Steroidinjektion (Kortisol‑Shot) – was sollte man wissen?
Die Steroidinjektion ist eine verbreitete therapeutische Methode, die helfen kann, Schmerzen und Entzündungen an einer bestimmten Körperstelle zu lindern. Meistens wird sie bei Beschwerden im Gelenk oder in dessen Umgebung angewendet – zum Beispiel am Sprunggelenk, Ellbogen, Hüfte, Knie, an der Schulter, Wirbelsäule oder am Handgelenk.
In Ungarn spricht man meist von „szteroid injekció", während in der angloamerikanischen Medizin der Begriff „Kortisol‑Shot" verwendet wird. Die Injektionslösung enthält üblicherweise ein Medikament aus der Gruppe der Kortikosteroide und ein lokales Betäubungsmittel.
In diesem Leitfaden erfährst du alles Wichtige zur Steroidinjektion: wann sie nützlich sein kann, welche Risiken bestehen und was du vor und nach der Gabe beachten solltest.
Wenn dich das Thema Steroide umfassender interessiert – von Tablettenformen bis zu systemischen Effekten –, lies unsere Übersichtsseite "Szteroid tartalmú gyógyszer – barát vagy ellenség?".
Wofür wird die Steroidinjektion verwendet?
Die lokale Steroidinjektion wird zur Behandlung zahlreicher muskuloskelettaler Probleme eingesetzt:
- Gelenkentzündungen (Arthritis, rheumatoide Arthritis)
- Bursitis (Schleimbeutelentzündung)
- Tendinitis und Sehnenscheidenentzündung
- Schmerz bei Arthrose
- Gichtanfälle
- Fersenspornbedingte Schmerzen
- Wirbelsäulenbedingte Schmerzen (epidurale Injektion)
Die Steroidinjektion ist vor allem eine symptomatische Therapie – sie kann Schmerzen und Entzündung rasch lindern, heilt jedoch nicht die Grunderkrankung.
Wie wirkt sie?
Kortikosteroide hemmen die entzündliche Reaktion des Körpers und eine übermäßige Immunaktivität. Wenn sie direkt in den entzündeten Bereich gespritzt werden, gelangt der Wirkstoff sofort an den Zielort – er muss nicht den Verdauungstrakt passieren, wo er abgebaut würde.
Das oft beigefügte lokale Betäubungsmittel kann sofortige Schmerzlinderung bringen. Die Wirkung des Steroids setzt in der Regel innerhalb von 24–72 Stunden ein und kann Wochen bis Monate anhalten.
Für wen ist sie geeignet, für wen nicht?
Wann kann sie besonders nützlich sein?
Die Steroidinjektion kann wirkungsvoll sein, wenn:
- du dich in einer akuten Entzündungsphase befindest (z. B. bei einem Gichtanfall)
- ein bis zwei Gelenke lokal betroffen sind
- der Schmerz die Rehabilitation oder Physiotherapie einschränkt
- andere Behandlungen (Medikamente, Physiotherapie) allein nicht ausreichen
- du Zeit gewinnen möchtest, bis die Reha wirkt
Wann solltest du KEINE Steroidinjektion erhalten?
Die Steroidinjektion ist kontraindiziert in folgenden Fällen:
- Aktive Infektion an der Einstichstelle oder im Körper
- Gelenkprothese – in ein Kunstgelenk darf nicht injiziert werden
- Bruch im zu behandelnden Bereich
- Einnahme von Blutverdünnern – erhöhtes Blutungsrisiko (informiere vorher deinen Arzt)
- Allergie gegen Kortikosteroide oder das lokale Betäubungsmittel
- Schlecht eingestellte Diabetes – Steroide erhöhen vorübergehend den Blutzucker
Wenn du in den letzten zwei Wochen Fieber hattest, eine Erkältung oder Antibiotikaeinnahme erfolgte, informiere unbedingt deinen Arzt vor der Behandlung.
Bevor du eine Steroidinjektion erhältst
Zur sicheren Durchführung informiere deinen Arzt, falls:
- du Blutverdünner nimmst
- du Diabetes hast
- du Osteoporose hast
- dein Blutdruck hoch ist
- du früher allergisch auf eine Injektion reagiert hast
- du in den letzten Wochen Fieber oder eine Infektionskrankheit hattest
- du schwanger bist oder stillst
Mögliche Risiken der Steroidinjektion
Nach einer einzelnen, gelegentlichen Injektion sind Nebenwirkungen selten. Das Risiko steigt, wenn du häufig und wiederholt in dieselbe Region injiziert wirst.¹
Lokale Nebenwirkungen
- Vorübergehende Schmerzverstärkung (Steroid‑Flare): In den ersten 24–48 Stunden nach der Injektion möglich, klingt meist von selbst ab
- Hautverfärbung: An der Einstichstelle kann die Haut heller werden
- Ausdünnung von Haut und Weichteilen: Kann nach wiederholten Injektionen auftreten
- Infektion: Selten, aber ernst (in etwa 1:10.000–1:50.000 Fällen)²
Gelenkbezogene Risiken
Neuere Studien haben gezeigt, dass wiederholte intraartikuläre Steroidinjektionen langfristig nicht immer vorteilhaft sind:
- Beschleunigter Knorpelverlust: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Steroidinjektionen die Degeneration des Gelenkknorpels beschleunigen können³
- Veränderungen der Knochenstruktur: In seltenen Fällen können subchondrale insuffiziente Frakturen oder Osteonekrose auftreten⁴
- Sehnenschwäche: Bei wiederholten Injektionen nahe Sehnen kann das Risiko für Sehnenrisse steigen
Systemische Effekte
Obwohl lokale Injektionen weniger systemische Nebenwirkungen haben als orale Steroide, können bestimmte Effekte auftreten:
- Vorübergehendes Gesichtsröten und Wärmegefühl
- Anstieg des Blutzuckerspiegels (bei Diabetikern besondere Überwachung erforderlich)
- Vorübergehende Nebennierenrinden‑Suppression nach höheren Dosen
Rote Flaggen – wann sofort den Arzt aufsuchen?
Beobachte nach der Injektion folgende Warnzeichen. Wenn du eines davon bemerkst, kontaktiere unverzüglich deinen Arzt:
- Zunehmende Schmerzen nach 48 Stunden – statt Besserung Verschlechterung
- Stärkeres Anschwellen und Rötung an der Einstichstelle
- Fieber (über 38 °C) nach der Injektion
- Schüttelfrost
- Das Gelenk ist warm und gespannt
- Eiter oder Ausfluss an der Punktionsstelle
Diese Symptome können auf eine Infektion hinweisen, die dringend ärztlich versorgt werden muss.
Was ist nach der Injektion zu tun?
In den ersten 24–48 Stunden:
- Schütze die behandelte Region: Vermeide belastende Aktivitäten
- Bei Schulter: Hebe keine schweren Gegenstände
- Bei Knie: Vermeide langes Stehen, Laufen, Springen
- Bei Schmerzen: Kühle die Stelle, verwende KEIN Wärmekissen
- Nur duschen: Setz dich nicht in ein Bad, gehe nicht in Sauna oder Schwimmbad
- Beobachte die Symptome: Wenn nach 48 Stunden weiterhin Schmerzen, Schwellung oder Rötung bestehen, informiere deinen Arzt
Wie oft kann eine Steroidinjektion wiederholt werden?
Wiederholte Steroidinjektionen können Knorpel und Knochenstruktur schädigen.³ Daher sollte die Anzahl der Behandlungen begrenzt werden:
- Zwischen zwei Injektionen sollten in der Regel mindestens 6–12 Wochen liegen
- In dasselbe Gelenk dürfen in einem Jahr üblicherweise maximal 3–4 Injektionen erfolgen
- Die genaue Häufigkeit hängt vom verwendeten Präparat und der individuellen Situation ab
Wenn du häufig Injektionen benötigst, kann das ein Hinweis darauf sein, eine andere Behandlungsstrategie zu erwägen.
Steroidinjektion oder Physiotherapie?
Mehrere Studien verglichen die Wirksamkeit von Steroidinjektionen und Physiotherapie. Die Ergebnisse sind aufschlussreich:
Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2020 bei Patienten mit Kniearthrose fand, dass zwar beide Behandlungsformen zu Verbesserungen führten, nach einem Jahr die Physiotherapie‑Gruppe besser abschnitt hinsichtlich Schmerz und Funktion als die Patienten, die Steroidinjektionen erhalten hatten.⁵
Bei der Behandlung des Tennisellenbogens zeigte eine Studie: Die Steroidinjektion führte innerhalb von 6 Wochen zu schnellerer Besserung, aber nach einem Jahr war die Rückfallrate höher (54 % vs. 12 %) als in der Placebo‑Gruppe.⁶
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Steroidinjektionen kurzzeitig gut zur Symptombehandlung geeignet sind, langfristig jedoch die Physiotherapie eine wichtige Rolle spielt.
Physiotherapeutische Alternativen für zuhause
Mit modernen Heimtherapie‑Geräten kannst du deine Behandlung ergänzen und ggf. den Steroidbedarf reduzieren:
- TENS zur Schmerzlinderung: Die elektrische Nervenstimulation kann bei der Schmerzlinderung helfen
- Lasertherapie: Studien legen nahe, dass sie entzündungshemmend wirkt und die Geweberegeneration fördern kann
- Magnettherapie (PEMF): Kann die Heilungsprozesse unterstützen
- Mikrostromtherapie (MCR): Kann die Regeneration des Gewebes fördern
Zusammenfassung – Kurzübersicht
Worum geht es in diesem Artikel? Detaillierter Leitfaden zur lokalen Steroid‑(Kortikosteroid‑)Injektion: wann sie angewendet wird, welche Risiken bestehen und was vor und nach der Behandlung zu beachten ist.
Für wen ist er gedacht? Für alle, die eine Steroidinjektion erhalten haben oder darüber nachdenken sowie für Personen mit Gelenk‑, Sehnen‑ oder Schleimbeutelentzündungen.
Hauptbotschaft: Die Steroidinjektion kann ein wirksames Mittel zur kurzfristigen Reduktion von Schmerz und Entzündung sein, heilt aber nicht die Grunderkrankung. Wiederholte Injektionen bergen Risiken, daher sind Begrenzung und die Ergänzung durch Physiotherapie wichtig.
| Aspekt | Steroidinjektion | Physiotherapie |
|---|---|---|
| Wirkungseintritt | Schnell (24–72 Stunden) | Allmählich (Wochen) |
| Kurzfristige Schmerzlinderung | Wirksam | Mäßiger |
| Langfristige Ergebnisse | Schwankend, Rückfälle häufiger | Stabiler |
| Wiederholbarkeit | Begrenzt (jährlich 3–4x) | Dauerhafte Anwendung möglich |
| Gelenkrisiko | Wiederholte Gabe kann schädigen | Keine schädliche Wirkung |
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält die Wirkung einer Steroidinjektion?
Die Wirkung variiert individuell. In der Regel hält sie von einigen Wochen bis zu einigen Monaten an. Das hängt von der Art der behandelten Region, dem verwendeten Präparat und der Schwere der Grunderkrankung ab.
Wie lange wirkt eine Diprophos‑Injektion?
Diprophos (Betamethason) enthält zwei Komponenten: eine schnell freisetzbare (Natriumphosphat), die innerhalb von Stunden wirkt, und eine langsam freisetzbare (Dipropionat), die eine länger anhaltende Wirkung liefert. Der Großteil des Medikaments wird innerhalb von 2–3 Wochen aus dem Körper eliminiert, die symptomatische Besserung kann jedoch länger anhalten.
Ist die Injektion schmerzhaft?
Der Einstich kann unangenehm sein, aber das lokale Betäubungsmittel reduziert in der Regel die Schmerzen. Viele Menschen spüren nur leichten Druck oder ein kurzes Stechen.
Kann ich nach der Injektion selbst Auto fahren?
In der Regel ja, sofern dein Arzt nichts anderes anordnet. Wenn ein Arm oder ein Bein vorübergehend durch das Betäubungsmittel taub ist, warte, bis das Gefühl wieder normal ist.
Weiterführende Artikel
- Szteroid tartalmú gyógyszer – barát vagy ellenség?
- Die Rolle der Physiotherapie in der Heilung
- Bursitis, das heißt Schleimbeutelentzündung
- Hartnäckige Sehnenscheidenentzündung und Behandlungsoptionen
Quellen
- Kompella P, Grogan R. (2023). Local and Systemic Side Effects of Corticosteroid Injections for Musculoskeletal Indications. AJR Am J Roentgenol. PubMed: 38117096
- ASRA et al. (2025). Use and safety of corticosteroid injections in joints and musculoskeletal soft tissue. Reg Anesth Pain Med. PubMed: 40015722
- Zeng C, et al. (2020). Intra-articular corticosteroid injections increase the risk of requiring knee arthroplasty. Bone Joint J. PubMed: 32349592
- Kompel AJ, et al. (2019). Intra-articular Corticosteroid Injections in the Hip and Knee: Perhaps Not as Safe as We Thought? Radiology. PubMed: 31617798
- Deyle GD, et al. (2020). Physical Therapy versus Glucocorticoid Injection for Osteoarthritis of the Knee. N Engl J Med. PubMed: 32268027
- Coombes BK, et al. (2013). Effect of Corticosteroid Injection, Physiotherapy, or Both on Clinical Outcomes in Patients With Unilateral Lateral Epicondylalgia. JAMA. PubMed: 23385272
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen der allgemeinen Information. Die Steroidinjektion ist ein ärztlicher Eingriff, der von Fachpersonal durchgeführt werden sollte. Heimtherapie‑Geräte dienen der Ergänzung medizinischer Behandlungen und ersetzen diese nicht. Bei Beschwerden konsultiere deinen behandelnden Arzt.