Erkältung („Common Cold") und Salztherapie
Wenn du das Gefühl hast, „da kommt etwas" – ein Kratzen im Hals, laufende Nase, Niesen – weißt du, dass dich die Erkältung erwischt hat. Erwachsene sind im Schnitt 2–4 Mal pro Jahr betroffen, bei Kindern sogar 6–10 Mal. Die Erkältung (common cold) ist die weltweit häufigste Infektionskrankheit – global treten jährlich etwa 17 Milliarden Fälle auf. Die schlechte Nachricht: Es gibt kein spezifisches Medikament dagegen. Die Viren, die eine Erkältung verursachen, werden nicht mit Antibiotika behandelt. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es eine einfache, günstige und wissenschaftlich belegte Methode gibt, die helfen kann, die Erkrankungsdauer zu verkürzen und die Symptome zu lindern: die Salztherapie, insbesondere Nasenspülung und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung. In diesem Leitfaden zeige ich, was neuere Studien sagen und wie du die Anwendung zu Hause durchführen kannst.
Wichtig: Dieser Leitfaden behandelt die akute Erkältung (common cold) – eine virale Infektion, die plötzlich beginnt und in der Regel innerhalb von 7–10 Tagen abklingt. Wenn du unter langanhaltender, wiederkehrender Nasenverstopfung leidest, kann eine Nasennebenhöhlenentzündung vorliegen – dazu findest du Informationen im Leitfaden zu Nasennebenhöhlenentzündung und Salztherapie. Treten deine Symptome saisonal in der Pollensaison auf, empfehle ich den Artikel Heuschnupfen und Salztherapie.
Was ist eine Erkältung (common cold)?
Die Erkältung – medizinisch akute obere Atemwegsinfektion oder akute Rhinopharyngitis – ist eine virale Infektion von Nase, Rachen und Nasennebenhöhlen. Sie wird nicht von einem einzigen Virus verursacht, sondern von mehr als 200 verschiedenen Virusstämmen. Am häufigsten sind Rhinoviren (30–50 % der Fälle), Coronaviren (saisonale, nicht-COVID-Typen, ca. 15 %), Influenzaviren, Parainfluenzaviren, Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) und Adenoviren.
Diese Vielfalt erklärt, warum es keinen „Impfstoff gegen die Erkältung" gibt – es können schlicht zu viele verschiedene Viren verantwortlich sein. Und sie erklärt auch, warum du immer wieder neu erkranken kannst: Die Immunität gegen ein Virus schützt nicht gegen die anderen.
Die Infektion wird durch Tröpfchenübertragung verbreitet: durch Husten, Niesen, beim Sprechen freigesetzte winzige Tröpfchen oder nach Berührung kontaminierter Oberflächen und anschließendem Kontakt von Hand mit Gesicht, insbesondere Nase und Mund.
Die Symptome der Erkältung
Die Symptome einer Erkältung sind charakteristisch und allgemein bekannt. Der Verlauf lässt sich meist in drei Phasen einteilen.
In den ersten 1–2 Tagen (frühe Phase) treten Halskratzen, Niesen und leichtes Unwohlsein auf. Viele sagen dann: „Ich merke, es kommt was".
Am Tag 2–4 (Höhepunkt) sind Nasenverstopfung und Schnupfen am stärksten ausgeprägt. Zunächst ist der Ausfluss dünn und wässrig, wird dann allmählich zähflüssiger und kann gelblich-grün werden (das bedeutet nicht zwangsläufig eine bakterielle Infektion!). Begleitend können Kopfschmerzen, Müdigkeit und leichtes Fieber (vor allem bei Kindern) auftreten.
Am Tag 5–10 (Erholungsphase) klingen die Symptome allmählich ab. Der Husten bleibt oft am längsten, er kann 2–3 Wochen andauern, während sich die Atemwegsschleimhaut regeneriert.
Der typische Verlauf beträgt 7–10 Tage, es gibt jedoch individuelle Unterschiede. Bei Kindern und älteren Menschen ist er häufig länger.
Warum gibt es kein „Heilmittel" gegen die Erkältung?
Ich werde oft gefragt: „Warum können sie nicht schon längst ein Medikament gegen die Erkältung entwickeln?" Die Antwort ist vielschichtig.
Erstens werden Erkältungen von Viren verursacht, nicht von Bakterien. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien – gegen Viren sind sie wirkungslos. Leider verschreiben dennoch viele Ärztinnen und Ärzte Antibiotika bei Erkältungen, was nicht nur unnötig ist, sondern auch zur globalen Antibiotikaresistenz beiträgt.
Zweitens können über 200 verschiedene Viren eine Erkältung verursachen. Ein einzelnes antivirales Medikament kann nicht gegen alle wirken.
Drittens, wenn die Symptome auftreten, hat sich das Virus bereits vermehrt. Das Immunsystem hat seine Abwehrmechanismen bereits gestartet – viele Symptome sind tatsächlich Folgen der Immunantwort, nicht direkt des Virus.
Daher ist die Behandlung der Erkältung primär symptomatisch: Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel, abschwellende Nasentropfen, Ruhe und Flüssigkeitszufuhr. Und hier kommt die Salztherapie ins Spiel, die das Virus zwar nicht "tötet", aber die natürliche Abwehr des Körpers unterstützen und die Krankheitsdauer verkürzen kann.
Wie hilft Salztherapie bei Erkältungen?
Die Salztherapie – insbesondere Nasenspülung und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung – wirkt bei einer Erkältung über mehrere Mechanismen.
Der erste und wichtigste Mechanismus ist die mechanische Reinigung. Die Nasenspülung spült physikalisch Viren, Sekret, entzündliche Mediatoren und abgestorbene Zellen aus Nase und Rachen. Denk daran: Wenn du eine verschmutzte Oberfläche abspülst, wird sie sauberer. Die Nasenspülung macht dasselbe mit der infizierten Schleimhaut.¹
Der zweite Effekt ist die Reduktion der Virusausscheidung. Die ELVIS-Studie von 2019 zeigte, dass Nasenspülung und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung die Virusausscheidung schneller reduzierten (≥0,5 log₁₀/Tag).² Das bedeutet, dass weniger Virus in die Umgebung gelangt und damit die Wahrscheinlichkeit der Weiterverbreitung sinkt.
Der dritte Effekt ist ein zellulärer antiviraler Mechanismus. Forschende der Universität Edinburgh zeigten in Laborversuchen, dass Zellen Chloridionen (aus Kochsalz – NaCl) nutzen, um Hypochlorsäure (HOCl) zu produzieren.³ Hypochlorsäure ist auch der wirksame Bestandteil von Haushaltsbleiche – sie hat bekannte antivirale und antibakterielle Eigenschaften. Die Kochsalzlösung spült also nicht nur die Viren weg, sondern verstärkt auch den natürlichen virusabwehrenden Mechanismus der Zellen!
Der vierte Effekt ist die Reduktion der Schleimhautschwellung. Die hypertonische Kochsalzlösung wirkt osmotisch und „entzogt" Wasser aus der angeschwollenen Schleimhaut, wodurch die Nasenverstopfung abnimmt.
Die ELVIS-Studie: Durchbruch in der Erkältungsforschung
Die 2019 veröffentlichte Edinburgh and Lothians Viral Intervention Study (ELVIS) war die erste randomisierte kontrollierte Studie, die die Wirkung von Nasenspülung und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung bei der gewöhnlichen Erkältung untersuchte.²
An der Studie nahmen 66 Erwachsene teil, die innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Erkältungssymptome eingeschlossen wurden. Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Interventionsgruppe führte Nasenspülungen und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung (2,6 % NaCl) mehrmals täglich durch, die Kontrollgruppe erhielt die übliche Standardbehandlung.
Die Ergebnisse waren überzeugend. Die Krankheitsdauer war in der Salztherapiegruppe um 22 % kürzer: im Mittel 6,8 Tage gegenüber 8,7 Tagen in der Kontrollgruppe. Das entspricht einem Unterschied von 1,9 Tagen (p=0,01). Die Verwendung frei verkäuflicher Medikamente nahm in der Salzgruppe um 36 % ab (p=0,004). Die Weiterverbreitung innerhalb des Haushalts war um 35 % reduziert (p=0,006). Die Virusausscheidung sank in der Salzgruppe schneller (≥0,5 log₁₀/Tag, p=0,04). 93 % der Teilnehmenden empfanden die Salztherapie als hilfreich, und 87 % bewerteten die Behandlung als akzeptabel.
Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig: Die reduzierte Weiterverbreitung im Haushalt bedeutet, dass wenn du früh mit der Salztherapie beginnst, du mit geringerer Wahrscheinlichkeit deine Familienmitglieder ansteckst.
Kinder und Salztherapie
Die 2024 vorgestellte ELVIS Kids-Studie untersuchte die Wirkung hypertonischer Nasentropfen bei 0–6 Jahre alten Kindern mit Erkältung.⁴
In der Studie wurden 407 Kinder randomisiert: 206 Kinder erhielten hypertonische Nasentropfen (3 Tropfen pro Nasenloch, mindestens 4-mal täglich, bis zur Genesung), 205 Kinder erhielten die übliche Behandlung. Von den 407 Kindern entwickelten 301 eine Erkältung während der Beobachtungszeit.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Erkältung in der Salzgruppe durchschnittlich 6 Tage dauerte im Vergleich zu 8 Tagen in der Kontrollgruppe. Das sind 2 Tage Unterschied! Die Forschenden beobachteten außerdem, dass in den Familien der Salzgruppe weniger Angehörige erkrankten.
Der Studienleiter, Professor Steve Cunningham, erklärte den Wirkmechanismus so: „Das aus dem Salz stammende Chlorid wird von den Epithelzellen der oberen Atemwege zur Produktion von mehr Hypochlorsäure verwendet, was die Virusvermehrung hemmt."
Medizinische Übersichtsarbeiten: Was sagt die Evidenz?
Die Cochrane-Systematic-Review von 2015 analysierte 5 randomisierte kontrollierte Studien zur Wirkung von Nasenspülungen bei akuten oberen Atemwegsinfektionen mit insgesamt 749 Teilnehmenden (544 Kinder und 205 Erwachsene).⁵
Die Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass „Kochsalzlösung wahrscheinlich wirksam ist bei der Reduktion der Schwere bestimmter Symptome im Zusammenhang mit akuten oberen Atemwegsinfektionen". In der größeren Studie mit Kindern fand man eine signifikante Verringerung der Nasensekretscores (MD -0,31) und der Nasenverstopfungswerte (MD -0,33). In der Salztherapiegruppe wurde außerdem weniger abschwellende Nasensprays verwendet.
Die Cochrane-Autoren merkten an, dass viele Studien klein waren und methodische Einschränkungen aufwiesen, aber die vorhandenen Belege die Verwendung von Kochsalzlösung als ergänzende Behandlung bei akuter Erkältung unterstützen.
Wie stellt man eine hypertonische Kochsalzlösung zu Hause her?
In der ELVIS-Studie stellten die Teilnehmenden die hypertonische Lösung zu Hause her. Hier das Rezept und die Technik.
Zutaten für die Kochsalzlösung: 1 Liter abgekochtes (dann abgekühltes) oder destilliertes Wasser und 2–3 Esslöffel (ca. 25–30 g) Speisesalz oder Meersalz. Das ergibt etwa eine 2,5–3 %ige hypertonische Lösung. Die Wassertemperatur sollte lauwarm, körperwarm sein (ca. 37 °C).
Wichtig: Verwende niemals Leitungswasser direkt! In Leitungswasser vorhandene Krankheitserreger können Infektionen verursachen. Verwende destilliertes, steriles oder mindestens 5 Minuten abgekochtes (und dann abgekühltes) Wasser.
Technik von Nasenspülung und Gurgeln
In der ELVIS-Studie führten die Teilnehmenden mehrmals täglich Nasenspülung und Gurgeln durch. Hier die Schritte.
Für die Nasenspülung beuge dich über das Waschbecken. Fülle das Spülgerät (Neti-Kännchen, Spülflasche oder Spritze) mit der Kochsalzlösung. Setze die Spitze des Geräts in ein Nasenloch. Lasse die Lösung vorsichtig einfließen – sie durchströmt die Nasenhöhle und läuft aus dem anderen Nasenloch (oder aus dem Mund) wieder heraus. Wiederhole den Vorgang mit dem anderen Nasenloch. Nase sanft ausblasen (nicht zu kräftig!).
Zum Gurgeln nimm einen Schluck Kochsalzlösung in den Mund. Lege den Kopf nach hinten und gurgle 30–60 Sekunden. Spucke die Lösung aus. Wiederhole 2–3 Mal.
Mein Rat: Beginne bei den ersten Anzeichen einer Erkältung – Halskratzen, Niesen – sofort! Je früher du beginnst, desto effektiver ist die Behandlung. In der ELVIS-Studie wurden Personen eingeschlossen, die innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn mit der Therapie begannen.
Wann und wie oft?
Die ELVIS-Studie legt als optimale Häufigkeit 4–6 Mal täglich nahe, mindestens jedoch 3–4 Mal. Beginne die Behandlung mit dem Auftreten der Symptome und setze sie fort, bis es dir besser geht.
Besonders nützliche Zeitpunkte sind nach dem Aufwachen (über Nacht hat sich Sekret angesammelt), vor den Mahlzeiten (freie Nasenatmung verbessert den Appetit), vor dem Schlafengehen (fördert ruhigen Schlaf) sowie nach Niesen oder Naseputzen.
Heimanwendung der Salztherapie mit dem SaltDome-Gerät
Neben Nasenspülung und Gurgeln können auch heimische Salztherapie-Geräte bei Erkältung hilfreich sein.
Das SaltDome-Ultraschall-Salztherapie-Gerät gibt 2–5 µm große Salzkörnchen in die Luft ab. Der Semmelweis-Universität zufolge gelangen Partikel zwischen 0,5–5 µm in die oberen und unteren Atemwege.⁶ Das Gerät sollte im Schlafzimmer aufgestellt und für die Nachtbetrieb eingestellt werden.
Wichtig: Das heimische Gerät ergänzt, aber ersetzt nicht die Nasenspülung! Das beste Ergebnis erzielt man durch Kombination beider Maßnahmen: Die Nasenspülung wäscht aktiv Viren und Sekret heraus, das Salztherapie-Gerät erhält ein günstiges Mikroklima.
Vorteile der Salztherapie gegenüber anderen Behandlungen
Die Salztherapie bietet in mehreren Punkten Vorteile gegenüber traditionellen Erkältungsbehandlungen.
Keine Nebenwirkungen. Abschwellende Nasentropfen (Oxymetazolin, Xylometazolin) sind zwar wirksam, können jedoch bei längerer Anwendung (länger als 3–5 Tage) einen "Rebound-Effekt" (rhinitis medicamentosa) verursachen. Die Kochsalzlösung hingegen kann ohne Nebenwirkungen unbegrenzt angewendet werden.
Sicher für Kinder. Viele frei verkäufliche Erkältungsmedikamente sind für Kinder unter 6 Jahren nicht empfohlen. Kochsalzlösungen können bereits im Säuglingsalter (mit geeigneter Technik) verwendet werden.
Kostengünstig und leicht verfügbar. Kochsalzlösung lässt sich zu Hause herstellen, die Kosten sind minimal.
Reduziert Weiterverbreitung. Die ELVIS-Studie zeigte eine 35%ige Verringerung der Haushaltsübertragung – besonders wichtig für Leben in Familienverbänden.
Verringert den Medikamentenbedarf. In der Salzgruppe wurde 36 % weniger frei verkäufliche Medikamente verwendet.
Prävention: Kann Salztherapie helfen, Erkältungen vorzubeugen?
Die Frage liegt nahe: Wenn Salztherapie die Erkältung verkürzt, kann sie dann auch vorbeugend wirken?
Die Šlapak-Studie von 2008 verfolgte 390 Kinder, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden.⁷ Eine Gruppe führte regelmäßig isotonische Nasenspülungen mit Kochsalz durch, die andere nicht. Die Studie hatte zwei Phasen: eine 3-wöchige Behandlungsphase und eine 9-wöchige Präventionsphase.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Kinder, die Nasenspülungen durchführten, in beiden Phasen signifikant bessere Werte bei Nasensekret, Nasenverstopfung und Medikamenteneinsatz hatten. Langfristige Nasenspülung verringerte die Häufigkeit akuter Rhinosinusitiden und deren Komplikationen.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2020 bestätigte: „Langfristige Nasenspülung mit Kochsalzlösung reduziert das Auftreten von akuten Rhinosinusitiden und deren Komplikationen."⁸
Demnach kann regelmäßige Nasenspülung – besonders in der Erkältungssaison – zur Prävention beitragen.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Nasenspülung und Salztherapie sind allgemein sicher, aber es gibt einige wichtige Hinweise.
Verwende immer geeignetes Wasser! Verwende niemals Leitungswasser direkt zur Nasenspülung. In Leitungswasser vorkommende Krankheitserreger können Infektionen verursachen. Verwende destilliertes, steriles oder mindestens 5 Minuten abgekochtes (und dann abgekühltes) Wasser.
Bei aktiver Nasenblutung keine Nasenspülung durchführen. Warte, bis die Blutung vollständig gestillt ist.
Bei schwerer Nasenscheidewandverkrümmung oder Nasenpolypen konsultiere vor Beginn der Nasenspülung deinen Arzt.
Bei Ohrproblemen (z. B. Tubenfunktionsstörung, Mittelohrentzündung) die Spülung vorsichtig durchführen und danach nicht zu kräftig die Nase ausblasen.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen der Nasenspülung sind meist mild und vorübergehend.
Nasenreizung und Brennen können auftreten, besonders bei hypertonischer Lösung oder beim ersten Mal. Wenn dies störend ist, reduziere die Konzentration.
Niesen nach der Spülung ist eine normale Reaktion – die Nase reagiert auf den Reiz.
Tinnitus oder das Gefühl eines gestauten Ohrs können auftreten, wenn die Lösung in die Ohrtube gelangt. Das lässt sich vermeiden, indem du die Nase nicht zu kräftig ausbläst.
Die Cochrane-Übersicht stellte fest, dass „Kochsalzlösung sicher ist, aber mildere Nebenwirkungen wie Reizung oder Brennen verursachen kann, besonders bei höheren Konzentrationen oder Druck."⁵
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine Erkältung heilt normalerweise innerhalb von 7–10 Tagen aus. Suche jedoch einen Arzt auf, wenn die Symptome länger als 10 Tage anhalten oder sich verschlimmern, hohes Fieber (über 38,5 °C) auftritt und nicht sinkt, starke Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen oder Ohrenschmerzen auftreten, Atemnot oder schwere Luftnot besteht, der Ausfluss blutig ist, du immunsupprimiert bist (Säugling, ältere Person, chronisch krank) oder ungewöhnliche Symptome auftreten.
Diese Anzeichen können auf bakterielle Komplikationen (Sinusitis, Otitis, Bronchitis, Pneumonie) hinweisen, die ärztliche Behandlung erfordern.
Praktische Tipps bei Erkältung
Wenn dich die Erkältung erwischt hat und du mit der Salztherapie beginnst, hier einige praktische Ergänzungen.
Beginne sofort! In der ELVIS-Studie erzielten jene die besten Ergebnisse, die innerhalb von 48 Stunden mit der Behandlung begannen. Je früher du startest, desto kürzer wird die Erkrankung.
Kombiniere! Nasenspülung + Gurgeln + SaltDome zusammen sind wirksamer als jede Maßnahme allein.
Trinke viel! Ausreichende Flüssigkeitszufuhr verdünnt das Sekret und fördert die Ausscheidung von Viren.
Ruh dich aus! Dein Körper benötigt Energie, um die Viren zu bekämpfen. Überanstrenge dich nicht.
Achte auf die Luftfeuchte! Trockene Luft reizt die Schleimhäute. Verwende einen Luftbefeuchter.
Wasche häufig die Hände! Das fördert nicht nur die Genesung, sondern reduziert auch die Weiterverbreitung.
Zusammenfassung – Kurzübersicht
Worum geht es in diesem Artikel? Ein umfassender Leitfaden zur Bedeutung der Salztherapie bei Erkältung (common cold, akute obere Atemwegsinfektion). Er erklärt die wissenschaftliche Grundlage von Nasenspülung und Gurgeln, die bahnbrechenden Ergebnisse der ELVIS-Studie und wie die Anwendung zu Hause aussieht.
Für wen ist der Artikel gedacht? Für Erwachsene und Kinder (Eltern) mit Erkältung, für häufig Erkältete, Familien (die die Übertragung im Haushalt reduzieren möchten) und für alle, die natürliche Behandlungsmöglichkeiten zur Linderung und Vorbeugung suchen.
Kernaussage: Nasenspülung und Gurgeln mit hypertonischer Kochsalzlösung sind wissenschaftlich belegte Methoden zur Verkürzung der Erkältungsdauer und zur Linderung von Symptomen. Die ELVIS-Studie zeigte eine Verkürzung der Erkrankung um 1,9 Tage bei Erwachsenen, die ELVIS Kids-Studie eine Verkürzung um 2 Tage bei Kindern. Die Salztherapie reduzierte die Weiterverbreitung im Haushalt um 35 % und den Medikamentenverbrauch um 36 %. Der Wirkmechanismus beinhaltet eine zelluläre antivirale Wirkung: Aus Chloridionen produzieren Zellen Hypochlorsäure, die die Virusvermehrung hemmt. Salztherapie ersetzt nicht Ruhe und gegebenenfalls ärztliche Versorgung, kann aber ergänzend zu schnellerer Genesung beitragen.
Schlüsselbegriffe und Definitionen:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Erkältung (common cold) | Akute virale obere Atemwegsinfektion |
| URTI | Upper Respiratory Tract Infection – obere Atemwegsinfektion |
| Rhinovirus | Der häufigste Erreger der Erkältung |
| Hypertonische Kochsalzlösung | 2–3 % NaCl-Lösung |
| Isotonische Kochsalzlösung | 0,9 % NaCl-Lösung (physiologisch) |
| ELVIS-Studie | Edinburgh and Lothians Viral Intervention Study |
| Hypochlorsäure (HOCl) | Natürliche antivirale Substanz, die von Zellen produziert wird |
| Virusausscheidung | Die Menge an Virus, die vom Körper abgegeben wird |
Wirkmechanismus bei Erkältung:
Die Salztherapie wirkt bei Erkältung über vier Hauptmechanismen. Erstens mechanische Reinigung: Die Nasenspülung wäscht Viren, Sekret und entzündliche Mediatoren heraus. Zweitens Reduktion der Virusausscheidung: schnellere Abnahme der Virusausscheidung (≥0,5 log₁₀/Tag). Drittens zellulärer antiviraler Effekt: aus Chloridionen produzieren Epithelzellen Hypochlorsäure, die die Virusvermehrung hemmt. Viertens osmotische Verdünnung des Sekrets: die hypertonische Lösung reduziert die Schleimhautschwellung.
Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz:
| Studie | Teilnehmende | Hauptergebnis |
|---|---|---|
| ELVIS 2019² | 66 Erwachsene | 1,9 Tage kürzere Erkrankung, 35 % weniger Weiterverbreitung, 36 % weniger Medikamente |
| ELVIS Kids 2024⁴ | 407 Kinder (0–6 Jahre) | 2 Tage kürzere Erkrankung (6 vs. 8 Tage) |
| Cochrane 2015⁵ | 749 Personen (5 RCT) | Verringerung von Nasensekret und Nasenverstopfung bei Kindern |
| Šlapak 2008⁷ | 390 Kinder | Weniger Medikamenteneinsatz, präventive Wirkung |
| Pädiatrische Metaanalyse 2020⁸ | Mehrere RCT | SNI verbessert rhinologische Symptome |
Evidenzniveau: Mittel-stark. Die ELVIS-Studien sind hochwertige RCTs, die Cochrane-Übersicht fand Belege mit niedriger bis mittlerer Sicherheit, aber die Wirkungsrichtung ist konsistent.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen:
Gegenanzeigen für Nasenspülung: aktive Nasenblutung, schwere Nasenscheidewandverkrümmung (relativ), akute Mittelohrentzündung (Vorsicht). Wichtig: Verwende niemals Leitungswasser direkt – nur destilliertes, steriles oder abgekochtes Wasser! Beginne die Behandlung bei den ersten Symptomen (innerhalb von 48 Stunden am effektivsten).
Häufig gestellte Fragen:
Welche Kochsalzlösung soll ich bei Erkältung verwenden? In der ELVIS-Studie wurde eine 2,5–3 %ige hypertonische Kochsalzlösung verwendet (ca. 25–30 g Salz / 1 Liter Wasser). Diese ist wirksamer als die isotonische Lösung.
Wie oft sollte ich bei Erkältung Nasenspülungen durchführen? 4–6 Mal täglich, mindestens jedoch 3–4 Mal. Je früher du beginnst und je häufiger du spülst, desto besser das Ergebnis.
Ist das bei Kindern sicher? Ja! Die ELVIS Kids-Studie bestätigte die Wirksamkeit und Sicherheit bei 0–6 Jahre alten Kindern. Bei jüngeren Kindern sind Nasentropfen oder Nasenspray oft praktischer als eine Spülung.
Um wieviel Tage verkürzt sich die Erkältung? In der ELVIS-Studie war die Erkrankungsdauer bei Erwachsenen im Mittel 1,9 Tage kürzer, bei Kindern in ELVIS Kids 2 Tage.
Hilft Salztherapie auch zur Vorbeugung? Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige Nasenspülung – besonders in der Erkältungssaison – die Häufigkeit vonInfektionen und Komplikationen reduzieren kann.
Wann soll ich beginnen? Für beste Ergebnisse beginne bei den ersten Anzeichen (Halskratzen, Niesen), idealerweise innerhalb von 48 Stunden.
Detaillierte Leitfäden nach Krankheitsbild
Wenn du an einer bestimmten Krankheit oder einem Zustand interessiert bist, lies unsere detaillierten Leitfäden, in denen wir die Möglichkeiten der Salztherapie wissenschaftlich fundiert erläutern:
- Nasennebenhöhlenentzündung und Salztherapie – Befreie dich von Sinusitis
- Asthma und Salztherapie – Natürliche Atemunterstützung
- Mukoviszidose und Salztherapie – Sekretlösung und Atemunterstützung
- COPD und Salztherapie – Leichteres Atmen, bessere Lebensqualität
- Heuschnupfen und Salztherapie – Linderung allergischer Symptome
- Erholung nach Lungenentzündung – Salztherapie als ergänzende Behandlung
- Schnarchen und Salztherapie – Wie sie bei freier Atmung helfen kann
- Hauterkrankungen und Salztherapie – Ergänzung bei Ekzemen und Psoriasis
Quellen
- Rabago D, Zgierska A. (2009). Saline Nasal Irrigation for Upper Respiratory Conditions. American Family Physician, 80(10):1117-1119. AAFP
- Ramalingam S, et al. (2019). A pilot, open labelled, randomised controlled trial of hypertonic saline nasal irrigation and gargling for the common cold. Scientific Reports, 9:1015. PubMed: 30705369
- Ramalingam S, et al. (2018). Antiviral innate immune response in non-myeloid cells is augmented by chloride ions via an increase in intracellular hypochlorous acid levels. Scientific Reports, 8:13630.
- Ramalingam S, et al. (2024). A randomised controlled trial of hypertonic saline nose drops as a treatment in children with the common cold (ELVIS-Kids trial). Presented at European Respiratory Society Congress, Vienna. ERS Abstract
- King D, et al. (2015). Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews, 4:CD006821. PubMed: 25892369
- Semmelweis Universität, Klinik für HNO-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie. Die Wirkungen der Salztherapie. semmelweis.hu
- Šlapak I, et al. (2008). Efficacy of isotonic nasal wash (seawater) in the treatment and prevention of rhinitis in children. Archives of Otolaryngology–Head & Neck Surgery, 134(1):67-74.
- Chirico G, et al. (2020). Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections in infants and children: A systematic review and meta-analysis. Paediatric Respiratory Reviews, 34:36-42. PubMed: 32312677
- Azevedo Simoes E, et al. (2024). Nasal Irrigation With Saline Solution for Pediatric Acute Upper Respiratory Infections: A Systematic Review. Cureus, 16(12):e75404. PubMed: 39669647
- Szabó K, et al. (2021). Salt Therapy as a Complementary Method for the Treatment of Respiratory Tract Diseases. Alternative Therapies in Health and Medicine. PubMed: 34726628
Die Informationen in diesem Artikel dienen nur der allgemeinen Information. Die Salztherapie ist eine Ergänzung zur symptomatischen Behandlung der Erkältung und ersetzt nicht Ruhe und gegebenenfalls ärztliche Versorgung. Wenn die Symptome länger als 10 Tage anhalten, sich verschlimmern oder hohes Fieber, starke Kopfschmerzen oder Atemnot auftreten, suche ärztlichen Rat. Verwende niemals Leitungswasser direkt zur Nasenspülung – nur destilliertes, steriles oder abgekochtes Wasser.