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Lipödem oder Lymphödem? Wie lassen sie sich unterscheiden?

Lipödem oder Lymphödem? Wie lassen sie sich unterscheiden?

Lipödem und Lymphödem werden häufig verwechselt – beide gehen mit Schwellungen, einem Schweregefühl in den Beinen und Hautveränderungen einher. Klinisch handelt es sich jedoch um zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Mechanismen, Behandlungsstrategien und einer unterschiedlichen Auswahl geeigneter Geräte. Betroffene leben oft jahrelang mit einer falsch behandelten Diagnose. Dadurch verkürzt sich die Zeit, in der eine mögliche Verbesserung erreicht werden kann.

Kreislauf
Stoffwechsel
Dr. Zátrok Zsolt
Dr. Zátrok Zsolt

Definition Warum ist die Unterscheidung wichtig?

 

Dieser Artikel soll Ihnen eine praktische Orientierung geben, wie sich die beiden Erkrankungen unterscheiden lassen – anhand sichtbarer Zeichen, klinischer Tests und des Vergleichs der Behandlungsstrategien. Die genaue Diagnose stellt immer ein Facharzt (Lymphologe, Gefäßchirurg). Die folgenden Informationen helfen Ihnen jedoch, sich zu orientieren und gut vorbereitet ein ärztliches Gespräch zu führen.

Kerngedanke Kerngedanke

Das Lipödem ist eine Erkrankung des Fettgewebes – die Behandlung wirkt vor allem auf Gewebemasse und Entzündung. Das Lymphödem ist eine Erkrankung des Flüssigkeitskreislaufs – die Behandlung zielt vor allem auf den Flüssigkeitsabfluss. Beide Erkrankungen können gemeinsam auftreten. Dies wird als Lipo-Lymphödem bezeichnet.

Mechanismus Anatomisch-pathologische Grundlagen – was geschieht im Gewebe?

Die beiden Erkrankungen betreffen unterschiedliche Gewebeschichten und verursachen Schwellungen durch unterschiedliche Mechanismen.

Beim Lipödem lagert sich das Unterhautfettgewebe krankhaft und symmetrisch an. Die Ursache ist komplex: eine polygenetische Veranlagung, hormonelle Faktoren (Östrogenempfindlichkeit) und eine chronische, geringgradige Entzündung. Die vermehrte Fettmasse ist schmerzhaft und empfindlich und neigt leicht zu Blutergüssen. Das Lymphsystem ist zunächst intakt. Erst im Stadium 3–4 wird es durch den mechanischen Gewebedruck sekundär beeinträchtigt.

Beim Lymphödem nimmt die Kapazität des Lymphsystems ab oder es wird blockiert. Die Ursache kann angeboren sein (primäres Lymphödem – seltene Entwicklungsstörung) oder sekundär durch ein äußeres Ereignis entstehen (Operation, Bestrahlung, Verletzung, Infektion, chronische venöse Stauung). Der Transport eiweißreicher Flüssigkeit zwischen den Geweben gerät ins Stocken, verstärkt die lokale Entzündung und führt mit der Zeit zu einer Vernarbung des Bindegewebes (Fibrose). Die Haut bleibt intakt, während das Gewebe allmählich verhärtet.

Wegen dieser beiden grundlegenden Unterschiede ist auch die Behandlung verschieden:

  • Beim Lipödem: Kontrolle des krankhaften Fettgewebes + Verringerung der Entzündung + Stabilisierung der Lebensqualität.
  • Beim Lymphödem: Abfluss der Flüssigkeit + Verlangsamung der Gewebeveränderung + Vorbeugung von Infektionen.

Den ausführlichen klinischen Hintergrund finden Sie in den Leitfäden Lipödem (Fettödem): Symptome und Behandlung und Lymphödem – Formen, Ursachen und Stadien.

Visuelle und symptomatische Unterscheidung

Die folgende ausführliche Tabelle fasst die 8 wichtigsten Unterschiede zusammen, die in der klinischen Praxis verwendet werden. Sie können die Merkmale auch selbst systematisch durchgehen:

Merkmal Lipödem Lymphödem
Verteilung Symmetrisch, beidseitig (Hüfte, Oberschenkel, Wade, Oberarm) Typischerweise einseitig (außer bei angeborenen primären Formen)
Fußrücken / Handrücken Nicht betroffen, bleibt schlank – „Manschettenzeichen“ Üblicherweise betroffen und geschwollen
Stemmer-Zeichen Negativ (Hautfalte lässt sich anheben) Positiv (Hautfalte lässt sich nicht anheben)
Hautempfindlichkeit Empfindlich, neigt leicht zu Blutergüssen Anfangs normal, später gespannt und induriert
Pitting (eindrückbare Schwellung) Keine oder nur minimale Ausprägung Ja, in den frühen Stadien typisch
Schmerzen Typisch, auch bei Druck Anfangs gering, später chronisch
Geschlechterverteilung Fast ausschließlich Frauen Beide Geschlechter (indikationsabhängig)
Typisches auslösendes Ereignis Hormonelle Veränderung (Pubertät, Schwangerschaft, Menopause) Operation, Bestrahlung, Infektion (sekundär); angeboren (primär)

Die wichtigste Aussage der Tabelle: Beide Erkrankungen haben klare klinische Merkmale, die in den meisten Fällen bereits vor einer fachärztlichen Untersuchung eine erste Orientierung geben.

Untersuchung Klinische Tests und Untersuchungen

Für eine genaue Differenzialdiagnose werden vier wesentliche klinische Untersuchungsmethoden eingesetzt. Einige davon können Sie zu Hause durchführen, andere erfordern ein Gespräch mit einem Facharzt.

1. Stemmer-Zeichen (zu Hause durchführbar)

Dies ist der klassische klinische Test zur Diagnose eines Lymphödems. Versuchen Sie, an der Basis des zweiten Zehs mit den Fingern eine Hautfalte anzuheben. Lässt sich die Hautfalte leicht anheben (negatives Stemmer-Zeichen), spricht dies eher für ein Lipödem. Lässt sich die Haut NICHT anheben (positives Stemmer-Zeichen), spricht dies eher für ein Lymphödem. Der Test ist nicht unfehlbar, stellt in der klinischen Praxis jedoch einen wichtigen ersten Hinweis dar.

2. Pitting-Test (zu Hause durchführbar)

Drücken Sie 5–10 Sekunden lang mit den Fingern auf den geschwollenen Bereich und nehmen Sie die Finger anschließend weg. Bleibt eine sichtbare Vertiefung zurück, die sich innerhalb weniger Minuten zurückbildet, ist der Befund pitting-positiv (typisch für ein Lymphödem im Stadium 1). Bleibt keine sichtbare Vertiefung zurück, spricht dies eher für ein Lipödem oder ein fortgeschrittenes Lymphödem (über Stadium 2). Dieser Test weist auf vorhandene Flüssigkeit hin. Beim Lipödem steht vor allem die Gewebemasse im Vordergrund, nicht die Flüssigkeit. Deshalb fehlt das Pitting oder ist nur gering ausgeprägt.

3. Umfangmessung der Gliedmaßen mit Maßband (zu Hause oder beim Facharzt)

Wenn Sie den Umfang einer Gliedmaße wöchentlich an derselben Stelle mit einem Maßband messen, können Sie Veränderungen und deren Richtung erkennen. Beim Lipödem sind beide Seiten ungefähr symmetrisch (beide Oberschenkel haben dieselbe Größe). Beim Lymphödem ist die betroffene Seite, besonders bei sekundärem Lymphödem/BCRL, deutlich größer. Ein Unterschied von mehr als 2 cm ist ein früher Hinweis.

4. Bioimpedanzspektroskopie (BIS) – Untersuchung durch Fachpersonal

Dieses moderne, empfindliche Verfahren misst die Menge der extrazellulären und intrazellulären Flüssigkeit. Zur frühen Erkennung von BCRL (noch vor dem Auftreten von Beschwerden) ist es sehr hilfreich. Es kann in den Praxen klinischer Lymphtherapeuten und Lymphologen verfügbar sein.

5. Lymphszintigraphie und MR-Lymphangiographie – fachklinische Untersuchung

Diese bildgebenden Verfahren werden zur endgültigen Diagnose komplexerer Fälle eingesetzt, zum Beispiel bei einem angeborenen primären Lymphödem oder einem Lipo-Lymphödem. Sie zeigen die Funktion und Anatomie der Lymphgefäße genau. Die Untersuchung wird auf fachklinischer Ebene durchgeführt.

Lipo-Lymphödem – wenn beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen

Ein Lipo-Lymphödem liegt vor, wenn sich bei einem Patienten mit Lipödem im Stadium 3–4 sekundär zusätzlich ein Lymphödem entwickelt. Der typische Verlauf:

  1. Ein Lipödem im Stadium 1 entsteht (glatte Haut, empfindliches Gewebe).
  2. Über Jahre oder Jahrzehnte entwickelt es sich zu Stadium 2–3 weiter (matratzenartige Haut, grobe Welligkeit).
  3. Die vermehrte Gewebemasse drückt die Lymphgefäße und Lymphknoten mechanisch zusammen (komprimiert sie).
  4. Die Kapazität des Lymphsystems nimmt ab, und an der ohnehin vergrößerten Gliedmaße entsteht eine weiche, flüssigkeitsartige Schwellung.
  5. Schließlich treten die klassischen Merkmale von Lipödem (beidseitig, freier Fuß) und Lymphödem (Fußbeteiligung, positives Stemmer-Zeichen) gemeinsam auf.

Die Behandlung des Lipo-Lymphödems kombiniert die Behandlungsstrategien beider Grunderkrankungen. Die Elemente der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) – Kompressionskleidung + manuelle oder apparative Lymphdrainage + Hautpflege + Bewegung – stehen im Vordergrund. Die pneumatische Kompression wird in diesem Fall bei niedrigem Druck (30–40 mmHg) und unter ärztlicher Aufsicht empfohlen. Auch chirurgische Optionen (lipödemorientierte Liposuktion + gegebenenfalls LVA oder VLNT) können erwogen werden. Einzelheiten finden Sie im Leitfaden Lymphrekonstruktive Operation.

Die stadiengerechten Behandlungsstrategien beim Lipödem werden ausführlich im Cluster-Artikel Lipödem-Stadien 1–4 beschrieben.

Was bedeutet die Unterscheidung für die Behandlung?

Die Genauigkeit der Diagnose bestimmt auch die Behandlungsstrategie. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Behandlungselement Lipödem Lymphödem
Ziel Kontrolle der Gewebemasse, Verringerung der Entzündung, Schmerzlinderung Flüssigkeitsabfluss, Verlangsamung der Gewebeveränderung, Vorbeugung von Infektionen
Kompressionskleidung Klasse II (23–32 mmHg) – täglich tragen Klasse II–III (23–46 mmHg) – täglich tragen, individuell angepasst
Druck der pneumatischen Kompression 30–60 mmHg 30–50 mmHg
Bewegung Besonders wichtig – unter Kompression: Schwimmen, Gehen, Radfahren Besonders wichtig – Funktion der Muskelpumpe unter Kompression
Ernährung Entzündungshemmender Ansatz (mediterran, ketogen) Mäßige Natriumzufuhr, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Gewichtskontrolle
Spezielle Behandlung Bei schwerem Verlauf Liposuktion (Fettabsaugung) (Stadium 3–4) Bei schwerem Verlauf Mikrochirurgie (LVA, VLNT)
Manuelle Lymphdrainage (MLD) Sinnvolle Ergänzung Primär – eine der tragenden Säulen der KPE

Geräteauswahl Geräteauswahl nach Indikation

Die Auswahl eines pneumatischen Kompressionsgeräts unterscheidet sich je nach Stadium und Indikation. Der wichtigste Unterschied liegt im Druckbereich:

  • Lipödem Stadium 1–2: 4-Kammer-Heimgerät mit 30–60 mmHg Druck. Power Q-1000 Plus als Einstiegsmodell, Power Q-2200 mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, Power Q-1000 Premium für Fortgeschrittene.
  • Lipödem Stadium 3: Professionelles 6-Kammer-Gerät Power Q-8060 mit einem feineren sequenziellen Muster.
  • Lipödem Stadium 4 / Lipo-Lymphödem: Professionelles Topmodell mit 12 Luftkammern, Power Q-8120, bei niedrigem Druck und unter ärztlicher Aufsicht.
  • Lymphödem Stadium 1–2: 4-Kammer-Heimgerät mit 30–50 mmHg Druck. Q-1000 Plus, Q-2200 oder Q-1000 Premium.
  • Lymphödem Stadium 3: Professionelles Gerät mit 6 oder 12 Luftkammern (Q-8060 oder Q-8120) und einem feineren Muster.
  • BCRL-Prävention (Armschwellung nach Brustkrebs): 4-Kammer-IPC ≤40 mmHg, >2 Wochen. Q-1000 Plus oder Q-2200 sind dafür geeignet.

Die vollständige Auswahl-Logik finden Sie im Leitfaden Lymphmassagegerät – wofür ist es geeignet, wie wählen Sie aus?. Der Multi-Indikations-Hub ist in der Kategorie Lymphmassagegeräte enthalten.

Wann sollten Sie einen Facharzt aufsuchen?

Die genaue Diagnose – ob Lipödem oder Lymphödem – gehört immer in die Hände eines Facharztes (Lymphologe, Gefäßchirurg oder plastischer Chirurg mit Erfahrung in der Lipödembehandlung). In den folgenden Situationen ist eine Beratung besonders wichtig:

  • Anhaltende, ungeklärte Schwellung: Ob symmetrisch (Verdacht auf Lipödem) oder einseitig (Verdacht auf Lymphödem): Eine anhaltende Schwellung sollte fachärztlich abgeklärt werden.
  • Neue Schwellung nach einer onkologischen Operation: Bei einer Arm- oder Beinschwellung nach der Behandlung von Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs oder Prostatakrebs – auch Jahre später – sollten Sie einen Lymphologen aufsuchen.
  • Unklares klinisches Bild: Wenn die Selbstuntersuchung zu Hause (Stemmer-Zeichen, Pitting-Test) kein eindeutiges Ergebnis erbracht hat oder die Symptome nicht eindeutig zu einem der beiden Krankheitsbilder passen.
  • Wiederkehrende Hautinfektionen (Erysipel, Cellulitis): Sie sind typische Komplikationen beider Erkrankungen. Bei wiederholten Episoden ist ein fachärztliches Behandlungsschema erforderlich.
  • Erwägung einer Operation: Bei Lipödem im Stadium 3–4 oder schwerem Lymphödem kann eine Liposuktion oder Mikrochirurgie (LVA, VLNT) erwogen werden. Einzelheiten finden Sie im Leitfaden Lymphrekonstruktive Operation.

Die fachärztliche Sicht aus der klinischen Praxis finden Sie im Interview mit dem Chirurgen Dr. Balázs Mohos.

Forschung Klinische Evidenz zur Behandlung der beiden Krankheitsbilder

Die Evidenzbasis der beiden Erkrankungen hat sich im vergangenen Jahrzehnt unterschiedlich entwickelt. Die folgenden Untersuchungen unterstützen die Entwicklung indikationsspezifischer Behandlungsprotokolle.

Donahue und Kollegen (2023) – Review zur BCRL-Prävention und -Behandlung

Die moderne BCRL-Versorgung basiert auf einem mehrsäuligen Ansatz: Entfernung des Wächterlymphknotens, Früherkennung mit Maßband und Bioimpedanz, komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), pneumatische Kompression und mikrochirurgische Verfahren. Die Übersichtsarbeit fasst die wichtigsten Evidenzgrundlagen für stadiengerechte Behandlungsprotokolle beim Lymphödem zusammen.1

Su und Kollegen (2025) – BCRL-Metaanalyse, 1397 Patienten

Die zusammengefassten Ergebnisse von 14 randomisierten klinischen Studien zeigen: Pneumatische Kompression verringert das Auftreten eines Lymphödems nach Brustkrebs signifikant (RR=0,36; 95% CI 0,22–0,58). Das optimale Protokoll: ≤40 mmHg, >2 Wochen, ≤24 Monate nach dem chirurgischen Eingriff. Dies ist eine lymphödemspezifische Evidenzgrundlage.2

Atan und Bahar-Özdemir (2021) – Lipödem-RCT, überarbeitete Wold-Kriterien

Bei 33 Frauen mit schwerem Lipödem (Stadium 3) führte die Kombination aus komplexer physikalischer Entstauungstherapie (KPE) und Training zur stärksten Verringerung von Gliedmaßenvolumen, Schmerzen und körperlicher Funktion. Auch IPC + Training zeigte gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung. Dies ist eine lipödemspezifische Evidenzgrundlage mit kombinierter Messung von Schmerzen und Volumen.3

Herbst und Kollegen (2025) – APCD-RCT bei Lipödem

Eine 30-tägige Anwendung eines APCD zu Hause verringerte das Beinvolumen sowie die extrazelluläre und intrazelluläre Flüssigkeit signifikant. Auch die Dicke des Unterhautfettgewebes wurde mittels Ultraschall nachgewiesen reduziert. Bei der Lipödem-Population unterstützt diese Untersuchung eindeutig den multimodalen Ansatz. Genau darin unterscheidet sie sich von der Lymphödem-Evidenz: Auch Veränderungen des SAT (subcutaneous adipose tissue) wurden gemessen.4

Die Evidenzbasis der beiden Erkrankungen setzt somit unterschiedliche Schwerpunkte: Beim Lymphödem stehen Flüssigkeitsvolumen und Prävention im Mittelpunkt, beim Lipödem Gewebevolumen, Schmerzen und Lebensqualität. Das erklärt, warum eine genaue Diagnose für die Auswahl des Behandlungsprotokolls erforderlich ist.

Ausführlichere Leitfäden im Cluster

Die Leitfäden zu den beiden Pillars:

  • Lipödem (Fettödem): Symptome und Behandlung – Pillar-Leitfaden
  • Lipödem-Stadien 1–4 – stadiengerechter Leitfaden
  • Kategorie Lipödem-Fettödem – stadiengerechte Produktempfehlung
  • Lymphödem – Formen, Ursachen und Stadien – Pillar-Leitfaden
  • Lymphödem zu Hause behandeln – konservatives Behandlungsprotokoll
  • Lymphdrainage – manuelle und apparative Lymphmassage – physikalische Methoden
  • Lymphrekonstruktive Operation – chirurgische Optionen
  • Bestrahlung und Lymphödem – BCRL-Kontext
  • Lymphmassagegerät – Multi-Indikations-Hub – Geräteauswahl
  • Lymphmassagegerät – wofür ist es geeignet, wie wählen Sie aus? – technischer Leitfaden

Warnung Worauf sollten Sie achten, unabhängig davon, ob ein Lipödem oder Lymphödem vorliegt?

Bei der Behandlung beider Krankheitsbilder zu Hause gibt es einige Situationen, in denen Sie vor der Anwendung unbedingt einen Arzt konsultieren müssen. Dies sind allgemeine Gegenanzeigen der pneumatischen Kompression und der Kompressionskleidung.

Gegenanzeigen

  • Akute tiefe Venenthrombose oder Verdacht darauf – Behandlung nur mit ärztlicher Genehmigung und unter Kontrolle.
  • Schwere Herzinsuffizienz – der verstärkte venöse Rückstrom kann eine Dekompensation auslösen.
  • Aktive Hautinfektion (Erysipel, Cellulitis) – bis zum Abheilen der Infektion nicht empfohlen; nach Abschluss der Antibiotikabehandlung kann die Anwendung wieder aufgenommen werden.
  • Schwere periphere arterielle Erkrankung – individuelle Beurteilung und niedriger Druck sind erforderlich.
  • Unbehandelter Bluthochdruck – nach Stabilisierung und auf ärztliche Empfehlung.
  • Aktive bösartige Erkrankung im behandelten Bereich – ausschließlich mit Zustimmung des Onkologen.

Info Wichtiger Hinweis

Eine genaue Diagnose und ein Behandlungsplan durch den behandelnden Arzt oder Lymphologen sind unerlässlich. Die häusliche IPC und Kompressionskleidung dienen immer nur als Ergänzung der ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlung. Bei neuen Beschwerden, zunehmender Schwellung, Schmerzen oder Hautveränderungen ist eine fachärztliche Beratung erforderlich.

FAQ Häufig gestellte Fragen

Ja. Diese klinische Situation wird als Lipo-Lymphödem bezeichnet und entsteht meist bei einem Lipödem im Stadium 3–4. Die mechanische Kompression durch die vermehrte Gewebemasse verringert die Kapazität des Lymphsystems und führt zu einem sekundären Lymphödem. Die Behandlung kombiniert dann die Protokolle beider Grunderkrankungen und erfolgt häufig unter fachlicher Aufsicht.

Eine erste Einschätzung ist möglich. Das Stemmer-Zeichen und der Pitting-Test zu Hause geben eine gute erste Orientierung. Wenn das Stemmer-Zeichen negativ ist, die Schwellung symmetrisch auftritt und der Fuß frei bleibt, spricht dies eher für ein Lipödem. Wenn das Stemmer-Zeichen positiv ist, die Schwellung einseitig auftritt und auch der Fuß betroffen ist, spricht dies eher für ein Lymphödem. Die genaue klinische Diagnose kann jedoch nur ein Facharzt (Lymphologe, Gefäßchirurg) stellen.

Ja. Die Zentraleinheiten der Power Q-Serie sind für mehrere Indikationen geeignet. Derselbe Kompressor kann bei Lipödem und Lymphödem verwendet werden. Der Unterschied liegt in den Einstellungen: Druck, Behandlungsdauer und Programm. Das indikationsspezifische Protokoll sollten Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt oder Lymphtherapeuten abstimmen. Power Q-1000 Premium und höhere Modelle sind für beide Indikationen geeignet.

Ja. Sie ist Bestandteil der Basisbehandlung beider Erkrankungen. Beim Lipödem ist Kompressionsklasse II (23–32 mmHg) typisch und wird zum täglichen Tragen empfohlen. Die Kompression kann Schmerzen verringern, den venösen Rückstrom verbessern und das Fortschreiten in ein höheres Stadium verlangsamen. Beim Lymphödem ist die Kompressionskleidung noch wichtiger (Klasse II–III), weil sie die mobilisierte Flüssigkeit stabilisiert.

Das Stemmer-Zeichen ist eine klassische klinische Untersuchungsmethode zur Diagnose eines Lymphödems. Versuchen Sie, an der Basis des zweiten Zehs mit den Fingern eine Hautfalte anzuheben. Lässt sich die Haut leicht anheben (negatives Stemmer-Zeichen), liegt wahrscheinlich kein Lymphödem vor oder es befindet sich noch in einem frühen Stadium. Lässt sich die Haut NICHT als Falte anheben (positives Stemmer-Zeichen), ist ein Lymphödem wahrscheinlich. Der Test ist einfach und kann zu Hause durchgeführt werden. Bei einem positiven Ergebnis ist jedoch eine fachärztliche Beratung erforderlich.

Leider keine von beiden vollständig. Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes und kann derzeit nicht vollständig beseitigt werden. Mit einer multimodalen Behandlung lässt es sich jedoch gut kontrollieren. In schweren Fällen kann durch Liposuktion (Fettabsaugung) ein Stadium zurückerreicht werden. Auch das Lymphödem ist eine chronische, lebenslange Erkrankung. Eine komplexe physikalische Entstauungstherapie und moderne mikrochirurgische Verfahren (LVA, VLNT) können jedoch eine deutliche Verbesserung bewirken. Bei beiden Erkrankungen sind frühe Erkennung und konsequente Behandlung entscheidend.

Zusammenfassung Zusammenfassung – Lipödem oder Lymphödem?

Was ist der Hauptunterschied? Das Lipödem ist eine Erkrankung des Fettgewebes (krankhafte Gewebemasse). Das Lymphödem ist eine Erkrankung des Flüssigkeitskreislaufs (gestaute Flüssigkeit zwischen den Geweben).
Wie lässt es sich erkennen? Lipödem: symmetrisch, freier Fuß, empfindliche Haut, negatives Stemmer-Zeichen. Lymphödem: einseitig, Fuß betroffen, positives Stemmer-Zeichen.
Lipo-Lymphödem: Beide Erkrankungen treten gemeinsam auf. Dies entsteht meist bei einem Lipödem im Stadium 3–4, wenn die vermehrte Gewebemasse das Lymphsystem sekundär behindert.
Wichtigste Aussage: Die genaue Diagnose ist der Schlüssel zur Behandlungsstrategie. Die Behandlung beider Erkrankungen überschneidet sich teilweise (Kompression, IPC, Bewegung). Schwerpunkt, Druckbereich und spezielle Elemente (Ernährung versus MLD) unterscheiden sich jedoch.
Nächster Schritt: Lipödem-Stadien 1–4 → oder Formen und Ursachen des Lymphödems →

Quellen

  1. Donahue PMC, MacKenzie A, Filipovic A, Koelmeyer L (2023). Advances in the prevention and treatment of breast cancer-related lymphedema. Breast Cancer Research and Treatment. DOI: 10.1007/s10549-023-06947-7
  2. Su L, Huang H, Tong Y und Kollegen (2025). Intermittent pneumatic compression devices for the prevention and treatment of breast cancer-related lymphedema – a systematic review and meta-analysis. Supportive Care in Cancer. DOI: 10.1007/s00520-025-10159-8
  3. Atan T, Bahar-Özdemir Y (2021). The Effects of Complete Decongestive Therapy or Intermittent Pneumatic Compression Therapy or Exercise Only in the Treatment of Severe Lipedema: A Randomized Controlled Trial. Lymphatic Research and Biology. DOI: 10.1089/lrb.2020.0019
  4. Herbst KL, Zelaya C, Sommerville M, Zimmerman T, McHutchison L (2025). An Advanced Pneumatic Compression Therapy System Improves Leg Volume and Fluid, Adipose Tissue Thickness, Symptoms, and Quality of Life and Reduces Risk of Lymphedema in Women with Lipedema. Life (Basel). DOI: 10.3390/life15050725
Dr. Zátrok Zsolt

Dr. Zátrok Zsolt

Arzt, Medizintechnik-Experte, Blogger

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich der Orientierung. Eine genaue klinische Diagnose (Lipödem, Lymphödem oder Lipo-Lymphödem) erfordert immer die Beratung durch einen Facharzt (Lymphologe, Gefäßchirurg). Pneumatische Kompression, Kompressionskleidung und Lebensstilmaßnahmen dienen als Ergänzung der ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlung und ersetzen diese nicht.

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