Was sagt die Wissenschaft tatsächlich über Softlaser?
Die Geschichte begann in Budapest. Der Chirurgieprofessor Endre Mester untersuchte 1967, ob schwaches Laserlicht bei Mäusen Hauttumoren verursacht. Das war nicht der Fall – doch bei den bestrahlten Tieren wuchs das Fell schneller nach, und auch ihre Wunden schlossen sich früher. Diese zufällige Beobachtung leitete jenes Forschungsgebiet ein, das heute Photobiomodulation genannt wird und zu dem inzwischen mehrere tausend wissenschaftliche Publikationen erschienen sind. Das Gebiet hat also ungarische Wurzeln – die Frage ist, was wir fast sechs Jahrzehnte später darüber wissen.
Dieser Artikel ist keine Behandlungsanleitung – diese findest du im Leitfaden zur Softlasertherapie und in den Artikeln zu den einzelnen Beschwerden. Hier prüfe ich, wie stark die Belege für die einzelnen Anwendungen sind: Wo spricht die Forschung eindeutig für den Laser, wo ist das Bild gemischt und wo gibt es nicht genügend Daten? Dabei erfährst du auch, wie man einzelne Studien liest – denn ohne dieses Wissen können Zahlen irreführend sein.
Kerngedanke
Die Frage „Wirkt Softlaser?" lässt sich so, für sich allein, nicht beantworten – und wer darauf mit einem einzigen Wort antwortet, vereinfacht zu stark. Die richtige Frage lautet: Bei welcher Beschwerde, mit welcher Dosis und nach welchem Protokoll wirkt er? Darauf gibt es bereits präzise Antworten: Bei manchen Indikationen (Kniearthrose, Nackenschmerzen, Sehnenbeschwerden) ist die Evidenz stark und einheitlich, bei anderen gemischt oder gering. Die Wirkung erwies sich in allen Studien als dosisabhängig – Untersuchungen mit einer falschen Dosis fanden typischerweise keine Wirkung.1
Wie entsteht medizinische Evidenz? Die Evidenzpyramide
Bevor wir zu den konkreten Ergebnissen kommen, ein kurzer, aber wichtiger Abstecher. Nicht jede „Studie" ist gleich viel wert. Die Medizin ordnet Belege nach ihrer Stärke ein – dies wird üblicherweise als Evidenzpyramide dargestellt. Wenn die Werbung für ein Gerät von einer „wissenschaftlich belegten" Wirkung spricht, lautet die erste Frage immer: Von welcher Stufe der Pyramide stammt diese Aussage?
| Stufe | Was ist das? | Wie viel ist es wert? |
|---|---|---|
| Fallbericht, Expertenmeinung | „Bei einem meiner Patienten hat es funktioniert" – Beschreibung einer Einzelerfahrung | Ideengebend für die Forschung, aber als Beleg nicht ausreichend: Zufall und Placeboeffekt werden nicht ausgeschlossen |
| Studie ohne Kontrollgruppe | Eine Gruppe von Patienten wird behandelt und die Verbesserung gemessen – ohne Vergleich | Schwach: Die meisten Beschwerden bessern sich mit der Zeit auch von selbst, und diese Verbesserung wird leicht der Behandlung zugeschrieben |
| Randomisierte, placebokontrollierte Studie (RCT) | Die Patienten werden per Zufall einer Gruppe mit echter Behandlung oder Scheinbehandlung zugeteilt – beim Laser ist dies gut umsetzbar, weil das Scheingerät genauso aussieht | Stark: Placeboeffekt und spontane Besserung werden herausgefiltert |
| Metaanalyse | Die Ergebnisse aller verfügbaren RCTs werden statistisch zusammengefasst | Sehr stark: Das Gesamtbild wird anhand der Daten von mehreren hundert oder tausend Patienten gezeigt |
| Umbrella Review („Übersichtsarbeit") | Metaanalyse von Metaanalysen: Qualität und Ergebnisse eines gesamten Forschungsgebiets werden bewertet | Die Spitze der Pyramide – zu Softlaser erschien 2025 eine solche Arbeit1 |
Die Besonderheit der Softlaserforschung besteht darin, dass inzwischen auf jeder Stufe der Pyramide Daten vorliegen – die Frage lautet also nicht, ob es „Forschung gibt", sondern was die obersten Stufen bei den einzelnen Indikationen zeigen. Darauf gehen wir jetzt ein.
Von der Zelle bis zu 204 Studien – das große Bild
Das primäre Ziel des roten und nahinfraroten Lichts ist ein Enzym im „Kraftwerk" der Zelle, den Mitochondrien: die Cytochrom-c-Oxidase. Dieses Enzym absorbiert das Licht und arbeitet dadurch effizienter: Es wird mehr ATP – also zellulärer Brennstoff – erzeugt, und eine kurze, signalgebende Welle freier Radikale setzt die Reparaturprogramme der Zelle in Gang. Die praktische Folge: eine bessere Energieversorgung im regenerierenden Gewebe, eine abgeschwächte entzündliche Signalübertragung und eine aktivere lokale Durchblutung.
Wichtig: Dabei handelt es sich nicht um eine Wärmewirkung. Softlaser erwärmt das Gewebe nicht nennenswert – die Wirkung ist photochemisch. Deshalb bezeichnet die wissenschaftliche Literatur sie als Photobiomodulation: Das Licht moduliert und reguliert die Zellfunktion, es verbrennt oder schneidet nicht wie ein chirurgischer Laser.
2025 erschien die bisher umfassendste Analyse des Gebiets: ein Umbrella Review, der 15 Metaanalysen – insgesamt 204 randomisierte Studien mit mehr als 9000 Patienten – zu 35 Ergebnissen aus 15 Krankheitsgruppen bewertete.1 Das Ergebnis ist ausgewogen: Bei 12 Ergebnissen führte die Photobiomodulation zu einer statistisch belegten Verbesserung, unter anderem mit mittlerer Sicherheit bei der durch Kniearthrose verursachten Funktionseinschränkung, der Müdigkeit bei Fibromyalgie und den Schmerzen beim Burning-Mouth-Syndrom.
Dieselbe Analyse stellt auch fest: Bei vielen Ergebnissen ist die Sicherheit der Aussage gering – nicht, weil der Laser nachweislich unwirksam wäre, sondern weil sich die Protokolle der Studien so stark unterscheiden, dass sie schwer zusammenzufassen sind. Diese Doppelheit – belegte Wirkung in manchen Bereichen, offene Fragen in anderen – ist das ehrliche Gesamtbild des Gebiets und spiegelt sich auch in diesem Artikel wider.
Die meisten „negativen" Ergebnisse der Softlaserforschung lassen sich auf einen einzigen Faktor zurückführen: die Dosis. Die Wirkung des Lichts verläuft zweiphasig – eine geringe Dosis aktiviert die Reparaturfunktion der Zellen, eine zu hohe hemmt sie dagegen, während eine zu geringe Dosis einfach ohne Wirkung absorbiert wird.2 Dieses Phänomen (biphasic dose response) wurde sowohl im Labor als auch klinisch vielfach beschrieben.3 Wenn eine Studie mit der falschen Wellenlänge, zu wenig oder zu viel Energie behandelte, fand sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Wirkung – und diese Ergebnisse fließen genauso in Zusammenfassungen ein wie Studien mit korrekter Dosis.
In der Forschung zu Sehnenbeschwerden wurde dies besonders anschaulich gezeigt: Als die Metaanalyse die Studien nach Dosis aufteilte, waren die Studien mit einer den internationalen Empfehlungen entsprechenden Dosis einheitlich positiv, jene mit unregelmäßiger Dosis nicht.4 Deshalb kann man die Laserliteratur nicht wahllos mitteln – und deshalb ist auch bei einem Heimgerät entscheidend, ob die abgegebene Dosis bekannt ist.
Evidenzkarte: Was zeigt die Forschung bei welcher Beschwerde?
Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Indikationen anhand der stärksten verfügbaren Evidenz. Von jeder Zeile kannst du zum ausführlichen Artikel über die jeweilige Beschwerde weitergehen, in dem du auch das praktische Protokoll findest.
| Indikation | Was zeigt die stärkste Forschung? | Unser ausführlicher Artikel |
|---|---|---|
| Kniearthrose (Knorpelverschleiß) | Metaanalyse von 22 placebokontrollierten Studien: durchschnittlich 14 mm stärkere Schmerzlinderung als unter Placebo auf der 100-mm-Skala – in der mit der empfohlenen Dosis behandelten Untergruppe fast 19 mm; die Wirkung erreicht Wochen nach der Behandlung ihren Höhepunkt5 | Softlaser bei Knieschmerzen |
| Chronische Nackenschmerzen | Analyse von 16 Studien mit 820 Patienten im The Lancet: fast 20 mm stärkere Schmerzlinderung als unter Placebo; die Wirkung war bis zu 22 Wochen nach der Behandlung nachweisbar6 | Softlaser zur Anwendung zu Hause |
| Sehnenbeschwerden (Tennisellenbogen, Achillessehne, Springerknie) | Mit korrekter Dosis einheitlich positive Metaanalysen; in Kombination mit Übungen addiert sich die Wirkung4 – beim Tennisellenbogen bewährte sich eine auf den Ansatzpunkt gerichtete geringe Dosis7, der wirksame Dosisbereich ist gut beschrieben8 | Softlaser bei Sehnenentzündung |
| Fersenschmerzen, Plantarfaszie | Die Metaanalyse zu Sehnenbeschwerden der unteren Extremität untersuchte auch die Plantarfasziitis: Der Laser führte sowohl allein als auch in Kombination mit Übungen zu einer messbaren Schmerzlinderung4 | Softlaser bei Fersenschmerzen |
| Karpaltunnelsyndrom | Gemischtes Bild: Die Metaanalyse von 2025 bestätigte eine Verbesserung der Handfunktion, die Schmerzlinderung erreichte in der Zusammenfassung jedoch keine statistische Signifikanz – bei leichten bis mittelschweren Fällen ist der Einsatz als Ergänzung neben einer Schienenbehandlung sinnvoll9 | Softlaser beim Karpaltunnelsyndrom |
| Diabetischer Fuß, schwer heilende Wunden | Metaanalyse von 13 randomisierten Studien: Bei ergänzender Laser-Wundbehandlung schlossen sich doppelt so viele Wunden vollständig, und die Heilungsdauer verkürzte sich – die Qualität der Evidenz ist allerdings gering, weitere gute Studien sind erforderlich10 | Behandlung von Unterschenkelgeschwüren mit Softlaser |
| Sportregeneration, Muskelkater | Bei der Regeneration nach dem Training bewahrte Licht im Vergleich zu Kühlung die Muskelkraft besser und verringerte den Muskelkater – auf Grundlage kleiner Studien mit mittlerer bis geringer Sicherheit11 | Softlaser bei Sportverletzungen |
| Gelenkentzündung (Arthritis) | Ergänzende Rolle: Es gibt Daten zur Linderung von Schmerzen und Morgensteifigkeit, die Behandlung der Grunderkrankung (rheumatologische medikamentöse Therapie) wird dadurch nicht ersetzt | Softlaser bei Gelenkentzündung |
Und wo ist die Evidenz schwach oder unvollständig? Bei chronischen Kreuzschmerzen liefern Metaanalysen gemischte Ergebnisse; für Gewichtsabnahme und Fettabbau, „biostimulierende Gesichtsverjüngung" und viele ähnliche, im Marketing beliebte Bereiche gibt es dagegen keine nennenswerten klinischen Daten. Wenn ein Versprechen in der obigen Tabelle nicht vorkommt, solltest du ihm mit Skepsis begegnen – der Artikel über Softlaser-Betrug zeigt dir, wie du überzogene Aussagen erkennst.
Sicherheit: Was sagt die Forschung zu den Risiken?
Das Sicherheitsprofil von Softlaser ist in der gesamten Fachliteratur einheitlich günstig: In placebokontrollierten Studien werden als Nebenwirkungen höchstens eine leichte, vorübergehende Hautrötung oder eine vorübergehende Verstärkung der Beschwerden beschrieben – schwere Nebenwirkungen wurden in den großen Metaanalysen nicht registriert.5 Wenn du nach der Behandlung eine vorübergehende Zunahme der Beschwerden bemerkst, kannst du im Artikel „Warum verstärken sich die Schmerzen durch die Behandlung?" mehr über die möglichen Hintergründe lesen.
Die am häufigsten untersuchte Sicherheitsfrage betrifft die Onkologie: Beschleunigt das Licht möglicherweise das Wachstum vorhandener Tumorzellen? Eine systematische Übersichtsarbeit über 27 Studien – in denen Photobiomodulation bei therapiebedingten Nebenwirkungen bei Krebspatienten (Mukositis, Lymphödem) eingesetzt wurde – fand keine ungünstige Wirkung auf das Verhalten des Tumors.12 Dies hebt die Vorsicht der Forschenden nicht auf: Bei einer Krebserkrankung entscheidet immer der behandelnde Onkologe über eine Laserbehandlung. Die vollständige Liste der Gegenanzeigen – Schwangerschaft, photosensibilisierende Medikamente, Augenschutz und weitere – habe ich im Artikel über Gegenanzeigen der Softlasertherapie zusammengestellt.
Ein günstiges Sicherheitsprofil bedeutet keine freie Anwendung
Das geringe Risiko von Softlaser kann leicht den Eindruck erwecken: „Schaden kann es nicht, probieren wir es aus." Das eigentliche Risiko ist nicht das Licht, sondern eine Verzögerung: Wenn du eine ungeklärte Beschwerde wochenlang mit einem Heimlaser statt mit einer ärztlichen Diagnose behandelst, kann sich die rechtzeitige Behandlung einer Erkrankung verzögern. Erst die Diagnose, dann die Behandlung.
Mein Rat
Wenn du in der Werbung für ein Gerät eine „wissenschaftlich belegte" Wirkung siehst, stelle dir dieselben drei Fragen, die auch ich stelle: Bezieht sich die angeführte Studie auf dieselbe Beschwerde, für die das Gerät empfohlen wird? Wurde mit derselben Art von Lichtquelle und Dosis gearbeitet, die das Gerät bietet? Und gab es eine Placebokontrolle?
Wenn die Antwort auf eine dieser drei Fragen Nein lautet, bezieht sich die Aussage nicht auf dieses Gerät. Du kannst die Studien selbst in der PubMed-Datenbank nachschlagen – am Ende des Artikels findest du alle unsere Quellen genau deshalb als anklickbare Links.
Häufig gestellte Fragen
Dafür kann es drei Gründe geben. Erstens hinken die fachlichen Leitlinien der Forschung um Jahre hinterher – die Ergebnisse neuer Metaanalysen finden nur langsam Eingang in das medizinische Alltagswissen. Zweitens kennen viele Ärzte noch das ältere, gemischte Gesamtbild, das durch Studien mit falscher Dosis verschlechtert wurde – Analysen nach Dosis sind neuer.5 Drittens hat die Vorsicht ihre Berechtigung: Der Laser ist tatsächlich keine Therapie der ersten Wahl, sondern eine Ergänzung. Bring deinem Arzt die am Ende des Artikels genannten Quellen mit – genau dafür sind sie da.
Ja, wenn das Heimgerät dieselbe Dosis abgibt – gegebenenfalls auch mit einer längeren Behandlungszeit. Die meisten klinischen Studien arbeiteten mit Laserdioden einer Wellenlänge von 780–905 nm und einigen Joule Energie pro Punkt. Ein leistungsschwächeres Heimgerät bringt dieselbe Energie in längerer Zeit ein; nicht ersetzen lassen sich jedoch die geeignete Lichtquelle und eine bekannte Dosis. Welche Geräteart was leistet, haben wir in der Entscheidungshilfe „Welche Technologie ist wofür geeignet?" verglichen.
Ein Umbrella Review ist eine Zusammenfassung von Metaanalysen – die Spitze der Evidenzpyramide. Er kann erst erstellt werden, wenn sich in einem Gebiet so viele Metaanalysen angesammelt haben, dass es sinnvoll ist, auch diese zu ordnen. Der Umbrella Review zu Softlaser von 2025 umfasste Daten aus 204 randomisierten Studien1 – allein die Tatsache, dass er erstellt werden konnte, zeigt: Photobiomodulation gehört inzwischen zu den ernsthaft erforschten medizinischen Methoden. Eine andere Frage ist, wie differenziert das Ergebnis ausfällt: starke Evidenz bei manchen Indikationen, offene Fragen bei anderen.
Weil eine einzelne Studie auf viele Arten irreführende Ergebnisse liefern kann: wenige Patienten, glücklicher Zufall, Verzerrung durch die Forschenden oder schlicht Publikationsbias – positive Ergebnisse werden leichter veröffentlicht als negative. Deshalb ist die Wiederholbarkeit wichtig: Eine Aussage ist dann stark, wenn unabhängige Forschungsgruppen mit Placebokontrolle zu ähnlichen Ergebnissen kommen und eine Metaanalyse dies ebenfalls bestätigt. Die in Werbungen zitierte Formulierung „Eine klinische Studie hat dies bestätigt" überspringt diese Hürde gerade nicht.
PubMed (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov) ist die kostenlose Suchmaschine für die medizinische Fachliteratur der Welt. Gib die Beschwerde auf Englisch sowie den Begriff „photobiomodulation" oder „low-level laser therapy" ein und aktiviere anschließend bei den Filtern auf der linken Seite die Studientypen „Meta-Analysis" und „Randomized Controlled Trial" – so siehst du zuerst die oberen Stufen der Pyramide. Jede unserer Quellen am Ende des Artikels führt über einen direkten Link zur Originalpublikation; die Zusammenfassungen (Abstracts) sind immer frei lesbar.
Was die Forschung sagt – Antworten auf Leserfragen
„Gibt es überhaupt umfassende, ernsthafte Belege, oder nur einzelne Studien?"
Es gibt auch umfassende Belege: Die Analyse mit der höchsten Evidenzstufe des Gebiets bewertete 15 Metaanalysen – 204 randomisierte Studien mit mehr als 9000 Patienten – zu 35 Ergebnissen. Bei zwölf Ergebnissen fand sie eine belegte Verbesserung, mit mittlerer Sicherheit unter anderem bei der Funktionseinschränkung durch Kniearthrose und bei der Müdigkeit im Rahmen einer Fibromyalgie; in vielen anderen Bereichen stellte sie eine geringe Sicherheit fest und forderte einheitlichere Behandlungsprotokolle.1 Dieses ausgewogene Bild ist der Maßstab – mehr zu behaupten wäre übertrieben, weniger anzuerkennen wäre unwissend.
„Woher weißt du, dass das alles nicht nur der Placeboeffekt ist?"
Laserstudien lassen sich besonders gut „verblinden": Das Scheingerät sieht genauso aus und ist ebenso wenig spürbar wie das echte Gerät, sodass der Patient nicht weiß, welches er erhält. Bei Kniearthrose zeigte die Zusammenfassung von 22 solchen placebokontrollierten Studien, dass der echte Laser die Schmerzen im Durchschnitt um 14 mm stärker verringerte als das Placebo – in der Untergruppe mit empfohlener Dosis um fast 19 mm; der Unterschied war 2–4 Wochen nach der Behandlung am größten.5 Ein Placebo kann keine dosisabhängige Wirkungskurve mit einem solchen zeitlichen Verlauf erzeugen.
„Gibt es Daten zu meinem Nacken oder nur zum Knie?"
Nackenschmerzen gehören zu den am besten untersuchten Bereichen der Laserforschung – die Analyse erschien in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet. Nach den Daten von 16 randomisierten Studien mit 820 Patienten verringerte die Laserbehandlung chronische Nackenschmerzen auf der 100-Punkte-Skala um fast 20 Einheiten stärker als das Placebo; die Wirkung blieb 1–22 Wochen nach der Behandlungsserie nachweisbar. Die Nebenwirkungen waren mild und unterschieden sich nicht von denen der Placebogruppe.6
Zusammenfassung
Was ist das für ein Artikel? Eine Übersicht über die wissenschaftlichen Belege der Softlasertherapie: von der Evidenzpyramide über den Umbrella Review von 2025 bis zur Evidenzkarte nach Indikationen – hinter jeder Aussage steht eine anklickbare Quelle.
An wen richtet er sich? An alle, die vor dem Kauf oder einer Behandlung wissen möchten, was belegt ist und was nicht – sowie an medizinische Fachkräfte, die einen verlässlichen Ausgangspunkt für die Fragen ihrer Patienten suchen.
Die wichtigste Botschaft: Softlaser ist weder ein Wundermittel noch ein Placebo, sondern eine dosisabhängige medizinische Methode, für die bei manchen Indikationen (Kniearthrose, Nackenschmerzen, Sehnenbeschwerden) starke, bei anderen gemischte oder unvollständige Belege vorliegen. Die richtige Frage lautet nie, ob es „wirkt", sondern was die Forschung bei deiner Beschwerde und mit korrekter Dosis zeigt.
Der nächste Schritt: Suche deine Beschwerde in der Evidenzkarte und gehe zum ausführlichen Artikel weiter – dort findest du auch das praktische Protokoll. Lies vor der Geräteauswahl außerdem die Checkliste zur Vermeidung von Betrug.
Weiterlesen
- Leitfaden zur Softlasertherapie: Wirkung, Dosis, Laserklassen
- Softlasertherapie zu Hause: Wie wendest du sie bei welcher Beschwerde an?
- Welche Technologie ist wofür geeignet? Entscheidungshilfe
- Softlaser-Betrug: So erkennst du überzogene Versprechen
- Gegenanzeigen der Softlasertherapie: Wann solltest du sie nicht anwenden?
- Softlaser bei Knieschmerzen: Was kannst du realistisch erwarten?
- Softlaser bei Sehnenentzündung: Protokoll und Belastungssteuerung
Wenn du ein Gerät anhand der Forschung auswählen möchtest
Auf die Geräteauswahl übertragen, lautet die wichtigste Erkenntnis der oben genannten Studien: Laserdioden mit bekannter Wellenlänge, dokumentierte Dosis, CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt. Drei solche Geräte:
B-Cure Laser Pro
Gerät der Laserklasse 1 mit gepulstem Betrieb und großer Behandlungsfläche – sicher zu Hause ohne Schutzbrille verwendbar. Für die komfortable Behandlung größerer Körperflächen (Knie, Nacken-Schulter-Bereich); die geringere Leistung wird durch eine längere Behandlungszeit ausgeglichen.
Personal-Laser L400
400 mW Diodenlaser mit 808 nm – arbeitet im Infrarotbereich, der in klinischen Studien am häufigsten verwendet wurde; die Dosis pro Punkt kann in kurzer Zeit eingebracht werden. Eine praktische Wahl bei punktuellen Beschwerden (Sehnenansätze, kleine Gelenke).
Energy-Laser L500 Pro
Professionelles Heimgerät mit 500 mW und integrierten beschwerdespezifischen Programmen – die Dosierung wird vom Gerät gesteuert, sodass die in Studien verwendeten Energiedosen zuverlässig reproduziert werden können.
Das vollständige Sortiment findest du in der Kategorie Softlasergeräte – vor dem Kauf empfiehlt es sich, auch die Checkliste zur Vermeidung von Betrug zu lesen.
Wissenschaftliche Quellen
- Son Y, Lee H, Yu S, et al. (2025). Effects of photobiomodulation on multiple health outcomes: an umbrella review of randomized clinical trials. Systematic Reviews. DOI: 10.1186/s13643-025-02902-3
- Huang YY, Chen ACH, Carroll JD, Hamblin MR. (2009). Biphasic dose response in low level light therapy. Dose-Response. DOI: 10.2203/dose-response.09-027.Hamblin
- Zein R, Selting W, Hamblin MR. (2018). Review of light parameters and photobiomodulation efficacy: dive into complexity. Journal of Biomedical Optics. DOI: 10.1117/1.JBO.23.12.120901
- Naterstad IF, Joensen J, Bjordal JM, et al. (2022). Efficacy of low-level laser therapy in patients with lower extremity tendinopathy or plantar fasciitis: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ Open. DOI: 10.1136/bmjopen-2021-059479
- Stausholm MB, Naterstad IF, Joensen J, et al. (2019). Efficacy of low-level laser therapy on pain and disability in knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo-controlled trials. BMJ Open. DOI: 10.1136/bmjopen-2019-031142
- Chow RT, Johnson MI, Lopes-Martins RA, Bjordal JM. (2009). Efficacy of low-level laser therapy in the management of neck pain: a systematic review and meta-analysis of randomised placebo or active-treatment controlled trials. The Lancet. DOI: 10.1016/S0140-6736(09)61522-1
- Bjordal JM, Lopes-Martins RA, Joensen J, et al. (2008). A systematic review with procedural assessments and meta-analysis of low level laser therapy in lateral elbow tendinopathy (tennis elbow). BMC Musculoskeletal Disorders. DOI: 10.1186/1471-2474-9-75
- Tumilty S, Munn J, McDonough S, et al. (2010). Low level laser treatment of tendinopathy: a systematic review with meta-analysis. Photomedicine and Laser Surgery. DOI: 10.1089/pho.2008.2470
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- Ferlito JV, Ferlito MV, Leal-Junior ECP, et al. (2021). Comparison between cryotherapy and photobiomodulation in muscle recovery: a systematic review and meta-analysis. Lasers in Medical Science. DOI: 10.1007/s10103-021-03442-7
- de Pauli Paglioni M, Araújo ALD, Arboleda LPA, et al. (2019). Tumor safety and side effects of photobiomodulation therapy used for prevention and management of cancer treatment toxicities. A systematic review. Oral Oncology. DOI: 10.1016/j.oraloncology.2019.04.004