Für wen empfehle ich das Gerät?
Eine Schwäche der Schließmuskulatur ist die Ursache: bei körperlicher Belastung (Husten, Lachen, Heben) kommt es zu Tropfenverlust. Die evoStim E‑Programme bei 35–100 Hz zielen auf das Training phasisch innervierter Fasern; das EMG‑Biofeedback zeigt, ob tatsächlich die Beckenbodenmuskulatur kontrahiert. Dies ist die häufigste Inkontinenzform und spricht oft gut auf Muskelfunktraining an.
Hyperaktivität des Blasenmuskels verursacht plötzlichen, kaum unterdrückbaren Harndrang. Die evoStim E‑Programme bei 5–20 Hz zielen auf die Beruhigung des Blasenmuskels und reduzieren unwillkürliche Kontraktionen. Die Impulsbreite lässt sich je nach Patientenempfinden zwischen 250–400 µs einstellen.
Treten Stress‑ und Dranginkontinenz gemeinsam auf, behandelt das evoStim E dies in zwei Phasen: zuerst die Beruhigung der Blase (niedrige Frequenz), danach Muskeltraining (hohe Frequenz). Auch ein individuell zusammengestelltes Programm oder die nacheinander Anwendung beider Programmarttypen ist möglich.
Bei Schwäche des analen Schließmuskels kann evoStim E in Kombination mit einer rektalen Sonde (PeriProbe Analis oder PeriSphera A) ein gezieltes Training der Schließmuskulatur ermöglichen. Auch hier misst das EMG‑Biofeedback präzise die Aktivität des Analschließmuskels.
Während der Geburt können Beckenbodenmuskeln verletzt oder überdehnt werden. Das evoStim E kann bei der gezielten Wiederherstellung der Muskulatur unterstützen – das EMG‑Biofeedback liefert objektive Messungen der Muskelaktivierung und des Fortschritts. Die Behandlung sollte nach einer postpartalen ärztlichen Untersuchung (ca. 6–8 Wochen) begonnen werden.
Die kombinierte Wirkung von EMG‑Biofeedback und ETS
Konventionelle Elektrostimulatoren geben Impulse, messen aber nicht unbedingt, ob die Muskeln tatsächlich reagieren. Der EMG‑Kanal des evoStim E erfasst direkt die elektrische Aktivität der Muskelfasern – so erkennt man in Echtzeit, wenn statt des Beckenbodens Bauchmuskeln angespannt werden.
Die ETS‑Funktion geht darüber hinaus: erreicht das durch willentliche Kontraktion erzeugte EMG‑Signal den eingestellten Schwellenwert, unterstützt das Gerät die Kontraktion durch elektrische Stimulation. Dieses kombinierte Training kann zu konzentrierterer Muskelarbeit führen als jede Methode allein.
Die Wirksamkeit perinealer Elektrostimulation beruht auf einem excitomotorischen Effekt: sie kann den Muskeltonus erhöhen und die lokale Durchblutung verbessern. Studien zeigen, dass Stimulation den Schließdruck der Harnröhre deutlich steigern und die Hyperaktivität der Blase vermindern kann.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Sie spüren ein leichtes Kribbeln und deutliche Muskelkontraktionen. Falls Sie Schmerzen verspüren, reduzieren Sie die Intensität. Die Behandlung darf niemals schmerzhaft sein – falls Schmerzen auftreten, kontrollieren Sie Sondenposition und Parameter.
Nein. Während der Schwangerschaft ist die Anwendung von Elektrostimulationsgeräten kontraindiziert. Nach der postpartalen ärztlichen Kontrolle (ca. 6–8 Wochen) kann die Behandlung begonnen werden.
Beide sind Biofeedback‑Stimulatoren, arbeiten jedoch mit unterschiedlichen Messprinzipien. Das evoStim E verwendet EMG‑Biofeedback (misst die elektrische Aktivität des Muskels), während das evoStim P Druck‑Biofeedback nutzt (misst den vom Muskel erzeugten Druck). EMG‑Biofeedback hat den Vorteil, dass es die nervale Aktivierung direkt erfasst – es ist empfindlicher und zeigt auch feinere Muskelarbeit an.
Ja. Mit einer rektalen Sonde (PeriProbe Analis oder PeriSphera A) können auch Männer behandelt werden – insbesondere zur Therapie von Inkontinenz nach Prostataoperationen. Das EMG‑Biofeedback unterstützt auch das Training des Analschließmuskels.
Mit der Kombination aus EMG‑Biofeedback und Elektrostimulation sind erste Verbesserungen oft nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung spürbar. Die intensive Behandlungsphase dauert in der Regel 8–12 Wochen; danach ist eine Erhaltungstherapie (1–2× pro Woche) empfehlenswert.
Das evoStim E ist mit verschiedenen Sonden kompatibel: vaginale Sonden (PeriSphera‑O, PeriSphera‑U, PeriSphera AT) und rektale Sonden (PeriProbe Analis, PeriSphera A). Die Elektrodenoberflächen sind rauchgoldbeschichtet und daher auch bei Metallallergien einsetzbar. Es kann außerdem mit oberflächlichen (auf die Haut klebenden) Elektroden verwendet werden.
Wie verwenden Sie das evoStim E?
Wählen Sie das Programm
Wählen Sie auf dem Touchscreen die Programmgruppe, die zu Ihrer Inkontinenzform passt (Stress, Drang, gemischt, Schmerz oder Entspannung). Den 5 Schnellwahltasten können Sie jeweils eines der 9 Programme zuordnen.
Schließen Sie Sonde und Kabel an
Das Gerät verfügt über zwei Kanäle: einen EMG‑Eingangskanal und einen Stimulations‑Ausgangskanal. Schließen Sie beide Kabel an die Sonde an. Befeuchten Sie die Sonde mit Wasser oder Gleitgel und führen Sie sie ein.
Stellen Sie Intensität und EMG‑Schwelle ein
Stellen Sie mit dem Drehregler die Stimulationsintensität so ein, dass eine angenehme, aber deutliche Muskelkontraktion spürbar ist. Im ETS‑Modus legen Sie die EMG‑Schwelle fest – diese bestimmt, bei welcher willentlichen Kontraktion die unterstützende Stimulation ausgelöst wird.
Trainieren Sie mit EMG‑Biofeedback
Sie sehen die EMG‑Kurve in Echtzeit auf dem Bildschirm – das zeigt Ihre Muskelaktivität. Im ETS‑Modus gibt das Gerät unterstützende Impulse, sobald Ihre Kontraktion die eingestellte Schwelle erreicht. Spannen Sie die Muskeln nach Signal an – Ihre Eigenleistung und die Stimulation addieren sich.
Verfolgen Sie Ihren Fortschritt
EMG‑Werte sind von Woche zu Woche vergleichbar – eine Zunahme der Muskelaktivität ist objektiv messbar. Tägliche Anwendungen von 20–30 Minuten über mindestens 8–12 Wochen werden empfohlen, danach eine Erhaltungsbehandlung (1–2× pro Woche).
Lieferumfang
Das evoStim E wird mit folgendem Zubehör geliefert:
- 1 Stk. evoStim E Gerät (Touchscreen und Drehregler)
- 1 Stk. Stimulationskabel
- 1 Stk. EMG‑Biofeedback‑Kabel
- 1 Stk. PeriSphera‑O Vaginalelektrode
- 3 Stk. 1,5V AAA Alkalibatterien (LR03)
- 1 Stk. Elemtastenöffner
- 1 Stk. Bedienungsanleitung
Aus hygienischen Gründen sind Sonden für die persönliche Nutzung vorgesehen. Bei mehreren Anwendern benötigt jede Person eine eigene Sonde. Die Elektrodenoberflächen sind rauchgoldbeschichtet, sodass sie auch bei Metallallergien einsetzbar sind. Ersatzsonden und Zubehör (PeriSphera, PeriProbe, Kontaktgel) finden Sie auf unserer Kategorieseite.
Technische Daten
| Kanäle | 1× Stimulation (Ausgang) + 1× EMG‑Biofeedback (Eingang) |
| Wellenform | Zweiphasig symmetrisch, wählbar wechselnd |
| Stimulationsausgang | 1–99 mA (1 mA‑Schritte, bei 1 kΩ Last) |
| Frequenz | 1–150 Hz (28 Stufen) |
| Impulsbreite | 50–400 µs (10 µs Schritte) |
| Sitzungsdauer | 5–90 Minuten (5‑Minuten‑Schritte) |
| Biofeedback‑Typ | EMG (Messung der elektrischen Muskelaktivität) |
| Programmgruppen | 5 (Stress, Drang, gemischt, Schmerz, Entspannung) |
| Programme/Gruppe | 9 vordefinierte + anpassbar |
| Intellistim | Ja – Frequenzfeinabstimmung während der Anwendung |
| Bedienoberfläche | Touchscreen + Drehregler |
| Stromversorgung | 3× 1,5V AAA Alkalibatterien (LR03) |
| Zertifizierung | CE Medizinprodukt (MDR) |
Wann sollten Sie das Gerät NICHT verwenden?
- Herzschrittmacher oder implantierter Defibrillator
- Schwangerschaft
- Aktive Tumorerkrankung im Behandlungsgebiet
- Unbehandelte Epilepsie
- Akute Entzündung oder Infektion im kleinen Becken
- Innerhalb von 3 Monaten nach der Entbindung
Unsicher? Konsultieren Sie vor der Anwendung Ihren behandelnden Arzt!
Wichtige Hinweise
Das evoStim E ist ein CE‑gekennzeichnetes Medizinprodukt (MDR) und wurde zur Ergänzung medizinischer Behandlungen entwickelt. Vor Beginn der Therapie ist eine ärztliche Untersuchung zur Bestimmung der Inkontinenzform erforderlich, da unterschiedliche Formen verschiedene Behandlungsprotokolle erfordern.
Die Elektrostimulation kann eine wirksame Ergänzung zum Beckenbodenmuskeltraining darstellen. Eine umfassende Analyse des Cochrane‑Instituts von 2022 fand hochwertige Evidenz für die Wirksamkeit des Beckenbodenmuskeltrainings (PFMT) bei der Behandlung von Inkontinenz.1
Die auf dieser Seite enthaltenen Informationen dienen nur zu Informationszwecken. Heimtherapie‑Geräte sind als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung gedacht und ersetzen diese nicht. Bei Beschwerden konsultieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt.
Wissenschaftliche Grundlage
Die Wirksamkeit des mit EMG‑Biofeedback kombinierten elektrostimulativen Beckenbodentrainings wird durch hochwertige klinische Evidenz gestützt:
- Todhunter‑Brown A, Hazelton C, Campbell P, et al. (2022). Conservative interventions for treating urinary incontinence in women: an Overview of Cochrane systematic reviews. Cochrane Database Syst Rev. 9(9):CD012337. PubMed
- Ghaderi F, Mohammadi Oskouei A, et al. (2023). Effects of pelvic floor muscle exercise on stress urinary incontinence. Int Urogynecol J. 34(5):1137-1147. PubMed
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