Was ist die Peyronie-Krankheit?
Die Peyronie-Krankheit (medizinisch induratio penis plastica, kurz IPP) ist eine Veränderung am Penis, bei der sich im Gewebe des Penis harte Knoten – sogenannte Plaques – bilden. Diese Plaques bestehen aus Narbengewebe. Da sich der vernarbte Bereich nicht gemeinsam mit dem umliegenden elastischen Gewebe dehnt, krümmt sich der Penis bei einer Erektion in Richtung des Plaques. Die Krankheit kann mit Schmerzen einhergehen und im fortgeschrittenen Stadium den Geschlechtsverkehr erschweren oder unmöglich machen.
Die Krankheit wurde im 18. Jahrhundert erstmals von dem französischen Chirurgen François de la Peyronie beschrieben – nach ihm erhielt sie ihren Namen. Obwohl viele Betroffene das Gefühl haben, damit allein zu sein, handelt es sich tatsächlich um eine häufige Erkrankung: Einigen Erhebungen zufolge kann ein großer Anteil der Männer über 40 betroffen sein. Trotzdem sucht ein großer Teil der Betroffenen keinen Arzt auf – meist aus Scham –, obwohl eine frühzeitige Erkennung viel bewirken kann.
Das Wichtigste kurz zusammengefasst
Die Peyronie-Krankheit ist ein gutartiger, aber unangenehmer Vernarbungsprozess im Penis, der eine Krümmung und Schmerzen verursachen kann. Sie ist nicht ansteckend und kein Grund, sich zu schämen – sie kommt häufiger vor, als Sie denken. Die wichtigste Botschaft lautet: Wenn Sie die Krankheit vermuten, wenden Sie sich an einen Urologen. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, den Prozess aufzuhalten und die Beschwerden zu lindern.
Wie entsteht die Krankheit und welche Symptome treten auf?
Eine Erektion entsteht, wenn bei sexueller Stimulation Blut in die schwammartig aufgebauten Schwellkörper fließt, die längs durch den Penis verlaufen. Der Schwellkörper dehnt sich aus, der Druck in ihm steigt und der Penis wird hart. Wenn sich in der Wand dieser Struktur ein vernarbter Plaque bildet, kann sich der betroffene Bereich nicht richtig ausdehnen – deshalb krümmt sich der Penis bei einer Erektion in Richtung der Narbe.
Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen können eine Entzündung der feinen Gefäße im Schwellkörper sowie wiederholte kleine Verletzungen (Mikrotraumata) und die anschließende krankhafte Vernarbung dahinterstehen. Die Krankheit tritt häufiger bei Menschen auf, bei denen auch an anderen Stellen Bindegewebsvernarbungen auftreten (zum Beispiel eine Verdickung der Sehne in der Handfläche), sowie bei Diabetes oder Arteriosklerose.
Das typischste Symptom: Der Penis krümmt sich bei einer Erektion in eine Richtung, am häufigsten nach oben. Das Ausmaß der Krümmung kann sich im Laufe der Zeit verändern und während der aktiven Phase der Krankheit zunehmen.
Der Plaque ist unter der Haut des Penis oft als harter Knoten tastbar. Das ist häufig das erste Zeichen, das die betroffene Person selbst bemerkt.
In der aktiven, frühen Phase der Krankheit ist die Erektion häufig schmerzhaft. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lassen die Schmerzen mit der Zeit von selbst nach, wenn sich der Prozess stabilisiert.
In schwereren Fällen kann die Krankheit auch mit einer Erektionsstörung einhergehen. Das kann teilweise auf die Krümmung selbst und teilweise auf die zugrunde liegenden Gefäßveränderungen zurückzuführen sein.
Ausmaß der Krümmung und Krankheitsphasen
Die Krankheit hat eine frühe, aktive Phase. In dieser Zeit entwickelt sich der Plaque noch, die Krümmung kann sich verändern und die Erektion ist häufig schmerzhaft. Darauf folgt die stabile Phase, in der sich der Prozess beruhigt: Die Schmerzen verschwinden meist, während die Krümmung mehr oder weniger unverändert bleibt. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen stark davon ab, in welcher Phase sich die Krankheit befindet – auch deshalb ist eine frühzeitige ärztliche Untersuchung wichtig.
Der Schweregrad der Beschwerden hängt vor allem vom Ausmaß der Krümmung ab:
| Ausmaß der Krümmung | Was bedeutet das in der Praxis? |
|---|---|
| Ca. 5–20 Grad | Leichte Krümmung, Geschlechtsverkehr ist in der Regel möglich. |
| Ca. 20–45 Grad | Ausgeprägte Krümmung, Geschlechtsverkehr kann schwierig oder unmöglich werden. |
| Über 45 Grad | Deutliche Krümmung, Geschlechtsverkehr ist in der Regel nicht möglich. |
Diese Werte dienen nur zur Orientierung. Die tatsächliche Situation und die erforderlichen Maßnahmen kann in jedem Fall nur der untersuchende Urologe beurteilen.
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
Wenn Sie die Krankheit vermuten – etwa bei einer Krümmung, einem tastbaren Knoten, Schmerzen oder Erektionsproblemen – wenden Sie sich an einen Urologen oder Andrologen. Warten Sie nicht, bis sich die Beschwerden verschlimmern: Die Anzeichen der Krankheit treten häufig bereits 1–1,5 Jahre vor dem Arztbesuch auf, obwohl eine frühe Behandlung die besten Chancen bietet, den Prozess aufzuhalten. Lassen Sie sich nicht von Scham zurückhalten – Urologen sehen diese Krankheit regelmäßig und behandeln sie diskret und sachlich.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung hängt vom Schweregrad und der Phase der Krankheit ab. Einen Teil der Behandlung darf ausschließlich ein Arzt durchführen. Andere Maßnahmen können – nach der Untersuchung und unter ärztlicher Anleitung – auch zu Hause fortgesetzt werden. Die folgende Übersicht stellt der Vollständigkeit halber die wichtigsten Möglichkeiten vor.
Oral eingenommene Medikamente sollen die Größe des Plaques, die Schmerzen und die Krümmung verringern. Eine wichtige Einschränkung besteht darin, dass ein großer Teil des Wirkstoffs im Verdauungstrakt abgebaut wird und nur ein kleiner Anteil dorthin gelangt, wo er benötigt wird – in den Penis. Über eine medikamentöse Behandlung entscheidet der Arzt.
Bei dieser Methode wird das Medikament direkt in die Umgebung des Plaques injiziert. Das ist ausschließlich ein ärztlicher Eingriff, der unter größtmöglicher Sterilität von einer erfahrenen Fachkraft durchgeführt werden darf.
Mehrere physiotherapeutische Methoden können nach der Untersuchung und unter ärztlicher Anleitung auch zu Hause fortgesetzt werden: therapeutischer Ultraschall, Iontophorese, Softlaser und Vakuumdehnung. Sie sollen den Plaque lösen, die Krümmung und Schmerzen lindern und das Gewebe elastischer machen. Über die entsprechenden Geräte informieren wir auf einer eigenen Seite ausführlich.
Eine Operation sollte nur bei stabilem Zustand in Betracht gezogen werden, in der Regel nach mindestens drei Monaten ohne Veränderung. Dabei wird entweder der Plaque entfernt oder das Gewebe auf der gegenüberliegenden Seite angepasst. Eine Operation kann Komplikationen mit sich bringen und ist daher meist die letzte Möglichkeit – darüber entscheidet der Urologe.
Ausführliche Informationen zu Geräten für zu Hause
Wenn Sie wissen möchten, mit welchen Geräten physiotherapeutische Methoden zu Hause durchgeführt werden können – therapeutischer Ultraschall, Iontophorese, Softlaser und Vakuumtrainer – und welche Methode wann infrage kommt, haben wir dies auf einer eigenen Seite zusammengefasst: Geräte zur Behandlung der Peyronie-Krankheit zu Hause →
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
Physiotherapeutische Methoden für zu Hause dürfen ausschließlich nach der Diagnosestellung und unter Anleitung des behandelnden Arztes begonnen werden. Für jedes Gerät gelten eigene Gegenanzeigen. Auch die folgenden Punkte müssen grundsätzlich beachtet werden:
- Selbstbehandlung ohne Diagnose – Vor jeder Anwendung zu Hause ist eine Untersuchung erforderlich; welche Methode empfohlen wird, hängt von der Krankheitsphase ab.
- Implantiertes elektrisches Gerät (Herzschrittmacher) – Elektrotherapeutische Methoden (z. B. Iontophorese) können in diesem Fall in der Regel nicht angewendet werden.
- Verletzte oder entzündete Haut im Behandlungsbereich – Bei einer offenen Wunde oder Hautentzündung wird die Behandlung nicht empfohlen.
- Verdacht auf eine tumoröse Veränderung – Bei einem unklaren Knoten oder einer unklaren Veränderung ist zunächst eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Besprechen Sie es mit Ihrem Arzt
Bevor Sie ein Gerät zu Hause anwenden, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, ob es in Ihrer Situation sicher und empfehlenswert ist. Beachten Sie in jedem Fall die Gegenanzeigen in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts.
Die psychische Seite – worüber wir selten sprechen
Die Peyronie-Krankheit kann nicht nur körperlich, sondern auch seelisch erheblich belasten. Betroffene sind oft ängstlich, verlieren ihr Selbstvertrauen und ziehen sich in ihrer Partnerschaft zurück. Auch Niedergeschlagenheit und Depressionen sind nicht selten. Das sind natürliche Reaktionen auf eine Krankheit, die das Erleben der eigenen Männlichkeit betrifft.
Wichtig ist: Sie sind nicht allein und müssen sich nicht schämen. Die Krankheit kommt häufig vor und ist behandelbar. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Beschwerden Sie auch seelisch belasten, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber. Er kann Ihnen helfen, die passende Unterstützung zu finden, zum Beispiel eine Paar- oder Psychotherapie. Eine offene Kommunikation mit dem Partner kann die Situation ebenfalls deutlich erleichtern.
Häufig gestellte Fragen
Der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich. In der aktiven Phase kann die Krümmung zunehmen. Danach stabilisiert sich der Prozess meist und die Schmerzen lassen häufig von selbst nach. Die Krümmung bildet sich jedoch nur selten vollständig von selbst zurück. Deshalb sollten Sie bereits in der frühen Phase einen Arzt aufsuchen, wenn die meisten Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die Untersuchung und Behandlung der Peyronie-Krankheit gehören zum Fachgebiet des Urologen beziehungsweise Andrologen. Er kann das Ausmaß der Krümmung, den Zustand des Plaques und die Krankheitsphase beurteilen und darauf basierend die passende Behandlung empfehlen – medikamentös, physiotherapeutisch oder chirurgisch.
Ein tastbarer Knoten und eine Krümmung können auch an andere Erkrankungen erinnern. Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung wichtig. Unklare Veränderungen sollten immer von einem Facharzt untersucht werden, damit ernstere Ursachen ausgeschlossen und eine genaue Diagnose gestellt werden kann. Verlassen Sie sich nicht auf eine Selbstdiagnose.
Es gibt physiotherapeutische Methoden, die auch zu Hause fortgesetzt werden können (therapeutischer Ultraschall, Iontophorese, Softlaser, Vakuumdehnung). Dies gilt jedoch nur nach der Untersuchung und unter ärztlicher Anleitung. Über die entsprechenden Geräte und darüber, welche Methode wann infrage kommt, können Sie auf einer eigenen Seite ausführlich nachlesen.
Ja. In schwereren Fällen kann die Peyronie-Krankheit auch mit einer Erektionsstörung einhergehen – teilweise wegen der Krümmung, teilweise wegen der zugrunde liegenden Gefäßveränderungen. Wenn dies auch auf Sie zutrifft, informieren Sie unbedingt Ihren behandelnden Arzt, da dies den Behandlungsplan beeinflusst.
Zusammenfassung – Das Wichtigste
Quellen
- Di Stasi SM, Giannantoni A, Stephen RL, et al. (2004). A prospective, randomized study using transdermal electromotive administration of verapamil and dexamethasone for Peyronie's disease. The Journal of Urology, 171(4):1605–1608. PubMed: 15017231
- Hatzimouratidis K, Eardley I, Giuliano F, et al. (2012). EAU guidelines on penile curvature. European Urology, 62(3):543–552. PubMed: 22658761