Nervenschmerz (medizinisch: Neuralgie)
Nervenschmerz (medizinisch: Neuralgie) ist ein unangenehmer Zustand, der dein tägliches Leben erheblich beeinträchtigen kann. Du bist mit diesem Problem nicht allein – viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Form Nervenschmerzen. In diesem Artikel findest du wichtige Informationen über Neuralgien, deren verschiedene Erscheinungsformen und vor allem: wirksame Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere solche Methoden, die du auch zu Hause anwenden kannst.
Was ist Nervenschmerz und wie entsteht er?
Nervenschmerz ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein charakteristisches Symptombild, das auftritt, wenn ein sensorischer Nerv unter Druck gerät ("eingeklemmt") oder gereizt wird.
Der Schmerz ist meist sehr intensiv, stechend oder brennend und tritt typischerweise entlang des betroffenen Nervenverlaufs auf.
Es kann hilfreich sein, diesen Artikel zu lesen, um zu verstehen, wo die Schmerzursache liegen kann: Begriff und Bedeutung eines Dermatom.
Der Schmerz ist in der Regel nicht ständig vorhanden – er tritt eher in Anfällen auf, die von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden dauern können.
Für die Entstehung von Nervenschmerzen kommen viele Ursachen in Frage. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Probleme der Wirbelsäule, wie etwa ein (beginnender) Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose
- Verletzungen und Traumata
- Infektiöse Erkrankungen (z. B. Lyme-Borreliose oder Gürtelrose)
- Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes)
- Autoimmunerkrankungen
- Überlastung oder falsche Körperhaltung (z. B. erzwungene Haltung bei stehender oder sitzender Arbeit)
Arten der Neuralgie und typische Beschwerden
Gesichtsneuralgie (Trigeminusneuralgie)
Die Gesichtsneuralgie ist eine der bekanntesten Formen und betrifft den Dreigeteilten Gesichtsnerv (Trigeminus).
Wenn du das erlebst, kommt es meist einseitig im Gesicht zu plötzlich auftretenden, blitzartig einschießenden Schmerzen. Diese Schmerzen können durch alltägliche Tätigkeiten wie Sprechen, Essen oder sogar durch einen leichten Luftzug im Gesicht ausgelöst werden. Zwischen den Anfällen können völlig symptomfreie Phasen liegen.
Hier kannst du ausführlich über Gesichtsneuralgie und ihre Behandlung lesen.
Interkostalneuralgie (Rippenzwischenraum)
Bei der Interkostalneuralgie sind die Nerven betroffen, die zwischen den Rippen verlaufen.
Betroffene berichten typischerweise von stechenden, brennenden Schmerzen im Brustbereich, die gürtelartig um den Rumpf verlaufen können. Der Schmerz kann besonders bei tiefem Einatmen, Husten oder plötzlichen Bewegungen stark sein.
Diese Form wird oft mit anderen Brustkorbproblemen verwechselt (z. B. Angina pectoris), deshalb ist eine sorgfältige Abklärung wichtig, um Herzerkrankungen auszuschließen.
Ischias (Sitzbeinnerv-Neuralgie)
Ischias betrifft den größten Nerv des Körpers, den Ischiasnerv.
Bei diesem Problem beginnt der Schmerz typischerweise in der Lendengegend und zieht über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis hinunter zum Unterschenkel oder sogar zum Fuß. Neben Schmerzen treten oft auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den betroffenen Bereichen auf.
Ischias ist häufig eine Folge eines Bandscheibenvorfalls, kann aber auch durch Krämpfe des Piriformis-Muskels ausgelöst werden.
Möglichkeiten zur Behandlung von Nervenschmerz zu Hause
Bei der Behandlung von Nervenschmerzen ist ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend.
Auch wenn eine fachärztliche Abklärung empfohlen wird, gibt es zahlreiche Methoden, die du zu Hause anwenden kannst, um die Symptome zu lindern.
Ruhe und Entlastung
Der erste und wichtigste Schritt ist die Entlastung des betroffenen Bereichs.
Das bedeutet nicht völlige Bewegungslosigkeit – vielmehr solltest du Bewegungen und Positionen vermeiden, die den Schmerz provozieren.
Bei Ischias kann es z. B. helfen, regelmäßig die Körperhaltung zu verändern und nicht über längere Zeit in derselben Sitzposition zu verharren.
Kälte-Wärme-Therapie
Die Anwendung von Wärme und Kälte zu Hause kann bei Nervenschmerzen sehr wirkungsvoll sein.
So wendest du sie an:
In der akuten Phase (in den ersten 24–48 Stunden) empfiehlt sich eine Kaltkompresse. Lege eine Eisauflage für 15–20 Minuten auf die betroffene Stelle, 3–4 Mal täglich. Das hilft, Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren. Wichtig ist, das Eis nicht direkt auf die Haut zu legen – immer in ein dünnes Handtuch wickeln.
In der chronischen Phase kannst du auf Wärme umsteigen. Eine warme Kompresse oder ein warmes Bad entspannt die Muskeln und verbessert die Durchblutung im betroffenen Bereich. Wende die Wärme ebenfalls 15–20 Minuten an, mehrmals täglich. Besonders effektiv ist Wärme morgens, wenn die Muskeln noch steif sind.
Physiotherapeutische Geräte für zuhause
Es gibt mehrere Geräte, die du zuhause zur Behandlung von Nervenschmerzen einsetzen kannst:
TENS-Gerät: Dabei handelt es sich um ein Gerät zur elektrischen Stimulation, das schwache elektrische Impulse an den betroffenen Bereich sendet. Es kann helfen, Schmerzsignale zu blockieren und die Ausschüttung von Endorphinen anzuregen. Das TENS-Gerät kann täglich 20–30 Minuten angewendet werden.
Hier findest du die Auswahl an TENS-Geräten.
Softlaser-Gerät. Es lindert Beschwerden durch Nervenschmerzen effektiv, da es die Schwellung um die unter Druck stehenden Nervenfasern reduziert und zudem Endorphine freisetzt.
Hier findest du unsere Softlaser-Geräte. Für die Behandlung von Nervenschmerzen sind das Personal-Laser L400 oder das Energy-Laser L500 am besten geeignet.
Massagegeräte: Unterschiedliche Massage-Rollen, Bälle oder Handmassagegeräte können helfen, verspannte Muskeln zu lockern. Besonders nützlich sind Massagekissen oder Faszienrollen.
Muskelstimulationsgerät. Es bietet oft effektivere Behandlung als reine Massagegeräte. Es entspannt aktiv die durch Schmerzen verkrampften und angespannten Muskeln, löst Krämpfe und reduziert Schmerzen.
Hier findest du Muskelstimulationsgeräte. Ich empfehle die Geräte Rehalito, MyoBravo, Elite oder das Modell Premium 400.
Therapeutischer Ultraschall. Ultraschallwellen dringen in das Gewebe ein und wandeln sich in Wärme um, wodurch die behandelte Region erwärmt wird. Das führt zu besserer Durchblutung, Muskelentspannung und Schmerzlinderung.
Hier findest du passende Geräte. Ich empfehle das Gerät M-Sconic 950.
Physiotherapie-Übungen für zu Hause
Heimübungen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung, sollten aber erst begonnen werden, wenn die akute, schmerzhafte Phase überwunden ist.
Dehnübungen helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Bewegungsreichweite zu verbessern. Führe jede Dehnung langsam und kontrolliert durch und überfordere dich nie. Halte die Dehnung, bis du ein angenehmes Ziehen spürst, aber vermeide Schmerz.
Kräftigungsübungen, insbesondere zur Stärkung der Core- (Rumpf-)Muskulatur, sind sehr wichtig, da sie die Wirbelsäule stabilisieren. Beginne mit einfachen Übungen wie der Brücke oder dem Vierfüßlerstand mit entgegengesetztem Arm- und Beinheben.
McKenzie-Übungen können bei Ischias hilfreich sein. Ziel dieser Übungen ist es, die Wirbelsäule in eine günstigere Position zu bringen und den Druck auf die Nerven zu verringern.
Die passenden Physiotherapie-Übungen zeigt dir ein Physiotherapeut oder ein Medical-Fitness-Trainer. Suche einen Fachmann auf und lerne dort, was du tun solltest.
Ergonomische Anpassungen
Die richtige Gestaltung deines Zuhauses und deines Arbeitsplatzes ist entscheidend, um weitere Probleme zu vermeiden:
Bei sitzender Tätigkeit solltest du einen ergonomischen Stuhl verwenden, der deinen unteren Rücken gut stützt. Der Monitor sollte auf Augenhöhe stehen und die Tastatur so positioniert sein, dass dein Ellenbogen einen 90-Grad-Winkel bildet.
Die Matratze deines Bettes sollte mittelhart sein – weder zu weich noch zu hart. Nutze ein passendes Kissen, das die natürliche Krümmung der Halswirbelsäule unterstützt.
Lebensstiländerungen
Lebensstiländerungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Nervenschmerzen:
Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet Wirbelsäule und Gelenke zusätzlich, daher ist es wichtig, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und zu halten.
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Gute Hydration hilft, die Elastizität der Bandscheiben zu erhalten und die Muskelfunktion zu unterstützen.
Regelmäßige Bewegung: Maßvolle, regelmäßige körperliche Aktivität wie Yoga, Schwimmen oder Spaziergänge hilft, Muskelkraft und -flexibilität zu erhalten.
Wann solltest du einen Arzt aufsuchen?
Obwohl hausgemachte Maßnahmen wirksam sein können, gibt es Situationen, in denen auf jeden Fall fachärztliche Hilfe erforderlich ist:
- Wenn die Schmerzen nach einigen Tagen trotz häuslicher Maßnahmen nicht nachlassen
- Wenn die Schmerzen so stark sind, dass sie dich im Alltag einschränken
- Wenn du Taubheitsgefühle oder Schwäche in den Gliedmaßen bemerkst
- Wenn neben den Schmerzen Fieber oder andere allgemeine Symptome auftreten
- Wenn du Probleme mit der Blasen- oder Darmfunktion hast
Vorbeugung von Nervenschmerzen
Vorbeugen ist oft einfacher als behandeln. Mit den folgenden Maßnahmen kannst du das Risiko für die Entstehung von Nervenschmerzen reduzieren:
Regelmäßige Bewegung: Die passende, regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die Muskulatur und verbessert die Körperhaltung.
Richtige Körperhaltung: Achte auf eine korrekte Haltung beim Stehen und Sitzen. Vermeide langes Verharren in ein und derselben Position.
Richtige Hebetechnik: Beim Heben schwerer Gegenstände immer die Knie beugen und den Rücken gerade halten.
Stressbewältigung: Stress kann Muskelverspannungen verstärken und somit das Risiko für Nerven-Einklemmungen erhöhen. Finde geeignete Stressbewältigungsstrategien für dich.
Empfehlung
Nervenschmerzen sind zwar unangenehm, lassen sich mit der richtigen Behandlung und Lebensstiländerungen jedoch gut managen. Das Wichtigste ist, auf die Signale deines Körpers zu hören und anhaltende Schmerzen nicht zu ignorieren.
Hausmittel und häusliche Behandlungsmaßnahmen können wirksam sein, doch sollten die Symptome nicht besser werden oder sich verschlechtern, suche unbedingt einen Facharzt auf.
Regelmäßige Bewegung, korrekte Körperhaltung und ergonomische Maßnahmen können helfen, ein Wiederauftreten zu verhindern.
Denke daran, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und was bei der einen Person wirkt, nicht zwingend bei einer anderen genauso hilft. Sei geduldig mit dir selbst und gib dem Heilungsprozess Zeit. Konsequente Behandlung und Lebensstiländerungen zusammen führen meist zu den besten Ergebnissen bei der Behandlung von Nervenschmerzen.