Tinnitus (Ohrensausen) und Low-Level-Lasertherapie – Was sagen die Studien?
Tinnitus – besser bekannt als Ohrensausen – ist ein äußerst frustrierender Zustand, der einen großen Teil der erwachsenen Bevölkerung betrifft. Das Klingeln, Summen oder Brummen, das andere nicht hören, kann Lebensqualität, Schlaf und Konzentration erheblich beeinträchtigen. Wenn Sie selbst betroffen sind, haben Sie vermutlich schon vieles ausprobiert.
Die Low-Level-Lasertherapie (LLLT/Photobiomodulation) ist eine der alternativen Optionen, die zur Behandlung von Tinnitus untersucht wird. In diesem Artikel stelle ich dar, was wir derzeit über die Wirksamkeit dieser Methode wissen – inklusive der wissenschaftlichen Ergebnisse.
Was ist Tinnitus und wodurch wird er verursacht?
Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom – ein im Ohr oder Kopf wahrgenommener Ton ohne äußere Quelle. Den Ton hört nur die betroffene Person; für andere ist er nicht wahrnehmbar.
Mögliche Ursachen für Tinnitus
- Lärmschäden – langfristige Lärmexposition (Konzerte, Industrielärm, zu laute Kopfhörer)
- Alterungsprozesse – altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis)
- Durchblutungsstörungen des Innenohrs – Arteriosklerose, Kreislaufprobleme
- Ohrerkrankungen – Menière-Erkrankung, Otosklerose
- Probleme im Hals- und Kieferbereich – Muskelverspannungen, Probleme der Halswirbelsäule
- Medikamente – Nebenwirkung bestimmter Schmerzmittel, Antibiotika
- Sonstiges – Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme, Stress
Die genaue Feststellung der Ursache ist wichtig, weil die Therapieoptionen davon abhängen.
Wie könnte Lasertherapie beim Tinnitus wirken?
Die theoretischen Grundlagen der Lasertherapie beim Tinnitus sind folgende:
- Verbesserung der Mikrozirkulation – das Laserlicht kann die Durchblutung des Innenohrs fördern
- Unterstützung des Zellstoffwechsels – Erhöhung der ATP-Produktion in den Zellen des Innenohrs
- Entzündungshemmung – falls eine entzündliche Komponente vorliegt
- Nervenregeneration – Unterstützung der Funktion des Hörnervs
Die Methode wird seit den 1990er-Jahren in verschiedenen europäischen Zentren (Österreich, Deutschland, Dänemark) erforscht, und einige klinische Erfahrungen zeigten günstige Ergebnisse – insbesondere bei Fällen, in denen Durchblutungsstörungen die Ursache waren.
Was sagen die wissenschaftlichen Studien?
Wichtig ist, ohne Beschönigung darzustellen, was strenge wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Zur Low-Level-Laserbehandlung des Tinnitus wurden mehrere systematische Reviews und Metaanalysen durchgeführt.
Chen et al. (2020) – Metaanalyse
Eine der umfassendsten Analysen (PMID: 33276501) bewertete 11 randomisierte kontrollierte Studien (670 Patienten):
- Beim Tinnitus Handicap Inventory (THI) gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Lasertherapie und Placebo
- Auch bei subjektiven Verbesserungsraten wurde kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt
- Schlussfolgerung der Autoren: Die Wirksamkeit der LLLT bei Tinnitus ist "nicht eindeutig"
Dos Santos et al. (2021) – Systematischer Review
7 randomisierte Studien analysierend (PMID: 33375822):
- Einige Studien zeigten unterschiedliches Ausmaß an Besserung
- Es gab keinen Konsens in den Ergebnissen
- Schlussfolgerung: Eine eindeutige Empfehlung ist derzeit nicht möglich
Abdali et al. (2025) – Aktueller systematischer Review
Der jüngste Überblick analysierte 9 klinische Studien:
- Aufgrund methodischer Heterogenität war keine Metaanalyse möglich
- Einige Studien zeigten positive Ergebnisse, andere nicht
- Weitere Forschung ist notwendig, um die Wirksamkeit zu klären
Was bedeutet das praktisch?
Die wissenschaftliche Evidenz ist derzeit eingeschränkt und gemischt. Das bedeutet nicht, dass die Methode bei einzelnen Personen nicht wirken kann – sondern nur, dass in streng kontrollierten Studien kein klarer Vorteil gegenüber Placebo nachgewiesen wurde.
Wichtig zu beachten:
- Die Studien arbeiteten mit unterschiedlichen Parametern (Wellenlänge, Dosis, Behandlungsdauer)
- Die Ursachen des Tinnitus sind verschieden – es ist möglich, dass bestimmte Subtypen eher ansprechen
- Klinische Erfahrungen zeigen bei einigen Patienten Besserungen
- Die Methode gilt als sicher; schwere Nebenwirkungen sind nicht bekannt
Bevor Sie mit der Behandlung beginnen
Wichtig: Beginnen Sie eine Laserbehandlung nur, wenn die Diagnose Tinnitus von einem HNO-Arzt bestätigt wurde und folgende Ursachen ausgeschlossen sind:
- Akustikusneurinom – gutartiger Tumor des Hörnervs
- Otosklerose – Versteifung des Steigbügels
- Andere behandelbare Grunderkrankungen
Zu Kontraindikationen der Lasertherapie lesen Sie mehr in unserem Artikel zu Kontraindikationen der Lasertherapie.
Geeignete Geräte zur Tinnitusbehandlung
Wenn Sie die Methode ausprobieren möchten, benötigen Sie ein Gerät, das genügend Energie in den Gehörgang einbringen kann:
- Personal Laser L400 – 400 mW, 808 nm, Konstruktion ideal für die Ohrbehandlung (Gerät)
- Energy Laser L500 Pro – 500 mW, 808 nm, höhere Leistung (Gerät)
Beide Geräte sind CE-zertifiziert, als Medizinprodukte registriert und so konstruiert, dass eine direkte Behandlung des Gehörgangs möglich ist.
Durchführung der Behandlung – Phase 1: Akupunkturpunkte
Der erste Schritt ist die Behandlung der akupunkturrelevanten Punkte um das Ohr. Das basiert auf der traditionellen chinesischen Medizin und kann laut Erfahrung die Wirksamkeit der Therapie unterstützen.
Behandlungsparameter
| Parameter | Personal Laser L400 | Energy Laser L500 Pro |
|---|---|---|
| Lasertyp | Kontinuierlich (CW) | Kontinuierlich (CW) |
| Leistung | 400 mW | 500 mW |
| Energie / 10 Sekunden | 4 Joule | 5 Joule |
Behandlungspunkte
Behandeln Sie die in der Abbildung gezeigten Punkte nacheinander, an jedem Punkt mit 4 Joule Energie:

Setzen Sie die Behandlungssonde rechtwinklig auf die Haut und halten Sie sie die erforderliche Zeit. Das Gerät gibt alle 10 Sekunden ein Signalton ab.
Durchführung der Behandlung – Phase 2: Gehörgangbehandlung
Das Ziel der zweiten Phase ist die Unterstützung der Durchblutung des Innenohrs. Das Laserlicht wird direkt in den Gehörgang gerichtet.
Wichtige Vorbereitungen
- Reinigen Sie den Gehörgang gründlich (Ohrenschmalz entfernen)
- Verwenden Sie KEIN Fokussieraufsatz – falls am Gerät vorhanden, entfernen Sie ihn
- Tragen Sie die mitgelieferte Schutzbrille des Geräts
- Behandeln Sie in einer bequemen Sitzposition
Behandlungsparameter
| Parameter | Personal Laser L400 | Energy Laser L500 Pro |
|---|---|---|
| Energie | 30–40 Joule | 30–40 Joule |
| Behandlungsdauer (bei 40 J) | ~100 Sekunden (1,5–2 Minuten) | ~80 Sekunden (1–1,5 Minuten) |


Technik der Behandlung
Beim Richten in den Gehörgang führen Sie das Gerät langsam und gleichmäßig. Neigen Sie es um ein paar Grad und zeichnen Sie mit der Spitze kleine Kreise – so verteilt sich die Energie gleichmäßig im Innenohr und konzentriert sich nicht auf einen einzigen Punkt.
Wichtig: Behandeln Sie beide Ohren, auch wenn nur eines rauscht!
Was können Sie während der Behandlung spüren?
Einige Patienten berichten während der Behandlung von folgenden Empfindungen:
- Leichtes Wärmegefühl
- Knispernde Geräusche
- "Pneumatikhorn"-ähnlicher Ton
Diese Reaktionen werden in der klinischen Praxis meist positiv gewertet und können auf eine gesteigerte Durchblutung hinweisen.
Behandlungsprotokoll und Erwartungen
Empfohlene Häufigkeit
- 2–3 Mal pro Woche
- Beginnen Sie mit der minimalen Dosis. An den Akupunkturpunkten 4 J (das heißt 10 Sekunden/Punkt), im Gehörgang 20 J (das heißt 50 Sekunden)
- Wenn nach 1–4 Behandlungen keine Reaktion erkennbar ist, steigern Sie schrittweise die Gehörgangs‑Belichtung.
Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?
Wenn die Methode bei Ihnen wirkt, zeigt sich meist nach 5–10 Behandlungen eine erste Wirkung. Bis zu einer deutlichen Besserung kann es jedoch länger dauern – das ist individuell verschieden:
- In manchen Fällen 15–20 Behandlungen
- In anderen Fällen 30–50 Behandlungen
- Manche Erfahrungen berichten von Veränderungen erst nach 1–3 Jahren
Realistische Erwartungen
Seien Sie realistisch mit Ihren Erwartungen:
- Die Methode wirkt nicht bei jedem – die Evidenz ist gemischt
- Tinnitus ist ursachenspezifisch; bei vaskulären Ursachen erscheint die Methode am vielversprechendsten
- Ein vollständiges Verschwinden ist selten – eher ist mit einer Milderung der Symptome zu rechnen
- Da die Methode sicher ist, kann ein Ausprobieren neben anderen Optionen sinnvoll sein
Spezialfall: zervikaler (halsbezogener) Tinnitus
Wenn das Ohrensausen durch Halsprobleme verursacht wird (z. B. Schleudertrauma, Muskelverspannungen, Kieferprobleme), ist eine kombinierte Behandlung sinnvoll:
- Behandlung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr (Mastoid): 4–8 Joule
- Behandlung der Halsmuskulatur
- Massage im Nacken‑Schulter‑Bereich
Ergänzende Methoden
Die Lasertherapie kann allein oder kombiniert mit anderen Methoden angewendet werden. Folgendes ist zu erwägen:
Ginkgo biloba
Einige Fachleute empfehlen die Kombination von Lasertherapie und Ginkgo biloba. Ginkgo kann die Durchblutung unterstützen. Empfohlene Dosis: 200 mg Extrakt täglich.
Vitamin B12
Israelische Studien zeigen, dass viele Tinnitus-Patienten einen niedrigen B12‑Spiegel haben. Bei einem Mangel kann eine Substitution hilfreich sein.
Weißes Rauschen
Tinnitus verursacht oft Schlafstörungen. Weißes Rauschen (z. B. ein leise eingestelltes Radio zwischen zwei Sendern) kann von dem Ohrensausen ablenken und das Einschlafen erleichtern. Das ist eine einfache, leicht auszuprobierende Methode.
Weitere Anwendungen der Lasertherapie
Die Low-Level-Lasertherapie kann viele andere Erkrankungen und Beschwerden unterstützen. Eine Übersicht über alle Einsatzbereiche für den häuslichen Gebrauch finden Sie in unserem Artikel Low-Level-Lasertherapie zu Hause – Behandlung von Erkrankungen.
Wenn Sie die Grundlagen der Lasertherapie noch nicht kennen, beginnen Sie mit unserem Umfassenden Leitfaden zur Low-Level-Lasertherapie.
Zusammenfassung – Schnellüberblick
Worum geht es in diesem Artikel? Um einen umfassenden Leitfaden zur Low-Level-Laserbehandlung von Tinnitus (Ohrensausen) unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Evidenz.
Für wen ist der Artikel? Für alle, die an Tinnitus leiden und sich für alternative Behandlungsoptionen interessieren.
Hauptbotschaft: Die Low-Level-Lasertherapie ist eine sichere Methode, die seit längerem bei Tinnitus untersucht wird. Die wissenschaftliche Evidenz ist derzeit gemischt – einige Studien zeigen Verbesserungen, andere nicht. Bei vaskulär bedingtem Tinnitus erscheint die Methode besonders vielversprechend. Ein Ausprobieren neben anderen Optionen kann sinnvoll sein, aber mit realistischen Erwartungen.
Wesentliche Punkte:
- Vor der Behandlung ist eine ärztliche Diagnose erforderlich
- Zwei Phasen: Akupunkturpunkte + Gehörgang
- 2–3 Mal pro Woche; nach 5–10 Behandlungen erste Veränderungen möglich
- Beide Ohren behandeln
- Eine Kombination mit Ginkgo biloba und Vitamin B12 ist erwägenswert
Empfohlene Geräte
Für die Tinnitusbehandlung geeignete Geräte:
- Personal Laser L400 – 400 mW, ideal für die Ohrbehandlung (Gerät)
- Energy Laser L500 Pro – 500 mW, höhere Leistung (Gerät)
Unser gesamtes Low-Level-Laser‑Angebot →
Quellen
- Chen CH, et al. (2020). Efficacy of Low-Level Laser Therapy for Tinnitus: A Systematic Review with Meta-Analysis and Trial Sequential Analysis. Brain Sci. PMID: 33276501
- Dos Santos GM, et al. (2021). Effects of Low-Level Laser Therapy as a Therapeutic Strategy for Patients With Tinnitus: A Systematic Review. J Speech Lang Hear Res. PMID: 33375822
- Abdali H, et al. (2025). Low-Level Laser Therapy and Photobiomodulation for Tinnitus and Sudden Sensorineural Hearing Loss: A Systematic Review. Cureus. DOI: 10.7759/cureus.96234
- Cheng YF (2022). Efficacy of low-level light therapy for tinnitus: a narrative review. Medical Lasers. Link
- Son Y, et al. (2025). Effects of photobiomodulation on multiple health outcomes: an umbrella review. Systematic Reviews. PMC12326686
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen nur der allgemeinen Information. Die Low-Level-Lasertherapie bei Tinnitus ist experimentell; die wissenschaftliche Evidenz ist derzeit nicht eindeutig. Die Anwendung zu Hause kann die ärztliche Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen. Bei Tinnitus ist zunächst eine ärztliche Abklärung zur Ursachenklärung erforderlich. Vor Beginn einer Behandlung konsultieren Sie einen HNO-Facharzt.