Muskelschwund, der schrittweise Abbau der Muskulatur
Muskelschwund bezeichnet den Prozess, bei dem die funktionstüchtige Muskelmasse und damit parallel die Muskelkraft kontinuierlich abnehmen. Heutzutage gibt es zwei Hauptursachen für Muskelschwund: Bewegungsmangel (weitaus häufiger) und eine Erkrankung, die einen Muskel betrifft (selten). Bewegungsmangel – die häufigste Ursache des Muskelschwunds In diesem Artikel schreibe ich ausführlich darüber: Die Auswirkungen von Bewegungsmangel auf deinen Körper. Hier fasse ich es kurz zusammen. A […]
Muskelschwund bezeichnet den Prozess, bei dem die funktionstüchtige Muskelmasse und damit parallel die Muskelkraft kontinuierlich abnehmen. Heutzutage gibt es zwei Ursachen für Muskelschwund: Bewegungsmangel (deutlich häufigere Ursache) und eine Erkrankung, die einen Muskel betrifft (selten).
Bewegungsmangel – die häufigste Ursache des Muskelschwunds
Darüber habe ich ausführlich geschrieben: Die Auswirkungen von Bewegungsmangel auf deinen Körper. Hier fasse ich es kurz zusammen.
Körperliche Aktivität ist für die Muskeln lebenswichtig. Bewegung führt dazu, dass Muskeln arbeiten und sich zusammenziehen. Je mehr du deine Muskeln „benutzt“, desto stärker und dicker werden sie.
Der Körper passt sich an, indem er Muskelkraft und Muskelmasse vergrößert, wenn du dauerhaft körperliche Leistung von ihm verlangst.
Die Tragödie unserer Zeit ist das bequeme Leben. Du sitzt den ganzen Tag. Im Bus, im Auto, dann am Arbeitsplatz und schließlich stundenlang vor dem Fernseher. Deine Muskeln bewegen sich nur minimal und ohne nennenswerte Belastung.
Dein Körper registriert, dass du einen Muskel nicht nutzt, also „nicht brauchst“. Was nicht benötigt wird, erhält der Körper nicht mit unnötigem Aufwand. Er baut einfach große Muskeln ab.
Die Folge ist der natürliche Muskelabbau.
Je schwächer die Muskeln werden, desto schwerer fällt die Bewegung. Dadurch beschleunigt sich der Abbau.
Eine weitere häufige Ursache für Muskelabbau ist eine lang andauernde Erkrankung, weshalb du dauerhaft nicht in der Lage bist, dich zu bewegen. Zum Beispiel führt schon zweiwöchiges Liegen im Bett zu messbaren Zentimeterverlusten im Muskelumfang. Die Muskeln eines in Gips gelegten Beins dünnen gegenüber der anderen Seite deutlich aus (bis der Gips entfernt wird).
Regelmäßige Bewegung ist lebenswichtig!
Du musst nicht an eine Olympia-Vorbereitung denken! Ein täglicher Spaziergang, Radfahren, Yoga, Gymnastik, Tai Chi oder 1–2 Stunden Gartenarbeit bewirken schon viel. Je mehr Bewegung, desto ‚lieber‘ haben es die Muskeln.
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Ohne Bewegung baut sich dein Körper allmählich ab. Die Muskeln schwächen sich, die Gelenke nutzen sich, die Knochenstruktur verändert sich. Der Prozess ist jedoch umkehrbar! Fang noch heute an dich zu bewegen und hör nie wieder auf!
Muskelabbau als Erkrankung
Muskelabbau infolge einer Erkrankung tritt glücklicherweise selten auf: im Durchschnitt sind etwa 10 von 100.000 Menschen betroffen.
Hinter der Erkrankung steht meist eine genetisch bedingte Enzymstörung oder ein Stoffwechseldefekt; es gibt vererbte Formen und solche, die spontan entstehen.
Wichtig ist zu wissen, dass Inaktivität (Bewegungsmangel) ähnliche Symptome wie Muskelschwund hervorrufen kann. Wenn deine Muskeln über längere Zeit nicht bewegt werden, beginnen sie zu schrumpfen – ein solcher Zustand kann etwa nach einem Knochenbruch oder einer Operation mit anschließender Immobilisation auftreten, weshalb hier Physiotherapie/Krankengymnastik besonders wichtig ist.
Auch Erkrankungen, die primär nicht die Muskeln, sondern die Nerven angreifen, können zu Muskelabbau führen – dies ist etwa bei einem Schlaganfall der Fall, der die motorischen Bereiche des Nervensystems betrifft und somit zum Muskelrückgang führt.
Wenn du bemerkst, dass deine Muskeln ohne ersichtlichen Grund dünner werden und an Kraft verlieren, solltest du so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen. Du kannst beim Hausarzt beginnen oder direkt eine neurologische Praxis aufsuchen.
Arten des Muskelschwunds
Die häufigste Form der Erkrankung im Kindesalter ist das Duchenne-Syndrom; eine etwas weniger schwere Form ist die ebenfalls bei Kindern auftretende Becker-Muskeldystrophie. Die häufigste Muskeldegenerationskrankheit im Erwachsenenalter ist die myotone Dystrophie.
- Duchenne-Muskeldystrophie betrifft nur Jungen, da sie immer X‑chromo-somal vererbt wird (Mädchen können nur Überträgerinnen sein, da ihr zweites X‑Chromosom den Fehler ausgleichen kann). Bei der Erkrankung ist ein Protein namens Dystrophin betroffen, das den Ionenfluss innerhalb der Zelle reguliert; dessen Fehlfunktion führt letztlich zum schrittweisen Untergang der Muskelzellen. Die Muskelzellen zerfallen, und an ihrer Stelle entstehen Gewebearten, die keine Muskelarbeit leisten können. Das Duchenne‑Syndrom ist ein äußerst schwerer Zustand: Betroffene sind etwa im Alter von 13 Jahren oft nicht mehr gehfähig, und da die Erkrankung auch die Atem- und Herzmuskulatur angreift, erreichen die meisten nicht das Erwachsenenalter.
- Bei der selteneren Becker‑Muskeldystrophie ist die Mutation weniger schwerwiegend, die Erkrankung schreitet langsamer voran und die Symptome treten meist im Alter von 6–19 Jahren auf.
- Der Muskelschwund im Erwachsenenalter verläuft meist milder. Die myotone Dystrophie kann Männer und Frauen gleichermaßen treffen und in jedem Lebensalter auftreten. Die Erkrankung geht mit Schwäche und Muskelsteifigkeit einher; als Ursachen kommen verschiedene Stoffwechselstörungen in Frage – meist sind jedoch Enzymfehler im Zusammenhang mit Zucker- und Fettstoffwechsel beteiligt.
- Sekundäre Muskelschwäche liegt vor, wenn der Abbau indirekt durch eine andere Erkrankung verursacht wird. Beispiele sind Überproduktion von Wachstumshormon, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselkrankheiten oder Lebererkrankungen.
- Autoimmunerkrankungen der Muskulatur führen dazu, dass der Körper Muskelgewebe als fremd erkennt und Antikörper dagegen bildet.
Mögliche Behandlungsmethoden bei Muskelschwund
Über den Prozess des Muskelschwunds verfügt die Medizin über umfangreiche Informationen, doch die eigentliche Ursache ist bislang nicht vollständig geklärt, sodass es noch kein spezifisches Heilmittel gibt; jedoch können das Fortschreiten verzögert, Symptome gelindert und die Lebensqualität verbessert werden.
Bei kindlichem Muskelschwund verlangsamt eine Steroidbehandlung den Verlauf etwas; eine wirkliche Lösung wird jedoch hoffentlich in der Zukunft durch Stammzelltherapien erwartet.
Hör niemals auf, dich zu bewegen!
Physiotherapie/Krankengymnastik spielt eine lebenswichtige Rolle in der Behandlung des Muskelschwunds. Regelmäßige Mobilisierung ist das, womit man die Lebensdauer gesunder Fasern verlängern kann. Damit du geeignete Übungen durchführen kannst, solltest du unbedingt eine/n Krankengymnast/in, Bewegungstherapeuten/in oder einen Medical-Fitness-Trainer konsultieren.
Hilfsmittel, die unterstützen
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Hilfsmittel zur Verlangsamung oder Umkehrung von Muskelabbau und zur Unterstützung der Wiedergewinnung von Muskelkraft.
Rehabilitationshilfen und medizintechnische Geräte ergänzen und unterstützen die Wirksamkeit der Übungen. Achtung! Die Hilfsmittel sollen nicht die Krankengymnastik/Physiotherapie ersetzen (außer in sehr schweren Fällen), sondern als ergänzende Lösung dienen!
Ultraschall
Vor der Übungstherapie ist es sinnvoll, atrophierte und versteifte Muskulatur mit Ultraschall vorzubereiten. Die Ultraschall-Wellen lassen Muskeln und Bänder erschlaffen, erwärmen sie und erleichtern so die Krankengymnastik.
Muskelstimulator
Muskelstimulator-Geräte geben schwache, schmerzfreie elektrische Impulse an die Haut ab und erzeugen so Muskelkontraktionen. Durch eine 30–40-minütige Behandlung lässt sich die Muskelkraft ähnlich wie durch Training steigern. Diese Methode eignet sich zur Vorbeugung von Muskelschwund, zur Umkehr oder zumindest zur Verzögerung des Fortschreitens.
Hier findest du einen Trainingsplan, der helfen kann, die Muskelkraft zu erhalten.
Die muskelstimulierende Behandlung verhindert sehr effektiv den Verlust von Muskelmasse und -kraft. Natürlich hat eine einzelne Stimulation keinen nennenswerten Effekt, genauso wie eine einzelne Trainingseinheit nicht ausreichend ist, um Muskelkraft zu steigern. Bei regelmäßiger (1–2x täglich) Anwendung sind innerhalb von 2–3 Monaten bereits deutliche Verbesserungen möglich.
Ein einfaches, für leichte Beschwerden und kleinere Behandlungsbereiche geeignetes Muskelstimulationsgerät ist bereits ab etwa 20.000 Forint erhältlich. Die Geräte mit den besten Ergebnissen kosten jedoch meist zwischen 100.000 und 150.000 Forint.
