Die Bedeutung der Rehabilitation – Gespräch mit Hepp Gréta, Sportphysiotherapeutin
In der Artikelserie über Fachkräfte stelle ich nun Hepp Gréta vor, die die junge, weltoffene Generation repräsentiert. Mit ihrem in Italien erworbenen Diplom sowie den dort gesammelten Erfahrungen und Kenntnissen möchte sie sich in Ungarn etablieren. Ihr Lieblingsgebiet ist die Bewegungsrehabilitation von Sportlern: Sie unterstützt dabei, dass man nach verschiedenen Verletzungen und Operationen so schnell wie möglich wiederhergestellt wird und den Zustand vor der Verletzung zurückgewinnt. Sie wendet mehrere Methoden an, unter anderem auch die modernste Muskelstimulation. Ich habe sie zu ihrer Arbeit und ihren Zielen befragt.
Dr. Zátrok Zsolt (ZZs): Was ist deine offizielle Qualifikation? Womit beschäftigst du dich?
Hepp Gréta (HG): Laut meinem italienischen Diplom bin ich offiziell Sportphysiotherapeutin; in Ungarn wird das als Rehabilitationsfachkraft oder als Bewegungstherapeutin anerkannt.
ZZs: Du hast in Italien studiert und auch deine praktische Ausbildung dort absolviert. Ich kenne einige italienische Spezialisten für Sportrehabilitation und würde sagen, die Verhältnisse dort sind anders. Warum bist du zurückgekommen? Was hast du mitgebracht? Was kannst du hier anwenden?
HG: In Italien spielen Prävention und Rehabilitation bei Sportlern eine große Rolle. Teams beschäftigen mehrere Bewegungstherapeuten und Physiotherapeuten, die eng mit den Trainern zusammenarbeiten. Außerdem gibt es dort sportrehabilitative Zentren, in denen nach orthopädischen Eingriffen sofort eine fachgerechte, sichere und zugleich möglichst schnelle Rehabilitation beginnen kann. Für Sportler zählt die Zeit: Je länger sie vom Training ausfallen, desto stärker verschlechtert sich der Zustand der Muskeln.

Hierzulande fehlt in vielen Fällen die frühe Rehabilitation; Sportler erhalten im Krankenhaus vielleicht ein oder zwei Übungsanweisungen. Meist beginnt die Physiotherapie erst nach dem Fädenziehen. Zu mir kommen Sportler oft erst 3–6 Monate später mit Problemen wie unzureichender Muskelkraft, mangelnder Muskelentwicklung, Schmerzen oder der Angst wieder zu laufen. Natürlich kann man auch dann noch helfen, aber es wäre besser, wenn möglichst früh Hilfe in Anspruch genommen würde.
ZZs: Bewegungsrehabilitation betrifft sowohl Amateur- als auch Profisportler, aber nicht nur sie. Welche Art von Unterstützung können Menschen von dir erhalten?
HG: Da Profis von ihrem Sport leben, ist für sie eine qualitativ hochwertige, umfassende und möglichst schnelle Genesung äußerst wichtig. Das lässt sich nur durch aktive Rehabilitation erreichen und keinesfalls durch Bettruhe. Rehabilitiert werden kann und muss man sogar, wenn ein Bein im Gips ist! Dafür sind moderne medizintechnische Geräte da. Man kann beispielsweise das Ausdünnen inaktiver Muskeln und das Verkleben bindegewebiger Strukturen vermindern. Dadurch gewinnen wir später sehr viel Zeit.
Amateursportler stehen zwar nicht unter dem gleichen finanziellen Druck, ihnen entsteht jedoch ebenfalls ein großer "Verlust" durch Ausfallzeiten. Ein Amateur kann nicht so viel Zeit fürs Training aufwenden, seine Entwicklung verläuft langsamer. Verpasst er wegen einer Verletzung Wochen, kann ihm dadurch eine gesamte Saison verloren gehen. Durch Beschleunigung der Genesung lässt sich dieser "Schaden" reduzieren.
Auch für den Durchschnittsmenschen ist es wichtig, wann er wieder arbeitsfähig ist. Wenn die Rehabilitation nicht angemessen ist und man mit Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen an den Arbeitsplatz zurückkehrt, wird man seine Aufgaben nicht erfüllen können. Es ist also für niemanden egal, wie der Heilungsprozess verläuft.
ZZs: Viele Geräte unterstützen die Rehabilitation. Verfügst du über solche? Welches ist dein Favorit und warum?
HG: Ja. In der Bewegungsrehabilitation sind Muskelstimulatoren sehr effektiv einsetzbar; diese verwende ich am häufigsten. Ich habe diese Technik bereits in Italien kennengelernt; wir führten zahlreiche Studien mit dem Gerät bei Kreuzbandverletzten durch. Ich habe sogar selbst das Trainingsprogramm durchlaufen! Vier Jahre zuvor hatte ich eine vordere Kreuzband-OP und war neugierig, ob sich mein operiertes Bein nach so vielen Jahren noch verbessern lässt. Für mich hat es sich sehr bewährt und unsere Forschungsergebnisse waren ebenfalls sehr gut!
Am häufigsten setze ich den Stimulator dann ein, wenn nach einer Operation das betroffene Glied noch nicht bewegt werden kann, die Muskeln aber dennoch Reize brauchen. Häufig nutze ich ihn auch bei aktiven Übungen mit höherer Intensität, wenn die Kraft eines bestimmten Muskels hinter der der anderen zurückbleibt.

ZZs: Viele Sportler leiden unter chronischen Schmerzen und scheinen zu glauben, das sei ein natürlicher Teil intensiven Trainings. Triffst du oft auf solche Fälle?
HG: Natürlich, solche Fälle gibt es sehr viele! Die häufigste Ursache ist eine unangemessene Belastung oder ein schlecht aufgebautes Training. Oft kennen Sportler ihre Grenzen nicht und erhalten kein Feedback zu Dysfunktionen (fehlerhaft ausgeführten Bewegungen). Daraus können später chronische Schmerzen entstehen.
Wer täglich 3–4 Stunden läuft, Rad fährt oder generell trainiert, setzt seine Gelenke und Bänder großen Belastungen aus. Wenn der Körper nicht richtig vorbereitet ist, entstehen häufig Gelenkinstabilitäten oder Überlastungen des Bindegewebes. Sehr typisch sind chronische Schmerzen an Achillessehne, Plantarfaszie sowie im Knie- und Hüftgelenk.
Dies wäre jedoch vermeidbar, wenn der Schwerpunkt stärker auf Prävention läge: Zustandsanalyse, darauf basierende individuelle Trainingspläne, Ausgleich von Defiziten und angemessene Regeneration. Wer zeiteffizient sein möchte, kann auch den Einsatz von Muskelstimulationsgeräten wählen, denn sie machen sowohl Aufwärmen als auch Regeneration effektiver!
ZZs: Was sind die häufigsten Beschwerden, mit denen die Leute zu dir kommen?
HG: Meistens kommen Sportler mit Problemen am Knie und Sprunggelenk zu mir. Häufig sind sie mit chronischen Schmerzen betroffen, aber viele bitten auch um Hilfe, damit sie nach einer Operation so schnell und sicher wie möglich zum Training zurückkehren können. In solchen Fällen sind sportspezifische Übungen unerlässlich! Ich behandle einen Läufer völlig anders als einen Handballer.
ZZs: Was war dein schwierigster Fall?
HG: Schwierige Fälle sind für mich die, die nicht mitarbeiten wollen. Ich hatte schon Sportler, denen aufoktroyiert wurde, dass sie kommen müssen. Leider konnten wir dann nicht vorankommen, weil sie ihre Hausaufgaben nicht machten oder nicht so oft wie nötig. Nach einigen Terminen sah ich dann keinen Sinn mehr in einer weiteren Zusammenarbeit, denn das ist für keine Seite von Vorteil!
ZZs: Worauf bist du stolz?
HG: Am meisten bin ich stolz darauf, dass viele meiner Sportler (vor allem Fußballer, Handballer und Volleyballer) nach der Rehabilitation in ihrer Sportart erfolgreicher geworden sind als zuvor!
ZZs: Wie kann man dich erreichen? Über Facebook: Hepp Gréta unter dem Namen „Pre- und Rehabilitationscoach“.
ZZs: Ich wünsche dir erfolgreiche Rehabilitationsarbeit!
HG: Vielen Dank!