Schock“ für Bänder und Periost, dass sich Beschwerden entwickelten, die fast bis zur Unbeweglichkeit führten.
Bei solchen Beschwerden sind neben traditionellen Behandlungen vor allem Softlaser- und Mikrostrom-Behandlungen Hauptpfeiler der Heilung; außerdem muss die Kraft der Oberschenkelmuskulatur verbessert werden.
Hierbei ist Muskelstimulation die effektivste Methode! Wenn du nicht genügend Zeit zum Training hast, unterstütze das Training mit Stimulation, um Überlastungen im Frühjahr vorzubeugen.
Fazit? Eine plötzliche Belastungssteigerung darfst du nur einer vorher vorbereiteten Muskulatur, einem trainierten Gelenk oder einer angepassten Sehne zumuten!
Fußballer
Ein verzweifelter Vater rief mich um Rat. Sein Sohn spielte in einer Kleinstadtmannschaft, wo man ihn „entdeckte“ und zu einem großen Verein nach Budapest holte. Aber die Freude währte nicht lange…
In seinem neuen Verein musste er ganz andere Trainingsformen absolvieren als im früheren Club. Während zuhause viel Spiel, lange Läufe und Technikübungen dominierten, stand im neuen Club Kraft- und Konditionstraining im Vordergrund: viele Sprünge, Treppenläufe, Sprints und intensiv ausgeführte Übungen. Solche Dinge hatte er im früheren Verein kaum gemacht.
Die neuen Trainer machten einen schweren Fehler, weil sie völlig außer Acht ließen, „was er mitbrachte“. Nach nur zwei Wochen traten bereits Kniebeschwerden auf, doch man reagierte nicht darauf. „Nicht jammern, mach mit!“, hieß es.
Bald musste das Knie wegen eines Meniskusrisses operiert werden, was sehr wahrscheinlich das Ende seines Profitraums bedeutete.
Dieses Versagen, ein vielversprechendes Talent zu bewahren, wäre vermeidbar gewesen, hätten die Trainer wenigstens über grundlegende Trainings-, Belastungs- und anatomische Kenntnisse verfügt und den Jungen schrittweise an das für ihn völlig neue Trainingsprogramm herangeführt.
Leider hatten sie keine Ahnung, was sie taten (oder sie handelten fahrlässig) – so wie die überwiegende Mehrheit der heimischen Trainer nur wenig Wissen in diesem Bereich besitzt.
Allgemeine Behandlungsmöglichkeiten und das Hauptproblem
Die meisten Ärzte empfehlen neben RICE (Rest-Ice-Compression-Elevation, also Ruhe – Kälte – Kompression – Hochlagerung) nichtsteroidale und steroidale Entzündungshemmer (NSAID bzw. Steroide).
Vermehrt verbreitet sich stattdessen das Konzept PRICE, wobei das P für Prevention (Vorbeugung) steht. Das setzt die Zusammenarbeit von Arzt, Sportler und Trainer voraus. Entscheidend ist nämlich, genau zu ermitteln, was deinen Schmerz verursacht und die auslösende Dysfunktion zu identifizieren. Nur durch rechtzeitige Fehlererkennung ist Prävention möglich.
Ohne dieses genaue Wissen ist eine dauerhafte Beseitigung der Beschwerden nicht möglich.
Überlastung erfordert eine präzise Therapie
Die Strategie zur Behandlung chronischer Entzündungen durch Überlastung muss nach sorgfältiger Abwägung festgelegt werden.
Beseitigung technischer Probleme
Die Auswahl eines Sportschuhs, der ausreichenden Halt bietet und zur Beschaffenheit des Untergrundes passt, ist die Grundlage.
Es ist wichtig, wie du auf dem Fahrradsattel sitzt! Abstand und Winkel zwischen Pedal und Sattel, die Sitzposition in Relation zur Kurbel, Abstand Lenker–Sattel, Neigung des Sattels usw. sind für die richtige Kraftübertragung extrem wichtig. Eine schlechte Einstellung kannst du nur durch kompensatorische Überlastung bestimmter Muskeln ausgleichen. Wenn dein Rücken gegen Ende der Einheit weh tut, sitzt du mit Sicherheit falsch.
Ich könnte die einzelnen Sportarten aufzählen, denn jede hat ihre Besonderheiten. Überlege anhand des Gesagten für deine Sportart, wo der „Fehler“ liegen könnte.
Korrektur der Technik / Verbesserung der Ausbildung
Das geschulte Auge eines Trainers erkennt technische Fehler schnell und hilft, sie zu beheben. Größere Sportvereine beschäftigen deshalb Bewegungstherapeuten. Diese nehmen am Training teil, beobachten die Bewegungen der Sportler, erkennen anatomisch fehlerhaft ausgeführte Bewegungen und helfen bei der Korrektur.
Die Realität heute ist jedoch oft, dass ein entfernter Experte den Trainingsplan erstellt, den der Sportler eigenständig ausführt. Die meisten treffen ihren Trainer selten, und dann eher für ein Gespräch als für ein gemeinsames Training.
Soweit ich weiß, bereiten sich die meisten Läufer, Triathleten und Radfahrer so vor. Nur eine enge, kleine Profi-Gruppe wird vor Ort vom Trainer beobachtet.
Du steigst auf das Fahrrad, läufst auf die Insel, machst brav, was dein Trainer empfohlen hat. Der Trainingsplan ist gut, steigert die Belastung schrittweise — und trotzdem entstehen Beschwerden.
Worauf solltest du misstrauisch werden?
Du führst die Bewegung falsch aus!
Zum Beispiel trittst du auf dem Fahrrad so in die Pedale, dass dein Knie leicht „nach außen“ steht. Neben deiner Kniescheibe spürst du zuerst erhöhte Ermüdung, nach einigen Tagen entsteht Schmerzen. Dann weißt du: Du trittst falsch.
Die Bewegung führst du nicht in der normalen Achse des Kniegelenks aus, sondern weichst davon ab und belastest das Gelenk ungleichmäßig. Trainiere nicht weiter in dieser Weise, denn sonst wird dein Problem chronisch! Triff dich mit deinem Trainer, zeige ihm, wie du trittst, korrigiert die Fehlhaltung und achte künftig besonders darauf, die Bewegung korrekt (im optimalen Bewegungsbereich des Gelenks) auszuführen.
Computergestützte Bewegungsanalysen helfen, Haltungsschäden, schlechten Bodenkontakt des Fußes oder ungesunde Gelenkbelastungen zu erkennen. Korrekturen sind z. B. durch Einlagen, Fersenheber, andere Schuhe oder Änderungen von Haltung bzw. Bewegung möglich.
Ärztliche Behandlung
Ich erwähnte bereits, dass die medizinische Basisbehandlung konservative RICE- oder PRICE-Therapie sowie die Gabe nichtsteroidaler und steroidaler Entzündungshemmer ist. Das Wissen vieler Ärzte erschöpft sich leider oft in diesen Maßnahmen. Steroide kommen höchstens bei Amateuren in Betracht, bei Profis auf keinen Fall (Doping!).
Viele Ärzte und Patienten „verachten“ physikalische Therapien, weil diese nicht „sofort“ wirken. Ein steroidaler Entzündungshemmer kann deine Beschwerden „ausblasen“, birgt aber große Risiken! Wenn eine fehlerhafte Bewegung, technischer Mangel, falsche Schuhe oder ungleichmäßige Belastung die Ursache sind und du die Auslöser nicht änderst, dann werden deine Beschwerden mit der Zeit noch stärker und schädigender auftreten.
Physikalische Therapien (Ultraschall, Softlaser, Magnettherapie, Kälte-/Wärmetherapie, Mikrostrom usw.) benötigen 10–15 oder mehr Anwendungen, entfalten dann aber eine entzündungshemmende Wirkung und beseitigen die Entzündung effektiv (und medikamentenfrei). Muskelstimulationsbehandlungen helfen, die Muskelkraft in kritischen Muskelgruppen zu verbessern und sorgen für nachhaltige Ergebnisse.
Ein weiterer Vorteil ist, dass effektive Heimanwendungen physikalischer Therapiegeräte seit Jahren verfügbar sind — du kannst also bequem und ohne Zeitverlust zuhause therapieren.
Zusammenfassung
Wenn du regelmäßig trainierst und Beschwerden auftreten, WARTE NICHT, bis sie schwerwiegend werden und deine Bewegung einschränken!
Schmerz signalisiert, dass etwas nicht stimmt. Die Ursache kann technischer Natur sein, eine falsche Bewegung oder eine schlecht dosierte Trainingsmenge. Setze dich mit deinem Trainer oder Sportarzt zusammen und prüft die möglichen Ursachen.
Beseitige die Ursachen übermäßiger Belastung: behebe technische Probleme, korrigiere die Bewegung und stärke deine Muskulatur an den Schwachstellen. Das sichert dir intensives und effektives Training. Und das Wichtigste: BESCHWERDEFREIES TRAINING.