Facialisparese und Behandlung
Der Facialisnerv (Nervus facialis, VII. Hirnnerv) erfüllt mehrere Aufgaben. Als motorischer Nerv versorgt er die mimischen Gesichtsmuskeln und bestimmt so Ihren Gesichtsausdruck. Ein Ast zum Zungenbereich ist für den Geschmack (vorderen zwei Drittel der Zunge) verantwortlich. Er beteiligt sich außerdem an der Tränen- und Speichelbildung. Eine Facialisparese heilt oft sehr langsam und kann bis zu einem Jahr dauern. Obwohl die ersten 5–10 Behandlungen meist in einer Klinik oder Praxis erfolgen, reicht das häufig nicht aus: Zu Hause sollten Sie die Elektrotherapie bis zur Genesung fortsetzen.
Unter einer Facialisparese versteht man die meist einseitige Lähmung jener Gesichtsmuskeln, die vom Facialisnerv (n. facialis) innerviert werden, insbesondere der mimischen Muskulatur.
Der Facialisnerv ist der siebte (VII.) der zwölf (XII) Hirnnerven. Er ist paarig angelegt, das heißt rechts und links jeweils vorhanden. Die Hirnnerven haben ihre Ursprünge in den Kernen des Gehirns und ziehen direkt zu den Effektoren (Muskeln, Drüsen etc.).
Im Gegensatz dazu verlaufen die meisten anderen peripheren Nerven (für Arme, Beine und Rumpf) indirekt über Verschaltungen im Rückenmark, bevor sie ihr Ziel erreichen.
Der Facialisnerv versorgt die mimischen Muskeln (Stirn, Augen, Nase, Mund sowie den Platysma-Muskel des Halses), den Stapedius-Muskel im Gehörgang, Teile der Schluckmuskulatur, die vorderen zwei Drittel der Zunge für den Geschmackssinn (sensorisch) sowie nahezu alle Kopfglandeln (viszeromotorisch).
Formen der Facialisparese
Aufgrund der komplexen Organisation von Gehirn und Nerven kann eine Schädigung an mehreren Stellen auftreten, die zur Lähmung der Gesichtsmuskulatur führen.
Eine Schädigung des motorischen Kernes selbst (nukleäre Parese) ist selten.
Zentrale Lähmung
Wenn die Verbindung zwischen der Großhirnrinde und den motorischen Kernen im Hirnstamm (genauer: in der Brücke, Pons) gestört ist, spricht man von einer zentralen bzw. supranukleären Lähmung. Dabei treten meist weitere Zeichen einer zentralen Schädigung auf, etwa Lähmungen von Armen oder Beinen. Die Schädigung führt zur kontralateralen (gegenüberliegenden) Beeinträchtigung der mimischen Muskulatur: Eine Schädigung in der linken Gehirnhälfte zeigt sich als rechtsseitige Gesichtslähmung. Bei zentraler Form sind Stirnrunzeln und Augenlidverschluss oft noch möglich, weil die obere Gesichtshälfte teilweise bilateral innerviert wird (zwei Drittel von der kontralateralen, ein Drittel von der ipsilateralen Seite), sodass die Muskeln zwar geschwächt, aber beweglich bleiben.
Periphere Lähmung
Am häufigsten ist die Schädigung distal der Hirnnervkerne, also im Abschnitt unterhalb der Gehirnkerne (infranukleär). Das ist die periphere Facialisparese.
Bei peripherer Facialislähmung treten die Symptome immer auf der gleichen Seite wie die Schädigung (ipsilateral) auf. Typischerweise sind auch Stirn- und Augenlidermuskulatur betroffen. Zusätzlich können die nicht-motorischen Fasern beeinträchtigt sein, was sich in Störungen des Geschmackssinns und/oder in verminderter Speichel- und Tränenproduktion äußern kann.
Ursachen der Gesichtslähmung
Entzündung
Eine Entzündung des Facialisnervs kann zur Lähmung führen (Neuritis facialis). Dabei sind periphere Nervenabschnitte durch Viren oder Bakterien betroffen. Häufige Erreger sind neurotrope Viren, Herpesviren und bestimmte Bakterien.
Zentrale (zerebrale) Schädigung
Zentrale Funktionsstörungen des Gehirns können ebenfalls zu Gesichtslähmungen führen, z. B. durch Schlaganfall (Hirnblutung, Hirninfarkt), Multiple Sklerose, Tumoren etc.
Periphere Schädigung
Bei peripherer Schädigung geht die Lähmung von einer Schädigung des Facialisnervs selbst aus; hierfür gibt es verschiedene Ursachen:
- Idiopathisch – ohne nachweisbare Ursache. Dies macht 60–75 % der Fälle aus (Finkensieper et al. 2012). In den restlichen 25–40 % liegen verschiedene nachweisbare Ursachen zugrunde.
- Traumatisch – z. B. Fraktur des Schläfenbeins kann den Nerv schädigen.
- Tumoren – Tumoren können den Nerv umwachsen, komprimieren oder verlagern. Verschiedene Tumorarten kommen infrage: Parotis-Tumoren, Facialis-Schwannome, Akustikusneurinome, Kleinhirntumoren, tumorbedingte Meningitiden etc.
- Iatrogen (durch medizinische Eingriffe verursacht) – eine mögliche Komplikation z. B. bei Operationen an der Ohrspeicheldrüse oder Unteraugenhöhlen-Operationen.
- Im Rahmen folgender Syndrome:
Guillain-Barré-Syndrom (akute entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven), insbesondere das Miller-Fisher-Syndrom (eine Variante des GBS)
Carey-Fineman-Ziter-Syndrom (angeborene neurologische Störung)
Möbius-Syndrom (angeborene Entwicklungsstörung)
Melkersson-Rosenthal-Syndrom (entzündliche Erkrankung mit orofazialen Symptomen)
Heerfordt-Syndrom (Entzündung der Parotis- und Tränendrüsen) - Metabolische Erkrankungen wie Diabetes mellitus (insbesondere in Kombination mit Bluthochdruck) können eine Facialisparese begünstigen.
- Auch in der Schwangerschaft, besonders im letzten Trimester, kann eine Facialisparese auftreten (Heckmann et al. 2017).
Je nach Ursache gibt es spezifischere Bezeichnungen:
- Bell-Lähmung: idiopathische Facialisparese (unbekannte Ursache)
- Ramsay-Hunt-Syndrom: Facialisparese im Zusammenhang mit Zoster oticus
- Mona-Lisa-Syndrom: Facialisparese während der Schwangerschaft
Symptome der Facialisparese

Da meist nur ein peripherer Nerv betroffen ist, sind die Symptome in der Regel einseitig. Eine beidseitige Facialisparese ist selten, z. B. bei Patienten mit Borreliose.
Das Hauptzeichen einer Facialislähmung ist die Lähmung der mimischen Muskulatur:
- hängende Mundwinkel
- herabhängendes Augenlid
- kein Stirnrunzeln möglich
- bei Augenmuskellähmung ist oft ein vollständiger Lidschluss nicht möglich. Dadurch besteht die Gefahr der Austrocknung des Auges, die symptomatisch behandelt werden muss.
Neben den Muskelfunktionen können weitere Funktionen des Facialisnervs betroffen sein:
- verminderte Tränenproduktion
- Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis durch Schädigung des Stapedius)
- verminderte Speichelproduktion
- gestörter Geschmackssinn (vordere zwei Drittel der Zunge)
- Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln in einer Gesichtshälfte sind nicht typische direkte Folgen der Facialislähmung; solche Symptome können bei Beteiligung anderer Nerven (z. B. Nervus trigeminus) vorkommen.
Die intakten Muskeln auf der gesunden Seite ziehen die gelähmte Seite weg, weshalb das Gesicht asymmetrisch wirkt. Die betroffene Gesichtshälfte lässt sich nicht aktiv bewegen, wodurch ein ausdrucksloser, maskenartiger Gesichtsausdruck entsteht.
Prognose
Die idiopathische Facialisparese hat meist eine relativ gute Prognose. In etwa 70 % der Fälle klingt die Lähmung innerhalb von Tagen bis Wochen, seltener innerhalb von Monaten spontan ab.
Nur etwa 30 % der Betroffenen behalten ein dauerhaftes motorisches Defizit.
Bei 16 % entwickeln sich Synkinesien (fehlgerichtete Mitbewegungen), z. B. unwillkürliche Augenbewegungen beim Schließen des Mundes (Peitersen 2002).
Ein erstmaliges einseitiges Auftreten hat ebenfalls eine gute Prognose, besonders bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) und wenn der Nerv nur partiell geschädigt ist (Neurapraxie).
Bei einer schwerwiegenden Schädigung oder kompletten Durchtrennung des Nervs (Axonotmesis), z. B. nach schwerer Felsenbeinfraktur, ist eine vollständige Remission eher unwahrscheinlich. Bleibt eine vollständige Wiederherstellung aus, kann dies später zu dauerhafter Gesichtsasymmetrie oder Synkinesien führen.
Die Lähmung der Mundpartie ist nicht nur psychisch belastend, sondern schränkt auch Alltagsfunktionen ein. Durch schlaffe Muskulatur kann beim Trinken Speichel oder Flüssigkeit aus dem Mundwinkel laufen (Sabbern), oder Nahrung verbleibt an der Wange. Verminderte Muskelkraft kann die Sprache beeinträchtigen und die Lautbildung erschweren (Dysarthrie).
Symptomatische Therapie und Rehabilitation sind besonders wichtig bei schweren Schädigungen, bleibenden Defiziten sowie bei Ess- oder Sprechproblemen.
Behandlung der Facialisparese
Ein plötzlich auftretender Ausfall der Gesichtsmuskulatur, unabhängig von zentraler oder peripherer Ursache, ist immer ein Notfall. Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf.
Wenn die Ursache ermittelbar ist, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Bei unbekannter Ursache besteht die übliche medikamentöse Therapie aus Steroiden und/oder antiviralen Medikamenten.
Es kann eine symptomatische Behandlung erforderlich sein. Schließt sich das Augenlid nicht, verwendet man künstliche Tränen, Augensalben und/oder eine Schutzabdeckung, um das Auge vor Austrocknung zu schützen.
Bei schweren und persistierenden Pareseformen werden gelegentlich mikrochirurgische Techniken zur Rekonstruktion des Facialisnervs eingesetzt, z. B. unter Nutzung eines gesunden Nerven der Gegenseite (quer verlaufende Facialisnaht) oder Nerventransfers (Hypoglossus-fazialer Anastomose). Auch Muskeltransplantationen für die Stirn sind möglich. Da die Forschung fortschreitet, erweitern sich die chirurgischen Optionen stetig.
Eine Gesichtslähmung kann schockierend sein; in der Anfangszeit sollte man sich auf Ruhe und die Behandlung der auslösenden Ursache konzentrieren. Wichtig sind reichliche Flüssigkeitszufuhr und Schonung. Vermeiden Sie Belastung.
In der Behandlung sollten mehrere physikaltherapeutische Methoden eingesetzt werden
Elektrotherapie
Wie bereits erwähnt, kann ein Teil der Lähmungen spontan abklingen. Problematisch ist jedoch, dass man nicht vorhersagen kann, wer sich in 1–2 Monaten von selbst erholt. Daher sollte die Behandlung so früh wie möglich beginnen.
Mit der Elektrotherapie kann man bereits 3–4 Tage nach Auftreten der Lähmung starten. Meist ist eine monatelange, manchmal sogar bis zu einem Jahr dauernde konsequente Anwendung erforderlich. Die Regeneration von Nervenfasern ist sehr langsam: typischerweise wächst das Faserniveau um 0,1–0,2 mm pro Tag, im günstigsten Fall maximal 1 mm/Tag. Der Verlauf des Facialisnervs kann 15–20 cm lang sein, daher bedeuten 150–200 Tage nur die absolute Minimalzeit.
Die elektrische Behandlung muss 2–3-mal täglich erfolgen, weil ein denervierter Muskel (ohne motorische Fasern) ohne stimulierende Impulse innerhalb kurzer Zeit atrophiert. Schließlich geht der Muskel dauerhaft zugrunde, Bindegewebe bildet sich übermäßig, und die Funktion ist nicht mehr wiederherstellbar.
Mit der Elektrotherapie erhalten Sie die Muskelfunktion so lange, bis die nachwachsende Nervenfaser die Muskulatur wieder erreicht. Ist der Muskel bereits zerstört, hilft selbst ein regenerierter Nerv nicht zur Wiederherstellung der Funktion. Sind jedoch noch funktionsfähige Muskeln vorhanden, können diese durch Reinnervation wieder funktionieren.
Zentrale Lähmung - ETS
Bei zentraler Lähmung wird funktionelle elektrische Stimulation (EMG-gesteuerte Elektrostimulation), Biofeedback oder eine Kombination aus beidem eingesetzt. Die Übungen betreffen ein oder mehrere Muskeln (1- oder 2-Kanal) und dienen der Wiederherstellung der Funktion bzw. der Vermeidung unwillkürlicher Fehlbewegungen. Siehe meinen Artikel über ETS-Biofeedback-gesteuerte Stimulation.
Für die Behandlung zentraler Lähmungen geeignete Geräte sind z. B. das Premium 400 multifunktionales Elektrotherapie-Gerät oder das DuoBravo N - ETS - Biofeedback-gesteuertes Stimulationsgerät. Für detaillierte Informationen klicken Sie auf die Links.
Periphere Parese – denerviert
Bei peripherer Parese liegt der Schwerpunkt auf speziellen Strömen (niedrige Frequenz, lange Impulsdauer). Je ausgeprägter die Nervenschädigung – insbesondere nach Operationen – desto wichtiger ist die Elektrotherapie, um die Muskeln vor Abbau (Atrophie) und Bindegewebsveränderungen zu schützen.
Die Annahme, dass Stimulation die Reinnervation behindert, wurde durch neuere Studien widerlegt (Carraro 2018). Manche Studien zeigen sogar, dass niederfrequente elektrische Stimulation die Reinnervation fördert (Gordon et al. 2016).
Mit fortschreitender Heilung und Wiedererwachen der Muskulatur treten häufig Synkinesien auf (z. B. gleichzeitige unwillkürliche Augenbewegung beim Schließen des Mundes). Biofeedback-Therapie kann helfen, diese Fehlbewegungen zu vermeiden (Pourmomeny et al. 2014).
Dies ist oft wirkungsvoller als reine Spiegeltherapie (Dalla Toffola et al. 2012), wobei eine Kombination mit Spiegeltraining vorteilhaft bleibt (Cardoso et al. 2008).
Generell erzielt man gute Ergebnisse, wenn motorische Funktionen durch Stimulation verstärkt werden (Bernd et al. 2018), wie es bei Biofeedback der Fall ist. Biofeedback kann auch als Heimtherapie angewendet werden (Volk et al. 2014).
Für die periphere Lähmung ist die sogenannte denervierte Behandlung oder in der Fachsprache die szelektive Reizstromtherapie (Denerviert) geeignet. "Denerviert" bedeutet: der Muskel hat seine motorische Nervenverbindung verloren.
Ich nenne zwei Geräte: das deutsche PeroBravo und die italienische Genesy-Gerätefamilie von Globus.
Das PeroBravo ist ein einkanaliges, auf periphere Lähmungen spezialisiertes Gerät. Die Genesy-Modelle sind hingegen multifunktionale, 4-kanalige Elektrotherapie-Geräte; die Behandlung peripherer Lähmungen ist nur eine ihrer Funktionen, sie sind für hunderte andere Probleme einsetzbar.
Das PeroBravo bietet ein beeindruckendes Spektrum an Einstellmöglichkeiten für die Behandlung peripherer Lähmungen. Diese Vielzahl an Optionen können hauptsächlich erfahrene Elektrotherapeuten ausschöpfen; Laien nutzen meist nur Grundprogramme.
Die Genesy-Geräte bieten weniger spezielle Einstellungen für den denervierten Modus als das PeroBravo, sind jedoch in der Praxis oft durchaus geeignet – insbesondere wegen ihrer multifunktionalen Einsatzmöglichkeiten und der 4 Kanäle, wenn zusätzlich andere muskuloskeletale Probleme vorliegen.
Denervierte Behandlung
Wenn Ihr Gesicht gelähmt ist, erhalten Sie in Fachambulanzen üblicherweise ein paar elektrische Anwendungen – meist 5–10 Sitzungen. Das reicht aber sicher nicht, denn zur völligen Ausheilung der Symptome braucht man selbst im günstigsten Fall 3–4 Monate; häufiger 6–8 Monate.
Die ideale Anzahl an Behandlungen pro Tag ist zudem nicht eins, sondern 3–4. Das lässt sich in der Praxis nicht leisten – die Therapie muss zu Hause fortgesetzt werden. Besorgen Sie sich hierfür ein entsprechend geeignetes Stimulationsgerät.
Die meisten arktzbedingten Gesichtslähmungen sind peripher und die betroffenen Muskeln sind denerviert (haben ihren motorischen Nerv verloren).
Peripher denervierte Muskeln lassen sich nicht mit irgendeinem Stimulator behandeln. Es wird ein Gerät benötigt, das langsame Anstiegszeiten und lange Impulsdauern (mindestens 200–400 ms, also nahe einer halben Sekunde) liefert – ein Gerät für denervierte Behandlung.
Ein im Discounter gekauftes Standardgerät ist sicher nicht geeignet zur Behandlung des Facialisnervs und der Gesichtsmuskeln.
PeroBravo-Stimulator und denervierte Behandlung

Das PeroBravo-Gerät wird vom deutschen Berliner Unternehmen MTR Plus hergestellt. In Deutschland wird es bei peripheren Lähmungen rezeptpflichtig verordnet. In Ungarn ist es derzeit nicht erstattungsfähig, Sie müssen es selbst beschaffen.
Das PeroBravo wurde speziell zur Behandlung peripherer Parese entwickelt. Die Programme 1–10 "folgen" dem Verlauf der Lähmung.
Programm 1 ist für die schwerste, komplette Nervschädigung gedacht, mit zunehmender Programmnnummer sind die Einstellungen für weniger stark geschädigte Nerven optimiert.
Bei kompletter Nervschädigung beginnen Sie mit Programm 1 und können je nach Besserung alle paar Wochen auf Programm 2, dann 3 usw. vorgehen, bis der Nerv wiederhergestellt ist und selbst Programm 10 die Muskulatur gut stimulieren kann (dieses Programm ist für die gesunde Muskel-Nerven-Verbindung vorgesehen).
Nicht jede periphere Parese ist eine komplette Nervschädigung!
Daher ist in Einzelfällen ein anderes Startprogramm sinnvoll: Bei partieller Schädigung ist Programm 1 oft mit zu langen Impulsen versehen, die für den Nerv unangenehm und unnötig sind. Dann ist ein höher nummeriertes Programm besser geeignet.
Wenn Sie Physiotherapeut sind, können Sie die Intensität-/Dauer-Kurve bestimmen. PRG 12 bietet ein automatisiertes Diagnostikprogramm dafür. Fachpersonal kann so optimale Behandlungsparameter für den jeweiligen Patienten festlegen.
Im Idealfall sollte Ihr behandelnder Arzt oder Physiotherapeut Ihnen sagen, welches Programm für Sie geeignet ist. Meine Erfahrung ist, dass es wenige Ärzte gibt, die hierzulande konkrete Anweisungen geben.
Wenn Sie keine konkrete Anweisung bekommen haben, befolgen Sie folgende Strategie:
- Starten Sie zuerst mit Programm 07.
Wenn Sie feine Muskelzuckungen spüren, reicht diese Einstellung aus — fahren Sie damit fort.
Wenn Sie keine Muskelkontraktion spüren, schalten Sie auf Programm 06. - Wenn Sie auch mit 06 keine Zuckung wahrnehmen, gehen Sie zu 05 und so weiter bis 01. Auf 01 werden Sie nur in den schwersten Fällen mit kompletter Nervschädigung angewiesen. Je geringer der Schädigungsgrad, desto näher sind Sie am Programm 07.
- Bei dem Programm, bei dem Sie eine deutliche Muskelkontraktion spüren, bleiben Sie.
Genesy 600, 1500 und 3000 Geräte
Die Genesy-Geräte werden vom italienischen Hersteller Globus produziert, der in Europa für hohe Qualität bekannt ist.
Genesy-Geräte sind multifunktionale Elektrotherapie-Geräte, die für hunderte Beschwerden einsetzbar sind.
Die Behandlung peripherer Parese ist nur eine ihrer Anwendungen. Geeignete Modelle sind: Genesy 600, Genesy 1500 oder Genesy 3000.
Obwohl die Genesy-Modelle weniger spezielle Einstellmöglichkeiten für den denervierten Modus bieten als das PeroBravo, sind ihre Behandlungskapazitäten und Wirkungen ähnlich.
Im Genesy 600 gibt es je ein Programm für schwere, mittlere und milde Nervschäden, während Genesy 1500 und 3000 drei Programme pro Schweregrad anbieten. Bei den größeren Geräten kann der Therapeut ein individuelles denerviertes Behandlungsprogramm erstellen, das noch besser auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist.
Die Programme finden Sie in der Programmliste unter Medizinische Behandlungen / Denerviertes Programmgruppe.
- dreieckiger Impuls: bei schwerer Nervschädigung zu verwenden
- trapezförmiger Impuls: bei teilweiser Schädigung
- rechteckiger Impuls: bei leichten Schädigungen
Stimulation der gelähmten Gesichtsmuskeln
Der Facialisnerv hat drei Hauptäste, die zahlreiche Gesichtsmuskeln versorgen. Auf der folgenden Abbildung sehen Sie, dass Stirn, Augenpartie, Mundumgebung, Kinn und Wangen aus etwa einem Dutzend Muskeln bestehen.
Es kann in jedem Fall unterschiedlich sein, welcher Ast bzw. welcher Muskel innerhalb eines Astes am stärksten betroffen ist. Bei manchen Patienten sind alle drei Äste betroffen, bei anderen nur kleine Bereiche.
Die Behandlung richtet sich nach Ihren Symptomen. Einzelne Muskeln müssen gezielt behandelt werden, da ihr Schädigungsgrad variieren kann und verschiedene Programme nötig sind.
Verwenden Sie kleine, runde Elektroden (ca. 25 mm). Geeignete Produkte sind PALS Round 25mm oder ValueTrode Round 32mm.
Auf der Abbildung sehen Sie mehrere Punkte. Schließen Sie den negativen Pol des Kabels (in der Regel schwarz gekennzeichnet) an die nahe dem Ohr angesetzte Elektrode an. Diese Elektrode bleibt immer an der Stelle. Die positive Elektrode (roter Anschluss) setzen Sie zuerst an den ersten Punkt (z. B. Stirn).
Führen Sie die Behandlung durch. Nach Ende der Anwendung setzen Sie die positive Elektrode an den nächsten Punkt (z. B. Augenwinkel), während die negative Elektrode am Ohr bleibt. Behandeln Sie nacheinander alle erforderlichen Punkte.

Bei der Behandlung der Facialisparese (Bell-Lähmung) müssen entlang des Verlaufs des Nerven mehrere Punkte behandelt werden. Verwenden Sie kleine (ca. 25 mm) runde Elektroden. Die negative Elektrode kleben Sie stets in der Nähe des Ohrs fest; die Position des positiven Pols wechseln Sie. Beginnen Sie an der Stirn und verschieben Sie die Elektrode nach Ablauf der Behandlungszeit zu den weiteren Punkten. Nicht immer müssen alle gezeigten Punkte behandelt werden – fragen Sie Ihre(n) Physiotherapeuten/in!
Dosieren Sie die Stromstärke vorsichtig. Steigern Sie sie so weit, bis Sie die Muskelkontraktion spüren. Erhöhen Sie die Intensität von Sitzung zu Sitzung langsam, bis die Kontraktion deutlich, aber nicht schmerzhaft ist.
Die Gesichtsmuskeln sind sehr klein; bereits bei 2–3 mA (sehr niedrig) ist ein Muskelzucken spürbar.
Bei Sensibilitätsstörungen müssen Sie besonders vorsichtig sein, da Sie den Reiz nicht gut spüren und die Stromstärke zu hoch einstellen könnten. Zu hohe Intensitäten können an der Haut Verbrennungs- oder ähnlichen Schäden verursachen.
Wie machen Sie die Behandlung wirksamer?
Die Stimulationsbehandlung wird effektiver, wenn Sie sie mit mimischen Übungen vor einem Spiegel kombinieren!
Wenn Sie den Impuls des Geräts und die Muskelkontraktion spüren, unterstützen Sie die Bewegung bewusst, indem Sie die Mimik aktiv mit ausführen und Ihr Gesicht im Spiegel beobachten. Visuelle Reize aus dem Gesichtsfeld aktivieren zusätzlich das Gehirn und verstärken die Impulse zum geschädigten Facialisnerv.
Diese kombinierte Behandlung steigert die regenerativen Impulse und verbessert sowohl Effektivität als auch Geschwindigkeit der Heilung.
Softlaser-/Laserbehandlung
Eine weitere wichtige Methode zur Behandlung der Facialisparese ist die Lasertherapie; hierfür halte ich Geräte der Klasse 3 (Low-Level-Laser) für geeignet, wie z. B. das Personal Laser L400 oder das Energy Laser L500 Pro. Lesen Sie hierzu meinen Artikel: Grundlagen der Softlaser-Behandlung. Dort erfahren Sie, dass Klasse-3-Geräte die leistungsstärksten Laser sind, die für den Heimgebrauch abgegeben werden können. Die Behandlung ist schnell und effektiv.
Bedeutung einer sofortigen Laserbehandlung
Die Hauptursache für Facialislähmung ist, dass die Nervenfaser anschwillt (ödematös wird) und dadurch in einem knöchernen Kanal eingeengt wird.
Durch die Kompression am Knochen wird die Durchblutung und damit die Funktion der Nervenfaser gestört. Reduziert man das umgebende Ödem, kann man die Schädigung der Faser minimieren.
Nach Auftreten einer Facialisparese sollte die Laserbehandlung so schnell wie möglich begonnen werden.
Die Lasertherapie fördert die Mikrozirkulation; die verbesserte Durchblutung reduziert das Ödem.
Die Ödemreduktion ist eine kurzfristige Wirkung der Lasertherapie.
Bedeutung einer langdauernden Laserbehandlung
Gehirn und Nerven sind sehr empfindlich. In vielen Fällen vergehen Stunden zwischen dem Auftreten der Lähmung und dem Eintreffen in der Klinik bzw. den abgeschlossenen Untersuchungen.
Bis dahin ist die Nervenfaser meist bereits teilweise geschädigt, wenn die ersten Behandlungen beginnen.
Die Facialisparese gehört zu den Zuständen mit besonders langsamer Heilung. Selbst unter idealen Bedingungen sind monatelange Behandlungen nötig, um die Symptome zu lindern.
Obwohl sich in einem Teil der Fälle die Facialisparese spontan bessert, lässt sich nicht vorhersagen, wer dazu gehört.
Deshalb sollten Physiotherapie, Elektrotherapie und Laserbehandlungen über einen langen Zeitraum (in der Regel mindestens 3–6 Monate) konsequent fortgeführt werden.
Die Laserbehandlung unterstützt die Nervenregeneration und beschleunigt so den Heilungsprozess.
Empfohlene Fachliteratur für Fachpersonal: Aghamohamdi D, Fakhari S, Farhoudi M, Farzin H. The Efficacy of Low-Level Laser Therapy in the Treatment of Bell's Palsy in Diabetic Patients. J Lasers Med Sci. 2020 Summer;11(3):310-315. doi: 10.34172/jlms.2020.52. Epub 2020 Jun 21. PMID: 32802293; PMCID: PMC7369545.
Laserbehandlung der Facialisparese
Der Facialisnerv teilt sich in drei Hauptäste, die die Gesichtsmuskulatur versorgen. Es ist nicht sicher, dass bei Ihrem Fall alle drei Äste gleichermaßen betroffen sind.
Auf der folgenden Abbildung sehen Sie viele mögliche Behandlungsstellen.
Wenn Sie das Auge nicht schließen können, die anderen Äste aber funktionell intakt sind, reicht die Behandlung entlang der oberen zwei Linien bis zum Ohr aus.
Sind Stirnrunzeln, Augenlidverschluss und die Mundwinkelfunktion betroffen (z. B. kein Pfeifen möglich), sollten alle Punkte behandelt werden.
Beginnen Sie stets am Punkt hinter dem Ohr. Diesen Punkt dürfen Sie nie auslassen.
Behandeln Sie dann vom Mittellinienbereich aus entlang des Nervenlaufs bis zum Ohr.
An jedem Punkt halten Sie das Gerät für eine festgelegte Zeit. Die Dauer hängt von der Leistung Ihres Geräts ab. Halten Sie das Gerät möglichst senkrecht zur Haut, so dass die Sonde die Haut berührt.
Behandlung mit dem Personal-Laser L400
Das Personal-Laser L400 ist das weltweit kleinste Klasse-3-Softlaser-Gerät. Es ist kaum dicker und länger als ein erwachsener Daumen. Der Akku ermöglicht etwa 2 Stunden Behandlung pro Ladung.
Der Laserstrahl hat eine Fläche von 1 cm2. Durch den kleinen punktförmigen Strahldurchmesser eignet sich das Gerät hervorragend für die lokale Behandlung der Facialisparese.
Die Laserwellenlänge beträgt 808 nm (Infrarot, für das Auge unsichtbar). Das rote Licht am Gerät ist nicht der Laser selbst, sondern dient zur Signalisierung und Zielführung.
Der Laser strahlt kontinuierlich mit 400 mW Leistung. Das bedeutet, alle 10 Sekunden werden 4 Joule Energie abgegeben; das Gerät signalisiert dies akustisch (ein Piepton).
Sofern Ihr behandelnder Arzt nichts anderes verordnet, folgen Sie diesem allgemeinen Behandlungsplan, wenn Sie ein Personal-Laser L400 besitzen.
| 1. Woche | Ab Woche 2 bis Beschwerdefreiheit | |
| Punkt hinter dem Ohr | 3 Piepser (12 Joule) | 2 Piepser (8 J) |
| Weitere Punkte entlang des Nervenverlaufs | 2 Piepser (8 J) | 1 Pieps (4 J) |
Behandlung mit dem Energy-Laser L500Pro
Das Energy-Laser L500 Pro ist ein Klasse-3-Softlaser. Der Akku erlaubt etwa 1,5 Stunden Behandlung pro Ladung.
Die Laserfläche beträgt 1 cm2. Durch den punktförmigen Strahldurchmesser ist er ideal für die lokale Behandlung der Facialisparese.
Die Wellenlänge beträgt 808 nm (Infrarot). Die rote Leuchte dient nur der Zielhilfe und ist nicht der Laserstrahl selbst.
Der Laser arbeitet kontinuierlich mit 500 mW Leistung. Das bedeutet, alle 10 Sekunden werden 5 Joule Energie abgegeben; das Gerät gibt hierzu einen akustischen Hinweis (Piepton).
Sofern Ihr Arzt nichts anderes anordnet, richten Sie sich nach diesem allgemeinen Behandlungsplan für das Energy-Laser L500Pro.
| 1. Woche | Ab Woche 2 bis Beschwerdefreiheit | |
| Punkt hinter dem Ohr | 2 Piepser (10 Joule) | 1 Pieps (5 J) |
| Weitere Punkte entlang des Nervenverlaufs | 1 Pieps (5 J) | 1 Pieps (5 J) |
Welche Ergebnisse sind zu erwarten?
Betroffene mit Bell-Lähmung fragen mich oft: „Ich habe seit einem Jahr eine Bell-Lähmung. Ich hatte Übungen, Laserbehandlungen, Akupunktur, aber es verbessert sich kaum. Mein linker Mundwinkel hängt, als käme ich gerade vom Zahnarzt. Wie stehen meine Chancen?“
Nun... das ist eine Frage der Prognose.
Per Internet oder selbst nach persönlicher Untersuchung lässt sich die Zukunft nicht sicher vorhersagen. Das Ergebnis der Behandlung hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel:
- Wurde rechtzeitig begonnen? Nach Monaten ist nur noch wenig zu erreichen. Behandeln sollte man idealerweise bereits am Tag des Auftretens (Medikamente, Laser, Elektrotherapie).
- Wird lange genug behandelt? Viele Patienten glauben, die üblichen 5–10 ambulanten Physiotherapie-Sitzungen plus ebenso viele Laser- und Elektrotherapie-Anwendungen reichten.
DAS GENÜGT NICHT!
Man muss konsequent dranbleiben; in der Regel ist nach 3–6 Monaten mit Besserung zu rechnen. Bei vielen sind auch längere Behandlungszeiträume über ein Jahr notwendig. - Wie wird behandelt? Mit ungeeignetem Gerät, unzureichender Dauer oder an falschen Punkten durchgeführte Therapie ist wirkungslos. Entscheidend ist, was und wie behandelt wird.
Die Bell-Lähmung heilt in einem Teil der Fälle auch ohne Behandlung. Das Problem ist, dass nicht vorhersehbar ist, wer zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Wer nicht dazugehört, wird ohne Therapie nicht besser.
Deshalb muss täglich und ausdauernd behandelt werden – teils bis anderthalb bis zwei Jahre. Nach so langer Zeit kann es Fälle geben, bei denen trotz aller Bemühungen keine Besserung eintritt; solche Fälle gibt es glücklicherweise nur in einer Minderheit.
Wenn Sie die Behandlungen mit ausreichender Frequenz durchführen, das heißt:
- Gesichtsübungen 4–5-mal täglich je 10–15 Minuten,
- elektrische Behandlungen täglich mindestens einmal, idealerweise mehrmals,
- Laseranwendungen täglich oder jeden zweiten Tag,
dann können Sie optimistisch sein, dass sich eine Besserung einstellt (wenn auch niemals eine 100%ige Garantie gegeben werden kann).